München - außerhalb der Altstadt

  • Mich würde mal interessieren, warum die heutige Architektur sich Weitestgehend von klassisch, traditionellen Formen so weit entfernt hat?

    Aktuell durch die Besetzung der Hochschulposten mit Linientreuen. Ist aber zunehmend in anderen Fachrichtungen ähnlich. Historisch, also warum es so weit kam, wäre die Entwicklung eine Untersuchung wert.

    Um Erfolg zu haben muss er sich dem modernen Zeitgeist irgendwie anpassen und mit dem Strom treiben

    In Zeiten der Cancel Culture betrifft das weitgehend alle relevanten Berufszweige. Welcher Journalist, welcher "Fernseh-Promi", welcher Schauspieler, welcher Schriftsteller... kann sich noch erlauben, gegen den Zeitgeist zu argumentieren, ohne einen "Shitstorm" auszulösen und berufliche Probleme zu bekommen?

    Profitieren vielleicht bestimmte Kreise auf der Welt von der Moderne?

    Selbstverständlich. Ohne Profit würde der Modernismus nicht existieren. Genormte, industriell hergestellte Formen entsprechen eben den Interessen einer globalen Bau- und Anleger-Maschinerie. Zudem werden ideologische Ziele verfolgt, was immer wieder bei Debatten zu Rekonstruktionsobjekten zu beobachten ist. Ein positiver Rückgriff auf Geschichte ist nicht gerne gesehen.

    Könnte nicht dadurch die Individualität der Architektur verloren gehen und letzendlich sich auf eine weitestgehende Vereinheitlichung der Formensprache reduzieren?

    Nicht nur Individualität, sondern vor allem auch der Ortsbezug. Und Vereinheitlichung entspricht sowohl den Interessen des Kulturmarxismus wie der globalen Oligarchie. Mich wundert allerdings das "könnte" in der Frage. Das ist doch offenkundig. Sollte es jedenfalls sein. Vor allem für jemanden, der sich seit Jahren mit dem Thema beschäftigt und seine Sinne schärft, indem er in diesem Forum angemeldet ist.

  • Herr Herrmann


    Aber das ist doch auf vielen Feldern sichtbar, diese Verächtlichmachung von Traditionellem, Schönem und Konservativem. Heimdall hat es sehr gut dargestellt. Ich meine schau dir doch den ÖR an. Wo finden konservativ gesinnte Menschen im teuersten Rundfunk der Welt eine Plattform? Ganz sicher nicht bei Georg Restle oder Claus Kleber. Leute, die ihre linken Positionen nicht teilen werden verachtet, verhöhnt und in die Nazi-Ecke geschoben.


    In der Architektur ist es nicht anders. In meinen Augen durchleben wir gerade die dunkelste Periode der Architekturgeschichte. Nie in 3000 Jahren wurde so banal, einfallslos und lieblos gebaut wie heutzutage. Das ist wahrlich kein deutsches Phänomen, sondern ein globales. Es bräuchte hier unbedingt eine Gegenbewegung.

    In der Altstadt die Macht, im Kneiphof die Pracht, im Löbenicht der Acker, auf dem Sackheim der Racker.


    Hätt' ich Venedigs Macht und Augsburgs Pracht, Nürnberger Witz und Straßburger G'schütz und Ulmer Geld, so wär ich der Reichste in der Welt.

  • Und schon wieder bekommen wir ungefragt eine Kostprobe aus einem Konvolut aus Kulturpessimismus, Bashing der angeblich nicht ausreichend konservativen Medien sowie einem politischen Statement um die Ohren gehauen. Manche Menschen müssen das ständig loswerden, auch wenn es noch so unpassend ist. Diese Früher-War-Alles-Besser-Mentalität nervt.


    Ob wir in der dunkelsten Periode der Architekturgeschichte leben, können wir übrigens aus unserer Warte schwer beurteilen. Das werden andere Generationen nach uns sicher besser einordnen können. Wir können aber immerhin Einzelbeispiele einordnen, wie den hier vorgestellten positiven Entwurf aus München.

  • Und schon wieder bekommen wir ungefragt eine Kostprobe aus einem Konvolut aus Kulturpessimismus, Bashing der angeblich nicht ausreichend konservativen Medien sowie einem politischen Statement um die Ohren gehauen. Manche Menschen müssen das ständig loswerden, auch wenn es noch so unpassend ist. Diese Früher-War-Alles-Besser-Mentalität nervt.


    Ob wir in der dunkelsten Periode der Architekturgeschichte leben, können wir übrigens aus unserer Warte schwer beurteilen. Das werden andere Generationen nach uns sicher besser einordnen können. Wir können aber immerhin Einzelbeispiele einordnen, wie den hier vorgestellten positiven Entwurf aus München.

