• Da hatten wir aber Glück, daß das Haus mit den mangelhaften Decken in über 100 Jahren nicht zusammengeklappt ist :cool:


    Wenn das Gebäude komplett neu gebaut werden müsste, kann man aber die Fassaden stehenlassen. Das wurde ja schon tausendfach so gemacht. Am Erscheinungsbild sollte sich also nichts ändern. Die VHS könnte die Räume nach Wunsch neu aufteilen.

  • Ich glaube dass es sich mal wieder um vorgeschobene Gründe handelt. Der Löwenhof ist absolut stadtbildprägend und muss, auch mit seiner innerern Substanz, erhalten bleiben!

    Labor omnia vincit
    (Vergil)

  • Insgesamt ist das schon eine Hammer-Meldung, nach dem bevorstehendem Abriss des Bochumer Nordbahnhofs schon die 2. aus dem Ruhrgebiet diese Woche. Wobei ich mich auch wundere, warum das Gebäude dann 100 Jahre lang gehalten hat, auch den 2. Weltkrieg überstanden hat. Vielleicht ergibt ja ein Scan der Decken, dass es doch gar nicht so schlimm ist.


    Der Löwenhof hat übrigens eine ganz interessante Geschichte. Erbaut als Großgaststätte (sowas wie das Münchner Hofbräuhaus, gab es in Dortmund vor dem 2. WK auch mehrere von, existieren tun lediglich noch 2-3 Gebäude mit nicht erhaltener Innenausstattung), später über lange Jahre Hauptsitz eines Stahlhändlers, dann VHS. Gibt es denn noch erwähnenswerte erhaltene Innenausstattung? Ich war während meiner 5 Jahre in Dortmund nie dort drinnen, auf Fotos sah es sehr VHS-typisch nüchtern dort aus.

    Wo die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten
    Karl Kraus (1874-1936)

  • Ich glaube, das Projekt "Hanse-Viertel" in Dortmund hatten wir auch noch nicht... an der Bremer Straße entstehen zur Zeit mehrere Mehrfamilienhäuser. Hier ein Link zum Bauprojekt.


    Dort sieht man auch die Bestandsfläche. Was dazu weicht ist die ehemalige Druckerei des General Anzeigers, in der Weimarer Republik die zweitgrößte deutsche Tageszeitung. Das damals hochmoderne Fabrikgebäude hat es auch in das bda-Buch "Die goldenen 1920er Jahre – Bauten der Weimarer Republik in Dortmund" geschafft, wurde aber leider nach dem Krieg vereinfacht wiederaufgebaut und enspricht nicht gewöhnlichen Ästhetikempfinden. Ein weiterer Schlag ist, dass die Neubebauung die bestehende Blockrandbebauung aufbricht und einen Kontrast zu den Gründerzeitlern auf der gegenüberliegenden Straße bietet. Von daher m. E. ein klarer Rückschritt, eine Umnutzung des Fabrikgebäudes wäre besser gewesen. Aber alte Fabrikgebäude gibt es im Ruhrgebiet eben noch viele...

    Wo die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten
    Karl Kraus (1874-1936)

  • Was haltet ihr eigentlich vom Deutschen Fußballmuseum in Dortmund, das am Sonntag, den 25.10.2015 eröffnet wird? Ich persönlich finde das Ding ziemlich daneben. Architektonisch, ein Griff ins Klo. Hat man sich da an einer Schiedsrichterpfeife orientiert?


    Doch nicht nur das Museum selber ist (äußerlich) total langweilig. Auch die Gestaltung der Umgebung ist einfach furchtbar. Beim DAF sieht man einige Bilder. Es kann nicht lange dauern, und der Platz wird völlig verwahrlost aussehen. Diese Kunstinstallationen schreien ja geradezu nach Graffiti. Für mich ist das, alles in allem, eine Enttäuschung.

