Dresdner Bausituation

  • Harmonica

    vielen dank für die darstellung der modernistischen
    lochfassaden in betonweise, die man so gerne
    vergessen mag, wenn man die zum neumarkt hin
    wachsenden rekos nur hat.

    vorne hui - hinten pfui - herr prisco.

    aber es wird einem zukünftigen besitzer sicher
    auffallen und gelingen, diese angrenzenden,
    nichts zum ensemble beitragenden fassaden
    zu überabeiten und durch ausreichende, gemauerte
    brüstungen, traditionelle fenstergestaltung, einer reko
    des erkers in der töpfergasse sowie einer tw. notwendigen
    dachumgestaltung auch diesen abschnitten einen anspruch
    und ausdruck zu verleihen, wie er für das ensemble am
    neumarkt gestalterisch notwendig und nur logisch ist.

    landhausstrasse 4 (ohne rocailles)
    und ein ausschnitt der fassade des hotel de saxe
    zeigen, in welche richtung schlichte füllbauten am
    neumarkt zu gehen haben, damit man von einem
    gelungenen zusammenspiel der frauenkirchen und
    ihrem umfeld sprechen kann.
    nur werden selbst diese hervorragende beispiele ja
    wiederum durch modernistische nachbarhäuser entwertet,
    wie man bereits augenscheinlich sehen kann.
    erst mit einer nochmaligen umgestaltung aller
    modernistischen gebäude und selbst ohne eine komplettreko,
    wird man am neumarkt wieder von einem gestalterisch
    gelungenem stadtraum sprechen können.

    vorerst leider nicht.

  • Stefan

    Quote

    wird man am neumarkt wieder von einem gestalterisch
    gelungenem stadtraum sprechen können.

    Nun, vielleicht solltest du sagen, "werde ich von einem gestalterisch gelungenen stadtraum sprechen können."

    Deinen Beiträgen wohnt regelmäßig ein impliziter Objektivitäts-Anspruch drin, aber auch Du vertritts doch letzten Endes nur Deine Meinung, oder?

  • Die angebliche "Entwertung" der nach historischem Vorbild aufgebauten Häuser durch ihre "modernistischen" Nachbarn ist Deine These, mehr nicht, und ein gestalterisches Misslingen nicht beweisbar (wenngleich es auch offenkundig sein mag). Geschmack ist nicht objektivierbar!

    Ich glaube, wir sind in unserem ästhetischen Empfinden durchaus nicht weit voneinander entfernt, aber ich habe schon mal darauf hingewiesen, dass ich die pauschale Ablehnung jedweder nicht explizit historisch oder historisierenden Bauform kritisiere.

    Es gibt am Neumarkt durchaus die "groben Schnitzer" - der Kaplan-Anbau, das gestaffelte Glasdach bei Prisco, der klobige Sandstein-Mantel neben letztgenanntem Gebäude. Aber daneben gibt es eine Vielzahl gelungener, sehr nobler Gebäude, die sich m. E. harmonisch und Emsemble bilded in den neu entstehenden Altstadtkern einfügen. Hervorragende Beispiele sind die Entwürfe der modernen Häuser von Köckeriz auf dem VVK-Areal oder die vom Büro von Döring entworfenen Gebäude auf dem Prisco-Areal. Auch das Gebäude über der Tiefgaragen-Einfahrt der Baywobau zählt für mich zu den gelungenen Neuschöpfungen - Zirkels Bau hingegen nur noch bedingt, weil die Materialwahl sehr zum Nachteil des Entwurfs nachträglich geändert wurde.

    Wie gesagt, ich kann eine "Entwertung" der Rekonstruktionen durch die genannten Neuschöpfungen pauschal überhaupt nicht teilen, auch wenn ich Kritik im Detail durchaus für angebracht halte.

  • aus dem standpunkt einer traditionellen baugestaltung ist es eine entwertung, die modernistische baugestaltung "lebt" von brüchen
    und von traditionell gestalteten nachbarhäusern, nicht umgekehrt.

    ich sehe keinen konsens, aber das macht ja auch nichts.

  • Als Ergänzung zur tollen neuen Bilderserie auf den GHND Seiten, noch einige Bilder von heute:

    Das wunderschöne große Dachfenster der Salomonisapotheke ist frei sichtbar. Auf die unteren Gauben werden noch die Sandsteinvasen errichtet. Es sieht so aus, als läge eine davon an dem Schutzgitter rechts neben dem großen Fenster:


    Prisco-Areal. Wie man auch bei cityscope schön sehen kann, wird bereits am zweiten Dachgeschoss gebaut:

    Auch beim Eckhaus Töpfergasse ist das Dachgeschoss erreicht:

    Panoramablick:


    Bei der VVK geht es langsamer voran, aber dafür ist die Bauweise mit Beton und Ziegelummantelung vorbildlicher als die Baywobau-Schnellmethode:


    Beim Projekt "A.d.F. 16/17" sind noch keine Bautätigkeiten zu erkennen, ebensowenig wie beim Kurländer Palais, das zur Kirchenweihe in 2 Wochen eingerüstet sein wollte.

