Die Wahl des Gebäudes des Jahres 2020 findet statt. Bis 28.02. habt ihr Gelegenheit abzustimmen. Vereinsmitglieder schauen mal in ihrem Email-Postfach nach, Forenmitglieder können hier im Forum auf Abstimmung des Gebäudes 2020 abstimmen.
  • Der Vorgängerbau des Hugendubels hat meines Wissens übrigens den Krieg überlebt und wurde erst in den 70er oder 80er-Jahren abgerissen.


    Ich habe seit Jahrzehnten stets das Bewusststein, dass das jetzige Hugendubel-Gebäude ein Neubau ist, den es zu meiner Zeit noch nicht gegeben hat. Noch nie habe ich das Haus irgendwie wahrgenommen, ohne das Gefühl im Hinterkopf zu haben, dass das früher ganz anders war.


    Da der Zeitungsbericht der tz aber von einem 50er-Jahre-Gebäude ausgeht, kann ich das auch glauben. Jedenfalls wurde das Gebäude irgendwann vollkommen umgestaltet.

  • Der Marienplatz lebt nur noch von den beiden Rathäusern und den umliegenden Kirchtürmen.
    Das Vorkriegsbild von Frank zeigt, wie erbärmlich der heutige Zustand im Vergleich ist. Hier wären wirklich zahlreiche Abrisse nötig.


    Also so krass finde ich es nicht. Zugegeben, die Südseite zwischen Hugendubel-Gebäude und dem Wormland ist wirklich ziemlich belanglos, der Kaufhof ist auch nicht unbedingt ästhetisch, aber der Rest? Bei der Westseite frage ich mich immer, ob das nun Altbauten oder 50er-Jahre-Bauten sind, so gut fügen sie sich in das Stadtbild ein (zugegeben, ich habe noch nie recherchiert). An der Ostseite steht neben dem Alten Rathaus noch das Kaufhaus Beck, was zwar typische Nachkriegsarchitektur ist, aber durch seine Fassadengestaltung doch sehr originell ist. Und die östliche Südseite besteht aus wirklich schönen 50er-Jahre-Gebäuden sowie dem Altbau der deutschen Bank. Da gibt es selbst in München noch schlimmere Plätze. Wenn der Hugendubel jetzt angepasst wird, ist m. E. schon ein großer Schritt gemacht worden.

    Wo die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten
    Karl Kraus (1874-1936)

  • die Münchner Bank zwischen Frauenplatz und Kaufingerstraße, derzeit auch Baustelle...




    Wieder einmal ein weiteres Beispiel für die sehr bescheidenen Münchner Neubauten in zentraler Lage der Altstadt gefällig?


    Vorstehender Beitrag von Markus von April 2011 zeigt die Baufläche der Münchner Bank nach Abbruch des Vorgängerbaus direkt am Dom an der Ecke Frauenplatz/Augustinerstraße.


    Laut Vorgabe der Stadt musste die 50er-Jahre Fassade am Frauenplatz erhalten bleiben, wie man sie auch auf Markus Bildern sieht und wie es auch in diesem alten tz-Artikel beschrieben ist, der zudem eine Planungsdarstellung der neuen Bebauung zur Augustinerstraße zeigt.


    So sieht die fast fertiggestellte Baustelle heute aus:


    Die Seite zum Dom am Frauenplatz mit erhaltener sehr bescheiden wirkender 50er-Jahre Fassade:






    Die Ecke zur Augustinerstraße:




    Und die neu gestaltete Seite zur Augustinerstraße:




    Edited once, last by -Frank- ().

  • Es zeigt mE vom pathologischen Zustand dieses Landes, wenn man sich aktiv und dezidiert um die Erhaltung von derlei Müll bemüht. Dieser Umstand, so geringfügig er auch erscheint, könnte in eine noch zu schreibende Chronik des Verfalls aufgenommen werden.

