München - außerhalb der Altstadt

  • Naja, wesentlich besser als die Nachkriegsscheußlichkeit die vorher da gestanden ist - sehr gelungen die netten kleinen Eckerker - ansonsten....man hät mehr wagen können, gerade an diesem verkehrsreichen Knotenpunkt.

    Besonders das klinische Weiß gereicht dem Neubau zum Nachteil, damit verpufft der Effekt des Spielerischen gleich wieder. Münchner Häuser sind normalerweise eher bunt mit heiteren Farben.

  • Ich halte diesen geplanten Neubau für eines der besten Projekte in München seit längerer Zeit und freue mich sehr darauf. Nur leider scheint es Probleme zu geben, wie in dem von Stephan oben verlinkten SZ-Artikel zu lesen ist, ich zitiere:


    "Ob dieser Zeitrahmen einzuhalten ist, bleibt angesichts des Votums des Bezirksausschusses Schwabing-West fraglich. Das Gremium hat den Bauantrag abgelehnt, in erster Linie aus optischen Gründen: "Die in den Plänen dargestellten Fassadenansichten würden in ein Neubaugebiet passen, aber auf keinen Fall an diese Stelle mitten in Schwabing." Der überwiegende Teil der Gebäude an der Friedrich- und Franz-Joseph-Straße verfüge über Satteldächer, der Neubau sei mit Flachdach geplant. "Besonders die Ansicht vom Habsburger Platz aus" widerspreche den Gebäudestrukturen der umliegenden Häuser. Nach Ansicht der Bürgervertreter ist der Neubau in der vorliegenden Planung ein Fall für die Stadtgestaltungskommission - eine Einschätzung, die Gerhard Landau überrascht."


    Da soll einer noch die Welt verstehen: die Form des Daches ist anscheinend wichtiger als die Gesamterscheinung, ich würde mir als Bezirksausschuss alle 10 Finger danach ablecken, so einen Entwurf vorgelegt zu bekommen! Eines der wenigen einigermaßen traditionellen Projekte wird kritisch beäugt und sogar abgelehnt, weil es kein Satteldach hat. So ein Schmarrn!


    Hier ein weiteres Zitat aus dem Artikel, in dem der Architekt sein Projekt beschreibt:


    "Landaus Team war sich "sicher, ein Gebäude zu entwickeln, das in die Umgebung passt", indem es bewusst Elemente der Nachbarhäuser aufgegriffen habe. Das Motiv des ausgestalteten Gebäudesockels mit Hochparterre etwa, für dessen Realisierung der Bauherr ein Stockwerk weniger in Kauf nimmt. Oder die Gliederung durch stehende, gerahmte Fenster und horizontale Stuckaturen, die sich so nicht nur in unmittelbarer Nachbarschaft, sondern in vielen Schwabinger Altbauten finden. Auch die großen Fenster im obersten Geschoss zitieren Atelierfenster, wie sie um die Jahrhundertwende prägend waren. "Wir haben hohe Raumhöhen, die Balkone sind halbe Loggien mit durchbrochenen Balustraden, und nach Westen weist der Neubau eine Ecküberhöhung auf, die mit dem gegenüberliegenden Haus von Sep Ruf korrespondiert." Auch das Flachdach mit Staffelgeschoss sei bewusst "als Anknüpfungspunkt" an Rufs Entwurf gewählt worden."


    Was viel Besseres könnte man heutzutage nicht erwarten!


    Weiß jemand, wie es mit der Sache weitergeht? Der SZ-Artikel ist immerhin ja schon vom November letzten Jahres.

    "In der Vergangenheit sind wir den andern Völkern weit voraus."

    Karl Kraus

  • Ich find das einfach nur schrecklich, schon wieder ein unstrukturierter, seelenloser Klotz ohne Dach und zur Krönung noch in weiß. Typisches "Investorenmaterial" Wäre wahrscheinlich genauso ohne Leben wie das vermutliche Vorbild, die Lenbach Gärten.
    Man kann nur hoffen, das im BA die Vernunft siegt.

