• Also um das Gebäude westlich des Deutschen Hofs, diesen beigen Bau, ist es wirklich nicht schade, das ist billigster 0815-Kram, davon gibts genug in Nürnberg, das kann man ruhig abreißen. Allerdings darf dann kein Schuhkartongebäude als Ersatz errichtet werden, sondern etwas angepaßtes.


    Den Deutschen Hof sollte man zumindest äußerlich in den Ursprungszustand zurückversetzen d.h. die Vereinfachungen wieder rückgängig machen. Der Außenbereich ist für das Stadtbild relevant. Im Innenbereich kann ich mir durchaus eine Neugestaltung vorstellen.

  • In der Krelingstraße hat der Vater eines meiner alten Freunde eine sehr schöne Jugendstilwohnung, in der ich einst mehrfach nächtigte. Mit wundervoller Stuckdecke. Das Areal ist wohl im Gegensatz zur Altstadt nicht so arg von Bomben getroffen worden.

  • Also ich bin für einen Abriß dieses Bauwerks. Was ich von den baulichen Hinterlassenschaften von Diktaturen halte, habe ich ja bereits in der Forumsrubrik "Restliches Europa" dargelegt und dort ebenso für einen Abriß der Mussolini-Bauten in Südtirol plädiert (welche übrigens heute noch von italienischen Rechtsradikalen für Aufmärsche genutzt werden...).


    Bei den hohen Kosten einer Sanierung darf man durchaus die Frage stellen, welche Nutzen sich daraus ergeben. Immerhin darf letztendlich der Steuerzahler dafür aufkommen. Und das Geld, das dafür ausgegeben wird, fehlt an anderer Stelle.


    Bereits bei der Installation des Informationssystem (diese Metalltafeln) versuchte sich der OB zu rechtfertigen, daß man dafür keine anderen Geldquellen angezapft hätte – „Für das Reichsparteitagsgelände tun sie was, aber für unserern Kindergarten nicht“. Ein klares Zeichen dafür, daß Nürnbergs Bevölkerung Investitionen in diese Hinterlassenschaften ablehnt oder ihnen zumindest extrem kritisch gegenübersteht.


    Und selbst wenn dafür keine anderern Finanzmittel angezapft werden, fehlt das Geld an anderen Stellen, da es anderweitig investiert werden hätte können, z.B. in den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs oder den Bau neuer Grünanlagen.


    Ein Abriß dieser Bauwerke bedeutet ja nicht, daß man diesen Teil der Geschichte verdrängt. Die Geschichte der Reichsparteitage ist aber sehr umfangreich dokumentiert. Wer sich mit dieser Geschichte befaßt, findet dazu umfangreiches Material, und für den ist es wichtiger, zu verstehen welchem Zweck diese Veranstaltungen dienten, wie dies umgesetzt wurde. Doch ist dazu nicht unbedingt die Erhaltung der baulichen Hinterlassenschaften nötigt: das Märzfeld wurde in den 60er Jahren abgerissen, und ganz offensichtlich empfindet den Abriß heute kaum jemand als Verlust.


    Natürlich bin ich gegen eine Verdrängung, so wie dies München getan hat. Aber ich bin auch dagegen, die Reichsparteitage als wichtigstes Kapitel der Nürnberger Stadtgeschichte darzustellen oder den Namen der Stadt als „belastet“ hinzustellen.


    Wichtig wäre jetzt, endlich mit einer umfassenden Pflege der gesamten Stadtgeschichte zu beginnen. Und dabei sollte die Geschichte der Reichsstadt Nürnberg eine zentrale Rolle spielen. Auch andere positive Aspekte der Stadtgeschichte – wie Nürnbergs Rolle als wirtschaftliches Zentrum des Königreiches Bayern – sollten viel stärker herausgearbeitet, dokumentiert und gepflegt werden als bisher.


