• In diesem Fall geht es wohl nicht um den Verlust wertvoller Architektur, sondern um den Verlust eines offenbar beliebten Treffpunkts mit Aufenthaltsqualität zugunsten eines Gewerbebaus ohne sonstigen Mehrwert. Auch das kann man bedauern.

  • Architektonisch gesehen war das Gebäude unbedeutend, war halt ne nette Wirtschaft wo ich auch mit meinem "Großen" öfter mal n Eis essen gegangen bin. Ich kann jetzt aber nicht behaupten, daß ich das Gebäude ansich so sonderlich vermisse. Auch schräg gegenüber von uns in der Westendstraße gab es eine gemütliche Wirtschaft - das Hubertusstüberl - war so ein 60iger Jahre Bau und ist inzwischen auch abgerissen, da hat Augustiner angebaut.

    Jeder hat das Recht auf meine Meinung.

  • Einer der beiden historischen Vorgänger-Bierkeller (Bavaria-Keller, daneben gab es wohl noch den Hacker-Keller, beide abgerissen Ende der Sechziger. Heute heiß begehrt, standen solche Oasen der Ruhe damals wohl dem allgemeinen Fortschrittsglauben im Wege...


  • Anbei noch ein Link zu einem wahnsinnig interessanten Artikel aus der Zeit von 1970: Der Schwund dieser grünen Oasen war damals in vollem Gange und wurde als ernsthaftes städtebauliches Problem wahrgenommen. Auch die hier betroffenen Keller wurden erwähnt:



    Nicht genug: Auf dem Gelände des Bavaria- und Hackerkellers hinter der Theresienwiese sollen Wohn- und Geschäftshochhäuser entstehen. Zur Beruhigung sagt die Pschorr-Brauerei, daß auch die neue Anlage einen Kastaniengarten bekommen und "die typische Münchner Atmosphäre erhalten bleiben soll". Nur: Statt der Spatzen spucken dann die Bewohner des achten Stocks den Biertrinkern in den Krug.

    Ob die "typische Münchner Atmosphäre" durch den -jetzt ebenfalls abgerissenen- Nachfolgebau erhalten blieb, bezweifle ich stark. Für alle Interessierten: https://www.zeit.de/1970/31/rettet-die-biergaerten

  • Der grausige Nachfolgerbau:
    google.com/maps/place/MOTORAMA…300786!4d11.5912263?hl=de

    Ui... :schockiert: ... Das scheint mir aber wirklich eine der gruseligsten Ecken Münchens... Da hilft nur Komplettabriss (und eventuell Rekonstruktion)...

  • ... und ebenfalls gegenüber des Münchner-Kindl-Kellers, neben dem Bürgerbräukeller, wurde Ende der 70er-Jahre auch die ehemalige Armenversorgungsanstalt plattgemacht (das Bild im Wikipedia-Artikel zeigt allerdings den Vorgängerbau, der Nachfolger wurde in den 1860ern von Arnold Zenetti errichtet). Und das alles für dieses inzwischen ebenfalls berüchtigte Monstrum: https://de.wikipedia.org/wiki/Gasteig. Es wird derzeit für fast eine halbe Milliarde generalsaniert ... nach nur 30 Jahren Betriebszeit! Un-nachhaltiger geht Architektur kaum mehr. :kopfwand:Das soll bis 2021 dabei rauskommen, sofern die Planungen nicht schon wieder geändert wurden. Und das mitten im ansonsten historisch fast geschlossen erhaltenen Haidhausen, das neben dem monumentalen Maximilianuem auch solche hübschen Stadträume bietet. Jeder weitere Kommentar erübrigt sich.

    „Sollt ich einmal fallen nieder, so erbauet mich doch wieder!“ (Inschrift am Schwarzhäupterhaus in Riga)


    Nach Baden-Baden habe ich ohnedies immer eine Art Sehnsucht.
    Johannes Brahms (1833-1897)

  • Schade dabei: das Denkmal ist in seinen steinernen Bestandteilen nahezu vollständig erhalten und eingelagert. (Von der metallenen Statue ist dank einer "Reichsmetallspende" leider nur noch der Kopf vorhanden).
    Grund für den reduzierten Wiederaufbau soll ein Gutachten sein, nach welchem die Statik der Brücke nach heutigen Vorschriften die ursprüngliche Konstruktion nicht mehr zu tragen in der Lage sein soll. Dass der "Wiederaufbau" daher nur in höchst abgespeckter und veränderter Version erfolgen wird, erfüllt mich deshalb mit gemischten Gefühlen. Zwar ist die Stelle so ansprechender gestaltet, als vorher, dennoch wird man sich mit der avisierten "Ruinen-Romantik" mE zu Recht mit dem Vorwurf des Kitsches auseinandersetzen müssen.