  • Schau, so gehen die Meinungen auseinander :)
    Die Fassade ist durchaus gegliedert, ein mehrfach abgestuftes Traufgesims, Balkone mit verziertem Eisengeländer, Hochparterre mit abgesetzter Sockelzone, schönes Portal. Warum hängst du dich so sehr am Dach auf? Auch zu früheren Zeiten hat man das Dach gerne versteckt, so dass es flach aussah, siehe die ganzen Barockpalais mit Attika u.ä. Oder schau dir mal das klassizistische Palais Montgelas in München an (Promenadeplatz), das hat ein dem Haus Friedrich sehr ähnliches Dach im Mittelrisalit! (Link)
    Oder der Königsbau der Residenz! Wo siehst du da bitte das Dach, wenn du davorstehst?
    Ich will jetzt natürlich die baukünstlerische Qualität vom Haus Friedrich nicht mit diesen beiden bedeutenden Bauten gleichstellen, das wäre eindeutig viel zu viel der Ehre und völlig unangebracht, ich möchte nur zeigen, dass es auch zu früheren Zeiten durchaus schon Flachdächer in München gegeben hat.
    Die Farbe weiß mag vielleicht banal sein, ist aber aus guten Gründen weitverbreitet, auch bei Altbauten, es macht das Gebäude weniger massiv. Es gibt sicher filigranere Entwürfe, aber für ein heutiges großes Stadthaus mit Eigentumswohnungen ist das schon recht anständig, es hat eine elegante, ein bisschen klassische und großzügige Ausstrahlung, mehr kann man heutzutage kaum erwarten.


    Die Lenbachgärten finde ich zum größten Teil auch sehr gelungen, gerade der mittlere Teil gegenüber von St. Bonifaz und um die zentralen Gärten herum! Ich gehe da öfters durch und finde es wirklich schön! Es hat klassische Gestaltungselemente und ist sowohl elegant als auch gemütlich. Einige Eckbauten des Areals sind eher modern und blockhaft, vor allem der Teil beim Parkcafé, aber sonst ist das für mich eines der besten Bauprojekte Münchens der letzten 10 Jahre. Auch das benachbarte große Charles-Hotel hat durch den großen Schwung etwas Nobles.


    Aber wie gesagt, so gehen die Meinungen auseinander :-)

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    Karl Kraus

    Edited once, last by Leonhard ().

  • Übernutzt, gequetscht, ´unmünchnerisch´.


    @Leonhard


    Stehst Du in irgendeiner Beziehung zu den Architekten, Finanziers, Bauherren?

  • Haha, nein, ich kenne weder den Bauherrn noch den Architekten, noch sonst jemand, der mit dem Bau zu tun hat und hab auch nicht vor, mir dort eine Wohnung zu kaufen ;)


    Was ist für dich münchnerisch?


    Schau, natürlich wäre es mir lieber, es würde an der Stelle ein schönes Jugendstilhaus gebaut werden, so wie gegenüber ein paar stehen, aber das ist leider völlig illusorisch. Und im Vergleich zum sonstigen Schrott, der in München inzwischen so gebaut wird, finde ich das Haus Friedrich ziemlich schön. Was wären deine Beispiele für gelungene Wohnungsbauten in München in den letzten Jahren, die du soviel besser findest?

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    Karl Kraus

  • Der Besitzer der gründerzeitlichen Villa von 1892 in der Gerner Str. 10 hat die kriegszerstörte Dachhaube des Eckturms rekonstruiert und erhielt dafür den Fassaden-Preis der Stadt München. :applaus:


    Das sind Münchens schönste Fassaden




    Gerner Str. 10 Muenchen-1 [CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0) or GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html)], by Rufus46 (Own work), from Wikimedia Commons

    Bisherige Ansicht

    In der Altstadt die Macht, im Kneiphof die Pracht, im Löbenicht der Acker, auf dem Sackheim der Racker.


    Hätt' ich Venedigs Macht und Augsburgs Pracht, Nürnberger Witz und Straßburger G'schütz und Ulmer Geld, so wär ich der Reichste in der Welt.

  • In ein paar Tagen eröffnet das Gärtnerplatztheater wieder:


    Video:

    Quote from br-klassik.de

    Münchner Gärtnerplatztheater
    Ein erster Rundgang durchs restaurierte Haus


    Vor fünf Jahren musste das Ensemble des Staatstheaters am Gärtnerplatztheater ausziehen: Denn das Theater im Herzen der bayerischen Landeshauptstadt war marode geworden. Fünf Jahre hat das Exil der Theatermacher gedauert, in dieser Zeit wurde an dem historischen Gebäude gearbeitet - ein Teil neu errichtet, die Fassade erneuert, die Technik auf Vordermann gebracht. In wenigen Wochen wird das frisch renovierte Staatstheater am Gärtnerplatz wieder eröffnet.
    [...]

    https://www.br-klassik.de/aktu…uenchen-rundgang-100.html


    weitere Bilder:

