Eingriffe in die Großmarkthalle Frankfurts

  • Quote from "baukunst-nbg"

    Der Architekt der Großmarkthalle ist doch verstorben, so daß die Erben Inhaber des Urheberrechts geworden sind.


    Welche Erben sind das dann ? Die Erben des Architekten oder die Erben des Hauseigentümers ? Danke.

  • wollt ihr euch das wirklich vorstellen, dass (gleiches recht für alle) nachkriegsarchitekten oder noch deren erben urheberrechte und damit bestandsschutz gelten machen und damit tatsächlich durchkommen?

  • Das war's dann wohl, die letzte Karte ist ausgespielt, die Ignoranten haben gewonnen... :boese:

    http://www.faz.net/s/RubFAE83B…Tpl~Ecommon~Scontent.html


    Quote

    Die Bausubstanz der Großmarkthalle dürfe verändert werden, ohne daß einem solchen Eingriff das Urheberrecht des Architekten entgegenstehe. Das hat Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) mitgeteilt und damit einen Bericht der F.A.Z. bestätigt. Die Stadt und Martin Elsaesser hätten im Jahr 1932, also zum Ende der Amtszeit des Hochbauamtsleiters, entsprechende vertragliche Vereinbarungen getroffen, heißt es in einer Mitteilung. Damit sind Ansprüche von Erben Elsaessers, die gegen geplanten Veränderungen an dem Gebäude protestiert hatten, hinfällig. Der Mitteilung Roths ist nicht zu entnehmen, warum die Stadt die Vereinbarung mit Elsaesser erst jetzt öffentlich bekanntmacht.

  • Was soll denn jetzt das Schöne an diesem Megaklotz sein ? Ich kann
    da beim besten Willen nichts Schönes erkennen. :keine ahnung:

  • Quote

    Welche Erben sind das dann ? Die Erben des Architekten oder die Erben des Hauseigentümers ? Danke.


    Die Erben des Architekten! Dieser schuf ein urheberrechtlich geschütztes Werk der Baukunst. Der materielle Eigentümer spielt insofern keine Rolle.


    Aus immaterialgüterrechtlicher Sicht schätze ich die Äußerungen der Frankfurter Stadtspitze übrigens als fragwürdig ein. Kein Mensch kann auf urheberpersönlichkeitsrechtliche Ansprüche vertraglich wirksam verzichten. Daher dürften irgendwelche Abmachungen problematisch sein. Man müßte den genauen Wortlaut der Abmachung kennen. Als Vertreter der Erben wäre ich sehr skeptisch.


    Mich interessiert das auch weniger wegen der Schönheit der Halle, sondern eher deswegen, weil hier eine Menge interessante rechtliche und politische Aspekte eine Rolle spielen, beispielhaft für unsere Zeit.

  • Quote from "Oliver"

    Was soll denn jetzt das Schöne an diesem Megaklotz sein ? Ich kann
    da beim besten Willen nichts Schönes erkennen. :keine ahnung:


    Schön vielleicht nicht gerade, aber es ist eben ein markantes Bauwerk aus den 20er Jahren mit einer langen Frankfurter Tradition (Spitzname: "Gemüsedom"). Und ein solches sollte eben auch nicht durch profilsüchtige obercoole Jungarchitekten aus Wien, die sich Coop Himmelb(l)au nennen, einfach so verhunzt und optisch degradiert werden. Das Dresdner Kino, das dasselbe Büro entworfen hat, finde ich nicht schlecht, aber das steht ja auch zwischen DDR-Plattenbauten, wo es nur positiv auffallen kann, und dafür mußte auch kein älteres Bauwerk weichen oder verändert werden.


    Die Abriß- und Veränderungspläne an der Frankfurter Großmarkthalle sind außerdem reine architektonische Spielerei bzw. paranoide Sicherheitsvorkehrungen - gerade das bringt soviele Fachleute gegen diese Pläne auf.

  • Jungarchitekten allerdings nicht aus der Generation Golf, sondern aus der Generation Opel Kapitän. Zur Welt gekommen 1942 und 1944, Bürogründung dann 1968. Als Architekturrebellen etwa so frisch und heiß wie die Rolling Stones für die Rockmusik. Und eben das macht einen Großteil des aktuellen Problems aus.

