Im neuen Jahr bittet der Vorstand euch, frühzeitig nach neuen Bauprojektplänen in eurer Stadt Ausschau zu halten. Wo lässt sich durch traditionelle Architektur oder Rekonstruktionen euer Stadtbild verbessern? Teilt uns eure Ideen mit! Je eher wir mit Ideen an die Öffentlichkeit gehen, umso höher sind unsere Chancen, dass die Ideen von den Verantwortlichen ernstgenommen werden!
  • Zeno, Timber: Danke für die Info und die aktuellen Photos.


    Leider sind fast alle Neubauprojekte in München frei von traditionellen Anklängen, wie man z.B. auch hier mit einer Übersicht von Wettbewerbsergebnissen des letzten Jahres in München sieht.


    Ob das von euch vorgestellte Projekt Oberanger 16 wirklich ein genauso belangloser Kasten wie der Vorgängerbau wird, bleibt abzuwarten. Interessiert finde ich schon einmal diese Fassadenstrukturen, wie sie auf dem großen Photo auf dieser Seite besser zu sehen sind. Ob diese allerdings den Bau retten können, ist doch eher fraglich. Sicher ist leider nur, dass dieser modernistische Entwurf wie immer keinerlei Bezug zur historischen Bebauung der Münchener Altstadt nimmt und auch in jeder anderen Stadt stehen könnte.


  • Jahrelang stand dieses historische Haus im Stadtteil Gern leer, und wurde dem Verfall überlassen - die Baufälligkeit ist schon nicht mehr zu übersehen:


    Inzwischen tut sich allerdings was - das kleine Nebengebäude wurde abgerissen, das Hauptgebäude steht wahrscheinlich unter Denkmalschutz und wird nun rekonstruiert. Zu erst muß das Fundament und der Keller Stück für Stück neu aufgebaut werden, was ich mir als nicht so leicht vorstelle wenn das Haus darüber steht:


    Aktueller Stand der Dinge - der Neubau einer DDH klebt mit maximal 20cm Abstand derart an der alten Bausubstanz, dass der Abbruch offensichtlich bevorsteht. Der Bauträger Gröne Wohnbau GmbH baut so im eigenen Revier und ohne Rücksicht auf Verluste, wenn es um den eigenen Vorteil geht ... Welches Schlafmittel hat die Behörde geschluckt???


    Entsetzt und traurig, beiseln

  • Das beigefügte Bild könnte ich hier in drei Stränge einfügen, Montreal, München oder den Bilderquiz. Offenbar gab es einen quasi identischen Vorgänger der Dachkonstruktion des Münchner Olympiastadions als Temporär-Konstruktion für die Expo 1967 in Montreal. Ich weiß nicht, ob das hier bekannt ist, ich selbst bin erst kürzlich drauf gestoßen.



    http://www.google.de/search?q=…0CDIQsAQ&biw=1280&bih=841


    Den Namen Frei Otto hatte ich noch nie gehört und mit dem Dach des Olympiastadions auch immer nur Günther Behnisch verbunden. Man lernt nie aus.

  • Ich möchte noch sagen, dass der deutsche Pavillon a.d 1967 für mich sehr deutlich der Vorgänger für den Bau in München ist. Das Expo-Gelände in Montreal lag auf einer Insel im St. Lorenz-Strom, auf der Nachbarinsel finden heute übrigens Formel 1-Rennen statt. Auf den Bildern im google-Link erkennen wir, dass das Gelände der Expo 1967 durch Wasserläufe aufgelockert ist, auch hier wurde die die Gesamtkonzeption in München vorweggenommen. Für das Olympiade-Gelände in Montreal 1976 hat man diesen Gedanken dann nicht wieder aufgenommen. Dort dominiert Beton.

  • Das nun komplett in Betrieb genommene Gebäude war bereits Thema im Forum, es gäbe einiges dazu, dafür und dagegen zu sagen. Zu den positiven Aspekten gehört sicherlich, daß sich die gegenüberligende Alte Pinakothek - mit Ihrer großartigen Nachkriegsreparatur durch Hans Döllgast - erneut präsentiert, wählt man den Blickwinkel mit Bedacht :foto:

  • Weinstraße 1, Gasthaus Donisl


    Das ist der berühmte Donisl. Das Haus wird neu aufgebaut; die Fassade bleibt erhalten.


