Dresdner Bausituation

  • man sollte wirklich nicht vergessen, dass viele deutsche damals schlicht verhungert sind. das deutsche siedlungsgebiet wurde über nacht um ein drittel vekleinert und 12 mio zerlumpte vertriebene strömten nach rumpfdeutschland, durch städte mit einem zerstörungsgrad von 50-90%.


    wer damals in einem kellerloch hausen durfte, gehörte zu den glücklicheren. an bauliche ästhetik war nicht zu denken. und dort wo "repräsentatives bauen" zunächst usus war, wie in einigen städten der ostzone, gab man es mitte der 50er jahre auf, weil der wohnungsbau nicht voran kam. ab den frühen 60ern und in den 70ern hätte man aber in westdeutschland sicherlich schöner bauen können. der "zeitgeist" stand dem leider entgegen.

  • Ist teilweise sicher richtig - dagegen spricht allerdings, daß es durchaus auch stark zerstörte Städte wie Würzburg (um die 90 % in der Innenstadt) gab, die recht ansprechend wiederaufgebaut wurden. Oder daß beispielsweise in Bayern (München, Nürnberg, Augsburg) trotz vergleichbaren Zerstörungsgrades wesentlich bessere Ergebnisse erzielt wurden als beispielsweise in Baden-Württemberg.


    Ggf. hätte man die 5 % bis 10 % der Fläche im Zentrum erstmal freihalten können (und um die geht es), bis ein ansprechender Anbau finanziell und organisatorisch möglich gewesen wäre. In den meisten Fällen war der Kahlschlag nach dem Krieg wohl auch ideologisch begründet wie im Falle des Neuen Bauen hier in Stuttgart, wo trotz der Proteste der Bevölkerung bis in die siebziger Jahre hinein gut erhaltene und sogar teilweise 20 Jahre lang wieder genutzte Gebäude dann plötzlich für Parkhäuser, Durchgangsstraßen und die allgegenwärtigen Betonklötze weichen mußten. Beispiele habe in anderen Beiträgen schon gebracht.

  • sicherlich war ideologie ( oder besser schamgefühl) mit im spiel


    ...in bayern hat man sich m.e. stärker an der tradition orientiert, weil man seinen nationalstolz einfach auf das bayerntum übetragen konnte und so ein ungebrocheneres verhältnis zu geschichte & tradition haben "durfte". in meinen augen, hat man in bayern das was mit den nachkriegsmitteln möglich war auch zium großen teil durchgeführt. das ändert aber auch nichts daran, dass städte wie würzburg, nürnberg, augsburg & co. heute nur noch schatten ihrer selbst sind. von den zubetonierten kulturlandschaften drumherum will ich da schon garnicht reden


    der verlust an kulturgütern nach dieser apokalypse war materiell wie ideell unwiederbringlich. wahrscheinlich ging bei vielen menschen auch das gefühl für ästhetik verloren, weil sie sonst diese totale zerstörung kaum ertragen hätten.

  • Das ist kein alleinig deutsches Phänomen. Rotterdam ist in großen Teilen ja auch nicht rekonstruiert worden, obwohl es eine wunderschöne und vor allem wichtige Niederländische Stadt war.

  • Am QF wird noch reichlich ausgebessert. Deshalb schieb ich mal wieder einen kurzen Rundgang ein.


    Da wir das Thema "Leuchtreklame" letztens hatten, hier ein nagelneues Exemplar am Weigelschen Haus:



    Erfreulich: Der zitierte Balkon sieht jetzt ganz passabel aus:



    Und trotzdem Pfusch, soweit das Auge reicht. Besonders die Fugen der gläsernen Geländer sind miserabel verarbeitet:




    Diese merkwürdigen, völlig zweckfreien Rohre waren ein beliebtes Gestaltungsmerkmal der 1990er-Architektur. Der Neubau am "Nürnberger Ei" ist auch mit solchen Dingern "geschmückt".



    Soweit, so gut. Zum Glück besteht Hoffnung, dass die Mängel noch behoben werden. Trotzdem wird die Passage wohl nie zu den schönsten zählen.

