München - außerhalb der Altstadt

  • Ich denke wenn das alles mit Abrissen von intakten hist. Gebäuden so unvermindert weitergeht,werden in München wie auch in Wien in 70-100 Jahren nur noch einige wenige hist Traditionsinseln übrig bleiben,also kein weitestgehend geschlossenes hist.Stadtbild mehr wie wir es bis jetzt NOCH von diesen Städten kennen.Und an den wenigen Traditionsinseln wird man dann wenigstens gerade noch erkennen können,in welcher Stadt man sich gerade befindet,von den bis dahin städtebaulich/architektonisch einheitlich verwechselbaren Deutschen Städten.

  • Gar nicht wenige Leute, u.a. die Altstadtfreunde, haben versucht, den Abriss zu verhindern, leider hat das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege das Gebäude nicht als denkmalschutzwürdig anerkannt und somit konnte der bereits erwähnte Kultusminister Spaenle (CSU) sein Projekt durchziehen...


    In folgendem Artikel kann man eine gute Zusammenfassung über die ganze Angelegenheit lesen:

    https://www.denkmalnetzbayern.…index/id/38/seite_id/2126


    Zitat mit Stellungnahme des Denkmalschutzamtes:


    Der Generalkonservator des Landesamtes für Denkmalpflege, Mathias Pfeil, räumte bei der Besichtigung ein, dass die Trakte "einen gewissen Charme" hätten, aber nach objektiven Kriterien keine Denkmaleigenschaft vorliegt. Nach den schweren Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg seien die Häuser "pragmatisch wieder instandgesetzt" worden; man könne nicht "inflationär alles auf die Denkmalliste setzen", was nach dem Krieg wieder aufgebaut worden sei. Auch Burkhard Körner, der im Landesamt unter anderem für München zuständig ist, erkennt keine herausragenden Qualitäten: "Ein schönes Treppenhaus ist zu wenig, um gleich das ganze Gebäude als Denkmal auszuweisen."

    "In der Vergangenheit sind wir den andern Völkern weit voraus."

    Karl Kraus

  • Denkmalschutz ist das eine. Anstand, Achtung und Geschmack das andere. Nicht alles, was nicht unter Denkmalschutz steht, stehen kann (oder soll?), muss von profilierungswütigen Ministern dem Erdboden gleich gemacht werden. Warum so unkreativ? Man hätte doch das gut erhaltene Treppenhaus als Blickfang in die Neubauten integrieren können. Wurde schon dutzendmal praktiziert. Stattdessen tabula rasa ohne Rücksicht und Feingefühl. Bei mir rief es zumindest immer ein ehrfürchtiges und zugleich leicht erhabenes Gefühl hervor, wenn ich durch die prächtigen Treppenhäuser meiner Universität gelaufen bin. Pah, was für austauschbare 0815-Bürotreppenhäuser dort jetzt entstehen... wohl kaum anders wie bei der Maier Huber Bauunternehmung KG Pfaffenhofen an der Sonstwo.

  • Mir ist klar, dass ein Physik-Campus heute nicht mehr mit Mansarddach und Sprossenfenstern daherkommen kann

    Warum eigentlich nicht?

    Bei mir rief es zumindest immer ein ehrfürchtiges und zugleich leicht erhabenes Gefühl hervor, wenn ich durch die prächtigen Treppenhäuser meiner Universität gelaufen bin. Pah, was für austauschbare 0815-Bürotreppenhäuser dort jetzt entstehen...

    Vielleicht passt das doch auch zur Umwandlung der Universitäten in einen Leistungsbetrieb. Wer braucht noch verträumte Leseratten, die mit erhabenen Gefühlen über Treppenhäuser flanieren? Der im Eiltempo das Bachelor-/Master-Studium ablegende künftige Leistungsträger ist gefragt, der möglichst vor dem 25. Geburtstag den Unternehmen zur Verfügung steht.

  • Welches ist denn der erwähnte "Bibliothekstrakt" der stehen bleiben soll?

    Der steht ein Gebäude weiter Richtung Norden. Ein Bau aus den 50er/60er Jahren. Dessen Erhalt wurde vom zuständigen Minister Spaenle (CSU) damals als großes Entgegenkommen und "Erhalt der Stadtbildprägung" dargestellt...


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  • Die CSU sollte sich für ästhetische Hochhäuser einsetzen. Nicht für deren Beschneidung und Verstümmelung, sodass am Ende nur klotzige Renditekisten herauskommen. Es ist bezeichnend, dass seit 2004 kein einziges geometrisch aufwendig gestaltetes Hochhaus mehr entstanden ist (eines vielleicht, und zwar das am Bahnhof Berg am Laim). Die CSU vergisst auch gerne, dass sie 2014-2020 regiert hat, nur was hat sie FÜR optisch ansprechende Hochhäuser getan? Gar nichts. Ebenso wenig wie sie sich für Rekonstruktionen oder den Erhalt von historischer / wiederaufgebauter Gebäude interessiert, interessiert sie sich für die optische Gestaltung von Hochpunkten. Stattdessen geht es nur um Profilierung, Trittbrettfahrerei, Reaktionismus. Städtebauliches Voranschreiten, ein Mitgestalten FÜR eine bessere Baukultur ist nicht.

    Die anderen Parteien stehen dem allerdings kaum in etwas nach, wenn auch nicht ganz so ausgeprägt wie in den Reihen der CSU.