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • ^^Verstehe ich nicht ganz. Das ist doch eine sehr schön gegliederte, zurückhaltende, aber durchaus elegante Fassade, deren Erhaltung sich mMn vollauf gelohnt hat. Mir gefallen insbesondere auch die Kalksteinverkleidungen im EG sowie die Naturstein-Fensterlaibungen im 1. OG und die schlichte, aber harmonische Gestaltung des Dachbereichs. Dagegen müssen heutige Architektenleistungen erst einmal ankommen. Auch finde ich es überhaupt nicht gerechtfertigt, die Bauleistungen der 50er Jahre etwa pauschal als minderwertig anzusehen. Oft wurden damals mit verhältnismäßig bescheidenen Mitteln durchaus schöne, harmonisch ponderierte Bauwerke erschaffen, ich denke hier insbesondere an Dresden, Freiburg und Würzburg.

    Eingestellte Bilder sind, falls nicht anders angegeben, von mir

    Edited once, last by Snork ().

  • Mir gefällt es auch sehr gut. Generell freunde ich mich so langsam mit den 50er-Jahren an. Insbesondere im Innerstädtischen Bereich kann ich durchaus eine Fortsetzung der klassischen Moderne erkennen, oft mit sehr hochwertigen Fassadenmaterialien. Die oft fröhlich wirkenden Treppenhäuser tun ihr übriges. Viel schlechter als eine Patschke-Fassade ist dieser Bau nicht.

    Wo die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten
    Karl Kraus (1874-1936)

  • Das Erd- und erste Obergeschoss zum Frauenplatz hin ...



    ...sind, das sehe ich auch so, Beispiele für die gelungenen Seiten der 50er-Jahre Architektur: Nachkriegsmoderne, aber mit Anleihen traditioneller Architektur.


    Die weiteren Obergeschosse ...



    ... und die langweilige neu geschaffene Fassade zur Augustinerstraße hin ...



    ... erscheint mir aber, polemisch ausgedrückt, eher als besserer sozialer Wohnungsbau, denn als passender Ausdruck für den Stammsitz einer alten Münchner Bank im Herzen der Münchner Altstadt zu sein. Ein bisschen mehr "Patzschke" hätte ich mir dann doch gewünscht. Mich hat das Ergebnis dieses Bauprojekts deshalb insgesamt betrachtet eher enttäuscht.


    Hier übrigens zum Vergleich der Nachkriegsbau vor der Sanierung und jetzt der gründerzeitliche Vorkriegsbau der Münchner Bank an gleicher Stelle:



    gemeinfrei



    ... „Welches Schweinderl hätten S' denn gern?"...

  • .. Auf welcher Parzelle gab es im Altstadtbereich eine Verbesserung? Ich finde nirgendwo.


    Bei der Rauchstraße 11 in Bogenhausen geht es doch wieder weiter.
    http://www.ritter-projekte.de/…hstrasse-11-muenchen.html


    ... Oh, er belieben zu scherzen ;-) Danke für den Hinweis, Markus.


    Ich wollte den Link ja zuerst gar nicht anklicken, weil ich den üblichen Münchner Neubaumist vermutet hatte. Aber das ist doch mal ein Neubauprojekt (... für Mieter mit gut gefülltem Geldbeutel ...), das ganz nach unserem Geschmack ausfällt. Sehr schön!


    ... oder hast du doch nicht gescherzt und ich habe den Haken an der Sache nicht erkannt, ... grübel, ... grübel, .... ;-)

  • Die Frage war, wo es in der Altstadt eine Verbesserung gäbe. Ich weiß auch keine.


    Wenn es in Bogenhausen eine Verbesserung gibt, dann haben wir in der Altstadt nichts davon.

  • Danke für die Aufklärung, Zeno. Ich hatte Markus Satz "Bei der Rauchstraße 11 in Bogenhausen geht es doch wieder weiter." fälschlicherweise auf seinen vorherigen Satz bezogen.


    Für alle, die ein so schlechtes Gedächtnis wie ich haben, sei daran erinnert, dass wir dieses Bauprojekt der Rauchstraße bereits vor einigen Jahren diskutiert hatten, siehe hier.