  • Du hast recht. Die Lochfassade wirkt sehr hässlich und abweisend. Die "Skulpturen", die wohl haben ebenfalls 80er-Jahre-"Charme". Eine Verzierung mit Graffitis wäre kein so großer Verlust. Ich will niemandem auf die Füße treten, aber Fußball ist nunmal das Hobby der Masse. Gerade in Dortmund dürfte es nicht vor allem ein Herzensanliegen der ästhetisch gebildeten höheren Schichten sein. Insofern soll es vermutlich auch billig aussehen. Man will sich nicht allzu sehr von denjenigen (bzw. deren Klischee) entfernen, die gerne an der Currywurst-Bude herumhängen, um beim Blick auf eine Woolworth-Fassade über die letzten Bundesliga-Ergebnisse zu debattieren.

  • Gerade in Dortmund dürfte es nicht vor allem ein Herzensanliegen der ästhetisch gebildeten höheren Schichten sein. Insofern soll es vermutlich auch billig aussehen. Man will sich nicht allzu sehr von denjenigen (bzw. deren Klischee) entfernen, die gerne an der Currywurst-Bude herumhängen, um beim Blick auf eine Woolworth-Fassade über die letzten Bundesliga-Ergebnisse zu debattieren.


    Ich denke gerade in Dortmund zieht sich das Interesse am Fußball durch alle Schichten. Und dass die "höheren Schichten" ästethisch gebildeter sind, halte ich für ein Klischee, schließlich sind das doch genau die "Schichten", die in jeder x-beliebigen modernistischen Kiste irgendwelche akademischen Aussagen hineininterpretieren und Rekonstruktionen verhindern.


    Zum DFB-Museum: Architektonisch absolut langweilig, da wo es steht, kann aber auch nicht mehr viel kaputtgehen. Die Gegend hat den historischen Stadtgrundriss vollständig überformt und bis auf das Dortberghaus und dem AOK-Gebäude aus den 30ern ist kein Altbau weit und breit in Sicht. Konzentrieren wir uns lieber auf die restliche Dortmunder Altstadt, wo evtl. das ein oder andere Gebäude oder Ensemble wiederhergestellt werden kann.

    Wo die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten
    Karl Kraus (1874-1936)

  • Gute Nachrichten für alle Freunde der frühen Moderne: Die Stadt Dortmund wird das ehemalige AOK-Gebäude von 1931 am Königswall sanieren und rekonstruiert dabei weitgehend den Erbauungszustand.


    Link zur Seite der Stadt Dortmund (Visualisierung)


    In Dortmund tut sich in den letzten Jahren richtig was, auch in der Nordstadt werden etliche Gründerzeitler saniert. Was fehlt, ist wirklich gute neue Architektur sowie Projekte zur Heilung innerstädtischer Wunden (viel mehr kann man dort auch wohl nicht mehr machen). Wäre schön, wenn die Stadt Dortmund sich in dem Stil auch einigen Gründerzeitlern im Altstadtbereich annehmen würde.

    Wo die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten
    Karl Kraus (1874-1936)

  • Die Stadt Dortmund denkt übrigens gerade über einen Neubau der Volkshochschule an der Brinkoffstraße, also hinter dem ehemaligen AOK-Gebäude, nach. So möchte man mit den Berufsschulen am U-Turm, der Verwaltungsakademie und eben der Volkshochschule eine Art Bildungsmeile schaffen.


    Hintergrund ist, dass der Löwenhof, in dem die Volkshochschule momentan untergebracht ist, große Statikprobleme hat. Eine Sanierung könnte dort wohl mit ca. 30 Mio. Euro zu Buche schlagen.

  • Was soll denn jetzt mit dem Löwenhof geschehen?
    Anfang des Monats sah es dort von außen so aus; im Ergeschoss wurden Bauarbeiten durchgeführt.


    Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
    (Immanuel Kant)

  • Momentan wird die Statik des Gebäudes von Fachexperten überprüft. Dann wird man sehen, wie Teuer eine Sanierung wird. Offenbar könnte eine Sanierung deutlich günstiger werden, wenn es für dieses Gebäude eine neue Nutzung, wie etwa Büros oder Wohnungen geben würde.