  • Die Problematik beschäftigt auch Berliner Blätter:
    Neues Geld gegen alten Markt
    Frankfurt zerstört eine Ikone modernen Bauens


    Bezeichnend für die Vielfalt der Presselandschaft ist auch dieser DPA-Artikel, der sich z.B. im Standard oder der schwäbischen Zeitung exakt wiederfindet:
    Frankfurter Architektur-Streit: EZB-Projekt von Coop Himmelb(l)au versus Altstadtträume
    Altstadtträume in Mainhattan

    Eine der vorzüglichsten Eigenschaften von Gebäuden ist historische Tiefe.
    Die Quelle aller Geschichte ist Tradition. (Schiller)
    Eine Stadt muss ihren Bürgern gefallen, nicht den Architekten.

  • Quote from "Henk Frost"

    Jungarchitekten allerdings nicht aus der Generation Golf, sondern aus der Generation Opel Kapitän. Zur Welt gekommen 1942 und 1944, Bürogründung dann 1968. Als Architekturrebellen etwa so frisch und heiß wie die Rolling Stones für die Rockmusik. Und eben das macht einen Großteil des aktuellen Problems aus.


    Oder, um es anders zu sagen: You are so 20th century limited.

  • Nach etlichen Querelen darf die EZB nun ihre neue Zentrale an der Großmarkthalle bauen.


    Quote

    Die Stadt erteilte der EZB die Genehmigung für die geplanten 185 Meter hohen Doppeltürme. Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) übergab das Dokument in einer Zeremonie im Rathaus Römer an EZB-Präsident Jean-Claude Trichet.


    http://www.faz.net/s/RubBEFA4EA6A59441D98AC2EC17C392932A/Doc~E325837E101D541D68CE8D76B4D774D2E~ATpl~Ecommon~Scontent.html?rss_aktuell\r
    http://www.faz.net/s/RubBEFA4EA6A59441D ... ss_aktuell


    Der Baulärm an der Großmarkthalle geht mir schon seit Wochen auf den S.... :augenrollen:

    Wenn du ein Haus baust, denke an die Stadt (Luigi Snozzi)

  • Völlig überraschend hat die Europäische Zentralbank die Pläne für ihr neues Hauptquartier auf Eis gelegt und stoppt den Bau im Frankfurter Ostend. Während ich dies schreibe, höre ich erstaunlicherweise trotzdem noch den enormen Baulärm. :augenrollen:


    Quote

    Die Europäische Zentralbank (EZB) stoppt überraschend den Bau ihres neuen Hauptsitzes im Osten Frankfurts. Offenbar gelingt es nicht, einen Bauunternehmer zu finden, der mit dem vorgesehenen Budget auskommt. Der Wolkenkratzer soll eine halbe Milliarde Euro kosten. [...]


    http://www.welt.de/finanzen/article2145383/EZB_legt_Plaene_fuer_neues_Hauptquartier_auf_Eis.html\r
    http://www.welt.de/finanzen/article2145 ... f_Eis.html

    Wenn du ein Haus baust, denke an die Stadt (Luigi Snozzi)

  • Bitte, was? Ist das ein Aprilscherz? Jetzt, wo bereits Teile der Großmarkthalle eingerissen sind (siehe Fotos DAF), fällt denen das ein? Was für ein Zufall... :augenrollen: :augenrollen: :augenrollen:

  • Weg mit dem himmelblauen Riegel, das sollte ein paar Millionen einsparen... :augenrollen:

    Was sagt sie uns für Unsinn vor?
    Es wird mir gleich der Kopf zerbrechen.
    Mich dünkt, ich hör’ ein ganzes Chor
    Von hundert tausend Narren sprechen.

    Goethe, Faust I

  • Ich habe vor dem Anpfiff noch schnell zwei Fotos geschossen um die derzeitige Situation zu verdeutlichen. Der Trümmerhaufen war mal der westliche Anbau der Großmarkthalle aus der Nachkriegszeit.


