• Mir gefällt diese elegante und zurückhaltende Fassade. Generell habe ich keine Probleme mit solchen Bauten der frühen Wiederaufbauphase - allerdings nur wenn sie gepflegt sind und vernünftige Fenster haben. Dieser Bau sieht jetzt besser als in den 50er Jahren aus.


    Schön dass das linke Nachbarhaus wieder Sprossenfenster bekommen hat. Es geht doch!

    Unsere große Aufmerksamkeit für die Belange des Denkmalschutzes ist bekannt, aber weder ökonomisch noch kulturhistorisch lässt es sich vertreten, aus jedem alten Gebäude ein Museum zu machen. E. Honecker

  • Na ja, es ist schon von allen Nachkriegsprovisorien das Beste, aber mit Architektur hat das soviel zu tun wie ein Bierzeltgstanzl mit Im Abendrot aus den Vier Letzten Lieder, um einen mingarischen Vergleich zu bemühen (nicht alles was hinkt, ist ein Vergleich, ich weiß). Irgendwann müsste man in Minga sich halt endlich eines Besseren besinnen und was Rekonstruiertes* auffahren - für das Zentrum einer so alten europäischen Metropole ist dieser Nachkriegsschrott halt wirklich nicht angemessen, da hilft nichts. Ich bin bekanntermaßen kein Historismus-Freak, und auch in München wird der Historismus viel Wertvolles verdrängt haben - aber mit welcher selbstverständlichen Würdigkeit haben die Historismus-Fassaden diesen Platz eingerahmt - heute sieht es dort aus wie in einer Einkaufstraße in jedem beliebigen Bahnhofsviertel. Es stimmt, die neue Fassade ist würdevoller und auch wohlproportionierter - aber dennoch kommt ihre mehr als karge Strenge in diesem Not- und Elendsumfeld überhapt nicht zur Geltung.
    Der Marienplatz hätte mindestens die nämliche Sorgfalt verdient wie der Max-Jospeh-Platz, denn er ist das wahre Herz der Stadt.


    *Oder eine Art Zweite-Dritte-Hand-Stil, dem da nachempfunden:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Ruffinihaus

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • Na ja, so a Gstanzl kann durchaus was Kunstvolles und Witziges sein ;-) oder wie Horowitz einmal gesagt hat: große Kleinkunst ist kleiner Großkunst oftmals vorzuziehen ;) aber du hast natürlich recht, die Münchner Nachkriegsarchitektur erreicht oft nicht mal das Niveau eines Gstanzls... im besten Fall ist sie belanglos, im weitaus häufigeren schlimmeren Fall ist sie einfach nur Schrott. Ein paar wenige Ausnahmen gibt es (wie z.B. die Burgstraße 4), aber sonst dominiert das Negative. Sehr traurig das Ganze.


    Ich habe aber nicht viel Hoffnung, dass wegen des fehlenden Beweises der zeitgenössischen Architektur, etwas Altstadt-Adäquates schaffen zu können, deswegen etwas Altes rekonstruiert werden wird... die Standardreaktion vieler Bürger und der zuständigen Verwaltungsbehörden ist immer "man muss die Städte weiterentwickeln, etwas Zeitgenössisches schaffen und nicht ewig am Alten festhalten". Der Sinn für Schönheit und das Bewusstsein der Wichtigkeit derselben für das Gemüt der Leute scheint verloren gegangen zu sein... aber was soll man von einer Bevölkerung erwarten, die keine Kunstgeschichte in der Schule lernt und deswegen keine Sensibilität dafür entwickelt? Die fast nur praktische Unterrichtsfächer über sich ergehen lässt, in denen man nur für den ökonomischen Erfolg im Leben lernt und sich nicht mit der eigenen kulturellen und seelischen Identität auseinandersetzt? Da beginnt das ganze Problem.
    Die gleichen kulturlosen Reaktionen kann man traurigerweise auch in vielen Diskussionsbeiträgen der Wiener Zeitung "Standard" beobachten, wenn es um's Thema Hochhaus am Heumarkt geht, es ist erschreckend, wie wenig sich viele Wiener der Schönheit ihrer Stadt bewußt sind. Ich hätte gedacht, dass das Bewusstsein dafür wenigstens in Wien noch mehr vorhanden wäre, aber leider nein. Von daher hab ich in unserer fortschrittsgläubigen Gesellschaft wenig Hoffnung auf eine Rückkehr zur alten Architektur. (Bevor jetzt jemand mit den Rekonstruktionen in Potsdam etc. kommt, braucht man sich bloß einmal anschauen, wieviel Feindschaft und Hohn diese Projekte ausgesetzt sind, obwohl diese Projekte ja größtenteils privat finanziert sind... Chapeau für diese Projekte, aber ich glaube nicht, dass so etwas jemand in der Hochprofitzone Münchner Innenstadt auf die Füße stellen wird).