    "Früher-War-Alles-Besser" vielleicht nicht, aber "Früher-War-Alles-Schöner" gewiß ;-) !


    "Ob wir in der dunkelsten Periode der Architekturgeschichte leben, können wir übrigens aus unserer Warte schwer beurteilen." Also ich nehme mir das nun einmal für mich persönlich heraus - ich finde alle Kulturepochen vor der "Moderne" auf jeden Fall gotteszahlunendlich "erhellender" und ökologisch nachhaltiger sowieso!

    „Dekoration ist der wichtigste Teil der Architektur“ (Sir William Scott)

  • Exilwiener ,eine Gegenbewegung von wem? Es gibt einige Menschen die sich für traditionelle Architektur stark machen (wie wir hier zB im Forum:wink:)die sind aber in der Minderheit und die Masse der Bürger,da interessiert sich auch nur eine kleine Minderheit für Architektur überhaupt.Ich wüsste nicht,wie man da gegenwärtig bei dieser Dominanz der Moderne zumindest etwas dagegen halten könnte.Modern kommt von Mode.Mode ist zwar nach einer gewissen Zeit wieder Vergänglich,aber die Mode der Architektur die gehenwärtig schlicht und sachlich ist ,hält sich hier in Europa leider schon so ziemlich lange,seit Bauhaus der 20er Jahre,also rund 100 Jahre.:opa:

  • Ich sag mal so - es wäre wünschenswert wenn sich gewisse Leute in der Münchner Gestaltungskommision wieder auf das Vermächtnis Thomas Wimmer zu besinnen.


    Auch wenn er Oberbürgermeister einer mir suspekten Partei war, so hat er sich doch für die architektonische Weltstadt mit Herz eingesetzt und dafür gesorgt, daß vieles erhalten blieb und wieder hergerichtet wurde.


    Makabererweise ist eines der häßlichsten Ecken Münchens nach ihm benannt - "Thomas Wimmer Ring", dem zahlreiche schützenswerte Bauten weichen mußten.

  • Liebloser Einheitsbrei, der auch in Singapur stehen könnte. Wie wäre es stattdessen mit einer lokalen Bauweise, die der Geschichte der Stadt gerecht wird?

  • Das einzige was an diesem einfallslosen(Fassade)Neubau mal etwas anders ist,ist das Schrägdach.Alles andere an dem Gebäude wie immer,die angepasste einförmige Zeitgeistarchitektur und das im schönen München.

  • Die harsche Kritik kann ich nicht nachvollziehen. Die Planungen gefallen mir gut, die Fassaden mit den Messing-umrahmten Fenstern wirken auf mich auch sehr edel und versprühen einen – offenbar wieder angesagten – Mid-Century-Charme. Umso besser, dass dadurch so ein Beton-Ungetüm verschwindet. Hoffentlich kommt noch Naturstein oder ein hochwertiger Architektur-Beton an den Außenfassaden zum Einsatz.


    Ist die Schützenstraße eigentlich eine Fußgängerzone oder soll dahingehend verändert werden?

  • Warum wird hier gemeckert? Das ist doch eine enorme Verbesserung! Ähnliches würde ich mir auch hier in Kopenhagen wünschen.

    Unsere große Aufmerksamkeit für die Belange des Denkmalschutzes ist bekannt, aber weder ökonomisch noch kulturhistorisch lässt es sich vertreten, aus jedem alten Gebäude ein Museum zu machen. E. Honecker

  • Liebloser Einheitsbrei, der auch in Singapur stehen könnte. Wie wäre es stattdessen mit einer lokalen Bauweise, die der Geschichte der Stadt gerecht wird?

    Ich glaub Du kennst diesen "Atombombenbunker" nicht welcher derzeit noch de Gegend verschandelt .


    Da ist das schon eine erhebliche Verbesserung - sicher, schöner wär es gewesen wenn man die Jugendstil Ornamentok des Hauptgebäudes am Hauptbahnhof beibehalten hätte.

  • Ich fände es schön, wenn man Kritik (ob nun nachvollziehbar oder nicht) nicht als "meckern" bezeichnet. Das ist in vielen Foren leider so üblich, bei uns sollte eine bessere Wortwahl gegeben sein.

  • Ich fände es schön, wenn man Kritik (ob nun nachvollziehbar oder nicht) nicht als "meckern" bezeichnet. Das ist in vielen Foren leider so üblich, bei uns sollte eine bessere Wortwahl gegeben sein.

    Ja, da stimme ich Dir schon zu, es gäbe sicherlich auch andere verbale Möglichkeiten :wink:


    Nun muß ich sagen, in München gibt es wunderschöne Orte an denen ich mich gern und lange aufhalte, wie zum Beispiel dem Viktualienmarkt, Wiener Platz Preysinggarten usw.