    [/img]


    Detail:
    [/img]

    Wenn du ein Haus baust, denke an die Stadt (Luigi Snozzi)

  • Tja, das hat man nun davon, wenn man große Künstler will. Da wird halt nicht zweckorientiert gebaut. In erster Linie stellt sich der Star-Architekt ein eigenes Denkmal hin.
    ...ob das nutzbar ist, oder im Budget bleibt...egal! Es geht schließlich um den großen Ruhm eins noch nicht genug beachteten Künstlers! Lorbeeren! Bettet ihn auf Rosen! Benennt Frankfurt-Ost in Wolfgang-D.-Prix-Stadt um, oder am Besten gleich ganz Frankfurt! Dieser Name ist doch auch nur ein Relikt einer rückständigen Vergangenheit, der nur Ausdruck einer rechten Kleinbürgerlichkeit ist.


    Wolfgang-D.-Prix-Stadt! Und auf einem 200 m hohen Hügel steht der überwältigende, spektakuläre Glaskubus. Nein, nicht das Rathaus, die Geschäftsstelle des BDA!

    Die Feder ist mächtiger als das Schwert...wenn das Schwert sehr stumpf ist und die Feder sehr spitz!


    -Terry Pratchett

  • Quote

    27. Juni 2008 Am Tag nach der Entscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB), die Neubaupläne zu ihrer Zentrale im Frankfurter Ostend vorerst auf Eis zu legen, melden sich in der Immobilienbranche schon die ersten Skeptiker, die bezweifeln, dass das markante, 185 Meter hohe Hochhaus nach den derzeitigen Plänen von Coop Himmelb(l)au überhaupt errichtet wird. Die EZB werde es sehr schwer haben, „überhaupt voranzukommen“, sagt ein Kenner der Materie. [...] Das Projekt war auf Grundlage der Pläne von Coop Himmelb(l)au auf 500 Millionen Euro geschätzt worden. Dem Vernehmen nach hat eine Arbeitsgemeinschaft von Züblin und BAM ein Angebot von rund 1,4 Milliarden Euro abgegeben. Die Notenbank soll ihre Bausumme intern zwischenzeitlich noch einmal aufgestockt haben.


    Doch selbst für die Summe von 850 Millionen Euro wollte niemand den Neubau erstellen. Die Ausschreibung soll 261 Ordner mit englischem Vertragstext umfasst haben. Der Projektsteuerer und die zuständige Anwaltskanzlei sollen Bedingungen formuliert haben, die keines der Bauunternehmen erfüllen wollte. „Die haben die neuen Machtverhältnisse noch nicht begriffen“, sagt ein Insider. Allein für die Kalkulation des Angebots hätten die Bauunternehmen einen sechsstelligen Betrag investieren müssen. Wie zu hören ist, haben Hochtief und Alpine davon Abstand genommen, ein Angebot abzugeben. [...] Die EZB, die schon 140 Millionen Euro für das Grundstück und die Planungen investiert hat, gibt die Verzögerung mit mindestens einem Jahr an. Die Bauarbeiten könnten höchstens drei Jahre ruhen, bevor die Baugenehmigung neu beantragt werden muss. [...]


    http://www.faz.net/s/RubFAE83B7DDEFD4F2882ED5B3C15AC43E2/Doc~E9BD1914FC3E94B419F8071313B08BE5C~ATpl~Ecommon~Scontent.html?rss_aktuell\r
    http://www.faz.net/s/RubFAE83B7DDEFD4F2 ... ss_aktuell

    Wenn du ein Haus baust, denke an die Stadt (Luigi Snozzi)

  • Quote

    Großmarkthalle
    Ein verletztes Denkmal
    VON CLAUDIA MICHELS


    Jetzt steht sie da, die Großmarkthalle, von den höchsten Baukränen überragt, von den bereits abgetragenen Backsteinen ihrer eigenen, 80 Jahre alten Geschichte umstellt. Ein verletztes Denkmal. Die lange umkämpften Annexbauten sind schon gefallen, ihre übriggelassenen Steine sollen zum Ausbessern des Mauerwerks der 220 Meter langen Haupthalle dienen. (...)


    http://www.fr-online.de/frankf…97c8078dad&em_cnt=1357909