    Ich gehe jedenfalls fest davon aus, dass das Gebäude erhalten bleibt. Ob die Volkshochschule das Gebäude allerdings weiter nutzen wird, halte ich momentan für offen.

  • Zum Löwenhof in Dortmund gibt es leider noch nicht viel neues... es scheint, als ob die Probleme wirklich ernst sind. Allerdings bemüht man sich weiterhin um den Erhalt:
    Artikel auf Ruhrnachrichten.de


    Außerdem wird das leerstehende Karstadt-Technikhaus jetzt verkauft (Ruhrnachrichten.de). ich hoffe, dass das Gebäude nicht mehr saniert sondern abgerissen wird. Vor dem Krieg stand dort das hochmoderne Reinoldi-Haus von Emil Pohle (Bild), was ich mir als Rekonstruktion in Kombination mit einem Patschke-ähnlichen Füllbau an der Brückstraße sehr gut vorstellen könnte. Leider wird es wohl so nicht kommen :(

    Wo die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten
    Karl Kraus (1874-1936)

  • Eine kleine Randnotiz auf der offiziellen Seite der Stadt Dortmund:


    "Dabei fand die geplante Neugestaltung der Fassade des Karstadt-Stammhauses am Westenhellweg besondere Erwähnung. Geplant sei, so Finger, die alte Lamellenfassade des Hauses zum Westenhellweg und Hansastraße zu entfernen, um die alte, darunter liegende Fassade aus den 60er Jahre wieder zum Vorschein zu bringen."


    Endlich! Wobei mich die 60er Jahre etwas wundert... ich dachte immer, die Natursteinfassade stammt direkt aus der Wiederaufbauzeit und wurde in den späten 60ern mit Blech verkleidet.


    Die Volkswohlbundversicherung erweitert ihren Stammsitz am Südwall. Nachdem sie ja bereits 3 Gründerzeitler in der Chemnitzer Straße erfolgreich vernichtet hat, geht es jetzt dem sehr gelungenen 50er-Jahre-Bau Südwall Ecke Elisabethstraße an den Kragen. Mir wird sie jedenfalls in diesem Leben keine Versicherung mehr verkaufen.

    Wo die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten
    Karl Kraus (1874-1936)

  • Eine kleine Randnotiz auf der offiziellen Seite der Stadt Dortmund:


    "Dabei fand die geplante Neugestaltung der Fassade des Karstadt-Stammhauses am Westenhellweg besondere Erwähnung. Geplant sei, so Finger, die alte Lamellenfassade des Hauses zum Westenhellweg und Hansastraße zu entfernen, um die alte, darunter liegende Fassade aus den 60er Jahre wieder zum Vorschein zu bringen."


    Endlich! Wobei mich die 60er Jahre etwas wundert... ich dachte immer, die Natursteinfassade stammt direkt aus der Wiederaufbauzeit und wurde in den späten 60ern mit Blech verkleidet.

    Der Ursprungsbau des Kaufhauses Althoff wurde im Krieg stark beschädigt und später in vereinfachter Form wieder aufgebaut. Anfang der 60er Jahre ist dieser Bau abgerissen und durch den heutigen Bau ersetzt worden. Gut 10 Jahre Später kamen die Lamellen vor die Fassade. Was sich allerdings hinter den Lamellen ist auch nicht viel besser als der jetzige zustand. Allerdings ist wohl eine historisierende Gestaltung geplant. Vorbild sollen die Fassaden am Alten Markt sowie am Hansaplatz sein, die bereits in den 90er Jahren von den Lamellen befreit wurden.