    Traditionswirtshaus am Marienplatz: Der Donisl wird entkernt
    Das Gebäude hätte nach 1945 auf jeden Fall wieder so aufgebaut gehört wie es war, zumindest die Fassade.


    http://www.hausbau.de/presse/a…rahlt-in-neuem-glanz.html (mit historischen Bildern!)
    http://www.sueddeutsche.de/mue…peration-donisl-1.1551262
    http://www.merkur-online.de/lo…leibt-stehen-2666007.html
    http://www.tz-online.de/aktuel…neuen-donisl-2819783.html
    http://www.bayerischer-donisl.de/


    http://www.muenchenwiki.de/wiki/Donisl
    http://www.panoramio.com/photo/43987544


    Der Donisl hat früher mal einem gewissen Karl-Heinz Wildmoser gehört.

  • Hab gerade gesehen, dass das Gebäude Landsberger Strasse 191 abgerissen wird - eine Kombination aus schönem Gründerzeitler und nettem 50er-Jahre Bürogebäude. Hätten sich sicherlich gut Lofts drin gemacht, aber die will in München ja niemand, wenn man sieht, wie schnell hier historische Gewerbebauten beseitigt werden. Ich hatte zwar Schon Negatives Befürchtet, weil es schon länger leer stand, dachte aber, das nur der 50er-Jahre-Bau beseitigt wird. Dem ist leider nicht so.


    Hier der Link zu Bing-Maps
    http://www.bing.com/maps/?v=2&…D&rtop=0~0~0~&form=LMLTCC




    Und München wäre nicht München, wenn der Neubau architektonisch absolut unterirdisch wäre. Das ist Retroarchitektur aus Mitte der 60er - mit einem sehr bescheuertem Namen.
    http://www.trikot-office.de/architektur2.html




    Viele Grüsse
    Michael

    Wo die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten
    Karl Kraus (1874-1936)

  • Danke für den Hinweis, Booni. Die Landsberger Straße ist gerade auch in diesem Bereich so dermaßen missraten (siehe Zenos street view Links), dass auch der für diese Stelle geplante Glaskotz... bzw. -klotz keine Verschlechterung bedeutet. Solche auch in dem von dir genannten Link zu sehende unendlich monotone Rasterfassaden aus Glas sind in München gerade sehr im Trend und z.B. auch bei den Neubauten an der nahen Arnulfstraße entlang der S-Bahnlinie in ähnlicher Form realisiert.


    Amüsant sind wie immer in solchen Fällen die Kommentare des Architekturprofessors Hild, der in der Wettbewerbsjury saß:


    Quote

    ... Es war einfach der herausragende Entwurf, der unserer Meinung nach unbedingt realisiert werden musste...Die Landsberger Straße ist ja geprägt von großen Solitärgebäuden. ... Das Gebäude reiht sich prima in diese Perlenkette entlang der Landsberger ein. Mehr noch: Ich denke, dass es ein Highlight an der gesamten Straße wird. Es ist für Münchens Städtebau enorm wichtig, solche neuralgischen Punkte mit Top-Häusern zu besetzen. Dieses hier ist so eins....

    Quelle


    Jetzt sind wir doch alle von diesem genialen Entwurf überzeugt, gell ;-)

  • Leider ist der Entwurf für den Neubau der Kaufingerstraße 11 nicht das einzige enttäuschende Neubauprojekt in der Münchener Altstadt.


    Die Südseite des Marienplatzes gehört zu den nicht gelungenen Gestaltungen der Nachkriegsmoderne, die jeder vernünftige Tourist auf seinen Photos möglichst ausblenden möchte. Diese Seite wird neben dem Kaufhof besonders vom Gebäude der Buchhandlung Hugendubel dominiert, wie es


    hier rechts ...



    Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported


    ... und hier links zu sehen ist:



    Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported



    So sah das Gebäude aus, das an seiner Stelle vor dem Krieg (speziell vor einem historistischen Umbau) stand. Es ist rechts im Bild auf der rechten Seite der damals noch schmaleren Straße zum Rindermarkt zu sehen. Es hatte den Krieg eigentlich relativ gut überstanden, wurde dann aber wie die verbliebenden Reste der Nachbarbauten komplett abgerissen:



    gemeinfrei


    Im Rahmen von Sanierungsarbeiten soll nun auch die Fassade des Hugendubels umfassend geändert werden. Gestern wurden nun die Entwürfe für die Umgestaltung vorgestellt.
    Unser OB Ude hält den neuen Entwurf für „kultiviert, angemessen, sensibel – ein Riesengewinn für den Marienplatz.


    Der Architekt will die 50er-Jahre wieder aufleben lassen, „den Hugendubel wieder in eine Einheit mit den schlichten Nachbarhäusern stellen, Zierrat und Verunstaltungselemente abbauen“.


