Wiederaufbau des Palais Thurn und Taxis

  • Der Preis "Wiederaufbau Thurn und Taxis" und dafür Errichtung der Hochhausklötze war dann doch leider zu hoch. Die ganze Ecke macht leider von der Großen Eschesheimer Straße aus betrachtet einen gestalterisch unansehlichen, völlig fehlgeplanten Eindruck. Wer Zeit und Lust hat, sollte sich mal zur Vorfahrt des Nobelhotels "Jumeirah" hinter dem Thurn und Taxis Palais begeben. Von dort aus betrachtet sieht das ganze aus wie eine trostlos hingeklotzte Investorenarchitektur im Hinterhof einer hektisch abgebrochenen Altstadt von Shanghai.

  • Dieser Eindruck wird wohl auch durch die unansehnliche Brache des Rundschau-Areals unterstützt.
    Ansonsten stimme ich vollumfänglich zu. Das MyZeil wurde bis zur absoluten Schmerzgrenze an die ehemalige Gartenseite des Palais herangeführt. Statt eines netten kleinen Stadtplatzes, ist eine öde zugige Pflasterfläche entstanden, die auch aufgrund der nicht belebten Erdgeschosszonen kaum zum Verweilen einlädt. De facto ist hier ein Hinterhof entstanden. Kein Wunder, dass schon einige Ladeninhaber an diesem Ausgang des Einkaufszentrums das Handtuch geworfen haben.

  • Dieser Eindruck wird wohl auch durch die unansehnliche Brache des Rundschau-Areals unterstützt.
    Ansonsten stimme ich vollumfänglich zu. Das MyZeil wurde bis zur absoluten Schmerzgrenze an die ehemalige Gartenseite des Palais herangeführt. Statt eines netten kleinen Stadtplatzes, ist eine öde zugige Pflasterfläche entstanden, die auch aufgrund der nicht belebten Erdgeschosszonen kaum zum Verweilen einlädt. De facto ist hier ein Hinterhof entstanden. Kein Wunder, dass schon einige Ladeninhaber an diesem Ausgang des Einkaufszentrums das Handtuch geworfen haben.


    Leider ist das der Mehrheit völlig Wurscht. Ein ehemaliger Azubi von uns, jetzt 26, liefen bei der Schilderung der "MyZeil"-Architektur vor Begeisterung fast die Tränen übers Gesicht. Das Palais war dem gar nicht aufgefallen. Haupsache Konsum und "Weltstadt"-Athmosphäre. Der ist ein absoluter Frankfurt-Fan und denkt das ist eine Metropole. Als ich dem mal Bilder des alten Frankfurt zeigen wollte, kamm nur "ah ja...is jetzt halt anders." Ein anderer Mit-Zwanziger fragte mich mal allen Ernstes was Frankfurt denn wäre, wenn das noch so wie vorm Krieg aussehen würde. Ich sagte nur etwas konsterniert: "...Äh Weltkulturerbe?" Er: " Und ein Provinzkaff!" Es half auch nichts auf das alte Großstadtflair der Zeil und der Hauptwache usw. zu verweisen. Alt = Provinz, so dessen simple Formel. Was soll man bei so viel Ignoranz noch entgegnen? Wohlgemerkt: ich bin auch erst 40, zwischen uns liegen auch nur 14 Jahre!

    Der deutsche Pfad der Tugend ist immer noch der Dienstweg.

  • Ich halte besonders den Verlust des Rundschau-Hauses für sehr bedauerlich. Warum der Bau - im Gegensatz zum Junior-Haus, das vom selben Architekten (Wilhelm Berentzen) stammte - nicht unter Denkmalschutz gestellt wurde, ist mir schleierhaft. Für mich gehörte das Rundschau-Haus zu den bedeutendsten Vertretern der 50er-Jahre-Architektur in Frankfurt.


    http://www.karl-grobe.de/pics/fr/haus.jpg


    Besonders schön die Gestaltung des Hauses an der Ecke zur Stiftsstraße mit der gerundeten Glasscheibe:


    http://de.wikipedia.org/wiki/D…kfurt_Rundschauhaus_2.jpg


    Das große Vorbild war bekanntlich das berühmte Schlesinger & Mayer Department Store in Chicago von Louis Sullivan, das bereits von 1899 bis 1904 errichtet wurde:


