• Hier ein letzter Gruß des 50iger Jahre Kinos am Giesinger Bahnhof - schade eigentlich, diese Art von Nachkriegsarchitektur hatte irgendwo was:


  • Haben wir eigentlich irgendwo schon Bilder wie das beigefügte im Forum (zu sehen ist der Marienplatz zu München)? Wir haben hier zwar eine bilderreiche Galerie und einen Forumsstrang, aber historische Aufnahmen habe ich hier bisher kaum gesehen. Das Bild hier hing übrigens jahrelang als Repro im Wohnzimmer meiner Eltern. Irgendwann habe ich angefangen, mich zu fragen, wo das wohl ist (ich habe als Kind sechs Jahre in München gewohnt) und es hat ewig gedauert, bis ich kapiert habe, dass auf einer heutigen Aufnahme im Bild rechts das neue Rathaus stehen würde.



  • Den Stich hatte ich auch mal bei mir im Zimmer hängen, keine Ahnung wo der sich heute befindet. Wie großartig München und der Marienplatz doch mal war, besonders diese überaus stimmige Nordseite...

  • Mit dem neuen Rathaus gefällt mir der Platz aber besser. Nichts gegen schöne Bürgerhäuser, aber so ein großer Repräsentationsbau mit Turm wirkt nochmal eindrucksvoller.

    In dubio pro reko

  • Im übrigen waren für die Frauenkirche am Marienplatz ursprünglich gotische Thurmdächer vorgesehen, dank der langen Bauzeit kam man dann irgendwann in die Barockzeit rein, was diesen doch recht interessanten Stilbruch ausmacht. :wink:

  • Interessant ist, dass der Barock schon im Jahre 1525 kam (die Kirche war damals gerade erst seit 1488 fertiggestellt) , und dass die Türme 37 Jahre ohne Turmhelme existierten (siehe Schedel'sche Weltchronik, Holzschnitt Münchens )


  • Auf dem Holzschnitt auch sehr gut zu erkennen der "alte Peter" (Münchens älteste Kirche) noch mit 2 Türmen, welche in der Barockzeit umgebaut wurde. Die gotische Form mit 2 Türmen war im Barock eher unüblich.
    Leider weist der "alte Peter" noch heute Schäden des 2.WK´s (zumindest im Turmbau) auf, noch immer führen provisorische Holztreppen zur Aussichtsplattform. Sollte vielleicht auch mal alles originalgetreu gerichtet werden. :wink:


  • Ich kenne es so, dass bei einer anständigen Familie eine historische Ansicht der jeweiligen Stadt im Wohnzimmer hängt. Das ist so selbstverständlich, dass darüber eigentlich nicht geredet wird.


    Das läßt mich nun schon fast mutmaßen daß die unsrige Familie zu den Unanständigen zu zuordnen ist :biggrin:


    Quote


    Nach der offiziellen Version verdankt München seine Existenz einer kriminellen Handlung.


    Seit wann ist Ude doch gleich noch mal OB? floet:) :biggrin::biggrin:


    Nichts desto Trotz finde ich das neue Rathaus allerdings architektonisch sehr gelungen, was mich allerdings (und höhst wahrscheinlich auch jede Menge anderer Leute ) massiv stört, ist dieses Atombombenbunkerähnliche Gebilde in dem der Kaufhof "residiert". Bevor wir über einen Rückbau des neuen Rathauses nachdenken sollten doch erst einmal die ganzen architektonischen Greisslichkeiten am Marienplatz liquidiert werden.

  • Eigentlich verstehe ich die Diskussion nicht. Natürlich ist es keine Frage, dass das Neue Rathaus so, wie es jeder von uns kennt (weil wir die Vorgängerbebauung ja alle nicht mehr erlebt haben), bleiben soll. Wichtig dagegen war die Wiedererrichtung des Talbrucktores.


    Ach nun, von irgend einer Seite kam mal die Vorhaltung man würde sich hier zuweilen den baulichen Zustand vor 1900 zurück sehnen - beim Thema "Berliner Dom gibt es ja beispielsweise durchaus Stimmen, welche den Vorgängerbau an dieser Stelle als passender erachten würden (ich schließe mich ja da selbst nicht völlig aus).
    Insofern find ich den Gedankengang auch durchaus interessant, den Münchner Marienplatz wieder in seiner alten Gemütlichkeit vor 1900 zu rekonstruieren. Ich versuche mir mitunter vorzustellen, wie das neue Rathaus am Marienplatz wohl ohne diese gesamte Nachkriegs-Schund-Architektur wirken würde. Im derzeitigen Zustand jedenfalls ist das neue Rathaus eines von wenigen Augenweiden.
    Wenn ich mich nicht irre, ist das Thalbrucktor im 2. WK arg beschädigt worden, und wurde schlußendlich abgerissen bis es im Jahre 1972 im gotischem Stile wieder aufgebaut wurde.

  • Auch wenn ich in München das Licht der Welt erblickt habe, bin ich nach nunmehr 42 Jahren im Exil mit der Baugeschichte der Stadt schlecht vertraut:


    - Die Frauenkirche mit ihren komischen Türmen als Mischung aus Gotik und Barock? Darüber habe ich mir noch nie Gedanken gemacht.
    - Die Kirche hatte um 1500 ca. 30 Jahre keine Turmhelme? Wusste ich nicht.
    - Das Talburgtor als Reko von 1972? Wusste ich auch nicht.


    In Summe ist es immer wieder faszinierend, wie viel Wissen in diesem Forum oft en passant zusammengetragen wird.