  • Quote from "Bert"

    Weiß nicht, ob es schon erwähnt wurde, aber auf dem Grundstück Rampische 29 steht ein Mini-Bagger, das Grundstück ist abgezäunt und die oberste Erdschicht ist bereits abgetragen.

    Komisch, dass auf der GHND-Seite nix davon steht. Scheint also doch vorwärts zu gehen (oder vielleicht will man einfach nur mal schauen, was an Kellern noch übriggeblieben ist?).

    Hoffen wir mal das Beste...
    ;)

    Quote from "Ben"

    Na endlich! Auf die Enthüllung des großen Fensters habe ich mich glaube ich am meisten gefreut! Sieht sehr schön aus! Und wenn da auch noch Vase auf die kleinen Gäuben raufkommen... :D
    Welche Farbe hat die die Apotheke eigentlich? Grau oder eher so'n grau-blau?

  • Ich schätze die Farbe eher grau. Meine Kamera nimmt die Bilder ab und zu etwas blaustichig auf. Irgendwann kommt ne digitale Spiegelreflex ins Haus, aber dafür habe ich kein Geld.


    Auf den Bagger Rampische 29 habe ich gar nicht geachtet. Letzter Stand war doch jener, dass jetzt Vermessungsarbeiten laufen. Sollte es trotz der kühlen Temperaturen bald losgehen, wäre dies natürlich schön.

  • Danke für die Bilder, Harmonica!

    Ich find es übrigens völlig in Ordnung, daß es bei der VVK etwas langsamer vorangeht. Nur damals, als man außer einem Loch monatelang nichts sah, war's ein bißchen öde. Aber jetzt sieht man doch die Fortschritte.

    Nur Geduld! Gut Ding will Weile haben: Wenn bei diesen Häusern eines Tages mal der Putz abbröckelt, schaut man wenigstens auf Mauerwerk und nicht wie beim Quartier IV auf Beton. 8) Ich glaube, dieses Quartier wird von allen bisher verwirklichten das beste, weil es keine augenfälligen Schwachstellen haben wird - es sei denn die Dächer werden auch so ein Humbug wie bei Baywobau...

  • Quote from "Schloßgespenst"

    es sei denn die Dächer werden auch so ein Humbug wie bei Baywobau...

    Nun ja, du kennst doch das Modell. Demnach werden schon Spitzdächer entstehen, nur zur Hofseite entsteht noch ein Flachdach, das wohl als Terrasse o.ä. genutzt wird. Sieht ähnlich wie bei Priscos Gebäuden der Töpfergasse aus.

  • Ich kenne nur dieses Modellfoto,

    http://www.neumarkt-dresden.de">http://www.neumarkt-dresden.de

    und da kann man nicht so eindeutig erkennen, wie das Quartier von oben aussehen wird. Die Plattform im Innenhof (mit etwas zuviel Glasflächen) sieht man, aber der Rest? Warten wir's ab...

    Was wohl hinter dieses schöne, große Fenster kommt?

    Das wäre ja eigentlich ideal für eine schöne Maisonette-Wohnung. Da die Apotheke ja zum HdS gehört, wird's vielleicht eine Suite. Beim Taschenbergpalais sind im Dachgeschoß die billigsten Zimmer ("billig" heißt in diesem Fall 260 Steine :zwinkern:), aber hinter so einem großen Prachtfenster muß doch eigentlich was besseres sein, oder?

  • VVK: Das gezeigte Modell ist nicht mehr ganz aktuell, da das Haus "Zur Glocke" (vorne/links in der Mitte) ja nun um ein Geschoss aufgestockt aufgebaut wird. Was mich doch ziemlich wurmt. Auch wenn das Nachbarhaus ohne diese aufstockung eine größere, nackte Seitenfläche zeigen würde, so wäre diese dann doch authentischer, und die Fassade der "Glocke" wäre es auch.

    Wer zwischen Steinen baut, sollte nicht (mit) Glashäuser(n) (ent)werfen...

  • Quote from "Ein_Hannoveraner"

    VVK: Das gezeigte Modell ist nicht mehr ganz aktuell, da das Haus "Zur Glocke" (vorne/links in der Mitte) ja nun um ein Geschoss aufgestockt aufgebaut wird. Was mich doch ziemlich wurmt. Auch wenn das Nachbarhaus ohne diese aufstockung eine größere, nackte Seitenfläche zeigen würde, so wäre diese dann doch authentischer, und die Fassade der "Glocke" wäre es auch.