    Hier ein Artikel:
    [url=http://www.fr-online.de/wir-ueber-uns/aus-einer-anderen-zeit,4353508,2768088.html]Aus einer anderen Zeit | Wir über uns - Frankfurter Rundschau[/url]


    Junior Haus:


    Junior-Haus – Wikipedia


    Apropos Großstadtflair: Das kommt in Frankfurt meiner Meinung nach wirklich nur an einer Stelle auf, und zwar am Eschenheimer Turm! Die Leuchtreklame der Detektei Tudor am berühmten Nitribitt-Haus sorgt dort nachts für echtes Picadilly-Flair:


    http://www.neustadt-frankfurt.…uploads/2011/07/tudor.jpg


    Detektiv Tudor Leuchtreklame - Eine Frankfurter Legende
    - YouTube


    Diese Ecke sollte unbedingt erhalten bleiben!

  • Junior-Haus und Rundschau-Haus zeigen, dass es durchaus gute Nachkriegsarchitektur gibt (gab). Mir ist der abriss des RSH auch ein Rätsel. Oder auch nicht. Investoren dürfen das. Wehe, das haus würde einenm Privatmann gehört haben!

    Der deutsche Pfad der Tugend ist immer noch der Dienstweg.

  • Im Gegensatz zum wirklich erhaltenswerten Junior-Haus mit seinem sehr eleganten Treppenturm empfand ich das Rundschau-Haus stets als düsteren Klotz. Es hatte stets eine bedrückende Stimmung auf mich, und das sogar weniger aufgrund der in ihm hausenden Zeitung. Ich habe ihm somit keine Träne nachgeweint, da ich mir eine freundlichere Bebauung erhoffte. Gleichwohl wäre heute ein Erhalt die bessere Variante gewesen, da die Ecke bis heute nicht gefasst ist, somit eine städtebauliche Brache. Eigentlich ein Skandal in einer angeblich aus den Nähten platzenden Innenstadt.


    Zum Nitribitt-Haus: Tut mir leid, aber da bin ich völlig anderer Meinung. Diese Ecke kann man doch allenfalls bei Nacht ertragen. Nein, ich bin für den baldigen Abriss dieses billigen und völlig heruntergekommenen Nachkriegsmülls. (Ich bitte meine Abneigung zu verzeihen.) Die Leuchtreklame kann man von mir aus an einem Neubau wieder anbringen, der sich in Optik und Dimensionen schlicht harmonischer in den Bereich einfügt. Und solch eine bedeutende Persönlichkeit war Madame Nitribitt nun auch wieder nicht, dass man ihr um jeden Preis ein bauliches Denkmal in Innenstadtlage erhalten müsste.


    http://www.deutsches-architekt…3/Turmpalast-050308-1.jpg



    http://farm3.staticflickr.com/…08332083_8ef99c4dc1_z.jpg


    http://www.frankfurterbilder.de/images/92006043.jpg (rechter Rand)

  • Leben kehrt ein in das Palais:


    Gastronomischer Frohsinn im Frankfurter PalaisQuartier


    Quote

    Ende des Jahres wird im Thurn und Taxis Palais an der Großen Eschenheimer Straße 12 in Frankfurt am Main das Restaurant und Café Frohsinn eröffnen. Die Frohsinn GmbH unter Leitung von Ilias Malandrakis, Ali Rashidi und Payman Rashidi hat dazu 930 qm Fläche im Erdgeschoss des Gebäudes angemietet, das zum Frankfurter PalaisQuartier der MAB Development gehört.


    Schon direkt bemerkenswert, daß das Café keinen auf Teufel komm raus international klingenden Namen hat.

