Frankfurt virtuell vor 1944

  • Nachtrag: Solltest du den Artikel ernsthaft in Angriff nehmen, dann melde dich bitte im privaten Stadtbild-Deutschland-Forum an, dann kann alles Weitere und Nähere dort intern besprochen werden (z.B. zu Form/Aufbau/Format/etc.).

    Eine der vorzüglichsten Eigenschaften von Gebäuden ist historische Tiefe.
    Die Quelle aller Geschichte ist Tradition. (Schiller)
    Eine Stadt muss ihren Bürgern gefallen, nicht den Architekten.

  • Wieder großartige Bilder! Ganz sicher ein starkes Argument um Investoren zu gewinnen. Bei dem enormen Potential, das dieses Areal mitten in einer international so bekannten Stadt wie Frankfurt hat, kommen auch rekonstruktions-interessierte Investoren aus dem Ausland in Betracht. Die gibt es garantiert, auch mit dem erforderlichen Kapital.

  • Hallo Leute


    Hab mich länger nicht mehr gemeldet und möchte nun mal wieder neue Renderings einstellen. Diesmal von einem Bereich, den die meisten von euch zumindest von Fotos her kennen dürften, und auf dem viele auch schon persönlich standen: dem Römerberg. Eigentlich sollten die Bilder bereits vor Weihnachten online gehen, aber da kamen einige Dinge dazwischen, sodass aus der Weihnachts- eine Faschingsüberraschung wird. Zunächst möchte ich erwähnen, dass ich viel Zeit mit dem Bau der Nikolaikirche verbracht habe. Hoffentlich gefällt sie euch. Sie ist Frankfurts kleinste Altstadtkirche, aber die aufwändigste, was v.a. an der Empore mit ihren drei Türmchen und am darunterliegenden Fries liegt. Aber seht selbst, und geht auch mal hin, wenn ihr selbst auf dem Römerberg steht. Wie immer gilt, dass ihr die Bilder ansehen und auf euren Rechnern haben, sie aber nicht kommerziell vertreiben dürft.


    Das erste Bild zeigt den historischen Römerberg mit der Nikolaikirche in der Bildmitte. Ist es ein Zufall, dass sich hier jedes Haus wie ein Puzzleteil zu einem komplexen Ganzen zusammenfügt? Ich glaube nein!



    Die folgende Grafik zeigt die Nikolaikirche (erbaut 13.-15. Jhd) mit ihrer Empore, auf denen der Rat der Stadt diversen Veranstaltungen beiwohnte. Zu sehen sind weiterhin der gotische Fries unter der Empore, sowie die drei Türmchen über der Empore, des weiteren der Hauptturm und im Anschluss links der Fachwerkbau des Schwarzen Sterns.



    Als nächstes folgt der Blick von der Empore auf den leider leeren Römerberg. Auf dem Platz befindet sich lediglich der kleine Römerbergbrunnen vor dem Goldenen Engel (rechts) und der Gerechtigkeitsbrunnen in der Mitte. Der Blick geht die Neue Kräme hinauf, wo an der Mündung der Schnurgasse das Modell z.Zt. endet. Direkt hinter dem Römerberg kreuzt die Braubachstraße.



    Blick vom Balkon des Römers über den Römerberg mit Samstagsberg (Ostzeile), Schwarzem Stern und Nikolaikirche, sowie Domturm im Hintergrund. Diese Aussicht hätte man u.a. gehabt, wenn Deutschland vor 1944zufällig eine Fußball-WM gewonnen hätte, allerdings wäre dann auf dem Platz vielleicht ebenso die Hölle los gewesen, wie wir es aus der Realität kennen.