    Wenn Nürnberg die Pflege der Nazi-Geschichte aber noch stärker intensiviert als bisher, so befürchte ich auf Dauer tatsächlich einen beträchtlichen internationalen Imageverlust für die Stadt. Bisher verbanden Besucher aus dem In- und Ausland den Christkindlmarkt, die Burg, die Nürnberger Bratwürste und viele andere positive Aspekte mit der Stadt. Das dürfte aber naher Zukunft in den Hintergrund treten. Ausländische Investoren werden sich dann sehr genau überlegen, ob sie in einer Stadt mit so einem „braunen Image“ eine Niederlassung (wodurch ja Arbeitsplätze geschaffen werden…) eröffnet oder nicht.


    Daher sollte man bei der Zeppelintribüne die Abrißbirne sprechen lassen und lieber andere, wichtigere Zeugnisse der Stadtgeschichte wie das Pellerhaus rekonstruieren. Weitere Rekonstruktionen in der Altstadt wären ebenso angebracht wie Sanierungen in anderen Altbauvierteln. Und wenn man über die Stadtgrenze nach Westen blickt, so wäre die Fürther Innenstadt ein guter Ort, um die gesparten Finanzmittel zu investieren.

  • Das Quelle-Versandhaus täte mir nicht leid. Die Arbeitersiedlung im Fachwerkstil aus der Zeit des Nationalsozialismus hat dagegen sicherlich einen Denkmalwert.


    "Aufwendige Sanierungen könne sich die Stadt nicht leisten, so dass der Denkmalschutz Glöckners Ansicht nach auf den Prüfstand müsse." (Quelle: http://www.nn-online.de/artikel.asp?art=1075674&kat=10). Solche Aussagen reizen einen immer wieder auf's Neue, besonders wenn man weiß, wie schnell für irgendein Projekt von äußerst fragwürdigem Nutzen nicht selten mal eben etliche Millionen locker gemacht werden, wenn nur ein netter Investor winkt oder das ganze Vorhaben einfach wunderbar zeitgeistig scheint. Beim Erhalt von Baudenkmälern müssen kurzfristige ökonomische Interessen, wenn nötig, ohne wenn und aber hintangestellt werden. Wir haben es hier mit einer Aufgabe (besser: Verpflichtung) zu tun, welche in meinen Augen auch das Schuldenmachen ohne weiteres rechtfertigt - noch dazu wo hier sicherlich keine milliardenschweren Schuldenberge drohen, wie etwa bei den vielen irrsinnigen Infrastrukturprojekten in unserem Land.

    "Meistens belehrt uns der Verlust über den Wert der Dinge."
    Arthur Schopenhauer

  • Eine erfreuliche Ankündigung bezüglich des Hauses Weissgerbergasse 10:


    Quote

    Einweihung
    Es ist soweit!
    Am 3. und 4. Oktober steht das Haus in der Weißgerbergasse 10 allen Interessierten von 11.00 bis 18.00 Uhr offen. Das zukünftige Dr.-Erich-Mulzer-Haus mit all seinen Altstadtfreunden (die Sie auch gerne durchs Haus führen werden) freut sich auf Sie. Von der Bibliothek der Altstadtfreunde bis ins Dachgeschoss, vom Fachwerk bis zur freigelegten Malerei - alles zu besichtigen!
    Kommen Sie und machen Sie sich selbst ein Bild, es lohnt sich!
    Zum Tag der Offenen Tür der Stadt Nürnberg haben wir - wie der Name schon andeutet - auch geöffnet. Am 17. und 18. Oktober von 11.00 bis 16.00 Uhr werden auch an diesem Wochenende kostenlose Führungen durchs Haus veranstaltet.

    Quelle: http://www.altstadtfreunde-nuernberg.de\r
    http://www.altstadtfreunde-nuernberg.de


    . .


    Aufnahme vom 17. September 2009 unmittelbar vor den Fertigstellungsarbeiten.
    Bild rechts: Ansicht vor der Restaurierung (Quelle: http://www.altstadtfreunde-nuernberg.de\r
    http://www.altstadtfreunde-nuernberg.de)


    Einen ausführlicheren Text dazu gibt es auf http://www.altstadtfreunde-nuernberg.de/index.php?id=22\r
    http://www.altstadtfreunde-nuernberg.de/index.php?id=22. Einen bebilderten Rundgang gibt es im Strang "Fachwerkbauten in Nürnberg".

