Dresdner Bausituation

  • Das Quartier an der Frauenkirche besticht durch Materialien in der Tradition der WBS 70 Plattenbauten. Alles wirkt schlecht verarbeitet.


    Am häßlichsten ist das Glasdach, durch dessen schmutzige Scheiben man hoch zur Frauenkirche sehen kann. Der Fußboden erinnert irgendwie an einen Schweinestall und lässt den Wunsch aufkommen, ihn nicht länger zu betreten.


    Es gibt auch Läden mit Atmosphäre, zum Beispiel den Weihnachtsladen. Getrübt werden könnte die Atmosphäre durch recht internationale Preise, und das in dieser Aldi-Ramsch-Umgebung.


    Ernüchternd ist auch beim Verlassen die Raumgestaltung. Man spürt richtig massiv, dass Hohlräume aus Brandschutzgründen und ähnlichem so gebaut wurden. Durch die billigen Materialien entsteht ein Gefühl der Gefangenschaft im Verlies bis man endlich wieder nach oben durch das häßliche Glasdach raus darf.


    Also von innen sieht es sehr bescheiden aus, von außen gut.

  • Um auch mal was Positives zu sagen:
    Die Zusammenstellung der Geschäfte gefällt mir sehr gut.
    Man merkt zwar, daß sie auf den 2-Stunden-Bustouristen optimiert ist, der irgendwo abgeworfen wird, seine Runde dreht und dann für sich oder seine Lieben ein Mitbringel erwerben will.
    Aber das finde ich OK.

  • Besonders sympathisch ist mir der Gummibärchen-Laden. Dort habe ich meinen ersten QF-Einkauf getätigt. Einkaufstechnisch ist die Passage allemal ein Gewinn, sonst hätte ich ganz bis zur Altmarktgalerie laufen müssen. Und so ein originelles Geschäft gibt es dort nicht.
    Wenns auch von innen unterer Durchschnitt ist, von außen kann sich das Quatier sehen lassen.

  • Lang kanns nicht mehr dauern, dann können wir die Fassade der Rampischen Str. 3 bewundern. Es fehlt wohl nur noch der Anstrich:


  • Das will ich auch ganz stark hoffen! Nächsten Freitag fahre ich endlich wieder hin und hatte eigentlich gehofft, daß bis dahin alle Fassaden ausgepackt sind. Das kann ich mir wohl abschminken. :(

    "Willst du eine Stadt vernichten, baue Kisten, Kisten, Kisten!"

  • Armin


    Du kommst nur um Tage zu "früh" - Meldung aus der DNN vom 1. Oktober:


    Quote

    Der Bedeutung seines Grundstücks ist sich Uwe Gabler, Chef der V.V.K. zu Dresden Unternehmensgruppe, bewusst. "Wir liefern Qualität, außen wie innen." Im Advent soll Eröffnung gefeiert werden "mit einem kleinen Weihnachtsszenario auf dem Platz davor", wie Gabler es nennt. Das ist später als geplant. Dafür aber wird bis dahin alles perfekt sein, verspricht der Investor. "Ich übergebe keine Baustelle." Die Gerüste an der Rampischen Straße sollen im Oktober fallen und die volle Sicht auf barocke Schönheit freigeben…..
    Das 28-Millionen-Objekt sei zu 100 Prozent finanziell gesichert. Allein 1,3 Millionen Euro stecke er in die barocken Fassaden. Für diese konnten zwei vergleichsweise winzige Originalteile verwendet werden: Der Engelskopf am Eckerker ist bereits zurückgekehrt. Er hatte in der Neustadt an einem Woba-Gebäude überlebt. Der Schlussstein mit dem Schwan wird derzeit restauriert.


    Der ganze Artikel:
    http://www.dnn.de/dnn-heute/66053.html

  • Das 28-Millionen-Objekt sei zu 100 Prozent finanziell gesichert. Allein 1,3 Millionen Euro stecke er in die barocken Fassaden.



    der relativ geringe kostenanteil bei einem fast komplett
    traditionell gestalteten quartier, sollte einmal mehr hinterfrage,
    ob rekonstruktionen und traditionelle neubauten tatsächlich
    teuerer sind. ich konnte diesen aspekt beim senftgebäude in rosen-
    heim bereits widerlegen.