  • Quote

    Da wir das Thema "Leuchtreklame" letztens hatten, hier ein nagelneues Exemplar am Weigelschen Haus:


    Ließe sich wohl hier kaum vermeiden. Ansonsten sehr schöner Blick!


    Quote

    Erfreulich: Der zitierte Balkon sieht jetzt ganz passabel aus:


    Ist erheblich besser geworden, aber das eigentliche Gitter schaut in natura aus wie aus einem "Alice im Wunderland"-Film...


    Quote

    Und trotzdem Pfusch, soweit das Auge reicht. Besonders die Fugen der gläsernen Geländer sind miserabel verarbeitet


    Das ist die eigentliche Katastrophe! Wundern tut es mich aber nicht wirklich mehr. Nach den großen Ansagen im Vorhinein, bleibt davon bis auf die schönen Fassaden zum Neumarkt hin, nicht viel über. Gott behüte uns vor einem "Neuen Gewandhaus". Wenn die das genau so bauen wie das QI, dann fällt dieses schon nach fünf Jahren auseinander.


    Quote

    Diese merkwürdigen, völlig zweckfreien Rohre waren ein beliebtes Gestaltungsmerkmal der 1990er-Architektur. Der Neubau am "Nürnberger Ei" ist auch mit solchen Dingern "geschmückt".


    Meine Interpretation: Sieht aus, wie der berüchtigte Mittelfinger, dem Herr Döring allen zeigt, die seine Architektur "nicht verstehen" :schockiert:

    „Dekoration ist der wichtigste Teil der Architektur“ (Sir William Scott)

  • Ist eigentlich dieses Alugeländer im Innenhof des Weigelschen Hauses ein Provisorium? Das Ding sieht aus, als wäre es schnell hingestellt worden, damit die ersten Besucher nicht den hinunter fallen. Leider musste ich am Oktaeder auch Pfusch entdecken (ich habe dabei nicht krampfhaft nach Mängeln gesucht): an einer Ecke wurde nicht richtig verputzt, so dass eine Metallecke sichtbar wurde, die einfach rot überpinselt wurde. Nun ja, aber bei solchen Kleinigkeiten besteht immerhin noch die Hoffnung, dass die schnellstmöglich ausgebessert werden.
    Wirklich schade, dass die Passage so langweilig ist und es teilweise Pfusch am Bau gibt. Dabei sind die Läden wirklich schön eingerichtet und laden auch zum Bummeln ein. Von den Geschäften her, stellt das QF wirklich eine Bereicherung dar.


    Bei fotocommunity ist ein schönes Bild der Altmarktgalerie zu sehen. Man vergleiche diesen Anblick nur mal mit jenem aus Vitruvs letztem Bild.


    http://img-a.fotocommunity.com/ram/new/6843297.jpg



    Edit: erneuter Versuch... http://www.fotocommunity.de/pc/pc/cat/2229/display/6843297


    Ansonsten die Dresden-Kategorie: http://www.fotocommunity.de/pc/pc/cat/2229 (dort: "Super-WW in der Altmarkt-Passage")


    Hmmm, scheinbar muss man seinen Cache löschen, um das Bild richtig anschauen zu können. Ich habe es aber auch bei imageshack gefunden...


    http://img224.imageshack.us/img224/1599/6843297jk9.jpg

  • Quote

    Bei fotocommunity ist ein schönes Bild der Altmarktgalerie zu sehen. Man vergleiche diesen Anblick nur mal mit jenem aus Vitruvs letztem Bild.


    http://img-a.fotocommunity.com/ram/new/6843297.jpg\r
    img-a.fotocommunity.com/ram/new/6843297.jpg


    Bei mir erscheint nur die Meldung: "403 Forbidden"


    Wie kann es sein, dass ein Architekt solche Rohre einplant die jedoch keine Funktion haben? Da könnte man doch gleich richtige Säulen einplanen, die aber gelten als rückwärtsgewand und kitschig.

    Wenn du ein Haus baust, denke an die Stadt (Luigi Snozzi)

  • Es ist wirklich nicht so, dass ich nach Mängeln lange suchen musste. Ich bin bestimmt auch nicht penibel, aber das sticht einfach ins Auge.