    Hier ist der Entwurf und die Quelle für die vorstehenden Zitate: tz-Artikel.


    Das angestrebte Ziel einer Wiederbelebung der 50er-Jahre Architektur und einer Anpassung an die Nachbarbebauung ist zwar durchaus erreicht, allerdings hätten wir uns natürlich etwas anderes als diese triste Anpassung an die schwachen danebenstehenden 50erJahrebauten erwartet.


    Leider wurde wieder einmal eine Chance zur architektonischen Aufwertung dieser häßlichen Seite des Marienplatzes vertan.

    Edited 6 times, last by -Frank- ().

  • Naja, das ist doch wirklich eine Verbesserung zum Vorzustand. Die Südseite des Marienplatzes finde ich gar nicht so schlecht, zumindest im östlichen Teil sind einige Gebäude, die durchblicken lassen, zu welchen Leistungen die Nachkriegsmoderne in der Lage war (insbesondere das Rischart-Haus). Das Hugendubelgebäude ist das allerschlechteste der Gebäude dort - selbst dem brutalistischem Kaufhofgebäude kann ich mehr abgewinnen. Der Vorgängerbau des Hugendubels hat meines Wissens übrigens den Krieg überlebt und wurde erst in den 70er oder 80er-Jahren abgerissen.


    Zum Neubau in der Kaufingerstraße kann ich nur sagen: Typisch München. Die meisten mögen das historische Stadtbild, aber Abrisse sind kein Problem, schließlich ist es ja immer noch schön. Ich bin mal gespannt, wieviel noch fallen muss, dass ein Umdenken stattfindet.


    In der Nähe des Viktualienmarktes wurde ja auch ein Haus aus dem 18. Jh. abgerissen, angeblich mit Bedingung einer Fassadenrekonstruktion. Was dort jedoch gerade hochwächst passt von den Geschosshöhen aber überhauptnicht zu den beiden benachbarten Altbauten. Ich bin mal gespannt, was dort noch passiert.

    Wo die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten
    Karl Kraus (1874-1936)

  • Booni, ich gebe dir recht, dass der Entwurf durchaus eine leichte Aufwertung im Vergleich zum bisherigen Hugendubel ist. Aber auch wenn ich durchaus mit der 50er-Jahre Architektur Münchens leben kann, so würd ich mir für diese zentrale Stelle der Stadt doch eine ambitionierte traditionelle Bebauung wünschen, auch wenn eine Reko dieses Vorkriegszustandes (...man beachte die Unterschiede zum früheren vorgründerzeitlichen Zustand auf dem vorstehenden Bild...)...



    ...


    auch unrealistisch gewesen sein mag.


    Ob der Vorkriegsbau tatsächlich erst in den 70er oder 80er Jahren abgerissen wurdel, weiß ich nicht genau. Ich hatte gelesen, dass er bereits in den 50er Jahren weichen musste, bin mir aber auch nicht sicher. Hier ein Photo aus der Nachkriegszeit:


  • Wenn man als Architekt aber die Gelegenheit bekommt einen Eckbau vis-a-vis des Münchner Rathauses am Marienplatz zu gestalten, ist das natürlich ärmlich.
    Eine geringfügige Verbesserung, ja, aber kann es das sein? Dann hätte doch auch konsequenter Weise eine Anpassung an die Dachzonen der rechts benachbarten 50er-Jahre-Häuser erfolgen müssen.
    Der Stadtheimatpfleger, der hier als Architekt wirkt, wollte ja schon an der Kaufingerstraße neben C & A eine Gestaltung durchwinken, die erst die Politik gestoppt hat. Was ist denn das für ein schräger Vogel?

    Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
    (Immanuel Kant)

  • Der Entwurf ist wirklich sehr enttäuschend. Ist wahrscheinlich ganz schnell in der Mittagspause entstanden. Ob das am Ende tatsächlich besser aussieht, wird die Fassadengestaltung zeigen. Eine grellweisse Wärmedämmfassade im 50er-Jahre Stil wäre keine echte Verschönerung.

  • Der Marienplatz lebt nur noch von den beiden Rathäusern und den umliegenden Kirchtürmen.
    Das Vorkriegsbild von Frank zeigt, wie erbärmlich der heutige Zustand im Vergleich ist. Hier wären wirklich zahlreiche Abrisse nötig.
    Man sollte die Marienplatz Südseite mal mit einer historisch bedruckten Folie wieder entstehen lassen (so wie beim Berliner Schloss damals).
    Die meisten Leute haben ja leider keine Ahnung, wie es hier mal aussah.