  • BautzenFan


    Vieleicht klappt es ja doch noch wenigstens mit der "3". Ist ja noch 10 Tage hin :zwinkern: .

    "Willst du eine Stadt vernichten, baue Kisten, Kisten, Kisten!"

  • Quote from "Stefan"

    ich konnte diesen aspekt beim senftgebäude in rosen-
    heim bereits widerlegen.


    Gehört zwar nicht hierher, aber war das dieser Gründerzeitler, der erst komplett abgerissen und dann komplett rekonstruiert wurde?

  • @schlossgespenst


    was gehört hier nicht her? der vergleich? wenn ja, warum nicht?


    das senftgebäude?
    ein gründerzeitleiter entstuckt, nicht denkmalgeschützt, verbaut
    und zum abbruch freiggeben...es hätte ohne weiteres ein glas-
    betonbunker stattdessen entstehen können. keine bausatzung,
    allein der bürgerwille, der durch den beschluss des stadtrates
    zum ausdruck kam, konnte für dieses gebäude im jahre 1999
    eine rekonstruktion erwirken. ein ganz außergewöhnlicher vorgang
    bei dem die volksvertreter einmal ihre rolle ernst genommen
    haben. die reko kam und überzeugt. selbst der investor wollte natürlich
    nie etwas anderes und...ja, die haltlose argumentation der vermeint-
    lich unverhältnismäßig höheren baukosten gegenüber einem glas-
    beton-bunker konnten entkräftet werden.

  • Ich wollte bei meiner Nachfrage nur den üblichen Anglizismus "off topic" vermeiden. Gibt es zu dieser Rosenheimer Geschichte schon einen Forumsfaden?


    Im übrigen glaube ich, daß das Argument mit den Mehrkosten für eine historische Fassade fast immer nur vorgeschoben wird. Daran scheitert es nicht in Wirklichkeit - sondern entweder an der Einstellung von Investoren wie Prisco oder von Architekten wie Döring und Wörner oder von Politikern wie Feßenmayr - oder im schlimmsten Fall an allem zusammen.

  • @ Schlossgespenst.


    Ganz richtig!!! Deswegen werden schöne Reko's auch so selten ausgeführt, obwohl die mehrzahl der Menschen sie, bei Nachfragen, bevorzügen!!! Die Mehrzahl der Bürger in Dresden möchten heute lieber dan Morgen die ganze ehemalige historische Innenstadt zurückhaben, inklusief der Postplatz, Sophienkirche, Ring, Pragerstrasse und vielleicht soger noch die ehemalige gründerzeitliche Auusenviertel annschliessend an der Altstadt!!! Das zusammen war früher die ungeheuere Anziehungskraft von manche historische Deutsche Grosstadt (Berlin, Dresden, Frankfurt, Köln, Leipzig, Hamburg, Breslau, Magdeburg).
    Heute ist das alles kaputt!!!


    Wer möchtet nicht geniessen von schöne prächtige Altbau flanier strassen?
    Deswegen sind Madrid, Paris, Barcelona, Cannes, Brussels, Amsterdam, London auch so wahnsinnig popuär.
    In Deutschland hat nach dem Krieg ein Tabula Rasa Wind durch das ganze geweht: alles alte platt und saubere sächliche offene aalglatte Neubau her!! Schnell und leicht Profit machen heisst es noch immer obwohl die Rekonstruktion von historische Fassaden nicht so teuer ausfält wie immer behauptet wird). Es braucht aber mehr Aufwand sie zu entwerfen und entwickel. Ein glatte Kasten ist immer schneller gezeichnet und gebaut!!!


    Was es so schwierig macht ist das Investoren UND Architekten UND Politiker sich allen zusammen für Reko's, historische Fassaden oder historisierende Fassaden aussprechen müssen (da auch mehr Wert legen).
    Kann nur wenn das Publikum immer wieder angibt mehr historisches so wollen (und zwar massenhaft!!) und/ oder Investoren bemerken das mehr
    Geld zu verdienen ist mit historische und gemütliche Fassaden in Strassen und Plätze dann mit Grossbunker.