    Zu den Rohren: die Mittelfinger-Deutung klingt gut, könnte stimmen :D
    Stephan: du liegst genau richtig. Am Nürnberger Ei wurden solche Röhren tatsächlich als Säulen-Ersatz eingebaut.



    Und ein Herr Döring ist ja modern, da dürfen solche Rohre nicht fehlen.
    Das Geländer im Oktogon ist garantiert Provisorium. Auch die Ladeneinbauten hinter der historischen Fassade gleich dahinter sind ja noch im Bau. Im Oktogon wurde vorhin gerade mit Pinsel und Farbe ausgebessert.


    So, werde jetzt meine erste Eierschecke vom QF-Bäcker probieren...

  • Hotel Stadt Leipzig wird versteigert.


    Wie die Sächsische Zeitung heute schreibt, will der Eigentümer, die Ostsächsische Sparkasse, 875000 Euro für die Ruine des ältesten erhaltenen Dresdner Hotels.
    Wird auch diesmal kein Bieter gefunden, droht der endgültige Verfall des Gebäudes.

  • Quote from "Miwori"

    Hotel Stadt Leipzig wird versteigert.


    Wie die Sächsische Zeitung heute schreibt, will der Eigentümer, die Ostsächsische Sparkasse, 875000 Euro für die Ruine des ältesten erhaltenen Dresdner Hotels.
    Wird auch diesmal kein Bieter gefunden, droht der endgültige Verfall des Gebäudes.


    Ich finde es ehrlich gesagt etwas vermessen was diese Preisvorstellung anbetrifft. Der Rettung des Gebäudes würde es mehr zum Positivem gereichen, wenn man es unter strengen Auflagen für einen symbolischen Euro abgeben würde.

  • Quote from "Kindvon2dresdnern"

    Ich finde es ehrlich gesagt etwas vermessen was diese Preisvorstellung anbetrifft. Der Rettung des Gebäudes würde es mehr zum Positivem gereichen, wenn man es unter strengen Auflagen für einen symbolischen Euro abgeben würde.


    Ganz meine Meinung!


    Die Mängel am QF verschärfen sich. Die Holzgeländer drohen mittlerweile auseinanderzufallen. Fotos erspare ich euch lieber.

  • Quote

    Mängel am QF verschärfen sich. Die Holzgeländer drohen mittlerweile auseinanderzufallen. Fotos erspare ich euch lieber.


    Hurra!Das ist vielleicht schon der Anfang, wenn die Neumarktseite nur stehen
    bleibt... :daumenobengruen:

  • Quote from "Vitruv"

    Die Mängel am QF verschärfen sich. Die Holzgeländer drohen mittlerweile auseinanderzufallen. Fotos erspare ich euch lieber.


    Wo gibts denn am QF Holzgeländer? Als Provisorium noch irgendwo?

  • Quote

    Vitruv hat Folgendes geschrieben:
    Die Mängel am QF verschärfen sich. Die Holzgeländer drohen mittlerweile auseinanderzufallen. Fotos erspare ich euch lieber.


    Wo gibts denn am QF Holzgeländer? Als Provisorium noch irgendwo?


    Ich glaube es sind die Handläufe gemeint!?

    „Dekoration ist der wichtigste Teil der Architektur“ (Sir William Scott)


  • Quelle: http://www.sz-online.de/nachrichten/artikel.asp?id=1294354\r
    http://www.sz-online.de/nachrichten/art ... id=1294354

  • Also in der Immobilienzeitung fidet sich ein kurzer bericht über die eröffnung des Prisc-Quartiers:


    Quote

    Das Quartier Frauenkirche ist eingeweiht



    Nach dem Hotel de Saxe ist ein zweites Quartier am Dresdner Neumarkt fertig gestellt. In dem aus neun Einzelhäusern bestehenden Ensemble gegenüber der Frauenkirche entstanden Geschäfte, Restaurants, Büros und Wohnungen. Gegen Jahresende soll dort außerdem ein Fünf-Sterne-Hotel mit 96 Zimmern eröffnet werden. Ursprünglich waren in der neuen Herberge, die den Namen QF Hotel Dresden tragen soll, nur 68 Zimmer vorgesehen, doch da sich einige Flächen nicht so gut vermarkten ließen wie erhofft, änderte die Investorengruppe kurzerhand die Planungen. Das Projekt Quartier Frauenkirche (QF) ist ein gemeinsames Vorhaben von Kondor Wessels, Berlin, dem Münchner Tuchhändler Arturo Prisco und dem ebenfalls aus München stammenden Architekten Kai von Döring. Etwa 67 Mio. Euro investierten sie in das Quartier Frauenkirche. Prisco und von Döring werden das Hotel in Eigenregie betreiben.


    Quelle: http://www.immobilien-zeitung.de">http://www.immobilien-zeitung.de


    Da hat sich der eine oder andere Interessent offenbar von den vielen Baumängeln abschrecken lassen... . Die beiden haben voher schon ziemlich groß daher geredet. Naja, wer den Schaden hat, bracht für den Spott nicht zu sorgen.

    „Dekoration ist der wichtigste Teil der Architektur“ (Sir William Scott)

  • Wenn die ursprüngliche Planung nicht gehalten werden konnte, die Bauausführung offensichtlich Mängel aufweist und die Vermarktung schleppend verlief, verstehe ich nicht, warum sich die Herren Prisco und Döring um das Gewandhaus so bemühen.

  • Wenn die ursprüngliche Planung nicht gehalten werden konnte, die Bauausführung offensichtlich Mängel aufweist und die Vermarktung schleppend verlief, verstehe ich nicht, warum sich die Herren Prisco und Döring um das Gewandhaus so bemühen.

  • Quote

    Wenn die ursprüngliche Planung nicht gehalten werden konnte, die Bauausführung offensichtlich Mängel aufweist und die Vermarktung schleppend verlief, verstehe ich nicht, warum sich die Herren Prisco und Döring um das Gewandhaus so bemühen.


    Weil hier in Zusammenarbeit mit Condor Wessels richtig "Kohle" gemacht werden kann. Je billiger die bauen, desto mehr Rendite schlagen die heraus.


    Nebenbei die Firmenphilosophie von Condor Wessels:


    Quote

    Unsere PhilosophieBauen beginnt im Kopf - Bei Kondor Wessels beschäftigen wir unternehmerisch denkende Menschen aus allen Disziplinen des Bauens. Wir sind stolz auf eine umfassende "Inhouse-Kompetenz", die das Ergebnis unseres Netzes von selbständigen regionalen Unternehmen und eines umfassenden Qualitätsmanagement ist.


    Die Planungsteams von Kondor Wessels verstehen sich als kreative Querdenker. Die frühe Integration unseres Know-hows von Planen und Bauen in der Wertschöpfungskette sorgt für höchste Effizienz in der Umsetzung von Bauprojekten. Die Bauausführung ist geprägt von handwerklichem Können und moderner Bautechnik. Als moderner Baudienstleister pflegen wir eine Service-Philosophie, die über das klassische Auftraggeber-Auftragnehmer-Verhältnis weit hinausgeht.


    Unsere Aktivitäten und Kompetenzen erstrecken sich vom Infrastrukturbau über den Bau von öffentlichen Einrichtungen bis hin zum Industriebau, der Projektentwicklung und Erstellung kompletter Wohnsiedlungen. Die der Unternehmensgruppe zugehörigen Planer, Vermesser und Zuliefererbetriebe sind Bestandteil und Garant der Firmenphilosophie und gewährleisten Termintreue und hohe Qualität.


    Quelle:


    http://www.kondorwessels-berli…n=unternehmen_philosophie


    Wie gesagt, Marketing ist alles und nur Profis fallen darauf nicht hinein. Wo sich die Dresdner Stadtentwicklungsverantwortlichen hinzuzuzählen haben... . Aus Fehlern wird man im Allgemeinen klug. Wer den selben Fehler zweimal macht ist dumm.

    „Dekoration ist der wichtigste Teil der Architektur“ (Sir William Scott)