• Die von Klenze errichtete Glyptothek war mit ihren prunvollen Innenräumen eines der bedeutensten klassizistischen Bauten Europas.
    Die Innenräume des Museums wurden 1944 durch Bomben die den nahen NSDAP Parteibauten galten schwer beschädigt - die NS-Bauten blieben unbeschädigt. Erst mehrere Jahre nach Kriegsende wurde die Glyptothek mit einem neuen Dach versehen - inzwischen waren die Räume aber zerstört. 1972 wurde das Museum wiedereröffnet, die Räume waren sehr schlicht gehalten.
    In den letzten 3 Wochen habe ich nun in über 100 Stunden begonnen die einstigen Innenräume zu rekonstruieren:
    Fassade: rekonstruiert, allerdings ohne Statuen
    Eingangssaal: rekonstruiert
    Ägyptischer Saal: rekonstruiert
    Inkunabelnsaal: rekonstruiert
    Äginetensaal: rekonstruiert, noch Veränderungen an Deckenornamnten nötig
    Apollosaal: rekonstruiert
    Bacchussaal: Wände&Boden rekonstruiert
    Niobidensaal: nur N-Wand rekonstruiert
    Festsäle, Heroensaal, Römersaal, Saal der farbigen Bildwerke, Saal der Neueren, Hof und Assyrersaal fehlen noch komplett
    Zum Schluß soll ein Video durch diese Säle führen. Da aber ein Bild etwa 20 Minuten zum rendern braucht und eine Sekunde Film aus 15 Bildern besteht, dauert alleine das rendern ewig.


    Und hier noch einige Bilder:
    Portikus der Fassade während der Rekonstruktion:


    Der fertige Portikus:



    Die Fassade vom Königsplatz aus:


    Der Ägyptische Saal auf einem historischen Foto - es esistieren nur s/w Fotos:


    und hier die Rekonstruktion:


    Der Inkunabelnsaal:



    Und wieso poste ich das ganze? Ich suche nun nach Tipps. Da bald die Festsäle an der Reihe sind (wenn ich mal wieder sehr viel Zeit habe) kommt die Frage wie man die Deckengemälde Cornelius` integriert. Von den Malereien existieren nur s/w Fotos und Vorzeichnungen (Umrisse) auf Karton. Wie kann man diese nun in die Rekonstruktion integrieren?
    - s/w Fotos an die Decke?
    - Umrisse an die Decke, ein Gerüst in die Säle stellen und sagen Cornelius malt noch?
    - die Vorzeichnungen ausmalen?
    Oder hat jemand von euch noch eine Idee

  • Schade das der Bau heute nur noch aus 60er Jahre Langweile besteht. Woher kennst Du denn die Farben der ehemaligen Malerei ? Wenn das alles real rekonstruiert werden würde, wäre es wirklich klasse. Leider fehlt dazu der Wille - würde nur Strauß noch leben. Der würds anpacken.

  • Respekt. Gute Arbeit! :)
    Ich kann mir irgendwie gar nicht vorstellen, dass es überhaupt keien Farbaufnahmen bzw. Gemälde gibt - da wird doch wohl mal irgendein farbiges Bild gemacht worden sein?

    Eine der vorzüglichsten Eigenschaften von Gebäuden ist historische Tiefe.
    Die Quelle aller Geschichte ist Tradition. (Schiller)
    Eine Stadt muss ihren Bürgern gefallen, nicht den Architekten.

  • tolle Rekos PB!!!
    ich freu mich schon auf das restlich München vor '45 :D


    im ernst: wenns nicht anders geht nimm die schwarz-weiß Bilder


    Quote

    Leider fehlt dazu der Wille - würde nur Strauß noch leben. Der würds anpacken.


    ja - Strauß dachte ja sogar ernsthaft daran im Innenministerium das Odeon zu rekonstruieren...

  • Zu den Farben: Als Quellen habe ich zum einen die Baupläne Klenzes die z.T. noch existieren, allerdings nicht immer in Farbe. Zu dem gibt es einige Museumsführer aus dem 19. und frühem 20. Jahrhundert , in denen die Innenräume beschrieben werden. Außerdem gibt es 3 (wirklich nur 3) farbige Malereien aus den Innenräumen. Diese sind allerdings nicht ganz genau:
    Bei diesem Bild
    , das den Ägyptischen Saal zeigt ist der Obelisk scharz dargestellt, in Wirklichkeit ist er aber aus Rosengranit.