  • Neubau am Spitzenberg:



    Quelle: http://www.rosenhoefe-nuernberg.de


    Hier war früher eine hässliche Brache - deshalb ist dieser Bau wohl eine kleine Verbesserung. Ansonsten 50er Jahre Retro. Immerhin vertikale Sprossen...


    http://www.bing.com/maps/defau…1=n%C3%BCrnberg&encType=1

    Unsere große Aufmerksamkeit für die Belange des Denkmalschutzes ist bekannt, aber weder ökonomisch noch kulturhistorisch lässt es sich vertreten, aus jedem alten Gebäude ein Museum zu machen. E. Honecker

  • Quote

    Immerhin vertikale Sprossen...


    und ein anständiges Schrägdach und echte Mauern, keine aufgedübelten Elemente. Leider sind die Fenster bodentief und somit altstadtuntypisch. Und die Dachgaupen....

    VBI DOLOR IBI VIGILES

  • Ankündigung:


    am morgigen Samstag findet um 15 Uhr im Thalia-Buchhaus Campe eine Diskussionsveranstaltung u. a. zum Thema Rekonstruktion, speziell zum Pellerhaus, statt.


    Diskutanten: Nikolaus Bencker und Harald Pollmann.
    Moderation: meine Wenigkeit.


    Ich würde mich freuen, einige von euch zu treffen!


    Hier die Einladung:


    http://rapidshare.com/files/300195978/Einladung_Campe.pdf.html\r
    rapidshare.com/files/300195978/E ... e.pdf.html

  • Da bin ich aber gespannt, auf wen die Wahl fallen wird! Zwar kann ich mich fuer keinen der Kandidaten voll erwaermen, aber sicher sind einige wuenschenswerter als andere. Also teile uns doch bitte mit wer Nuernbergs neuer Heimatpfleger sein wird, Zeno. :D

  • Wäre Nürnberg nach dem Krieg hinter dem Eisernen Vorhang gelandet, so könnten die Blocks in der Altstadt stehen, und die Zweiturmkirche könnte der Rest von St. Lorenz oder St. Sebald sein. (wie der Turm von St. Marien in Wismar z.B.)

    VBI DOLOR IBI VIGILES

  • Bezüglich der Wohnblocks läge keine qualitative Schlechterstellung ggü weiten Teilen der tatsächlichen Innenstadtbebauung vor. Nur dass keiner diesen Neuaufbau loben würde und für die Platten mittlerweile die Zeit zum Abriss gekommen wäre und man auf den bestehenden Brachen Teile der Stadt heute wunderbar aufbauen könnte.

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • Quote

    Nur dass keiner diesen Neuaufbau loben würde und für die Platten mittlerweile die Zeit zum Abriss gekommen wäre und man auf den bestehenden Brachen Teile der Stadt heute wunderbar aufbauen könnte.


    Aber dann bitte mit Rekonstruktionen! :zwinkern:


    Nicht so wie in Dresden mit Altmarktgalerie und Wilsdruffer Würfel oder in Magdeburg mit Allee-Center und so. Übrigens ist man in Magdeburg dabei, die schlimmste Platte der Stadt zu sanieren statt abzureißen. (siehe den Thread zum Sterntor). Ursus, ist Dein Bild von der Vorgehensweise im "Osten" nicht etwas zu optimistisch?

    VBI DOLOR IBI VIGILES

  • Brandmauer
    Kann sein.
    Ich mag den BRD-Aufbau halt überhaupt nicht, bin seiner richtig überdrüssig. Ich hab weder Freiburg, noch Donauwörth gesehen, auch nicht Rothenburg, keines der besseren Beispiele. Für mich zählt schon Bremen zum besten, was hier für einiges Hohngelächter gesorgt hat.


    So etwas wie die Breite Straße in Rostock hat der Westen einfach nicht hervorgebracht. Sicher ist diese auch etwas sehr suboptimal, um es vorsichtig auszudrücken, aber immerhin so etwas wie eine nicht unoriginelle Gestaltung.
    A propos - wissmuth hatte mal eine analoge Animation einer stalinistischen Nürnberg-Gotik angekündigt - wann wird dieses Versprechen eingelöst? Hei, das wird ein Spaß, hat er geschrieben. Also her damit!