  • Ein rückliegender Kommentar vom 11.07.12 aus der Frankfurter Rundschau "Ohne Rücksicht auf Traditionen" Eschenheimer Tor Kommentar: Ohne Rücksicht auf Traditionen | Frankfurt - Frankfurter Rundschau
    Der Kommentar zeichnet ein düsteres Bild von Immobilienspekulationen in Frankfurt/M. und vom Gelände rund um das Palais. Insbesondere das Rundschau-Grundstück ist wohl jetzt schon längere Zeit eine unbebaute Brache. Erinnert stark an die 70iger Jahre. Nur wurden damals nicht Nachkriegsbauten voreilig abgerissen, sondern historische Altbauten.


    Es ist schon erstaunlich, dass die damals als zukunftsweisend gepriesenen Bauten der Moderne nach gerade mal 40-50 Jahren jetzt reihenweise unter der Abrissbirne verschwinden.

  • Mittlerweile ist das Restaurant "Frohsinn" in einem Seitenflügel eingezogen. Weite Teile scheinen aber immer noch leer zu stehen.



    (Innenhof)



    (Rückseite; Gartenfront)



    (Hier sieht man die Stuckarbeiten im Rundsaal des Erdgeschosses, der nun als Durchgang dient)


    (Sorry, habe nur schlechte Handypics zu bieten, da ich nur mal spontan geknipst habe und keine gute Kamera dabei hatte.)

  • Die Gründe dürften vor allem im Leerstand des Nextower zu suchen sein, es gibt keine zweite so neue Hochhausimmobilie in Deutschland, die so schlecht vermietet ist bzw. fast leer steht, und das schon seit rund fünf Jahren.

  • Hier gab es ja leider (bis auf 'Heimdalls' Ansicht des Eingangsbereichs) keine Bilder aus dem Inneren zu sehen:


    Wenn ich mir die nachfolgend verlinkten Seiten betrachte, scheint das Palais großflächig in Sichtbeton und mit rohen, unverkleideten Decken ausgestaltet.
    http://anneliwest.blogspot.de/…1-frohsein-im-palais.html


    http://www.palais-frankfurt.com/impressionen/palais/
    http://www.palais-frankfurt.com/impressionen/beletage/


    Das kann doch wohl nicht der endgültige Zustand sein. Wer weiß, wie es weitergehen soll? Es gibt offenbar ja auch noch Leerstand, wenn ich das richtig gelesen habe...

    Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
    (Immanuel Kant)

  • Karo, das finde ich nicht so schlimm. Einfach einen guten Stuckateur kommen lassen...

    „Ärzte können ihre Fehler begraben, aber ein Architekt kann seinen Kun­den nur raten, Efeu zu pflanzen.“
    George Sand

  • Servus,
    tut mir leid, wenn ich widersprechen muss. Für mich ist insbesondere die Rekonstruktion der Beletage und vor allem des Kuppelsaales nach genauer Prüfung die Verballhornung des Rekonstruktionsgedankens und ich lehne so was ab - dann lieber konsequent etwas anderes - von mir aus sichtbar historisierend oder eben modern. Wenn man es nicht vernünftig hinbekommt, sollte man es besser lassen. Warum bin ich so gar nicht amüsiert? Habt Ihr Euch den Raum mal genau angeschaut und mit dem Original verglichen??? Am besten im Panoramarundgang - dort zum Kuppelsaal navigieren. Ein detaillierte Rekonstruktion ist nur möglich, wenn man den Umgang wieder abbricht, was wohl eher nie passieren wird. Da gibt es eine Kante von 30/40 cm oder mehr, um den Umgang breiter zu machen. Wenn man nach oben schaut, sieht man den ganzen Murks. Weitere Profile wurden verbreitert. Das Geländer wurde vereinfacht und in den Proportionen deutlich verändert. Die Konsolen sitzen durch den veränderten Radius viel zu eng, womit die Stuckfelder niemals dazwischen passen würden. Der Stuck selbst ist ja in Ordnung. Aber das was man von der Architektur her draus gemacht hat - nee Danke! Weiterhin hat man das ehemals repräsentative Vestibül zu einem schmalen Flur dezimiert, da der Hauptfügel in seiner Tiefe deutlich reduziert wurde... siehe Wikipedia


    Beste Grüße


    Andreas