  • Interessant ist, dass der Barock schon im Jahre 1525 kam (die Kirche war damals gerade erst seit 1488 fertiggestellt) , und dass die Türme 37 Jahre ohne Turmhelme existierten (siehe Schedel'sche Weltchronik, Holzschnitt Münchens )


    - Die Frauenkirche mit ihren komischen Türmen als Mischung aus Gotik und Barock? Darüber habe ich mit noch nie Gedanken gemacht.
    - Die Kirche hatte um 1500 ca. 30 Jahre keine Turmhelme? Wusste ich nicht.


    Ja, interessante Baugeschichte. Für die damalige Zeit waren die 38 Jahre bis zur Fertigstellung der Turmhauben 1525 nicht ganz außergewöhnlich. Die Turmhauben selbst waren natürlich nicht barock, weil dieses Zeitalter ja noch nicht begonnen hatte, aber sie waren das entscheidene Vorbild für viele spätere barocke Turmhauben Bayerns.


    Das Vorbild dieser "welschen" Turmhauben war übrigens laut Meinung mancher Wissenschaftler die Kuppel des Jerusalemer Felsendoms, der kurz vor dem Münchner Bau zum Beispiel auch in Venedig als Vorbild verwendet worden war:


    Frauenkirche, München, Turmhaube von 1525:

    Quelle: wiki, gemeinfrei


    Santa Maria del Orto, Venedig, Turmhaube von 1503:

    Quelle: wiki, gemeinfrei


    Jerusalem, Felsendom, Ansicht des 16. Jahrhunderts:

    Quelle: wiki, gemeinfrei

  • Hier ein letzter Gruß des 50iger Jahre Kinos am Giesinger Bahnhof - schade eigentlich, diese Art von Nachkriegsarchitektur hatte irgendwo was:


    Mal hier zu so ganz nebenher; die Fraktion "die Grünen" hatten zum 18. Januar 2013 zu einer Demonstration gegen den Abriß aufgerufen - es scheint offensichtlich nichts gebracht zu haben, die Abrißbagger stehen bereits in Startpostion.
    Bedauerlich daß sich nur die Grünen für den Erhalt des alten Kinos einsetzten - da könnt man fast böswillig meinen, die Grünen kötern sich die Stadterhaltungsbefürworter :biggrin:

  • Größere Kirchen mit original gotischen Turmhelmen kannst du an einer Hand abzählen. Die Meisten sind durch Blitzschlag abgebrannt und durch Flachdächer oder Barockhauben ersetzt worden.
    Eine derartige Eigenart des Abschlusses wie bei der Frauenkirche ist mir als in Bayern und Österreich weniger bewanderten aber nicht geläufig. Mir scheint es daher paradox wenn wie uns hier meist zurecht über die Austauschbarkeit moderner Architektur echauffieren und von dir die Nivellierung einer solchen bauhistorischen Besonderheit gefordert wird.

  • Ein wenig vergleichbar sind die Turmhelme der Klosterkirche St. Lampert in Klosterseeon:


    Quote


    die welschen Hauben nach dem Großbrand von 1561 aufgesetzt

  • Generell sind in dem Unterfangen, hohe Doppeltürme bei Backsteinkirchen überzeugend abzuschließen, gewisse Schwierigkeiten nicht zu übersehen. Vgl den Dom zu Breslau, die mE zu klobig und langweilig gewordene Marienkirche zu Lübeck, besser ist da sicherlich der Lübecker Dom gelungen, der die Einfachkeit und Wucht sozusagen auf die Spitze treibt.
    Für München kann ich mir gar nichts Überzeugendes (oder sagen wir so: Überzeugenderes) vorstellen. Diese welschen Hauben hatte immerhin das Zeug, zum "Markenzeichen" zu werden, überdies erscheinen sie formal einwandfrei. Ob sie mir wirklich gefallen oder nicht - über diese Frage bin ich mir im Unklaren.

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • ich reite jetzt mal zur Abwechslung wieder ein wenig auf der (bald ehemalige) Giesinger Flunder herum - das der Demoaufruf der Grünen Fraktion ziemlich sinnlos erscheint, konnte ich mir schon im Vorfeld denken. Nun liegt offensichtlich die Schuld bei der geringen Anzahl an Demonstranten......Bittschön, diese Fraktion sitzt im Münchner Rathaus und hätte ja wohl noch andere Möglichkeiten gehabt. Wurde im Münchner Rathaus überhaupt über die Baupläne abgestimmt?


    Ich weiß nicht, aber die Motivation um des Wahlerfolges Willen sich für eine Bausubstanz einzusetzen, kann nicht gut gehen. (ich persönlich sehe es einfach mal in diesem Kontext... Irrtum ist natürlich nicht ausgeschlossen)


    Hier ein Artikel über den sinnlosen Protest das Gebäude zu erhalten:


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    Rund 70 Giesinger waren ihrem Aufruf gefolgt, um zu zeigen, dass ihnen der Bau aus dem Jahre 1952 am Herzen liegt. »Es ist ein letztes Aufbäumen, ich weiß selbst, dass es für dieses Gebäude wohl zu spät kommt«, räumte die Grünen-Politikerin freimütig ein. »Das Negativbeispiel hier zeigt, dass wir den Denkmalschutz künftig im Gesetz und der Realisierung viel klarer und enger fassen müssen, um solche erhaltenswerten Gebäude wie die Flunder zu retten«, forderte Stamm. Thomas Pfeiffer,


    Quelle und ganzer Text: http://www.wochenanzeiger.de/article/130185.html