  • Ich könnte mir gut vorstellen, dass es noch farbige Bilder in Privatbesitz gibt, die Frage ist nur, wie man da rankommt. Hat außer dir schon wer nach farbigen Bildern geforscht?

    Eine der vorzüglichsten Eigenschaften von Gebäuden ist historische Tiefe.
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  • Quote

    Ich könnte mir gut vorstellen, dass es noch farbige Bilder in Privatbesitz gibt, die Frage ist nur, wie man da rankommt. Hat außer dir schon wer nach farbigen Bildern geforscht?


    Es gibt mehrere Publikationen über die alte Glyptothek und es gab auch bereits 3 Ausstellungen zu diesem Thema. Die besagten Gemälde sind meines Wissens erst vor einigen Jahren aufgetaucht, es besteht also noch Hoffnung, dass es noch mehr gibt.
    An sonstigen Hinweisen gibt es noch drei Fragmente von Cornelius Fresken und einige sehr, sehr freien Kopien einzelner Figurengruppen.
    Womit ich noch rechnen würde, wären einige Filmaufnahmen von Hitlers Besuch in der Glyptothek. Hitler hatte vor eine sehr hohe Summe einen Diskobol aus Italien für die Glyptothek erworben. Von dieser Übergabe kenne ich nur ein schlechte s/w Foto aus einer Zeitung. Ich könnte mir gut vorstellen, dass es hiervon Filmaufnahmen, eventuell sogar in Farbe geben könnte.

  • Ich habe mir vorgenommen, euch ein wenig über die aktuellen Bauprojekte in der Innenstadt von München zu informieren. Leider muß ich euch vorab warnen: es wird deprimierend. Ansätze von traditionellem Bauen sind in München derzeit leider nahezu nicht ersichtlich.


    Starten möchte ich mit zwei neuen in den letzten Wochen erst vollendeten Geschäftsneubauten, die an die Stelle von im letzten Jahr abgerissenen Nachkriegsbauten gesetzt wurden.


    Zuerst der Neubau des Sportgeschäfts Schuster direkt beim Marienplatz. Hier der Vorgängerbau aus den 60er Jahren (Quelle Sportbekleidung - Outdoor Shop - Kletter Ausrüstung - Wanderschuhe - Skibekleidung\r
    Sportbekleidung - Outdoor Shop - Kletter Ausrüstung - Wanderschuhe - Skibekleidung ):



    Dies ist nun der zugehörige Neubau. Mir gefällt er auch nicht besser als der Vorgängerbau:




    Die Fassade hat so eine rostbraune Farbe wie es auf dem Bildern vielleicht zu erkennen ist.



    Der nächste Neubau von Benetton steht in der Kaufingerstrasse, der Fußgängerzone, die vom Stachus zum Marienplatz führt:





    Zum folgenden Neubauprojekt, das Karolinen-Karree zwischen Stachus und Königsplatz, gibt es noch nicht viel zu zeigen, die Bauarbeiten starten erst gerade. Deshalb nur ein Ausschnitt des Bauschildes:



    Wird also auch nicht besser werden.


    Als nächstes werde ich euch Photos von den Neubauten des Alten Hofs, des Jüdischen Zentrums und der Lenbachgärten zeigen.

  • KOTZ ! Genau die gleiche provinzielle Architektur wie in Stuttgart! Mir scheint, als ob im Norden bzw. Osten doch mehr die traditionelle Architektur sich durchsetzt, weil sie mittlerweile "in" ist. Im Süden der Republik scheint der Trend noch nicht angekommen zu sein. Typisch Provinz!

    Der Tiefpunkt der Baukultur wurde in den 60er und 70er Jahren des 20sten Jahrhunderts erreicht...

  • Danke fuer das muenchner Update. Sowas fehlte noch.
    Schade um die Neubauten. Muenchen sieht immer mehr aus wie jede andere Stadt.

