• Ein mittelalterliches Epitaph des Künstlers Adam Kraft an der Sebaldkirche befindet sich in schlechtem Zustand und muss dringend restauriert werden.


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    Der Aufwand für die Sanierung werde immens, die Kosten seien derzeit noch nicht abschätzbar, so Fritsch. Man dürfe aber nicht länger warten. Ein entsprechender Plan wird derzeit ausgearbeitet und soll Mitte September mit allen Verantwortlichen besprochen werden.

    Nürnberg: Adam Kraft-Kunstwerk vor dem Verfall


    Schreyer-Landauer-Epitaph 01

    Aarp65, CC BY-SA 3.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0>, via Wikimedia Commons

    In der Altstadt die Macht, im Kneiphof die Pracht, im Löbenicht der Acker, auf dem Sackheim der Racker.

    Hätt' ich Venedigs Macht und Augsburgs Pracht, Nürnberger Witz und Straßburger G'schütz und Ulmer Geld, so wär ich der Reichste in der Welt.

  • Zu empfehlen wäre hier auch mal zu prüfen, ob das fragile Epitaph weiterhin unter freiem Himmel bleiben soll. Ist zwar ein Dach drüber, aber Kälte und Luftfeuchtigkeit sowie Getier können trotzdem wirken. In anderen Städten sieht man derlei Kunst oft eingehaust und durch Glas geschützt. Damit wäre die nächste Restaurierung vielleicht deutlich später fällig oder deutlich weniger aufwändig.

  • Deutlich teurer, aber vll befriedigender: Eine Kopie herstellen und das Original ins Germanische Nationalmuseum überführen. Gleich um die Ecke stehen ja zwei bekannte Beispiele, Schöner Brunnen und Sebalder Chörlein. Allerdings wäre dann zu bezweifeln, dass die Kopie eine ähnliche Qualität wie beim Meister selbst erreichen würde… Und natürlich: kein Geld da…

  • Schlechte Nachrichten aus Nürnberg.

    Aus dem aktuellen Newletter der Altstadtfreunde:

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    [...] worüber in Fachkreisen schon länger spekuliert wurde, ist nun amtlich: Der Kaufhof wurde unter Denkmalschutz gestellt. Damit ist der Bau aus der Wirtschaftswunderzeit vor Veränderung oder Abriss geschützt. Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber für mich war das kühle, weiße Gebäude mit seiner langen Glasfläche immer ein Fremdkörper auf dem Weg zwischen Mauthalle und Lorenzkirche. Das empfanden schon viele Zeitgenossen so und gründeten 1950 die „Freunde der Altstadt“, unseren Vorgängerverein. Der Protest lief allerdings ins Leere, der Kaufhof wurde gebaut und 1959 noch einmal verändert. Man kann zwar froh sein, dass die damals von den Architekten favorisierte Lösung mit einer Aluminium/Glas-Fassade nicht realisiert wurde, doch „heimischer Naturstein“, wie die Zeitung schrieb, kam keineswegs zum Einsatz. Klar, es findet sich immer eine Begründung für den Eintrag in die Denkmalliste. Was kommt als nächstes? Vielleicht das Scharrer-Gymnasium oder das Bankgebäude am Obstmarkt mit seiner Blechfassade? Wir meinen, dass einmal gemachte Fehlentscheidungen im Stadtbild korrigiert und nicht perpetuiert werden sollten

    1200px-N%C3%BCrnberg_Kaufhof.jpg

    Quelle: AndreasPraefcke, wikimedia commons, CC BY 3.0 Deed

  • Das ist in der Tat eine eher ernüchternde, um nicht zu sagen enttäuschende Meldung.

    Da gibt es auf der einen Seite Bemühungen der Stadtgesellschaft, Gebäude unter Denkmalschutz zu stellen, z.B. die ehem. Hauptpost oder den Güterbahnhof Süd, was kategorisch abgeblockt wurde, und nun das. Ein Haus das niemand mag, niemand braucht und nun der positiven Stadtentwicklung im Wege steht, bekommt es nun, den Denkmalschutz.

    Was mich daran besonders enttäuscht ist, dass das Haus 1959 stark verändert wurde, trotzdem - oder deswegen? - gibt es den Denkmalschutz. Bei der Hauptpost war es das Hauptargument derselben Denkmalschützer aus Nürnberg und München, weswegen der Schutz hier nicht möglich sei. Das wirkt unterm Strich nicht nachvollziehbar und sogar willkürlich.