    Das folgende Bild zeigt den Blick vom Plätzchen zwischen Schwarzem Stern (links) und Kleinem Laubenberg (vorne rechts) auf Westseite des Römerbergs. Früher war die Platzseite dicht bebaut mit Häusern unterschiedlichen Stils und unterschiedlicher Bauart. In der Mitte das auffällige Haus Lichtenstein mit seinem geschwungenen Barockgiebel, das aber eigentlich gotisch war, wie man an den Seitengiebeln erkennen kann. Links daneben drei Fachwerkgebäude, rechts klassizistische Steinbauten. Heute stehen hier drei öde 50er Jahre-Bauten, von denen das Mittlere in etwa die Position des Lichtensteins darstellen soll. Übrigens auch schön zu sehen ist, wie stark der Römerberg zur Platzmitte abfällt, um danach wieder anzusteigen. Der Ortsname ist somit eigentlich falsch! Korrekt müsste der Platz "Römertal" heißen...



    Das Haus Lichtenstein in einer Großaufnahme. Aus einem gotischen Adelspalast wurde am Ende ein Haus in dem Künstler wohnten. Nach der Zerstörung blieben zunächst die Umfassungsmauern stehen, worauf der Wiederaufbau beschlossen wurde. 1946 stürzte jedoch die Fassade zusammen. Es erfolgte der Abriss.



    Überreichen neogotischen Schmuck zeigte das 1864 errichtete Haus Römerberg 3, unten an der Ecke zur Alten Mainzer Gasse gelegen. Der Schmuck nahm Elemente der gegenüberliegenden (rechts) Nikolaikirche auf.



    Zum Abschluss noch ein Luftbild des Areals zwischen Römerberg und Mainkai. Hinter der Nikolaikirche folgt zunächst die Bendergasse (heute Saalgasse) danach die Saalgasse (heute überbaut durch den 70er-Jahre-Klotz des Historischen Museums). Im Anschluss der Saalhof, und rechts kann man das bereits freigelegte Fachwerk des heute noch bestehenden Hauses Wertheym erkennen. Ganz oben muss man sich den Main und den Eisernen Steg vorstellen.


  • :kinnlade: Großartig. Nur unheilbar von abstrusen Ideologien befallene Menschen können in Anbetracht dessen den heutigen Zustand anders als miserabel einstufen. Man kommt nicht umhin, Rekonstruktionen zu fordern.

    "Meistens belehrt uns der Verlust über den Wert der Dinge."
    Arthur Schopenhauer

  • Seltene Einsichten, von denen ich fast noch nie Fotos gesehen habe. Dies zeigt nur, wie bedeutsam deine Arbeit ist! :applaus:


    Die Geschichte des Hauses Lichtenstein ist mal wieder zum Kotzen. Das Gebäude war eh völlig ausgebrannt, warum hat das Zusammenbrechen der Fassade dann bitte noch einen Ausschlag gegeben, ob man wieder aufbaut, oder nicht? Wenn ich sehe, was für ein Schrott da heute steht, wünsche ich mir manchmal fast, dass wieder eine 500 KG-Bombe drin landet. Aber dem kommt wahrscheinlich der Denkmalschutz für diesen betongewordenen Schrott zuvor.


    BTW: sehe ich da so etwas wie Bumpmaps in den Gefachen des Schwarzen Sterns? ;)

  • Hallo RMA


    Nein, es gibt auf den Gefachen des Schwarzen Sterns leider kein Bumpmapping. Aber irgendwann muss ich mir diese Technik mal aneignen, da ich den Realismusgrad auf diese Weise drastisch erhöhen kann :augenrollen:

  • Hi Leute


    Hier mal wieder einige neue Renderings aus dem Bereich RUND UM DEN DOM


    Zunächst ein Bild mit Goldener Waage und Dom



    Das folgende Bild zeigt den Durchblick vom Markt zum Krautmarkt. Rechts zwischen dem Mäuerchen und der Goldenen Waage liegt die alte Höllgasse. Der Bereich zwischen dem Mäuerchen und der Einfriedung des Domes war bis Ende des 19. Jhd. bebaut. Erst nach dem Abbruch der Gebäude (der später immer als Fehler angesehen wurde, da er den im unteren Drittel schmucklosen Domturm freistellte) erhielt die Höllgasse ihre Breite (bis 1944). Der Blick fällt auf eine Gebäudereihe im Hintergrund, nämlich des Gewürzhauses (mit Belvederchen) und zwei Häusern mit Fachwerk, wobei ich nicht weiß ob dieses nur aufgemalt war oder echt.



