Graffiti-Problem

  • seltsamerweise sind Schmierereien in Bayern verhältnismäßig selten jedoch in anderen Bundesländern wie Berlin

    Ist das wirklich so oder ist hier eher ein Stadt-Land Gefälle zu sehen? Da müsste man mal wirklich Zahlen zu haben. Ich werde mal schauen, ob sich sowas ermitteln lässt.


    Auf die Schnelle aus der Straftatenstatistik:


    Sachbeschädigung durch Graffiti im gesamten Bundesgebiet (angezeigt):

    2015: 96.623

    2016 105.094 davon in Hessen 3258 (in Hessen leben 7,73 % der Einwohner der BRD)

    2017 in Hessen 3244, im Bereich der Polizeidirektion Bamberg: 244


    Die Aufklärungsrate ist überall sehr gering. Die bayrischen Zahlen sind von mir so schnell nicht zu finden. Repräsentativ wird dies natürlich alles erst, wenn man alle Zahlen (am besten nach wesentlich kleineren Einheiten als Bundesländer nebeneinander stellt.



    Wäre aber vielleicht auch möglich, dass es in den 80ern erst aufkam mit den Sprayern in Deutschland. Und damit fast schon zu spät für die DDR

    Ob das der Grund ist? Eher dann doch die größere Angst der DDR Bürger vor Sicherheitskräften aller Art. Auch wenn es weniger Graffitis gab, die DDR Verhältnisse möchte ich trotzdem nicht zurückhaben (zumal die heute beschmierten Bauten zu DDR Zeiten ganz anderen Gefährdungen ausgesetzt waren).

  • Ob das der Grund ist? Eher dann doch die größere Angst der DDR Bürger vor Sicherheitskräften aller Art.

    Genau so ist es!


    Vor der Volkspolizei hatte man zwar keinen Respekt aber dafür um so mehr Angst.


    Ich hatte mir mal als Jugendlicher etwas Salpetersäure des Nachts aus einem Chemiedepot abgefüllt und wurde erwischt - die Watschn die ich mir dann auf der Polizeiwache gefangen habe, waren nicht ohne.

    Diejenigen, die entscheiden, sind nicht gewählt, und diejenigen, die gewählt werden, haben nichts zu entscheiden.

    Horst Seehofer

  • Ich denke mal, das liegt zum einen an der wesentlich höheren Präsenz an Ordnungskräften so wie an den wesentlich empfindlicheren Maßnahmen gegen Sachbeschädiger.

    Ist das nur ein Gefühl, oder kannst du es empirisch belegen, dass die Ordnungskräfte präsenter und die Maßnahmen empfindlicher sind?


    Und nochmal (ich will auf keinen Fall die DDR schönreden), gab es solche Fälle in der DDR überhaupt nicht - hier waren die Strafen drakonisch - bei "Rowdytum" gab es für Jugendliche das berühmt berüchtigte Jugendwerkhof, Erwachsene konnten unter Umständen wegen "staatsfeindlicher Hetze" ein paar Jahre im "gelben Elend" (JVA Bautzen) über ihre Tat nachdenken.

    Also was schlägst du konkret vor? Langjährige Haftstrafen für Graffiti, Einzelhaft, Spezialheime? So klingt es für mich, wenn du immer wieder die Zustände in der DDR als Vorbild anführst.

    Kunsthistoriker, Webdesigner und Blogger

    Hat die Website für Stadtbild Deutschland erstellt und war eine Zeit lang als Webmaster für Forum und Website verantwortlich.

  • Die Ordnungskräfte so wie das Innenministerium in Bayern fahren eine etwas restriktivere Linie als es in einigen anderen Bundesländern der Fall ist.


    Wen es interessiert, kann sich gern auf der Seite Bayerisches Staatsministerium des Innern, für Sport und Integration - Startseite - Bayerisches Staatsministerium des Innern, für Sport und Integration (bayern.de) informieren.

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    Horst Seehofer

  • Die Ordnungskräfte so wie das Innenministerium in Bayern fahren eine etwas restriktivere Linie als es in einigen anderen Bundesländern der Fall ist.

    Das ist keine Antwort auf meine Frage, sondern die Wiederholung der These. Was heißt das nun konkret für die Graffiti-Szene und wo kann man das empirisch nachvollziehen?

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  • Wen es interessiert, kann sich gern auf der Seite Bayerisches Staatsministerium des Innern, für Sport und Integration - Startseite - Bayerisches Staatsministerium des Innern, für Sport und Integration (bayern.de) informieren.