    Aus meiner Sicht hätte man vielmehr den Karstadt unter Schutz stellen sollen, denn der ist das bessere Beispiel für Kaufhausarchitektur und hat mit seiner Einbettung in die kleinteilige Altstadt, den gestalterischen Bezug zur Lorenzkirche und dem gotischen Stadtbild sowie der Integration in die U-Bahn-Infrastruktur die wesentlich höhere Qualität. Um die Architektur des Karstadt wurde seinerzeit sehr gerungen um dann gemeinsam mit der Bürgerschaft den Ist-Zustand zu erarbeiten, das hat m.E. demokratische Qualität. Außerdem funktioniert der Karstadt noch, was ihn ebenfalls als gelungenere Architektur auszeichnet ggü. dem Kaufhof. Und er ist noch weitgehend original. Aber hierzu hört man vom Denkmalschutz garnichts. Warum? Weil er wohl auch nicht darf, denn der Denkmalschutz wurde die Weiterentwicklung des Karstadt verhindern, falls der Eigentümer etwas investieren will. Beim Kaufhof ist das ja egal, für dieses Haus hat aktuell niemand einen Plan.

    Aber ich hab grundsätzlich ein Problem mit dem Denkmalschutz, der sich meist im Gewand der Wissenschaftlichkeit kleidet, aber dessen Arbeit und Wirken eher willkürlich daherkommt. Es sind wenig Bemühungen erkennbar, sich der Öffentlichkeit zu erklären und hier für den Standpunkt zu werben und zu vermitteln. Außerdem muss er sich dauernd anderen politischen Überlegungen unterordnen, was ebenfalls den wissenschaftlichen Anspruch unterminiert.

  • Was will man denn eigentlich konkret mit dem Gebäude künftig machen? Wohnungen sind wohl nicht möglich, aber auch gar nicht erwünscht, und Handel in dieser Größe wird sicherlich nicht nachgefragt. Eine "Mall" dürfte die Architektur auch nicht hergeben ... vor allem ist es ein gigantischer Fremdkörper einem gar nicht so schlechten Umfeld.

    Easy does it.

  • Das wird jetzt erst ein paar Jahre leer stehen bzw. mit „pop-up“ Gedöns bespielt und wenn die Konjunktur irgendwann (vermeintlich) wieder anspringt, dann kommt ein Investor der daraus grosszügigen „collaborative office space“ für die „agile Arbeitswelt“ macht. Alles entkernen, ein paar Lampen und Sprinkleranlagen für den Brandschutz, Sanitäranlagen - und schon sind die Großraumbüros im „industrial style“ fertig. Im Erdgeschoss wird mindestens ein überteuerter Italiener, ein überteuerter Sushiladen, ein Imbiss für vegane „Poke Bowls“, ein „Gym“ und und ein Yogastudio entstehen (für die „Öffentlichkeit“). Wenn die Flächen dann trotzdem eine zeitlang leer stehen, wird irgendeine staatliche Institution um die Ecke kommen, die dringend für ihre immer weiter wuchernde Beamtenschar Flächen braucht, diese dann für teuer Geld anmietet und sich ob der zentralen Lage mit ihrer „bürgernähe“ brüstet. Freilich wird bis dahin von dem herausragenden Denkmal nach Entkernung und „energetischer Sanierung“ physisch und optisch im Original außer einem Stahlbetongerippe nichts mehr vorhanden sein, was nicht weiter schlimm ist, bzw. nicht schlimmer als heute, den „Denkmalschutz“ einmal mehr ad absurdum führend. Der „Denkmalschutz“ wird auch dem Investor aus wirtschaftlichen Gründen und durch Druck aus der Politik keine großen Steine in den Weg legen und als Feigenblatt werden ein paar alte Türklinken wiederverwendet werden müssen. Aber hey, eine Stadtreparatur hin zu mehr Kleinteiligkeit oder gar Vorkriegsgrundflächen wurde erfolgreich verhindert, darauf kommt es doch dem ideologisierten Laden an.

  • Charakteristisch für das Selbstverständnis dieser Stadt, den größten Dreck unter Schutz zu stellen. Wenn man sich die Eliminierung eines Baus wünschen würde, wäre das meine erste Wahl, noch vor diesem furchtbaren Neuen Rathaus auf dem Hauptmarkt und all den anderen Grauslichkeiten, die das heutige Nürnberg so reichlich aufzuwarten hat. Hier wird eines der wenigen einigermaßen gut erhaltenen Hauptstraßenbilder verschandelt.