    Auf dem nächsten Bild ist die Ansicht auf die Südwestecke des Domes zu sehen. Daneben die Südkapellen. Das Rendering ist auf dem Tuchgadenplätzchen gemacht. Rechts steht heute die Kulturschirn.



    Hier noch einmal die Südwestecke des Doms, diesmal von der Einmündung der Saalgasse aus gesehen mit dem vorgelagerten - heute noch bestehenden Pförtnerhäuschen und den südlich angebauten Kapellen (inkl. Wahlkapelle). Hier musste ich etwas tricksen: Die hohen Fenster sind in Wirklichkeit mit unterschiedlichem Maßwerk ausgestattet, bei mir jedoch sind sie alle gleich. Das spart Speicherplatz und Polygone, denn der Dom haut schon ordentlich in beides rein... Die Vielfalt ist lediglich an den Kapellenfenstern angedeutet.



    Der Domplatz nördlich des Domes. Das (von mir ebenfalls stark vereinfachte) Nordportal ist rechts von der Bildmitte zu sehen. Hier habe ich mich vor allem auf die große Fensterrosette konzentriert, während der figürliche Schmuck über dem Eingang aus Platzgründen weggelassen wurde. Von diesem Punkt aus überblickt man den kompletten Domplatz und sogar einen Teil des Garküchenplatzes (über der Einfriedungsmauer in der Bildmitte).



    Noch einmal ein ähnlicher Bildausschnitt mit dem Eingang zur Kannengießergasse. Erwähnenswert ist vor allem des schmale verschieferte Haus mit dem dreistöckigen Erker (es besaß außerdem auch einen zweistöckigen Keller), das Haus Luthereck. Entgegen einer von den Frankfurtern früher gerne verbreiteten Legende, die v.a. Touristen erzählt wurde, hat Luther jedoch nie in diesem Haus gewohnt. Sein Konterfei war jedoch vom protestantischen Besitzer des Hauses in die Erkerkonsole graviert worden und schaute bis zur Zerstörung auf den katholischen Dom gegenüber. Durch den Torbogen links unter dem Haus mit dem freigelegten Fachwerk kam man in den Hainerhof, der Ende der 30er Jahre teilweise abriss-saniert wurde. Die heutige Situation ist erschütternd: Neben einem kleinen Hotel mit Restaurant an der Stelle des Lutherecks erstreckt sich der biedere Charme einer 50er-Jahre-Vorstadtsiedlung.



    Frankfurt am Main; Kannengießergasse



    Roseneck (südöstlich des Doms)



    Blick vom Roseneck auf den südöstlichen Bereich des Doms, im Vordergrund der Freythof- oder Freiheitsbrunnen. Links das alte Stadtarchivgebäude. Das Roseneck ist übrigens das Stammhaus der Binding-Brauerei, die hier bis 1944 die "Altdeutsche Bierstube" betrieb.



    Noch etwas südlicher, dort wo die Große und die Kleine Fischergasse, sowie die Gasse An der Schmidtstube zusammentrafen, ist dieses Rendering entstanden.



    Frankfurt am Main; Garküchenplatz



    Blick von der Fahrgasse über den Garküchenplatz auf den Dom (Südostecke). Zu sehen ist das gotische Fürsteneck links, vor dem Dom die kleinen Garküchen, die dem Platz seinen Namen gaben und die Mehlwaage. Letztere bot bis Ende der 30er Jahre einen sehr bedauernswerten Anblick, bis die Altstadtsanierung auch sie erreichte und in ein kleines Museum verwandelte. Heute ist der Name "Garküchenplatz" verschwunden und die Fläche dem Weckmarkt zugeschlagen. Die 50er-Jahre-Bauten wurden zwar in den letzten Jahren neu angestrichen, sind aber dennoch nicht der Rede wert.



    Wie immer dürft ihr jetzt euren Senf dazugeben!