    Das sehe ich nicht so eng.
    Wenn Krieg und Zerstörung nicht gewesen wären, hätte der Besitzer das Gebäude ja mittlerweile möglicherweise auch aufgestockt,
    so wie zuvor auch immer wieder mal ein Gebäude umgebaut oder gar ersetzt worden ist.
    Wichtig ist, daß es der Harmonie des Ganzen zuträglich ist.
    Darüber sollte der Denkmalsschutz wachen und nicht darüber, den Bauzustand eines bestimmten Augenblickes der Geschichte für alle Zeit festzunageln.

  • Sehe ich auch so.
    Ich finde die durch Aufstockung entstandene Geschoßstaffelung der VVK-Version sogar harmonischer.

    Ich entschuldige mich von Herzen für meine früheren arroganten, provokanten, aggressiven und unfreundlichen Beiträge!
    Jesus ist mein Herr und Retter!

  • Das Dach der SA ist wirklich rundum gelungen, der große Dacherker ist gar ganz wunderbar! Wie sehr so ein "Detail" doch das Ganze aufwertet - ist es denn so schwer, öfter dergesalt zu bauen?
    Und ich bin mir sicher, egal was dahinter ist: bei der Vermietung/dem Verkauf wird es keine Probleme geben, selbst bei einem sehr hohen Preis.

    Je mehr ich die Teile wachsen sehe, desto mehr bin ich mir sicher, dass hier ein Stadtraum mit sehr hoher Aufenthaltqualität enstehen wird. Ohne Zweifel: das Projekt Neumarkt wird - bei allen vermeintlichen oder tatsächlichen Schwächen - ein Erfolg.

    Und zur Aufstockung: Wir sollten uns doch vor überzogenem Dogmatismus hüten. Wie bereits gesagt wurde: Wer sagt uns denn, dass man das Gebäude nicht ohnehin inzwischen aufgestockt hätte? Es gilt doch gerade, einem völlig überzogenem und ideologisch gleichermaßen verhärtetem wie falschem Denkmalschutz entgegenzutreten, und den _harmonischen_ Weiterbau an historischer Substanz nicht zu sanktionieren, sondern mindestens zu aktzeptieren, wenn nicht gar zu unterstützen.
    Passen muss es und historische Substanz muss geschützt werden - der Rest ist sekundär.

    Eine der vorzüglichsten Eigenschaften von Gebäuden ist historische Tiefe.
    Die Quelle aller Geschichte ist Tradition. (Schiller)
    Eine Stadt muss ihren Bürgern gefallen, nicht den Architekten.

  • Mit dem Neumarkt ist ein wichtiger Anfang in Dresden gemacht. Das Spekatuläre an der Sache ist, daß es einen Anfang wie diesen nach 1945 kaum irgendwo gegeben hatte. An diesem historischen Kern mit Frauenkirche und seiner "harmonischen" Fassung müßten sich dann Neubauten rings um den Neumarkt messen lassen. Was gibt es eigentlich Neues vom Umbau des Kulturpalastes? Ist der Kolhoff-Entwurf engültig Geschichte? :weinen:

    " Dem Wahren, Schönen, Guten "

  • @ Der Münchner,

    ja, leider ist der Kollhoff-Entwurf vom Tisch, in meinen Augen eine der größten Chancen für den Dresdner Stadtbau, die je vertan wurde. Anstelle dessen wurde der Kulturpalast aussen notdürftig instandgesetzt (für 1,5 Mio, von denen man allerdings wirklich nicht viel sieht...).

    Dafür kriegen wir demnächst in der Prager Straße ein städtebaulich uninteressantes Einkaufszentrum anstelle des alten Centrum Warenhauses. Wenn da mal nicht ein paar Lobbyisten am Werk waren... :augenrollen:

  • Bert

    Ja, ich fand den Kollhoff-Entwurf auch klasse. Der Mann ist zwar kein grundsätzlicher Traditionalist, sondern eher ein Anpasser an bestehende Strukturen, aber eben auch kein Modernist aus Überzeugung.
    In Berlin hat er ja für den Alex 150 Meter hohe Türme rund um den Fernsehturm vorgeschlagen, dafür in Dresden einen gelungenen Entwurf für den Kulturpalast. Ich kann mich noch an diese ermüdenden Diskussionen im alten Forum erinnern, wo irgendeine Architektin aus Dresden von Heldentempel-Fassaden schwadronierte.
    So ist es eben dauernd in Deutschland: Ein Schritt vor und zwei zurück.
    Es fehlt ständig der große Wurf. Der Dresdner Neumarkt ist der größte Schritt, den wir in Deutschland in Bezug auf tradtionelle Baukunst seit 60 Jahren gegangen sind. Hoffen wir, daß es kein Einzelfall war.

    " Dem Wahren, Schönen, Guten "

  • An dieser Stelle von mir der Hinweis, dass Diskussionen zum Neumarkt bitte in den entsprechenden Thread gehören und hier nur die Baufortschritte besprochen werden. Ich weiß, dass man die Diskussionen oft schlecht trennen kann, aber wenn wir jetzt wieder über den KP oder die Prager diskutieren, kommen wir zu weit vom Thema ab. Danke!