    Feststeht, dass sich die DDR-Städte mit ihren Freiflächen leichter reparieren lassen als das (leider) wieder dichtbebaute Nürnberg. Mehr schrieb ich eigentlich nicht.

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • Quote

    Für mich zählt schon Bremen zum besten, was hier für einiges Hohngelächter gesorgt hat.


    So etwas wie die Breite Straße in Rostock hat der Westen einfach nicht hervorgebracht. Sicher ist diese auch etwas sehr suboptimal, um es vorsichtig auszudrücken, aber immerhin so etwas wie eine nicht unoriginelle Gestaltung.
    A propos - wissmuth hatte mal eine analoge Animation einer stalinistischen Nürnberg-Gotik angekündigt - wann wird dieses Versprechen eingelöst? Hei, das wird ein Spaß, hat er geschrieben. Also her damit!


    Der unmittelbare Altstadtkern Bremens um den Marktplatz mit Böttcherstraße, Schnoor und die Plätze beiderseits des Rathauses gehört sicherlich zum Besten. Der Rest der ehem. Altstadt (der Norden) ist nicht besser als Bochum oder Duisburg. Vergleichbares als in Bremen wurde auch in in diesem Forum wenig beachteten Städten wie Aachen, Bonn, Münster, Osnabrück und auch in Braunschweig geleistet.
    Ich habe Freiburg i. Br. und Rothenburg o. d. T. gesehen. Rothenburg ist einwandfrei, aber in Freiburg finde ich nur der Rathausplatz und der südliche Münsterplatz sehr gute Rekonstruktionsleistungen. Dazu kommen noch einige Rekonstruktionen und traditionelle Neubauten über die Stadt verteilt. Insgesamt wird der wiederaufgebaute Teil Freiburgs hier überbewertet finde ich. Insgesamt stört dieser sehr wohl weil zu wenig traditionell und Reko. Die Innere Laufer Straße oder die Burgstraße in Nürnberg sind wirklich nicht schlechter.
    apropos Stalinbauten:
    Der Stalin braucht nicht unbedingt mit drin zu sein, aber eine gute Lösung in dieser Richtung wäre der Galeriebau gewesen, den Sachsenbau Chemnitz rundum das Dresdner "Kulturpalast" plante. Die Stadt hätte ihn geschenkt bekommen, hat aber abgeschlagen. Die realisierten Neubauten der letzten zwanzig Jahre am Altmarkt weisen in die falsche Richtung, weil sie wohl die Dimensionen der Stalinbauten übernehmen, ansonsten jedoch unästhetisch sind (wie auch in Magdeburg).

    VBI DOLOR IBI VIGILES

  • Quote from "Brandmauer"

    Insgesamt stört dieser sehr wohl


    Mich stört er nicht. :zwinkern:
    Ich stimme Dir aber zu: Man hätte (wie überall) viel mehr rekonstruieren müssen.

    Ich entschuldige mich von Herzen für meine früheren arroganten, provokanten, aggressiven und unfreundlichen Beiträge!
    Jesus ist mein Herr und Retter!

  • Quote

    Seit über 30 Jahren wohnt sie in Nürnberg und ist Mitglied der Altstadtfreunde, weil sie deren Arbeit schätzt. Allerdings unterstützt sie nicht alle Projekte des Vereins. So wendet sich die 60-Jährige gegen den Wiederaufbau des Pellerhofs: «Man muss immer fragen, was daraus werden soll. Ich will kein totales Disneyland.» Rekonstruktionen stehe sie sehr kritisch gegenüber, Vorrang habe die noch vorhandene, originale Bausubstanz.


    Quelle: nn-online.de


    wahrscheinlich die/der Schlimmste, alleine schon weil sie als einzige(r) das D-Wort benutzt :boese:

    VBI DOLOR IBI VIGILES

  • ... passt nach Nürnberg, diesem Disneyland der Nachkriegsmoderne.


    Moderationshinweis (Zeno, 31.12.2009): beleidigenden Begriff gelöscht

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.