  • ...mach ich! 8)


    Vielen Dank für die tollen neuen Bilder, man wird schon wieder wehmütig.... :augenrollen:


    Die Mehlwaage war 1944 übrigens bis zur Traufhöhe stehengeblieben, also nicht stärker zerstört als das Leinwandhaus und gewiß weniger als das Steinerne Haus. Warum wohl durften die beiden letztgenannten als Ruinen stehenbleiben und wurden schließlich wieder aufgebaut, während die Ruine der Mehlwaage gesprengt wurde? Beim "Wiederaufbau" der Frankfurter Altstadt wurde offenbar mit reiner Willkür ausgewählt, was bleibt und was weg muß.......


    Quote

    Das Roseneck ist übrigens das Stammhaus der Binding-Brauerei, die hier bis 1944 die "Altdeutsche Bierstube" betrieb.


    Das ist aber doch heute keine freie Stelle, oder? Die Binding-Brauerei war doch angeblich interessiert, auf dem TR-Areal ihr einstiges Stammhaus zu rekonstruieren?

  • Sensationelle Bilder, schon die Ähnlichkeit vieler Ansichten mit realen Postkarten der Zeit bezeugt die Qualität der Arbeit. Bravo! :prosit:


    Das Fachwerk am Haus Krautmarkt 3 ist übrigens unter Garantie aufgemalt, da es statisch betrachtet völlig unsinnig ist und ansonsten auch fast jedes Kriterium typisch historistischen Zierrats dieser Art erfüllt.


    Noch ein paar historische Anmerkungen: der Platz zwischen dem Ausgang des Tuchgadens und westlich des Krautmarkts hieß auch Wobelinsplätzchen, modern Weibleinsplätzchen, benannt nach dem hier befindlichen "Wobelinsbrunnen", auch bekannt als "Schöppenbrunnen".


    Dieser hatte wiederum seinen Namen vom "Haus des Wobelin", eine Bezeichnung die bereits in mittelalterlichen Kodizes (v. a. die Beschreibung von Baldemar Petterweil, um 1350) auftaucht und das Haus Bendergasse 1 meint. Der Name Wobelin ist als Schöffe darüber hinaus sogar in den frühesten schriftlichen Urkunden der Stadt um 1280 bezeugt! Sein Haus wurde in späteren Zeiten besser bekannt als "Dunkle Leuchte".


    Erst in den 1880ern beraubte man den im 18. Jahrhundert barock neu gestalteten Brunnen seines ursprünglichen Vasenaufsatzes. Dieser wurde durch die historistische Skulptur eines Kaisers in der Tracht eines 18. Jahrhunderts ersetzt, geschaffen von Johann Michael Datzenrath. Den im Krieg wie durch ein Wunder unbeschädigten und wirklich schönen Brunnen kann man heute noch in der Gartenanlage des Rathaus-Sozialbaus zwischen Haus Silberberg und Alter Mainzer Gasse bewundern. Nur mal als Tipp. ;)


    Ansonsten: neben der Mehlwaage blieb auch das bis auf Bodenniveau ausgebrannte Fürsteneck bis in den zweiten Stock stehen und war damit etwa so stark beschädigt wie das Steinerne Haus. Es wurde allerdings von deutschen Pionieren noch im März '44 gesprengt - als angeblich einsturzgefährdet, was ich anbetrachts der Tatsache, dass auch die Mauern des architektonisch fast identischen Steinernen Hauses fast zwei Jahrzehnte ohne irgendwelche Stabilisierungsmaßnahmen stehen blieben, für höchst bedenklich halte.


    Jörg hat es schon angesprochen, die ganze Situation östlich des Doms bis hin zur und einschließlich der Fahrgasse ist eigentlich nur unerträglich. Historisch betrachtet, architektonisch betrachtet - was hätte hier die Rekonstruktion von nur ein, zwei Leitbauten (z. B. Fürsteneck und Mehlwaage) doch für Wunder wirken können. Auch wenn's nach Träumerei klingen mag, aber ich hoffe doch sehr, dass die TR-Reko positiv ausstrahlen und die Diskussion wieder anstossen wird, auch in diesem verbauten Moloch wieder etwas zu ändern. Eine Wiederherstellung des ursprünglichen Stadtgrundrisses wäre meines Erachtens das Mindeste!