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • Abwarten, der Kasten muss ja erstmal verkauft werden. Ich glaube nicht, dass wenn das Ding vor dem Zusammenbruch steht, die Stadt Nürnberg einspringt und es als irgendwas nutzt. Es ist ja ein Kaufhaus und lässt sich auch nur als solches nutzen. Ob man darin auch ein Ämtergebäude unterbringen könnte, k.a. aber das verbietet sich schon aufgrund der Lage. Hotel, Lagerhaus... ich hab eher das Gefühl dass sich die Denkmalschutzbehörde hier vergalopiert hat. Diese Aktion beschädigt den Denkmalschutz als Institution leider erheblich.

  • Den letzten Satz kannst laut sagen...

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • Das ist in der Tat eine eher ernüchternde, um nicht zu sagen enttäuschende Meldung.

    Da gibt es auf der einen Seite Bemühungen der Stadtgesellschaft, Gebäude unter Denkmalschutz zu stellen, z.B. die ehem. Hauptpost oder den Güterbahnhof Süd, was kategorisch abgeblockt wurde, und nun das. Ein Haus das niemand mag, niemand braucht und nun der positiven Stadtentwicklung im Wege steht, bekommt es nun, den Denkmalschutz.

    Was mich daran besonders enttäuscht ist, dass das Haus 1959 stark verändert wurde, trotzdem - oder deswegen? - gibt es den Denkmalschutz. Bei der Hauptpost war es das Hauptargument derselben Denkmalschützer aus Nürnberg und München, weswegen der Schutz hier nicht möglich sei. Das wirkt unterm Strich nicht nachvollziehbar und sogar willkürlich.

    Aus meiner Sicht hätte man vielmehr den Karstadt unter Schutz stellen sollen, denn der ist das bessere Beispiel für Kaufhausarchitektur und hat mit seiner Einbettung in die kleinteilige Altstadt, den gestalterischen Bezug zur Lorenzkirche und dem gotischen Stadtbild sowie der Integration in die U-Bahn-Infrastruktur die wesentlich höhere Qualität. Um die Architektur des Karstadt wurde seinerzeit sehr gerungen um dann gemeinsam mit der Bürgerschaft den Ist-Zustand zu erarbeiten, das hat m.E. demokratische Qualität. Außerdem funktioniert der Karstadt noch, was ihn ebenfalls als gelungenere Architektur auszeichnet ggü. dem Kaufhof. Und er ist noch weitgehend original. Aber hierzu hört man vom Denkmalschutz garnichts. Warum? Weil er wohl auch nicht darf, denn der Denkmalschutz wurde die Weiterentwicklung des Karstadt verhindern, falls der Eigentümer etwas investieren will. Beim Kaufhof ist das ja egal, für dieses Haus hat aktuell niemand einen Plan.

    Aber ich hab grundsätzlich ein Problem mit dem Denkmalschutz, der sich meist im Gewand der Wissenschaftlichkeit kleidet, aber dessen Arbeit und Wirken eher willkürlich daherkommt. Es sind wenig Bemühungen erkennbar, sich der Öffentlichkeit zu erklären und hier für den Standpunkt zu werben und zu vermitteln. Außerdem muss er sich dauernd anderen politischen Überlegungen unterordnen, was ebenfalls den wissenschaftlichen Anspruch unterminiert.

    Die Nürnberger Nachrichten (NN) haben sich ebenfalls mit dem ehemaligen Kaufhof in einem Kommentar befasst. In dem Kommentar sollte die Frage beantwortet werden, warum der Kaufhof (galeria) bzw. die Fassade des Kaufhof unter Denkmalschutz gestellt worden ist.