  • für münchen hätte ich bei neubaumaßnahmen und umbauten heutzutage bereits ein deutlicheres bekenntnis zur tradition erwartet. der benetton-neubau, in der tat, nichts bewegendes...wie überall... aber der cortenstahl und im hintergrund das neue rathaus... so was von verkrampft auf modernistisch getrieben...ganz schwach! was mir an münchen auch immer wieder negativ auffällt sind diese abgedroschenen leuchten...sie haben sich sowas von überholt... wäre wünschenwert, wenn die mal ausgewechselt würden, zugunsten von klassischen, nach historischem vorbild evtl.


    Jeder, der sich die Fähigkeit erhält Schönes zu erkennen, wird nie alt werden.
    www.archicultura.ch

  • Freue mich sehr, dass es jetzt endlich auch Münchner Bausituationen gibt! :)
    Da ich annehme, dass auch diskutiert werden wird, habe ich es in den Bereich Inland verschoben.


    Alter Hof: Hässliches Dach, hässliches Staffelgeschoss (ist die Tarnfarbe aus Sicherheitsgründen gewählt worden?), sonst geht's. ;)

    Eine der vorzüglichsten Eigenschaften von Gebäuden ist historische Tiefe.
    Die Quelle aller Geschichte ist Tradition. (Schiller)
    Eine Stadt muss ihren Bürgern gefallen, nicht den Architekten.

  • Ein weiteres großes Neubau-Projekt wird am St.-Jakobs-Platz nach Plänen der Saarbrücker Architekten Wandel Hoefer Lorch realisiert. Auf dem nach Kriegsverlusten weitgehend unbebauten (und häßlichen) Platz werden neben der neuen Hauptsynagoge, das Gemeindezentrum der Israelitischen Kultusgemeinde und ein jüdisches Museum errichtet.


    Zuerst, um die Überlegenheit der momentanen Architektur noch deutlicher werden zu lassen, ein Bild der alten im Disneylandstil (Historismus) erbauten ehem. Hauptsynagoge :zwinkern:



    Quelle: http://www.bildindex.de">http://www.bildindex.de


    Die Synagoge wurde leider in Folge der Reichskristallnacht zerstört.


    Im Vergleich dazu nun die genialen Neubaupläne aus der (durchaus informativen) Broschüre http://www.juedischeszentrumjakobsplatz.de/Bildordner/downloads/BroschuereJakobsplatz.pdf\r
    www.juedischeszentrumjakobsplatz ... splatz.pdf



    Schlimmer hätte es kaum kommen können. Grauenhaft finde ich :weinen:


    Nun einige aktuelle Photos vom Baugeschehen. Links die Synagoge, rechts daneben das Museum:




    Links wiederum das Museum, rechts das Gemeindezentrum:


    Ob die Steinquader noch verkleidet werden weiß ich nicht, bei diesem Projekt muß man auf alles gefasst sein:



  • Sorry, aber ich bekomm bald das Ko**** !! Wieso werden heute Gebäude entworfen, die allesamt wie Klötze aussehen ? Da tun die Architekten immer so und wollen was Neues schaffen mit viel Ausdruck und Interpretationsmöglichkeiten. Aber wo bitteschön liegt der tiefere Sinn in Klötzen aus Glas ? :augenrollen:
    Lässt sich nur sagen: Solche Gebäude sind sowieso nichts für die Ewigkeit, sondern nur eine Erscheinung der Zeit. Sie werden nie die Bedeutung und Status von historischen Gebäuden haben !!

  • Leider geht es mit München sichtbar Bergabwärts. Phantasielose & Schmucklosen graue aalglatte Klotzen zwischen schön gegliederten Altbaufassaden. Die Dächer sind um zu heulen und das allerschlimmste ist das alles so "bunkerartig" aussieht: "achtung auf Gefechtsstation!!!!"
    Und es geht immer nur weiter so. Schrecklich. Genau dasselbe was in Stuttgart passiert ist.
    Und München hat soviel Potenz: aus der Luft eine fast komplette Struktur ohne Lücken!! Noch so vieles was noch da ist, keine sinkende Bevölkering wie bei Leipzig, Dresden, Halle und Magdeburg.


    München ist die grosse verpasste Chance Deutschlands um wenigstens eine wirkliche Grosstadt mit Flair und Überwiegende traditionelle Bausubstanz zu schaffen wo es herrlich herumlaufen ist.


    Dresden hat zu wenig, Berlin hat vieles doch zuverstreut und zerschnitten, Magdeburg hat sich verbunkert. Von Hamburg gibt es nur eine schöne Innenstadt, von Köln nir eine schöne Neustadt.


