• Es verlangt ja auch kein Traditionalist von einem Moderne-Architekten, seinem Entwurf Gesimse und Erker anzufügen.

    Was ich aber mal sehr reizvoll fände. :zwinkern:


    (Ich bin ja überhaupt ein großer Freund davon, modernistische Gebäude durch traditionelle Zu-/Umbauten kontrastreich zu verändern. Krüppelwalmdächer auf Flachdachblocks. Türme und Erker an Rasterhochhäuser. Pfeilerarkaden aus Marmor vor die Glaskasteneingänge. Opulentes Jugendstildekor in brutalistischen Sichtbeton einfräsen. Fachwerkaufsätze über Strichcode-Fassaden.... :tongue:)

  • Aber ein schön verzierter Nachkriegsbau in der Kaufingerstraße, der gut zu den auch historischen Gebäuden seiner Umgebung passte, durfte durch eine der banalsten Fassaden überhaupt ersetzt werden...

    Das ist Krieg gegen die Schönheit was diese Leute da machen, ihre Arbeit machen sie auf alle Fälle nicht.

    Hat die Schönheit eine Chance-Dieter Wieland

  • "...sei historisierend, wird moniert."


    Sie hätten auch monieren können, dass das Gebäude "zu schön aussieht". Zeigt doch einmal mehr, wie krank das Denken in den Köpfen dieser selbsternannten Gestaltungsrichter ist.

  • Eine deartig besetzte Stadtgestaltungskommission dreht sich doch völlig um sich selbst, anstatt das Stadtbild objektiv bewerten zu können. Einzig (und ausgerechnet!) die Amsterdamer Kollegin äußert sich positiv zu dem Entwurf. Bei uns in Baden-Baden gibt es eine solche Kommission auch. Da gelingt es ihnen zwar meist, die allerschlimmsten Entgleisungen zu korrigieren, aber wenn für einen einfältigen Betonklotz mal wieder ein schöner Altbau platt gemacht wird, verliert dazu niemand auch nur jemals ein Wort. huh:)


    Zurück zum Thema: Man könnte seine Meinung zu den Aussagen über die Mozartstraße 4 in der "Abendzeitung" ja an die Kommission direkt richten. Siehe hier unten per Mail unter Kontakt: https://www.muenchen.de/rathau…Bauaufsicht/KfS-Info.html Ein Effekt wäre hieraus sicher nicht zu erwarten, aber so würden sie vielleicht mal sehen, was andere Leute so denken.


    Interessant sind übrigens die auf dieser Webseite in der Einleitung oben genannten Projekte wie (der geplante Umbau des) Gasteigs und (der realisierte Neubau des) Pschorr-Hauses, mit denen sich diese Kommission in der Vergangenheit beschäftigt hat. Das sind bezeichnenderweise zwei Beispiele, die sich in ihrer Realisierung kaum schlimmer aufs Stadtbild auswirken könnten! So viel also zur Expertise der Kommission! :kopfschuetteln:

    „Sollt ich einmal fallen nieder, so erbauet mich doch wieder!“ (Inschrift am Schwarzhäupterhaus in Riga)


    Nach Baden-Baden habe ich ohnedies immer eine Art Sehnsucht.
    Johannes Brahms (1833-1897)

  • Ich hab mal gegoogelt wer diese Komissionsmitglieder sind.Klar alles Architekten der Moderne.Was will man von diesen Leuten da auch anderes erwarten.Na ich bin gespannt was nun am Ende da herauskommt.

  • Halbwegs normal empfindende Menschen müssen es erst einmal begreifen: sie wollen es einfach nicht - das schöne, harmonische, zusammenpassende, ja "geheilte" Stadtbild. Das macht ratlos, so wie einen Arzt der Patient ratlos macht, der überhaupt nicht gesund werden will, weil er es eben besser findet, krank zu sein.

    Und: sie sind die Gestaltungskommission und sitzen an den Schalthebeln der Macht.