    Original:



    geplanter "Wiederaufbau":


    Quote from Neußer
  • "In Giesing steht ein Irrenhaus..."



    Um genau zu sein, die Heckscher Klinik in der Deisenhofener Straße, Kinder und Jugendpsychiatrie. https://www.bing.com/images/se…292463293&selectedIndex=2


    Ich hätt gemeint, es wär ein 70iger Jahre Kasterl, aber mitnichten - es wurde etwa 2003 eröffnet. Der Bau ansich ist schon greisslich genug, aber wer die Innenarchitektur der Station 6 einmal sah, an der eine Frau Dr. Mannhart maßgeblich beteidigt war, bekommt wirklich das kalte Grausen. Die Auszeiträume ..... da ist jede Stasizelle direkt ein Appartement dagegen. Dunkle unbelüftete Räume und derart ungemütlich daß dort, wer da ein paar Stunden drinnen sitzt, ohne Narkotika, bald Suizid begehen würde. Von den inzwischen blutverschmierten Wänden, rede ich erst garnicht.

    Jeder hat das Recht auf meine Meinung.

  • Mich würden Eure (aktuellen) Tagestipps für München unter der Woche interessieren, also eure Lieblingsecken in der Altstadt. Die großen und bedeutenden Solitäre an Profan- und Sakralbauten können durchaus, müssen aber nicht im Fokus stehen. Schöne, in sich stimmige Ensembles, Straßenzüge oder eben verbliebene Abschnitte des alten Münchens ohne modernistische Brüche bzw. den üblichen deutschen Nachkriegsmief, welche auch zum Verweilen einladen, wären das Ziel.

  • Leider keine Bilder gerade zur Hand . . .


    spontane, erste Auswahl:


    - Kardinal-Faulhaber-Straße
    - Wiener Platz
    - Platzl (Eis beim Schuhbeck holen!)
    - Hofgarten
    - Lenbachplatz (am Wittelsbacher Brunnen, besser nur Richtung Börse u. Palais Bernheimer sehen)
    - Thierschstraße zwischen Maxmonument und St. Lukas
    - . . .

    "Mens agitat molem!" "Der Geist bewegt die Materie!"

  • Den Wiener Platz wo sich der Hofbräukeller anschließt, mag ich auch sehr gern. Hier spürt man noch ein wenig das alte traditionelle München....sieht man mal von den Preisen ab.

    Jeder hat das Recht auf meine Meinung.

  • Mir würde das derzeitige schlichte Denkmal mit Säule und Büste reichen: https://images.app.goo.gl/xan4Cki2z68mNnFj7

    Kann ich mich ganz und gar nicht anschließen. Der jetzige Zustand ist eine Schande. Hässlich, verwahrlost und Ludwig II unwürdig.
    Schade, dass es keine originalgetreue Reko wird, ganz klar. Die "romantische Ruine" als Alternative ist aber eine echt gute Idee. Sie passt sogar perfekt zu Ludwig II als tragischem Romantiker. Wer sich die Pläne anschaut, erkennt sofort, das hier keine gewöhnliche Nachkriegsruinenwirkung angestrebt wird, sondern eine die so aus dem 19. Jahrhundert stammen könnte, romantisch und ästhetisch. Hoffen wir die Umsetzung gelingt. :)

  • Vielen Dank nochmals für die Tipps.

  • So ganz komme ich mit dem Parlaments-Internet von München nicht klar.


    Anscheinend wurde die Maßnahme vor über einem Jahr im Bauausschuss beschlossen. Eine Abstimmung im Stadtparlament habe ich nicht gefunden. Begründet wird die Maßnahme mit Barrierefreiheit.


    https://www.ris-muenchen.de/RI…TZUNGSVORLAGE/5117531.pdf


    Interessanterweise gibt es einen Erfahrungsbericht von Rollstuhlfahrern aus dem Jahr 2016, der zu dem Fazit kommt:


    Quote

    Fazit: Schön und barrierefrei – aber die gröbsten Fugen müssen weg! So lautet das Fazit der Teilnehmerinnen kurz vor Ende der Altstadtführung auf dem vom Münchner Hofbräuhaus und diversen Alfons-Schuhbeck-Niederlassungen dominierten Platzl: „Würde man die gröbsten Fugen zwischen den Pflastersteinen besser schließen, wäre eine Stadtführung durch die Altstadt überhaupt kein Problem.“ Und Kopfsteinpflaster gehöre nun einmal zum historischen Stadtbild dazu – trotz der erwünschten totalen Barrierefreiheit, die im Grunde immer ein Muss sei. „Auch für alte Menschen mit Rollator oder für Kinderwagen“, betont Alexandra Bauer.