    Leider eben nicht. Eine die einzelnen Delikte aufführende Kriminalstatistik ist dort nicht zu finden. Alles nur "Hochglanzbroschüren" ohne Daten. Das machen die anderen Bundesländer aber nicht anders. Nur für Hessen habe ich eine Kriminalstatistik gefunden.


    https://www.polizei.hessen.de/…e99-pks-hessen-2017_1.pdf

  • Meinst? So weit ich mich erinnern kann , war die Berliner Mauer westseitig schon in den 70iger Jahren recht bunt - was bei diesem Bauwerk des Verbrechens auch nicht weiter störte - im Gegenteil.

    Ach okay, das wusste ich nicht, ich habe nur gelesen, dass in den 70ern das in den USA aufkam und dann in München glaube eben in den 80ern auch hier populär wurde. Wobei man ja auch unterscheiden muss, dass es da um Graffiti als Kunstform ging und nicht wie heute um reine Sachbeschädigung und Machtdemonstration zumindest bei Fassaden und Zügen.


    Ist das wirklich so oder ist hier eher ein Stadt-Land Gefälle zu sehen?

    Also ich komme in Bayern ja schon bissel rum, und solche Schmierereien wie in Leipzig und Berlin habe ich so hier noch nirgends gesehen. Vielleicht halte ich mich auch in München und co. an den falschen (sauberen) Orten auf, aber das ist mir schon sehr aufgefallen.

  • Leider eben nicht. Eine die einzelnen Delikte aufführende Kriminalstatistik ist dortt nicht zu finden. Alles nur "Hochglanzbroschüren" ohne Daten. Das machen die anderen Bundesländer aber nicht anders. Nur für Hessen habe ich eine Kriminalstatistik gefunden.


    https://www.polizei.hessen.de/…e99-pks-hessen-2017_1.pdf

    Gut, ich bin ja nicht im Innenministerium - somit sind mir die Statistiken jetzt auch nicht bekannt.


    Wenn ich nächste mal Joachim Hermann treffe, werde ich ihn aber fragen wie wir das Graffitiproblem in Bayern handhaben.


    Das kann allerdings bis zum nächsten CSU Parteitag dauern....ich hoffe mal, daß er dieses Jahr nicht wieder nur online stattfindet.

    Diejenigen, die entscheiden, sind nicht gewählt, und diejenigen, die gewählt werden, haben nichts zu entscheiden.

    Horst Seehofer

  • Gut, ich bin ja nicht im Innenministerium - somit sind mir die Statistiken jetzt auch nicht bekannt.

    Leitest aber Aussagen daraus ab? Da komme ich nicht ganz mit.

    Kunsthistoriker, Webdesigner und Blogger

    Hat die Website für Stadtbild Deutschland erstellt und war eine Zeit lang als Webmaster für Forum und Website verantwortlich.

  • Da kam man so einfach hin?


    Nö, es war schon Meter zu vor ein Schild:


    Quellbild anzeigen

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    Horst Seehofer

  • Leitest aber Aussagen daraus ab? Da komme ich nicht ganz mit.

    Aber es ist gut, daß wir darüber geredet haben ~:-[]

    Diejenigen, die entscheiden, sind nicht gewählt, und diejenigen, die gewählt werden, haben nichts zu entscheiden.

    Horst Seehofer

  • Noch lachen wir darüber, aber vielleicht kommt ein weltweites Verbot von Gas-betriebenen Sprühflaschen durch eine plotzlich nachgewiesene klimaschädliche Wirkung schneller als wir uns das gerade vorstellen können.

  • Noch lachen wir darüber, aber vielleicht kommt ein weltweites Verbot von Gas-betriebenen Sprühflaschen durch eine plotzlich nachgewiesene klimaschädliche Wirkung schneller als wir uns das gerade vorstellen können.


    Halte ich gar nicht für ausgeschlossen.


    Trotz FCKW freien Druckgases, sind in den Farbsprayflaschen noch immer giftige Aerosole enthalten, welche auch der Umwelt Schaden zufügen.


    Das wäre allerdings saublöd für die Sprayer....so mit Pinsel und Ölfarbe - des dauert ~:-[]

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    Horst Seehofer

  • Eine die einzelnen Delikte aufführende Kriminalstatistik ist dortt nicht zu finden.

    Es ist aber auffallend, wenn man mal einen Stadtspaziergang in München mit einem in Berlin vergleicht. Da braucht es keine Statistik, sondern einfach zwei Augen.


    Das wäre allerdings saublöd für die Sprayer....so mit Pinsel und Ölfarbe - des dauert

    Das wäre ein Zurück zu den 1970er Jahren. Damals sind sie mit Eimer und Pinsel losmarschiert und haben auf die Wände gepinselt. Allerdings noch keine Tags, sondern politische Parolen. Ich kann man aus meiner Kindheit noch daran erinnern.