    Quote from abendzeitung.de

    Premieren-Proben laufen schon



    Über fünf Jahre war saniert und renoviert worden, nächsten Sonntag ist es endlich so weit: Das Gärtnerplatztheater zieht wieder den Vorhang hoch. Die Bilder aus dem neuen Theater.
    [...]

    http://www.abendzeitung-muench…e0-97a0-7499fe1676c7.html


    Quote from sueddeutsche

    Das Gärtnerplatztheater macht wieder auf


    Nach mehr als fünf Jahren Umbau und vielen Komplikationen ist das Haus endlich fertig - die meisten Veränderungen bemerkt man kaum.
    [...]

    http://www.sueddeutsche.de/mue…acht-wieder-auf-1.3688773


    und die dazugehörige Bilderstrecke der SZ:
    http://www.sueddeutsche.de/mue…eater-jetzt-aus-1.3689781


    Infos zur Kostensteigerung (von 70 auf 120 Mio) und Baustellenbilder:
    2016:
    https://www.br-klassik.de/aktu…und-steuerzahler-100.html
    2017
    https://www.br-klassik.de/aktu…-kostenexplosion-100.html


    Im Prinzip hat man den hinteren Teil (hinter dem Zuschauerhaus) bis auf die Fassade komplett abgerissen.
    Interessant ist, das man das Äußere des Theaters nach dem Krieg in einer eigenständigen klassizistischen Formensprache wiederaufgebaut hat, die durchaus nicht schlecht war. Später (ich nehme an in den 70er/80er Jahren) entschied man sich dann aber für eine komplette Rekonstruktion des Portikus.
    Die für die Besucher zugänglichen Räume blieben so wie sie waren - leider auch das Foyer im ersten Stock. Auch wenn das 50er-Jahre-Wandgemälde nicht schlecht ist, es passt weder zum Boden noch zum Rest des Gebäudes. Der Raum wirkt ungemütlich und unelegant.
    Die Fenster zum Platz hin hat man geändert: Früher ein knackiger Kontrast zwischen heller Fassade und dunkelbraunen Fensterrahmen und -sprossen, heute eine wesentlich hellere Farbe, was mir persönlich nicht so gefallen mag.


    Die Bestuhlung hat man ebenfalls komplett ersetzt, es gibt aber keine Unterschied zu vorher.


    Einige zugemauerte Fenster wurden wohl auch wieder geöffnet:

    Für den Umbau wird das grüne Haus an der Klenzestraße 35 abgerissen, auch die Bauten im Innenhof kommen weg und werden durch den Neubau ersetzt. Am Hauptgebäude sollen einige zugemauerte Fenster geöffnet werden, um sich wieder dem Originalzustand aus dem Jahre 1864 anzunähern



    Gärtnerplatztheater, neu renoviert im Juni 2017, Totale mit Brunnen links seitlich im Vordergrund
    (Burkhard Mücke, wikipedia, CC-BY-SA 4.0Burkhard Mücke, wikipedia, CC-BY-SA 4.0)

  • Gibt's eigentlich was neues zum Haus der Kunst?
    Mein letzter Stand ist, dass sich alle furchtbar über über Chipperfield aufgeregt haben, aber wie's jetzt weitergeht weiß ich nicht.

  • Quote from muenchen.de

    Siegerentwürfe für das neue Konzerthaus im Werksviertel
    Jury vergibt Plätze eins bis fünf


    (28.10.2017) Der neue Konzertsaal soll im Werksviertel am Münchner Ostbahnhof seinen Platz finden. Nun steht der Siegerentwurf für das neue Konzerthaus in München fest: Die Jury des Architektenwettbewerbs hat sich am Freitag mit nur einer Gegenstimme für den Entwurf des Büros Cukrowicz Nachbaur Architekten ZT GmbH aus Bregenz entschieden.
    [...]

    http://www.muenchen.de/aktuell…rtel-siegerentwuerfe.html



    Unter https://www.konzerthausmuenche…rthausmuenchen_presse.htm findet man die Pressemappen zu den ersten bis fünften Plätzen.
    Der Entwurf haut mich nicht vom Hocker. Eine Glaskiste von außen. "Kunstsarg" triffts ganz gut. Allerdings wäre wirklich interessant, wie man so eine Herausforderung aus traditioneller Sicht in so einer devastierten Umgebung lösen könnte. Ein vollkommen traditionell gebautes Haus sagen wir von einem Quinlan oder Francis Terry würde m.E. nicht funktionieren, ohne dass man die komplette Umgebung gleich mitentwickelt. Dann vielleicht schon eher ein Nöfer. Wie würde sich dieser oder die Patschkes so eine Problemstellung lösen?