  • München - Denisstrasse - Mahag - Gelände

    "Jetzt kommt KARL" titelt die Süddeutsche Zeitung


    Direkt neben der Spaten-Brauerei wird auf einem knapp 7.500 Quadratmeter großen Grundstück ein neues Gebäude mit den Namen KARL entstehen. Aus dem 2016 ausgelobten Wettbewerb für den Neubau gingen insgesamt drei Zweitplatzierte – David Chipperfield Architects (Berlin), EM2N (Zürich) und Allmann Sattler Wappen (München) – hervor. Der Vorschlag von David Chipperfield konnte die Investoren schließlich für sich gewinnen, sodass bald das erste große Neubauprojekt des Architekten in München zu sehen sein wird.


    Der aktuelle Bautenstand:




    Planung für das Gelände:


    http://www.baunetz.de/meldunge…_in_Muenchen_5025520.html


    mit Bildergalerie


    http://www.sueddeutsche.de/mue…zt-kommt-karl-1.3422468#5


    https://www.muenchenarchitektu…adtentwicklung/24780-karl

  • @ Leonhard
    Ich Teile deine Meinung zur Nachkriegsarchitektur in M nicht. Da wurden vor allem in der Altstadt viele gute angepasste Neubauten in den 50er Jahren gebaut. Z.B an der Frauenkirche.

    Unsere große Aufmerksamkeit für die Belange des Denkmalschutzes ist bekannt, aber weder ökonomisch noch kulturhistorisch lässt es sich vertreten, aus jedem alten Gebäude ein Museum zu machen. E. Honecker

  • München - Denisstrasse - Mahag - Gelände


    "Jetzt kommt KARL" titelt die Süddeutsche Zeitung


    Direkt neben der Spaten-Brauerei wird auf einem knapp 7.500 Quadratmeter großen Grundstück ein neues Gebäude mit den Namen KARL entstehen. Aus dem 2016 ausgelobten Wettbewerb für den Neubau gingen insgesamt drei Zweitplatzierte – David Chipperfield Architects (Berlin), EM2N (Zürich) und Allmann Sattler Wappen (München) – hervor. Der Vorschlag von David Chipperfield konnte die Investoren schließlich für sich gewinnen, sodass bald das erste große Neubauprojekt des Architekten in München zu sehen sein wird.

    Wow, mehr 70er Jahre Retro Architektur geht ja wohl kaum noch. Grottenschlecht. Wie üblich die Phrasen, die mit der Realität nichts zu tun haben: "ausdrucksstarke Fassade", wo bitte ist dieses Raster ausdrucksstark? Man klicke sich doch bitte durch die Bilderstrecke auf der bauwelt, dann bekommt man anhand der Innenvisualisierung (auch wenn sie wahrscheinlich nicht so kommt, und nur von Chipperfield als zum Gebäude passende "Deko" eingefügt wurde) eine Idee wo dieser Architekt geistig stehen geblieben ist: in den tiefsten 70er. Von den Lampen über Stühle und Tische bis hin zum Teppich. Wieder eine Chance vertan.
    Kann man irgendwo auch den Entwurf von H,S&A sehen? Ich hab ihn nicht gefunden...