    Es ist jedenfalls sehr gut, dass die Fassade endlich in angriff genommen wird. Der Westenhellweg wird dadurch weiter an Attraktivität gewinnen.


    https://www.google.de/maps/uv?…RAhVDNVAKHSbMDw0QoioIfTAK

  • In der Gruppe Dortmund Alte Fotografien wurde von einem User eine Collage über die verschiedenen Umbauten erstellt. Leider haben sich die beiden schlechtesten Bauzustände am längsten erhalten. Das Architekturbüro Heinrich Böll aus Essen besitzt aber durch verschiedene Projekte einen erheblichen Vertrauensvorschuss bei mir und der Westenhellweg wird sein Gesicht an dieser Stelle zum positiven verändern.


    Quelle: Dortmund Alte Fotografien User: Klaus Delling


    Aktuelle


    Quelle: Koopmann

  • Vielen Dank für die Gegenüberstellung. Bilder aus den 1970er Jahren habe ich bisher noch nie gesehen, daher bin ich bis vor kurzem davon ausgegangen, dass in den 1960ern die heutige Fassade vor die erhaltene Sandsteinfassade vorgeblendet wurde und habe mich immer gefragt, warum man diese nicht einfach abnimmt. Schade, dass das Gebäude damals doch abgerissen wurde - dies passt aber auch zum Inneren, das leider in keinster Weise irgendwelche Hinweise auf einen Altbau enthält. Schön wäre, wenn die 70er-Jahre-Fassade abermals flach gelegt wird. Ob dann eine Rekonstruktion der Jugendstilfassade, der Nachkriegsfassade oder ein gegliederter Neubau aus Sandstein käme, wäre mir fast noch egal. So wie es scheint, wird aber nur die moderne Natursteinfassade freigelegt, oder?

    Wo die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten
    Karl Kraus (1874-1936)

  • Laut den Ruhrnachrichten werden die Lamellen entfernt, der Sandstein aufbereitet, Fenster bis zum ersten OG erstellt werden und zusätzlich die 70 Jahre Glasfront ausgewechselt werden. In wie weit der Rest sich an die alte Fassade angleichen soll, ist nicht beschrieben.

  • Update Rekonstruktion am Königswall - Neues Studieninstitut Ruhr/ Schulamt Dortmund


    Bekanntlich wird das ehemalige AOK-Gebäude aus den 1920er Jahren im Schatten des Harenberg-City-Centers (HCC) am Königswall für 9,7 Millionen Euro saniert. In der neuen Heimat des Dortmunder Schulamts und des Studieninstitut Ruhr werden derzeit das historische Treppenhaus rekonstruiert und neue Fenster eingesetzt. Des Weiteren wird die Fassade am Treppenaufgang rekonstruiert. Quelle


    Visualisierung der Rekonstruktion



    Quelle: Koopmann

  • Löwenhof gerettet - VHS zieht aus


    Der Löwenhof ist gerettet und steht nun aufgrund der hohen Sanierungskosten vor dem Verkauf. Aufgrund von Mängeln an der Statik die während einer Brandschutzssanierung zu Tage getreten sind wurde in der heutigen schnelllebigen Zeit über einen Abriss diskutiert. Das dies wie selbstverständlich nie zur Debatte gestanden haben soll ergibt sich nun aus der Pressemitteilung der Stadt Dortmund. Das Gebäude ist nämlich nur für einen schulischen Betrieb statisch ungeeignet und kann somit für Wohnzwecke oder als Bürogebäude weiterhin genutzt werden. Innerhalb der kommenden Wochen soll nun ein Interessenbekundungsverfahren startet und das Gebäude veräußert werden.
    Quelle


    Die VHS hat auf ihrer Homepage die Geschichte des Löwenhofs sehr gut aufbereitet - hier.


    Des Weiteren zieht die VHS in das früherer Haus der Lippeverbandes am Königswall, welches um einen Neubau ergänzt werden soll.


    Fazit: Es werden zwei Altbauten am Königswall gerettet, saniert und mit Leben gefüllt. Des Weiteren wird ein Investor am Löwenhof hoffentlich die unsägliche Situation an der Ecke Hansastraße mit einem Neubau lösen.



    Quelle: Das Lippeverbandshaus am Königswall – hier im Jahr 2013. Foto: Jannis Reichardt