  • Alle Münchner / Foristen mit münchner Bekannten aufgepasst:


    Anlässlich des geplanten Hochhauses an der Paketposthalle zeichnet sich ein Bürgerbegehren gegen Hochhäuser (über 80m) in München insgesamt ab:


    https://www.tz.de/muenchen/sta…n-neuhausen-91053876.html


    Von Seiten der Politik und Immobilienwirtschaft wird ja immer gern die Mär vom "Bauen in die Höhe, wenn in die Breite kein Platz mehr ist" bemüht. Danach müsste es in Städten wie New York oder London ja genug Wohnungen für alle geben, der Markt spricht aber eine andere Sprache.

  • Hier noch zwei Fotos von heute vom Hauptbau der Tierklinik, die abgerissen werden wird:




    Das klassizistische Portal an der Südseite des Grundstücks bleibt hingegen erhalten:


    "In der Vergangenheit sind wir den andern Völkern weit voraus."

    Karl Kraus

  • Der Abriss ist eine Katastrophe. So ein wohlproportioniertes Gebäude mit Pilaster-Risalit und Rundbogen-Portal (und dann noch das Treppenhaus im Inneren). Es ist mir völlig unverständlich, warum das nicht in die Neubebauungs-Planung einbezogen werden kann.


    :daumenunten:

  • Guten Abend und herzliche Grüße aus Berlin!


    Der Generalkonservator des Landesamtes für Denkmalpflege, Mathias Pfeil, räumte bei der Besichtigung ein, dass die Trakte "einen gewissen Charme" hätten, aber nach objektiven Kriterien keine Denkmaleigenschaft vorliegt.

    Wenn ich sowas lese, "nach objektiven Kriterien keine Denkmaleigenschaft", kann ich nur noch schmunzeln. Mit der "Objektivität" ist es beim Denkmalschutz ja anscheinend nicht so weit her. Hier in Berlin befleißigt sich das Landesdenkmalamt seit Jahren, möglichst sämtliche DDR-Bauten unter Denkmalschutz zu stellen, aus Angst, sie könnten abgerissen werden. Nur als Beispiel wurden diese Preziosen der Baukunst in der Wilhelmstraße kürzlich vollmundig und ohne wirklichen Sachgrund unter Denkmalschutz gestellt. Gründerzeitgebäude hingegen verschwinden hier sang- und klanglos.

    Eingestellte Bilder sind, falls nicht anders angegeben, von mir

  • Abrissen von intakten hist. Gebäuden

    Angesichts der großzügigen Vernichtung von grauer Energie können wir sowas wie Umweltschutz vergessen. Mülltrennung? Witzlos, solange von den Neubauwütigen so tabla-rasa-mäßig vorgegangen wird.

  • Vielleicht nur ein „Nebenkriegsschauplatz“: Die Eisenbahnbrücke über die Münchner Lindwurmstraße.


    Sie ist rund 100 Jahre alt und wird seit Jahren durch zusätzliche, provisorische Stützen und Pfeiler gehalten.


    Da München HBF ein Kopfbahnhof ist müssen sämtliche Züge nach München-Ost (und weiter nach Salzburg-Wien- Budapest, bzw. Rosenheim-Innsbruck-Brenner) über diese Brücke, die dementsprechend Tag (Personenverkehr) und Nacht (Güterzugverkehr) enorm frequentiert ist.


    Nun wird ein Neubau unumgänglich. Lokalpolitiker setzen sich dafür ein, dass das filigrane Brückengeländer saniert und hoffentlich in die neue Brücke integriert wird.

    Ist man Vorort erkennt man übrigens im Geländer auch einen „Lindwurm“, der den Bezug zum Straßennamen herstellt.


    Eisenbahnbrücke Lindwurmstraße


    Noch ein älterer Link zum selben Thema. Der Link ist mir deshalb wichtig, weil es ein Photo gibt, das die Brücke vor dem wunderschönen Lindwurmhof zeigt, eines der zahlreichen Meisterwerke von Franz Rank.


    (In meiner Bildstrecke Schulgebäude in München gibt es ein Werk von Franz Rank, nämlich die Gebäude der Maria-Ward-Realschule und des gleichnamigen Gymnasiums).


    Hier nun der Link:


    Lindwurmbrücke und -hof


    Eine Anmerkung noch. Absolut unverständlich und absolut unverzeihlich ist der rückwärtige Betonanbau, der -wie ich vermute- Ende der 70er Jahre an den Lindwurmhof gesetzt wurde und damit eine Seite des Baus komplett verdeckt hat. Was denkt man sich als Architekt eines solchen brutalen, banalen Gebäudes, wenn man dafür ein solches Kunstwerk unsichtbar macht und teils zerstört.

  • Snork

    Changed the title of the thread from “München” to “München - außerhalb der Altstadt”.
  • Münchner Kindl Brauerei


    Dieter Sailer, einer Familie mit längerer Brautradition entsprungen, bringt die Münchner Kindl Brauerei zurück. 1869 gegründet, fusionierte sie 1905 mit der Unionsbräu und diese wiederum 1921 zur heutigen Löwenbräu. Sailer sicherte sich die Namensrechte und errichtet aktuell auf dem Grundstück Tegernseer Landstraße 337, Stadtbezirk Giesing, ein neues Brauereigebäude inklusive Gastronomie.

    Das Grundstück beherbergte seit 1971 eine Tankstelle nur für US-Streitkräfte und bot für diese Waren aus den USA an. Inzwischen ist diese abgerissen.


    Die neue Brauerei soll 2023 in Betrieb gehen, circa 12.000 Hektoliter Bier im Jahr produzieren und jederzeit ohne Anmeldung besichtigt werden können. Zu sehen sein wird auch eine historische Dampfmaschine, die zusammen mit anderen Maschinen aus Wärme "Kälte" erzeugt.





    https://www.kindlbier.de/