    Was dann noch schief geht kann man selber sehen mit den "Townhäuser" in Berlin. Nein, da möchte ich nicht wirklich gemütlich bummeln.
    Gehe dann doch lieber zu Amsterdam, Brussels, Paris oder London.
    Diese Städte haben die richtige historische Grosstadt Atmosphere die immer wieder beeindruckt!!!

  • @Rob
    Naja, so schön und gut erhalten ist London und Brussel auch nicht...eigentlich finde die Beiden nicht wirklich schöner als Berlin oder Munchen...


    Dazu ist Berlin die drittmeist besuchte Grosstadt in Europa, nach London und Paris...da sehe ich nicht in dein Logik ein. Dazu ist Paris und London viel grösser als Berlin....


    Also manchmal finde ich wie du meckerst uber Deutschland und deutsche Stadte ein bisschen schwer zu nachvollziehen........warum eigentlich?

  • Bei der Gelegenheit fällt mir ein, daß ich schon lange mal meine Brüssel-Fotos hochladen wollte... Brüssel wurde halt glücklicherweise durch die Kriege nur minimal beschädigt, sieht aber für eine an sich vollständig erhaltene Stadt in weiten Teilen eher bescheiden aus, da die Abrißbirne recht großzügig geschwungen wird und die Neubauten meist absolut gruselig sind. Zudem läßt man vielerorts die alten Bauten einfach verfallen... Bilder folgen.

  • @ Johann: bitte verzeihen Sie mich. IMeckern ist meine Schwache!!


    Das kommt weil ich das Bild der Deutsche Grosstädte vor dem Krieg zu faszinierend finde. Besonders wenn das um Dresden, Berlin, Hamburg, Magdeburg, Kassel oder Aachen handelt (meine 6 Favouriten).
    Gerade diese 6 Städten mit ihren ungeheuere dichte an romantische und sehr kunstreiche Fassaden, Giebel und Dächer; dieses Bild ist verschwunden.
    Und ich beschuldige die Deutschen dass sie versäumt haben diese einmalig schöne aber doch auch sehr ordentliche Städte wieder in die alte Schönheit zu rekonstruieren. Das war durchschnittlich möglich gewesen, wenigsten für grossen Teilen. Wohnhäuser sind relativ leicht zu reparieren, keine unmögliche Aufgabe. Aber nein, die meiste Wohnhäuser wurden verstümelt, einfach abgebrochen (Verkehr) oder unerkennbar verändert.
    Bin vielleicht zu spät geboren, die zwanziger und dreissiger Jahren waren die "Goldene" Jahren Deutschlands !!!

  • Quote

    Und ich beschuldige die Deutschen dass sie versäumt haben diese einmalig schöne aber doch auch sehr ordentliche Städte wieder in die alte Schönheit zu rekonstruieren. Das war durchschnittlich möglich gewesen, wenigsten für grossen Teilen.


    @ uaoj36
    Du hast vollkommen recht - leider. Schaut euch mal die Ostseite der Schlossstraße an, Stand 1946:


  • Quote from "Johan"

    @Rob
    Naja, so schön und gut erhalten ist London und Brussel auch nicht...eigentlich finde die Beiden nicht wirklich schöner als Berlin oder Munchen...


    Sorry aber in Sachen Schönheit kann Berlin überhaupt nicht mit London und Brüssel mithalten.
    Das ändert natürlich nichts daran, dass Berlin in meinen Augen die "coolste" Stadt in Europa ist!

  • Quote from "uaoj36"

    Und ich beschuldige die Deutschen dass sie versäumt haben diese einmalig schöne aber doch auch sehr ordentliche Städte wieder in die alte Schönheit zu rekonstruieren. Das war durchschnittlich möglich gewesen, wenigsten für grossen Teilen. Wohnhäuser sind relativ leicht zu reparieren, keine unmögliche Aufgabe. Aber nein, die meiste Wohnhäuser wurden verstümelt, einfach abgebrochen (Verkehr) oder unerkennbar verändert.
    Bin vielleicht zu spät geboren, die zwanziger und dreissiger Jahren waren die "Goldene" Jahren Deutschlands !!!


    Ich geb dir da schon recht allerdings hatten die meisten Menschen in der Nachkriegszeit andere Sorgen...