  • Sehr schöne und löbliche Fassadengestaltungsaktion - aber der Umstand, wie hier mal wieder der Stammieter zur kaputten Geldmaschine degradiert und einfach so übergangen wird, ist ja völlig unter aller Sau und bringt jedwelche Art von Sanierung in Verruf. Wirklich bedauerlich und schändlich. In der Innenstadt wird weiter vor sich hingeklotzt, und weiter außerhalb wird der Lebensstandard des Normalbürgers noch ein wenig untragbarer. So gut ich die Ambitionen auch finde - dann lieber noch ein paar Jahrzehnte im Durchschnittszustand mit Rücksicht auf die Mieter.

    Form is Function.


    "Fürchte nicht, unmodern gescholten zu werden. Veränderungen der alten Bauweise sind nur dann erlaubt, wenn sie eine Verbesserung bedeuten, sonst aber bleibe beim Alten. Denn die Wahrheit, und sei sie hunderte von Jahren alt, hat mit uns mehr Zusammenhang als die Lüge, die neben uns schreitet."

    Adolf Loos (Ja, genau der.)

  • Flemingstraße 1

    Ich weiß nicht, ob über dieses Objekt bereits schon mal berichtet wurde ...


    das Objekt Flemingstraße 1 in München Herzogpark ist tatsächlich ein Neubau, Architekt Franz Hesel



    http://www.architekt-hesel.de/referenzen_wa_flemingstr.html




    und wird von der Ritter finest real estate Gruppe vertrieben



    http://www.ritter-projekte.de/…ngstrasse-1-muenchen.html

  • Vielen Dank, Stephan Riedel! Das Objekt Flemingstr. 1 hat etwas durchaus Überzeugendes und macht darauf neugierig, das Quartier Herzopark einmal gründlich zu erkunden.

  • Dafür wird am Herzogpark das über 100 Jahre alte Wirtshaus im Grüntal demnächst abgerissen und durch Eigentumswohnungen ersetzt.


    http://www.sueddeutsche.de/mue…tatt-biergarten-1.1360035




    Zugegeben, überall anders wären wir froh um solche Neubauten aber in München wird wenig Wert auf historisches gelegt und vor allem immer mehr verdichtet. Derzeit wird ja auch viel über die Verdichtung in den Gartenstädten diskutiert, wo viele unscheinbare 20er und 30er Jahre-Häuser mit Traumhaften Gartengrundstücken verschwinden und durch Mehrfamilienhäuser ersetzt werden.



    Nach 3 Jahren München sind meine Freundin und ich wieder drauf und dran, nach meiner Promotion wieder Richtung Norden zu ziehen. So schön Stadt und Lage auch sind, ein Stadtbahnen EFH aus den 20ern mit großem Garten wird hier niemals bezahlbar sein... Dann doch lieber etwas länger zum Wandern und Skifahren anreisen.



    Viele Grüße
    Michael

    Wo die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten
    Karl Kraus (1874-1936)

  • Tja, trotz gesammelter Millionen konnte man die Gaststätte offenbar nicht erhalten.


    http://www.sueddeutsche.de/mue…en-das-gruental-1.1041534


    Wobei man sagen muss, dass architektonisch da offenbar nicht viel verloren geht. Zumal die Neubebauung passabel ist. Es geht wohl eher um den gemütlichen Ort im Grünen, der vielen Menschen schöne Stunden bereitete, also ein Stück Wirtshauskultur. Tja, der Immobiliendruck ist eben in München enorm. Hoffentlich verliert die Stadt dadurch nicht ihre Seele.

  • Wenn ich hier nicht so verwurzelt wäre, würde ich auch längst wegziehen. Die Lebenskosten, alles wird zugebaut, der Straßenverkehr etc, eine einzige Katastrophe... Andererseits, die Berge brauche ich zumindest nah und M hat natürlich auch nach wie vor schon noch ein paar positive Seiten...


    Das Grüntal an sich ist kein sonderlicher Verlust, aber eben das überall mit Wohnungen voll bauen, das ist schon sehr schlimm geworden.

  • Also Booni, wenn Du die Möglichkeit hast, wieder in Deine Heimatstadt oder jedenfalls Heimatregion zu ziehen, was gibt es dann noch zu überlegen? Ich würde auch nicht unnötig woanders rumhängen, wenn ich wieder nach Hause kann.