  • Das wäre ein Zurück zu den 1970er Jahren. Damals sind sie mit Eimer und Pinsel losmarschiert und haben auf die Wände gepinselt. Allerdings noch keine Tags, sondern politische Parolen. Ich kann man aus meiner Kindheit noch daran erinnern.

    Da kann ich mich auch an einen Fall erinnern aus der Nachbarschaft - der malte mit weißer Schlemmkreide ein nicht genehmes Zeichen aus dem 3. Reich an eine Häuserwand und wurde erwischt.


    Darauf hin überführte man ihn zur MfS Zentrale und bot ihm an, die Sache auf sich beruhen zu lassen, so er denn ehrenamtlich für das MfS als IM arbeiten würde.


    Aber ich glaube die haben recht schnell die Finger von ihm gelassen, jedes mal wenn er besoffen war, erzählte er jeden daß er von der Stasi ist ablachen:)

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    Horst Seehofer

  • Es ist aber auffallend, wenn man mal einen Stadtspaziergang in München mit einem in Berlin vergleicht. Da braucht es keine Statistik, sondern einfach zwei Augen.

    Das ist offensichtlich. Allerdings garantiert der Wohlstand einer Stadt allein kein gepflegtes Stadtbild. Sonst gäbe es z.B. hier in Stuttgart nicht so viele Schmierereien. Das Stadtbild von München ist in weiten Teilen sehr attraktiv, auch wegen der Qualität der Bausubstanz. Stuttgart oder Berlin haben dagegen viele heruntergekommene Bereiche, wo dann eben die "Broken-Windows-Theorie" sichtbar wird. Hässliche Architektur wird nicht wertgeschätzt und zieht daher Verwahrlosung und Vandalismus magisch an.

  • Es ist aber auffallend, wenn man mal einen Stadtspaziergang in München mit einem in Berlin vergleicht. Da braucht es keine Statistik, sondern einfach zwei Augen.

    Warst Du in den letzten 5 Jahren einmal in Berlin oder München? Hast Du gezielt Orte aufgesucht an denn Graffitis üblicherweise sind? Hast Du hierbei auf Graffitis explzit geachtet?


    Offensichtlich geht es in diesem Strang nicht um eine sachliche Auseinandersetzung mit dem Thema, sondern um subjektive Wahrnehmungen oder parteipolitisches Wunschdenken.


    Das hat allerdings dann null Erkenntniswert, so dass ich mich hier ausklinke.

  • Warst Du in den letzten 5 Jahren einmal in Berlin oder München? Hast Du gezielt Orte aufgesucht an denn Graffitis üblicherweise sind? Hast Du hierbei auf Graffitis explzit geachtet?

    In Berlin ja. In München nein, denn da war ich länger nicht mehr.


    Natürlich bewege ich mich in Berlin eher in den innerstädtischen "Szene-Vierteln" (Kreuzberg, Prenzlauer Berg...), als in Biesdorf oder Grunewald, wo es sicherlich kaum ein Graffiti-Problem gibt. Aber in München bewegte ich mich ja auch im innerstädtischen Bereich (Schwabing, Maxvorstadt) und nicht irgendwo am Flughafen.


    Als ich das erste Mal in München war, war ich regelrecht geflasht von der Sauberkeit, vor allem auch der U-Bahn-Stationen. Da habe ich den lebhaften Kontrast zu Frankfurt, wo gerade der ÖPNV meist "etwas" versifft wirkt, geradezu vor Augen. Und ich erinnere mich, dass ich meinem Kumpel in München sagte: "Hier gibt es so gut wie kein Graffiti!"


    Es mag ja sein, dass es in Berlin besser geworden ist, aber mich wundert schon, dass jemand diesen Unterschied der Städte zu leugnen versucht.


    Ab Nürnberg wird es Richtung Norden übrigens schon wieder verkommener. Ich weiß nicht, woran das liegt. Möglichenfalls der verfallende Protestantismus? Wobei Köln ja auch alles andere als clean ist. (Und da bin ich häufig.)

  • Wo Andreas in den letzten Beiträgen „parteipolitisches Wunschdenken“ ausmacht ist mir schleierhaft. Langsam wird diese reflexhafte Empörung unserer „woken“ Teilnehmer wirklich lächerlich.


    Berlin wird von rot-rot-grün regiert, München von rot, Stuttgart bis vor kurzem von grün und jetzt schwarz. Ich sehe da keine politische Kausalität, die Ursache für die Graffiti-Problematik dürfte vielmehr in der fehlenden Qualität und Wertschätzung des öffentlichen Raums liegen. Siehe Beitrag #157. Ist man in Berlin oder Stuttgart stolz auf die Schönheit der Stadt? Eher nicht. Ist man es in München? Ich glaube ja. Und worauf man stolz ist, das beschädigt man nicht.

    In dubio pro reko