  • Quote from "jörg"

    Hallo RMA


    Nein, es gibt auf den Gefachen des Schwarzen Sterns leider kein Bumpmapping. Aber irgendwann muss ich mir diese Technik mal aneignen, da ich den Realismusgrad auf diese Weise drastisch erhöhen kann :augenrollen:


    Bumpmapping ist 'ne gute Idee, auf die Art würden z.B. auch das Pflaster bzw. die Straße viel natürlicher weil lebhafter aussehen. Wobei Bumpmapping beim Pflaster doch gar kein Problem sein dürfte, denn eigentlich müßtest Du ja das Bild (?) des Pflasters was da beim Shader verwendet wird nur noch in den Kanal fürs Bumpmapping kopieren (vielleicht noch in Grauwerte umwandeln). Wenn Du für die Fläche des Pflasters dann noch einen ganz leichten Deformer nutzt hast Du beides, die Zwischenräume zwischen den einzelnen Pflastern und die bucklige Straße.
    Dito für die verputzten Flächen. Eine Prozedurale Textur in den Farbkanal (etwa Turbulenz) und eine in den fürs Bumpmapping (etwa Noise) und schon lebt der Putz.
    Nur so als Tip... ;)


    Ansonsten ganz große Klasse. Ich wünschte ich hätte das Talent und die Geduld sowas zu modeln.

  • Wie versprochen ein paar Realbilder vom Schöppenbrunnen von heute...


  • Karasek


    Habe die letzten beiden Wochen mal etwas an der Belichtung gearbeitet und bin der Ansicht, dass es jetzt wesentlich besser aussieht. Das grelle Licht habe ich gedimmt und einen Spezialeffekt über die Bilder laufen lassen, der einen feinen Nebel erzeugt und einen Weichzeichner enthält. Im Ergebnis entstehen an den Hauswänden leichte Unebenheiten, die denen von verputzten und freigelegten Fachwerkhäusern ähneln. Sozusagen eine Patina! Seht selbst. Wenn es euch zusagt, dann werde ich von nun an alle Bilder so produzieren. Im Bild zu sehen ist erneut die Kannengießergasse von weiter oben.


  • So nah ist die Goldene Waage am Dom ?! :kinnlade: Hätte ich nicht gedacht, daß die Häuser so weit an den Dom reichen. :D



    Schöne Bilder Jörg ! :applaus:

  • Quote from "jörg"

    Karasek


    Habe die letzten beiden Wochen mal etwas an der Belichtung gearbeitet und bin der Ansicht, dass es jetzt wesentlich besser aussieht. Das grelle Licht habe ich gedimmt und einen Spezialeffekt über die Bilder laufen lassen, der einen feinen Nebel erzeugt und einen Weichzeichner enthält. Im Ergebnis entstehen an den Hauswänden leichte Unebenheiten, die denen von verputzten und freigelegten Fachwerkhäusern ähneln. Sozusagen eine Patina! Seht selbst.


    Sieht schon deutlich besser aus. Das Hauptproblem sind halt die Schatten, welche zu sehr nach Schlagschatten aussehen. Das bekommst Du nur mit Global Illumination richtig gut hin, wo das Licht quasi von Fläche zu Fläche "wandern" kann, also physikalisch korrekt. Das ist eine rechenintensive Angelegenheit, aber die Ergebnisse rechtfertigen den Aufwand auf jeden Fall.
    Hier mal ein simpler Raum, beleuchtet durch eine einzige Lichtquelle:
    http://img483.imageshack.us/img483/6587/gito3.jpg

  • @ Karasek: Du scheinst dich ja etwas auszukennen, ist das von dir vorgeschlagene Verfahren denn ohne Zusatzmodule mit Jörgs Software (3DSMAX) überhaupt möglich? Wenn ja, gib' doch mal ein kleines Tutorial, wie, vielleicht kann Jörg ja etwas damit anfangen.