  • Ich find den Entwurf so schlecht nicht, kann aber auch nicht genau begründen, wieso. Für einen Gewerbebau recht hochwertig. Ich denke, in seinem Umfeld wird sich das Gebäude noch positiv herausnehmen.

  • Ich will partout nicht behaupten, dass das mein bevorzugter Stil sei, aber ich stimme "Königsbau" zu, dass das Gebäude für einen Gewerbebau doch immerhin einen recht hochwertigen, gestylten Eindruck macht. Von 70er-Jahre-Retro möchte ich eigentlich nicht sprechen. Das ist ja weder ein Plattenbau im Bauhaus-Stil, noch (Waschbeton-)Brutalismus. Die Fassade ist eher eine Rasterfassade, die sich an die 50er anlehnt. Die Innengestaltung ist schon recht moderner, aktueller Standard, garniert mit einigen Retro-Elementen, die an die 50er und 60er Jahre erinnern. Als Arbeitsort gibt es weit schlechteres.

  • Auch ich kann Königsbau und Heimdall nur beipflichten, der Hotel - und Gewerbekomplex ist alles andere als 0-8-15, auch mir gefällt er fast irgendwie. Und das Gefallen steigert sich nochmal deutlich, wenn ich daran denke, welche bauliche Grausamkeit der Neubau ersetzt. Den Bestandsbauten muss man wirklich keine noch so kleine Träne nachweinen.

  • Der hässliche Nachkriegsbau "St. Anna-Straße 16" in Lehel wurde kürzlich abgerissen (s. Bild des Baus im Artikel http://www.sueddeutsche.de/mue…engt-den-rahmen-1.2967637 ) Neu kommt dafür das exklusive Immobilienprojekt von Legat Living http://www.legat-living.de/projects/Lehel/


    Schade, direkt am wunderschönen St. Anna-Platz hätte man hier Stadtreparatur betreiben können. Stattdessen kommt hier diese unsensible, rahmensprengende Investorenarchitekturkiste hin.

  • Die Kiste ist aber doch recht traditionell ausgeführt, an der Gestaltung habe ich eigentlich nichts auszusetzen, allenfalls an der Höhe des Gebäudes. Es geht zumindest in die richtige Richtung.

  • Vor Ort betrachtet sieht die Situation etwas anders aus. Der Platz hat echt Charme und der vorliegende Entwurf fügt sich leider alles andere als harmonisch in das vorliegende bauliche Gefüge ein. Als Vorortbebauung in einem Neubauviertel würde ich den Entwurf akzeptieren - im historischen Lehel ist er allerdings leider in seiner wuchtigen Kubatur und seiner Austauschbarkeit sowie der modernistischen Formensprache unpassend.

  • OK, das kannst du vermutlich besser einschätzen. Ich kenne mich mit den Begebenheiten vor Ort nicht aus. Allerdings wäre eine Glaskiste noch weitaus schlimmer als dieser Entwurf, der wie ein traditionelles Stadthaus wirkt. Eben etwas überdimensioniert.

  • Der Altbau war doch wesentlich besser als dieser aufdringliche Wichtigtuer-Klotz

    Sehe ich absolut anders. Der Neubau ist eine klare Aufwertung, jetzt wo ich den Bestandsbau gesehen habe.
    Vertikale Betonung der Fensterachsen, Erker, elegante Sockelzone. Alles wesentlich besser als die Nachkriegs-Belanglosigkeit die da jetzt noch steht.

  • Sehe ich absolut anders. Der Neubau ist eine klare Aufwertung, jetzt wo ich den Bestandsbau gesehen habe.

    Naja, besser als die häßliche Nachkriegskiste ist es schon, aber als architektonisch Hit seh ich des jetzt auch nicht.


    Nein ich bin nicht die Signatur.

    Ich sortiere hier nur den Buchstabensalat, den mein Besitzer hier eben fabriziert hat!


  • Vor Ort betrachtet sieht die Situation etwas anders aus. Der Platz hat echt Charme und der vorliegende Entwurf fügt sich leider alles andere als harmonisch in das vorliegende bauliche Gefüge ein.