    Aber es gibt auch recht fürchteliche Ecken, wo ich schau , wie ich diese vermeiden kann.


    Eine der für mich absolut ungemütlichsten und deprimierendsten Gegenden ist Neuperlach Zentrum und auch am Frankfurter Ring fühl ich mich nicht so recht wohl.


    Die Gegend um den Hauptbahnhof rum und die Schwanthaler Höhe, hat schon mitunter recht nette Ecken, aber leider - so scheint mir - ist das die abrißfreudigste Gegend wo stattdessen schnell mal ne "Schachtel" hingsetzt wird.

  • Das hab ich mir schon länger gewünscht, wunderbar. Dieser Bunker war wirklich das Hässlichste vom Hässlichen.

    Hat die Schönheit eine Chance-Dieter Wieland

  • Streit um Neubau in der Mozartstraße: Ist dieses Haus zu kitschig?


    Quelle: https://www.abendzeitung-muenc…BxC3y4lOLpV2J3q4zP2OX9keo

    Die Bauherren der Mozartstraße haben jetzt wohl nachgegeben und den Entwurf angepasst.

    Sehr schade, dass tendenzen zu klassischem und angepasstem Bauen an prominenter Stelle gleich so kaputtgetreten werden. Vorher eindeutig positiver Beitrag zum Stadtbild, jetzt langweilig und aussagelos.


    Bezeichnend insoweit folgende Haltung einer Person, die sich vor allem zur Abwertung der Ursprungsfassade berufen fühlte:

    Der Münchner Architekt Christoph Sattler, der die Überarbeitung als "richtig" würdigte, hakte aber bei dem Punkt mit der klassischen Fassade ein: "Das ist eine architektonische Haltung, die retrospektiv ist." Er finde das Vorgehen "zu vorsichtig" und fragte, warum man sich nicht an einem Haus wie der Post am Goetheplatz orientiere.


    Nochmal zum Vergleich:


    Vorher:

    640x426?v=1606852535000&method=resize&cropRatios=3:2&cropRatios=2:3


    Nunmehr nach geforderter Anpassung:

    24947412-bueros-statt-hotel-und-gastro-der-neue-entwurf-fuer-das-kuenftige-gebaeude-gegenueber-vom-royal-kino-am-goetheplatz-2msmyRDhuuLH.jpg

  • Mir ist es ehrlich gesagt auch unbegreiflich, wie im Kontext eines so harmonischen, aber doch auch auffallend unprovokativem Entwurfs Gift und Galle gespuckt werden kann a la "überladen" "kitschig" und "nicht echt" / "unauthentisch" (jeweils O-Töne der Stadtgestaltungskommissions-Architekten).


    Ernsthaft?! Wegen zwei Erkern (davon einer nichtmal an der Straße), einen minimal angedeuteten Eckturm und einem Giebel??


    Wovor haben diese Leute Angst? Sie können doch weiterhin ihre bewährte Klötzchen / Glasarchtektur vom Stapel lassen (was das Büro, das hiesigen Entwurf verantwortet, übrigens sonst auch tut)??


    Was für eine unerträgliche Hybris, die sonst doch so hochgehaltene Baufreiheit (14 GG) der Eigentümer, die hier explizit klassisches Bauen wünschten, mit Füßen zu treten und sofort keifend und krakeelend auf einen Kollegen der Branche loszugehen!


    Und das immer mit unerträglich oberlehrerhaftem und apodiktischem Tonfall!


    Der Münchner Architekt Christoph Sattler, der die Überarbeitung als "richtig" würdigte, hakte aber bei dem Punkt mit der klassischen Fassade ein: "Das ist eine architektonische Haltung, die retrospektiv ist." Er finde das Vorgehen "zu vorsichtig" und fragte, warum man sich nicht an einem Haus wie der Post am Goetheplatz orientiere.


    Als wäre der Begriff "retrospektiv" schon eine Wertung! Natürlich ist dieser Entwurf retrospektiv weil klassisch, das hat doch niemand bestritten!

    Wieso muss sich das Haus denn unbedingt an der modernen, und wieso nicht an der historischen Nachbarbebauung orientieren??


    Ich empfinde es ohnehin im höchsten Maße unseriös, dass diese offensichtlich getroffenen Wertungen immer so insinuierend verpackt werden, statt sie klar auszusprechen, geschweige denn mit Argumenten zu untermauern! Leider eine grassierende Unsitte auch und vor allem in der Architektenbranche. Viel blabla und überschriftsartige Aussagen, statt mal mit echter sachlicher Auseinandersetzung um die Ecke zu kommen.

  • Na ja das geht doch noch. Sieht jetzt halt wie ein typischer Nachkruiegsbau aus.


    Die vorgetragene arrogante Haltung von Sattler (der m. E. sonst ganz vernünftig baut) ist aber trotzdem bedenklich....