  • Karasek


    Deine Anregungen sind sehr interessant, aber ich habe mich Anfang Mai natürlich auch intensiv mit Radiosity auseinandergesetzt, wozu ja die Globale Illumination zählt. Letztlich habe ich mich bewusst gegen Radiosity entschieden, und das hat auch seinen Grund. In meinem Modell befinden sich alle notwendigen Objekte wie eine Sonne und ein Tageslichtsystem. Eigentlich müsste das dann so funktionieren wie du es schilderst. Tut es aber nicht! Das Problem ist, dass die der Sonne abgewandten Seiten nicht direkt beleuchtet werden. Dieses Problem habe ich von Anfang an gehabt und bin bisher noch zu keiner Lösung gekommen, die zeitlich umsetzbar ist. Das Problem hängt mit der Bauweise des Modells zusammen und ist sehr komplex. Bitte hab Verständnis dafür, dass ich nicht alle Details hier vor allen Leuten ausbreiten will, ich schicke dir aber gerne eine PN, wenn dich das interessiert. Das was ich hier offen sagen kann und will ist, dass die Gebäude weder Materialeigenschaften noch Texturen von mir zugewiesen bekommen. Ich habe das von Anfang an so beschlossen, damit eine quasireale Darstellung nicht möglich ist. Ich habe ja den politischen Anspruch, dass das Modell die Leute dazu bewegen soll, sich für den Wiederaufbau der echten Altstadt zu engagieren und sich nicht mit meiner 3D-Welt zufrieden zu geben. Und unter diesen Voraussetzungen benutzt 3ds max eine Voreinstellung bei den Materialeigenschaften, in der die Reflexion beispielsweise 100% beträgt, also ein Spiegel. Interessanterweise spielt das beim Rendern im Scanline-Modus, in dem alle meine Bilder erzeugt werden, keine Rolle. Ich muss allerdings der Sonne 3 indirekte Beleuchtungskörper entgegensetzen, die die dunklen Ecken beleuchten. Beim Einsatz von Radiosity sind die indirekten Beleuchtungskörper nicht mehr nötig, allerdings werden sämtliche Flächen weiß dargestellt (auch Fassaden und textuierte Bereiche), aufgrund der 100% igen Reflexion des Lichtes. Wollte ich das ändern, müsste ich es bei z.Zt. etwa 650 Häusern tun, bei jeder Fassade, bei jeder Dachfläche (insges. wahrscheinlich tausende von Einzelobjekten)! Und das möchte ich nicht weil das ganz einfach eine Scheiß-Arbeit ist, die mich Monate kostet und im Ergebnis den Realismusgrad nicht wirklich wesentlich erhöht. Ich hoffe, dass dafür mit diesen Erläuterungen Verständnis aufgekommen ist. Auch so ist das Ergebnis aus meiner Sicht akzeptabel, was aber nicht ausschließt, dass ich weiter an einer Verbesserung der Beleuchtung arbeiten werde. Ich hab die Kannengießergasse mal mit Radiosity und Global Illumination gerendert, das Ergebnis kann man als ein expressionistisches Kunstwerk bezeichnen, aber mit der echten Kannengießergasse hat das nicht mehr allzu viel zu tun :lachen:

  • hallo jörg!


    wie du siehst bin ich auch ganz neu hier, bei den "wahren" kennern der architektur.


    sollten wir uns kennen, ist das natürlich der pure zufall :D


    hab mich hier die letzten tage schonmal umgeschaut und hab mir vorgenommen die nächsten tage hier zu verschiedenen themen hauptsächlich berlin und frankfurt auch mal kreative beiträge abzuliefern. :zwinkern:


    danke schonmal für deinen tipp für dieses wirklich interessante forum!!!


    wir werden von uns lesen ...

  • Hallo Jörg, auch ich bin neu im Forum. Allerdings interessiere ich mich schon lange für Architektur und vor allem für historische Städte. Kompliment für Deine tollen Darstellungen der Altstadt. Ich habe in "Stadtbild Deutschland"gelesen, daß es bald damit weitergehen soll. Mich würde interessieren, wann es soweit ist.