    Das möchte ich ein bisserl relativieren: der Platz, am dem dieses neue Gebäude stehen wird (das alte ist inzwischen abgerissen worden), also die Kreuzung von St.Annastraße, Gewürzmühlstraße, Pfarrstraße und Bürkleinstraße ist nicht unbedingt sehr hübsch; es gibt zwar einzelne Altbauten, aber das Bild wird leider dominiert vom großen roten Verwaltungsbau der Regierung von Oberbayern in der St.Annastraße (Rückgebäude des großen Palastes von Bürklein an der Maximilianstraße, zu der die St.Annastraße führt), den riesigen Wohnblocks an der völlig nichtssagenden Bürkleinstraße (Bürklein, der Architekt der Maximilianstraße, würde sich im Grab umdrehen, wenn er sähe, welch belanglose Gebäude in der nach ihm benannten Straße stehen) und dem Verwaltungsbau des Bayerisches Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit in der Pfarrstraße 3. Das schräg gegenüber liegende Gründerzeitgebäude St.Annastraße 11 (mit dem italienischen Lokal Salotto) ist leider entstuckt und somit auch recht nüchtern. Die einzigen meiner Meinung nach wirklich schönen Häuser in der unmittelbaren Umgebung sind St.Annastraße 18 (direkt am Platz gelegen), St.Annaplatz 1 (links daneben mit dem Restaurant Gandl) und die beiden Nachbarhäuser des zukünftigen Neubaues St.Annastraße 14 und Pfarrstraße 2. Der eigentlich schöne Platz ist der St.Annaplatz etwas weiter nördlich mit der Pfarrkirche St. Anna (neuromanisch von Gabriel von Seidl), der bedeutenden Klosterkirche St. Anna im Lehel (der ersten Rokokokirche in Altbayern erbaut von Johann Michael Fischer) und einer bezaubernden Gründerzeitbebauung flankiert mit vielen Bäumen ringsherum. Den Neubau wird man allerdings auch vom St.Annaplatz aus sehen, wenn man an der St.Annastraße steht und nach Süden schaut, nicht aber vom Rest des Platzes.


    Angesichts der soeben beschriebenen Situation würde ich behaupten, dass die direkte Umgebung durch den Neubau auf jeden Fall aufgewertet werden wird: erstens war der alte Bau in meinen Augen wirklich nichts Besonderes, zweitens ist der direkte Platz davor eh nicht sehr schön. Was die Auswirkungen auf den weiter nördlich liegenden und viel wertvolleren St.Annaplatz betrifft, so wird man abwarten müssen, wie sich die größere Höhe des Neubaues auswirken wird. Soweit ich aus den Visualisierungen allerdings entnehmen kann, wird die Höhe ungefähr auf einer Linie liegen mit den Gründerzeitgebäuden St.Annastraße 11 und 18. Die Fassadengestaltung könnte sicher filigraner und feinfühliger sein, aber wie Königsbau bereits geschrieben hat, finde ich, dass der Neubau durch die vertikale Betonung der Fensterachsen, den Erker und die abgesetzte und separat gestaltete Sockelzone eine höhere Eleganz ausstrahlt als der Nachkriegsbau.


    Die Werbung für den Neubau zielt auch klar auf den St.Annaplatz und die Maximilianstraße ab... die weitere Umgebung ist auch sicher toll, aber halt nicht die unmittelbare.


    Noch eine Bemerkung zum St.Annaplatz: er ist meiner Meinung nach wirklich ein bezaubernder Platz; er strahlt eine unglaublich hohe Gemütlichkeit und Lebensqualität aus, er ist wie eine kleinstädtische Insel in der Großstadt. Leider hat er bei aller Schönheit doch eine sehr störende Bausünde ertragen müssen: das Haus St.Annaplatz 6 mit unförmigen Betonbalkonen, ich nehme an aus den 70er Jahren. Wenn dieses Haus ersetzt würde, wäre der Platz perfekt. Also liebe Hauseigentümer der Nr. 6, nehmt euch ein Herz und reißt diesen völlig unpassenden Klotz endlich ab, tut was für die Schönheit unserer Stadt! biggrin:)