    Bleiben jetzt nur übrig München und Leipzig. In beiden Fällen werden fast nur moderne glatte Bauten zugefügt en verschwinden traditionelle Bauten.


    Rob

  • Ich glaube trotzdem es etwas einfallslos aussieht zugegebenermaßen, dass der neue Stil der Synagogen (z.B. die in Dresden) auch eine Art von Historismus ist. Nicht die schönere Art aber die realistischere: während der oft verwandte maurische Stil eigentlich wenig mit dem Heiligen Land gemein hatte beziehen sich die kubischen Formen doch eher auf den ersten Tempel in Jerusalem!

  • ein kubischer "glas"-tempel...genau :augenrollen:
    vor allem wenn sich modernisten auf traditionen
    berufen...es wird eben solange interpretiert, bis man
    hat, wonach man strebt.so sind sie, die dogmatischen
    bauhäusler...weltoffen und nostalgisch :D


    zum alten hof:
    also furchtbar, wie kalt und nüchtern der
    angrenzende bau jetzt in nachbarschaft
    zum café dallmayr jetzt wirkt...
    gibt es hierzu keine aufnahmen, in farbe,
    wie das gebäude vor der sanierung aussah?
    wäre interessant.


    der innenhof...typisch und das glasdach,
    sehr innovativ, originell und individuell die "kleckerei".


    ganze arbeit und mit bauhausmanier überzogen...
    schade drum


    Jeder, der sich die Fähigkeit erhält Schönes zu erkennen, wird nie alt werden.
    www.archicultura.ch

  • Die Synagoge passt leider überhaupt nicht in das Münchner Stadtbild,
    obwohl das bei näherem Hinsehen auch eher mittelmäßig ist.
    Warum hat man nicht behutsame Formen und Materialien gewählt, die
    die Menschen zum verweilen einlädt ? Das zwanghafte "Setzen von
    Kontrasten" muss grundlegend überdacht werden ! Einladende Architektur,
    die Interesse auch bei Nichtjuden weckt, wäre besser gewesen. Aber naja. :(

  • Wieso sollten die -heutigen- Juden in Deutschland positives Interesse der Nichtjuden für ihre Religionsinternas schaffen wollen ? Den zeitweilig antwortenden Grüßen vieler nicht politisch tätiger Deutscher, d.h. aufrichtigem Interesse anstelle verordneter "Liebe", antwortet man nicht. Ein umgekehrter Fall erscheint schlichtweg nicht denkbar; fremdartig mutet einem die Zeit eines Hurrapatriotismus deutscher Juden für Volk und Vaterland an - auch im europäischen Querschnitt. Anders als das Christentum und der Islam steht das Judentum nicht für alle Menschen offen, zeigt keine konventionellen Richtungen einer religiösen Mission. Und der Weg der Kultursynthese, die zwischen Juden und Deutschen wohl einzigartig gewesen ist, kann wahrscheinlich nie wieder begangen werden. 1200 Jahre gemeinsame Kulturgeschichte verliert gegen ein Hundertstel jener Zeit und dabei wird es wohl bleiben. Gezielte Nadelstiche und mediale Verlautbarungen, die nach wie vor punktgenau treffen, verhindern ein Wiederzueinanderfinden beider Kulturen auch in Zukunft, obwohl es beiden dringend geraten wäre, zusammenzuarbeiten. Nichts mit Normalität, Entspannung, gar neuer Synthese. Derjenige, der sich als Gebieter aufspielt, dem steht das Wasser allerdings höher.

    Nein, die werden gedünstet

  • Quote from "Wissmut"

    Und der Weg der Kultursynthese, die zwischen Juden und Deutschen wohl einzigartig gewesen ist, kann wahrscheinlich nie wieder begangen werden.


    das schmerzt mich besonders, wenn ich mir vorstelle, dass dadurch ein entscheidener, sozialer und kultureller teil verloren gegangen ist und eine annäherung für immer verschüttet bleibt. ein wunderbares, befreiendes gefühl deshalb für mich, als ich die neue jüdische gemeinde in rottweil erleben durfte, die mit der einweihung einer neuen torarolle im august 2004 tanzend durch die stadt zog. leider keine selbstverständlichkeit.


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