    Vielleicht würden geeignet konzipierte Meinungsumfragen in solchen Situationen hilfreich sein, denn man gelangt in einen Bereich, wo man mit Argumenten kaum mehr weiterkommt. So könnte man immerhin nachweisen, dass die Gestaltungskommission eine (gleichwohl schlagkräftige) Minderheit vertritt - im Bereich der Stadtgestaltung, der nun einmal jeden Menschen betrifft.

    Eingestellte Bilder sind, falls nicht anders angegeben, von mir

  • Diese Gestaltungskommission macht genau das Gegenteil von dem, was ein normaldenkender Mensch mit Hausverstand denken würde, wofür sie da sein sollte. Das haben wir Bürger (und leider etwas spät, aber immerhin auch die Stadträte) in Dresden bemerkt, was diese unsägliche Gestaltungskommission alles torpediert hat. Diese rein ideologisch besetzten Gestaltungskommissionen sind die Böcke, die man (Bauverwaltung) als Gärtner einsetzt und daher darf man sich nicht wundern, wenn unsere Stadtbilder überall von diesen Böcken verwüstet werden.


    Naja, zum Glück hat diese Gestaltungskommission keine verbindliche Wirkung: Wenn ich der Architekt wäre, würde ich bei der nun 2. Runde mit den "Nachbesserungen" jetzt sogar noch das eine oder andere Türmchen mit glasierten Ziegeln und einem riesengroßen, schmiedeeisernen Wetterhahn darauf den Böcken vorlegen und fragen, ob ich noch einmal nachbessern soll, da mir auch noch ein paar Ideen gekommen sind wie ich den vis-a-vis liegenden Plattenbau an die Umgebung anpassen könnte...:biggrin:.

    „Dekoration ist der wichtigste Teil der Architektur“ (Sir William Scott)

  • Man könnte sie auch mit ihrem eigenen üblichen Argumenten schlagen: Das historisierende Gebäude sorgt doch für Kontraste, die sie ja selbst immer so lieben, wenn sie wieder einen Klotz zwischen Altbauten setzten dürfen.

    Hat die Schönheit eine Chance-Dieter Wieland

  • Das hat ja auch eine gewisse innere Logik: Die Gestaltungskommissionen vertreten die "gute Gestaltung". Und das ist aus ihrer Sicht das, was in den Architekturfakultäten als gut beigebracht wird: Klare Linien, Reduktion auf das "Wesentliche", Transparenz, "Ehrlichkeit", Eindeutigkeit, Fokussierung auf das funktional notwendige, "less is more", mit den Eigenschaften des Materials arbeiten usw. So hab ich das zumindest mal gelernt. Und auch, dass der Architekt da einen Erziehungsauftrag habe.

  • Das hat ja auch eine gewisse innere Logik: Die Gestaltungskommissionen vertreten die "gute Gestaltung". Und das ist aus ihrer Sicht das, was in den Architekturfakultäten als gut beigebracht wird: Klare Linien, Reduktion auf das "Wesentliche", Transparenz, "Ehrlichkeit", Eindeutigkeit, Fokussierung auf das funktional notwendige, "less is more", mit den Eigenschaften des Materials arbeiten usw. So hab ich das zumindest mal gelernt. Und auch, dass der Architekt da einen Erziehungsauftrag habe.

    Ruth Berktold ist dafür ein ganz "tolles" Beispiel, die seit 2002 an der Hochschule München lehren darf, in dieser Gestaltungskommission sitzt und zu deren Werk das hier gehört:


    https://www.yes-arc.com/projects/residential.html


    Es ist ein Trauerspiel, dass solche Menschen, die ideologisch völlig festgefahren sind, das Antlitz einer Stadt bestimmen sollen.