    Ab morgen kann man wohl sämtliche Entwürfe besichtigen. Wenn jemand zufällig vor Ort ist, wären ein paar Bilder schön. :foto::)

  • Ich hatte zuerst an ein überdimensioniertes Gewächshaus gedacht, aber "Kunstsarg Ost" ist genial!!!


    Der Entwurf schaut - wie üblich - absolut grauslig aus, aber wenigstens wird es in einer Gegend gebaut, in der's eh wurscht is... das Werksviertel is eh eine Fabrikgegend. Gottseidank bauen sie den Kunstsarg nicht in den Finanzgarten an der Ludwigstraße, wie früher einmal diskutiert!!


    Die weiteren Plätze kann man hier anschauen:
    Plätze 1-5
    Platz 3 find ich wesentlich besser, schade.


    Allgemein frag ich mich bloß, wer von den klassischen Konzertbesuchern in so ein versifftes Viertel gehen will, um einen schönen Abend zu verleben... für mich als klassischem Musiker gehört zu klassischer Musik auch ein klassisches Ambiente, ich hab immer viel lieber im Herkulessaal gespielt als im Gasteig und ich denke, den Konzertbesuchern geht's genauso.
    In dem Zusammenhang fällt mir die Aussage Leonard Bernsteins zum damaligen Neubau des Gasteigs ein, der gesagt hat "sofort wieder abreißen" ;)

    "In der Vergangenheit sind wir den andern Völkern weit voraus."

    Karl Kraus

  • Vielleicht schaff ich es, morgen hinzuschauen und ein paar Fotos von den anderen Entwürfen zu machen...

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    Karl Kraus

  • Die CSU gibt doch vor, konservativ zu sein, oder? Mir ist vollkommen unbegreiflich, wie ein Herr Spaenle dann sagen kann, ein solcher Entwurf als "bewußter Kontrast" zur Kleinteiligkeit der übrigen Stadt, sei gelungen oder etwas Großes.
    So ein Entwurf kann doch niemandem gefallen. Oder etwa doch?

  • Die CSU gibt doch vor, konservativ zu sein, oder? Mir ist vollkommen unbegreiflich, wie ein Herr Spaenle dann sagen kann, ein solcher Entwurf als "bewußter Kontrast" zur Kleinteiligkeit der übrigen Stadt, sei gelungen oder etwas Großes.
    So ein Entwurf kann doch niemandem gefallen. Oder etwa doch?


    Naja, es ist natürlich auch ne Finanzoierungsfrage wo unser Finanzminister Söder auch noch n Wörtchen mit zureden hat. Ein Haus wie des Wiener Opernhaus - ja, das hätte schon was, ist nur leider nicht bezahlbar. Das hier natürlich nur ein modernistisches Konzerthaus schon aus Kostengründen möglich ist, ist schon klar. Aber ich denke mal, schon in der Formengestaltung wäre einiges mehr möglich gewesen.

  • Ein Neubau im Stile des Wiener oder auch Münchner Opernhauses scheitert nicht daran, dass es nicht bezahlbar wäre, sondern daran, dass die Entscheidungsgremien, welche hauptsächlich mit in kultureller Hinsicht völlig ignoranten und ungebildeten Politikern besetzt sind, sich von sogenannten "Stararchitekten" und sonstigen modernistischen Meinungsführern unter Druck setzen lassen, damit sie sich nur ja für etwas "Zeitgemäßes" und "Progressives" entscheiden, weil sie ja sonst vor aller Welt als "rückständig" und "provinziell" erscheinen würden. Das will kein Politiker von sich hören, das wäre mit das Schlimmste, was ihm passieren könnte. Deswegen verlässt er sich in seiner Ahnungslosigkeit und kulturellen Unbedarftheit auf die gerade angesagten Experten, mithilfe derer er wenigstens auf der Seite des Fortschritts steht und er somit zeigt, dass er offen für Neues ist. Und das ist ja schließlich in einer Gesellschaft wie der unseren, die den ständigen Fortschritt als wichtigstes Ziel erkoren hat, das Wichtigste für einen Politiker, der sich anbiedern muss, um gewählt zu werden!


    Sei es wie es sei, ich denke auch, dass selbst in moderner Formensprache wesentlich mehr möglich gewesen wäre, der Entwurf ist einfach nur enttäuschend.

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