  • Mich würde mal interessieren, warum die heutige Architektur sich Weitestgehend von klassisch, traditionellen Formen so weit entfernt hat? Ja, sie werden direkt bewusst abgelehnt Bzw schon verdrängt.In der modernen Architekturwelt haben sie heute fast schon keine Daseinsberechtigung mehr.Ein traditioneller Architekt hat heutzutage keinen leichten Stand sich mit seinem Stiel durchzusetzen.Um Erfolg zu haben muss er sich dem modernen Zeitgeist irgendwie anpassen und mit dem Strom treiben,entgegen seiner inneren Überzeugung.Ich denke,nur sehr wenige traditionelle Architekturbüros die schon einen Rang und Namen haben, können sich auf dem Markt gegen die vorherrschend und bestimmende Moderne noch hier und da behaupten .

    Kann man inzwischen in der Welt der Architektur,schon von einer Art ,"Diktatur der Moderne"sprechen?Profitieren vielleicht bestimmte Kreise auf der Welt von der Moderne?-Da sie so auffällig stark vorangetrieben und durchgesetzt wird.

    Könnte nicht dadurch die Individualität der Architektur verloren gehen und letzendlich sich auf eine weitestgehende Vereinheitlichung der Formensprache reduzieren?

  • Mich würde mal interessieren, warum die heutige Architektur sich Weitestgehend von klassisch, traditionellen Formen so weit entfernt hat?

    Aktuell durch die Besetzung der Hochschulposten mit Linientreuen. Ist aber zunehmend in anderen Fachrichtungen ähnlich. Historisch, also warum es so weit kam, wäre die Entwicklung eine Untersuchung wert.

    Um Erfolg zu haben muss er sich dem modernen Zeitgeist irgendwie anpassen und mit dem Strom treiben

    In Zeiten der Cancel Culture betrifft das weitgehend alle relevanten Berufszweige. Welcher Journalist, welcher "Fernseh-Promi", welcher Schauspieler, welcher Schriftsteller... kann sich noch erlauben, gegen den Zeitgeist zu argumentieren, ohne einen "Shitstorm" auszulösen und berufliche Probleme zu bekommen?

    Profitieren vielleicht bestimmte Kreise auf der Welt von der Moderne?

    Selbstverständlich. Ohne Profit würde der Modernismus nicht existieren. Genormte, industriell hergestellte Formen entsprechen eben den Interessen einer globalen Bau- und Anleger-Maschinerie. Zudem werden ideologische Ziele verfolgt, was immer wieder bei Debatten zu Rekonstruktionsobjekten zu beobachten ist. Ein positiver Rückgriff auf Geschichte ist nicht gerne gesehen.

    Könnte nicht dadurch die Individualität der Architektur verloren gehen und letzendlich sich auf eine weitestgehende Vereinheitlichung der Formensprache reduzieren?

    Nicht nur Individualität, sondern vor allem auch der Ortsbezug. Und Vereinheitlichung entspricht sowohl den Interessen des Kulturmarxismus wie der globalen Oligarchie. Mich wundert allerdings das "könnte" in der Frage. Das ist doch offenkundig. Sollte es jedenfalls sein. Vor allem für jemanden, der sich seit Jahren mit dem Thema beschäftigt und seine Sinne schärft, indem er in diesem Forum angemeldet ist.

  • Herr Herrmann


    Aber das ist doch auf vielen Feldern sichtbar, diese Verächtlichmachung von Traditionellem, Schönem und Konservativem. Heimdall hat es sehr gut dargestellt. Ich meine schau dir doch den ÖR an. Wo finden konservativ gesinnte Menschen im teuersten Rundfunk der Welt eine Plattform? Ganz sicher nicht bei Georg Restle oder Claus Kleber. Leute, die ihre linken Positionen nicht teilen werden verachtet, verhöhnt und in die Nazi-Ecke geschoben.


    In der Architektur ist es nicht anders. In meinen Augen durchleben wir gerade die dunkelste Periode der Architekturgeschichte. Nie in 3000 Jahren wurde so banal, einfallslos und lieblos gebaut wie heutzutage. Das ist wahrlich kein deutsches Phänomen, sondern ein globales. Es bräuchte hier unbedingt eine Gegenbewegung.

    In der Altstadt die Macht, im Kneiphof die Pracht, im Löbenicht der Acker, auf dem Sackheim der Racker.


    Hätt' ich Venedigs Macht und Augsburgs Pracht, Nürnberger Witz und Straßburger G'schütz und Ulmer Geld, so wär ich der Reichste in der Welt.

  • Und schon wieder bekommen wir ungefragt eine Kostprobe aus einem Konvolut aus Kulturpessimismus, Bashing der angeblich nicht ausreichend konservativen Medien sowie einem politischen Statement um die Ohren gehauen. Manche Menschen müssen das ständig loswerden, auch wenn es noch so unpassend ist. Diese Früher-War-Alles-Besser-Mentalität nervt.


    Ob wir in der dunkelsten Periode der Architekturgeschichte leben, können wir übrigens aus unserer Warte schwer beurteilen. Das werden andere Generationen nach uns sicher besser einordnen können. Wir können aber immerhin Einzelbeispiele einordnen, wie den hier vorgestellten positiven Entwurf aus München.

    Kunsthistoriker, Webdesigner und Blogger

    Hat die Website für Stadtbild Deutschland erstellt und war eine Zeit lang als Webmaster für Forum und Website verantwortlich.

  • Und schon wieder bekommen wir ungefragt eine Kostprobe aus einem Konvolut aus Kulturpessimismus, Bashing der angeblich nicht ausreichend konservativen Medien sowie einem politischen Statement um die Ohren gehauen. Manche Menschen müssen das ständig loswerden, auch wenn es noch so unpassend ist. Diese Früher-War-Alles-Besser-Mentalität nervt.


    Ob wir in der dunkelsten Periode der Architekturgeschichte leben, können wir übrigens aus unserer Warte schwer beurteilen. Das werden andere Generationen nach uns sicher besser einordnen können. Wir können aber immerhin Einzelbeispiele einordnen, wie den hier vorgestellten positiven Entwurf aus München.

    "Früher-War-Alles-Besser" vielleicht nicht, aber "Früher-War-Alles-Schöner" gewiß ;-) !


    "Ob wir in der dunkelsten Periode der Architekturgeschichte leben, können wir übrigens aus unserer Warte schwer beurteilen." Also ich nehme mir das nun einmal für mich persönlich heraus - ich finde alle Kulturepochen vor der "Moderne" auf jeden Fall gotteszahlunendlich "erhellender" und ökologisch nachhaltiger sowieso!

    „Dekoration ist der wichtigste Teil der Architektur“ (Sir William Scott)

  • Exilwiener ,eine Gegenbewegung von wem? Es gibt einige Menschen die sich für traditionelle Architektur stark machen (wie wir hier zB im Forum:wink:)die sind aber in der Minderheit und die Masse der Bürger,da interessiert sich auch nur eine kleine Minderheit für Architektur überhaupt.Ich wüsste nicht,wie man da gegenwärtig bei dieser Dominanz der Moderne zumindest etwas dagegen halten könnte.Modern kommt von Mode.Mode ist zwar nach einer gewissen Zeit wieder Vergänglich,aber die Mode der Architektur die gehenwärtig schlicht und sachlich ist ,hält sich hier in Europa leider schon so ziemlich lange,seit Bauhaus der 20er Jahre,also rund 100 Jahre.:opa:

  • Ich sag mal so - es wäre wünschenswert wenn sich gewisse Leute in der Münchner Gestaltungskommision wieder auf das Vermächtnis Thomas Wimmer zu besinnen.


    Auch wenn er Oberbürgermeister einer mir suspekten Partei war, so hat er sich doch für die architektonische Weltstadt mit Herz eingesetzt und dafür gesorgt, daß vieles erhalten blieb und wieder hergerichtet wurde.


    Makabererweise ist eines der häßlichsten Ecken Münchens nach ihm benannt - "Thomas Wimmer Ring", dem zahlreiche schützenswerte Bauten weichen mußten.