    Auch wenn es manche nicht fassen können: Warum der "Kaufhof" in Nürnberg unter Denkmalschutz steht
    Nürnberg - Für viele ist es ein gestriger Koloss - und trotzdem steht das Kaufhof-Warenhaus in der Königstraße unter Denkmalschutz. So kam es zu dieser…
    www.nn.de
  • Der Denkmalschutz hat offensichtlich mindestens zwei Dimensionen, die die Fachleute bewegen: Schönheit und künstlerischer Wert sowie geschichtlicher und dokumentarischer Wert. Denkmalschützer behaupten immer, dass das ja nichts mit Schönheit und Ästhetik zu tun habe. Das überzeugt mich aber nicht, denn in der Praxis erkennt man dann doch, dass wunderschön erhaltene Gebäude denkmalgeschützt sind, und ein spiegelbildliches Nachbarhaus eben nicht, weil es nicht so schön ist, obwohl es ja dieselbe Bedeutung haben müsste. Der Schutz wurde hier aber versagt, weil es verändert wurde. In der Dimension "Schönheit und Künstlerischer Wert" bedeutet das, dass Ding ist verändert und hässlich und wird deshalb nicht geschützt. In Nürnberg gibst da verschiedene Beispiele. Andersherum verhält es sich beim Kaufhof nun: Hier greift ausschließlich die Dimension "geschichtlicher und dokumentarischer Wert", denn das Haus ist weder schön noch original erhalten.

    Mit alledem könnte man leben, wenn das eine nicht immer wieder gegen das andere ausgespielt würde: Die Hauptpost am Nürnberger Hauptbahnhof wurde auf Antrag auch auf Denkmaleigenschaft geprüft, Ergebnis hier: Zu oft verändert. Das heisst, nicht schön, aber häufig verändert! Aber die Veränderungen erhöhten den Denkmalwert nicht, sondern sie haben ihn verringert. Ebenso die Martin-Richter-Straße 19 (schön, aber häufig verändert), das Fränkische Überlandwerk usw. usf. Erstaunlich, oder? Beim Kaufhof dagegen hiess es, nicht schön, aber häufig verändert und dadurch wertvoll. Das ist mehr als überraschend, wenn man sich die Denkmalpraxis über die Jahre ansieht.

    Der einzige rote Faden, den ich erkenne, sind die jeweiligen wirtschaftlichen Hintergründe: Wenn ein Eigentümer politischen Einfluss geltend macht, dann gilt das Argument "häufig verändert" als k.o.-Kritierum. Wenn der Eigentümer jedoch politisch irrelevant ist oder keine Absichten hat, gilt dies nicht und der Denkmalschutz greift zu. Das "häufig oder stark verändert"-Argument ist also nur ein Hilfskritierum, welches eine negative Entscheidung zugunsten eines abrisswilligen Eigentümer ermöglicht, ohne das die Behörden sich hier unangenehmen Diskussionen aussetzen müssten. Denn wie das Kaufhofbeispiel entlarvend zeigt, hätte es o.g. Abrisse nie geben dürfen, weil der Denkmalschutz gegriffen hätte. Für die Stadtpolitik wäre das aber ein Desaster, wenn Investoren daraufhin abziehen und der Kommune maroden Leerstand hinterlassen.

    Das Problem ist also, dass rein formal betrachtet jede Veränderung einen dokumentatorischen Wert haben muss. Wenn man diese Veränderungen als Wert jedoch nicht anerkennt, oder negiert, dann fällt man offensichtlich in die "Schönheitsfalle". Zutiefst menschlich, aber unwissenschaftlich. Wenn man diesen Wert zwar sieht, aber als solchen nicht anerkennen darf sondern als Vehikel nutzen muss, um den Denkmalschutz zu verwehren um einer gewollten Stadtentwicklungspolitik Platz zu machen, dann bekommt der Denkmalschutz das Glaubwürdigkeitsproblem das er heute hat.

    Zu lösen wäre das nur, indem man dem Denkmalamt nicht das "letzte Wort" zugesteht, wie die Presse immer wieder so schön beschreibt, sondern das "erste Wort", wie es faktisch auch läuft. Denn dadurch werden die Denkmalschützer immer wieder dazu gezwungen, gegen ihre eigenen Prinzipien zu vergutachten, deren Vorhandensein ich grundsätzlich unterstelle, damit andere ihr Gesicht wahren können. Das bedeutet, dass eine andere öffentliche Stelle ein Denkmalgutachten eigentlich beiseite wischen können dürfte ohne dass der Zwang entsteht, ein in die Pläne passendes Gutachten zu formulieren.

    Die Auswirkungen auf den bestand wären aber verheerend: Wenn ich ein denkmalgeschütztes Gebäude abreissen möchte, dann hätte ich nun Präzedenzfälle die belegen, dass der Denkmalschutz nicht das letzte Wort hat.

    Vielleicht wäre die sauberste Lösung, wenn z.B. im Falle der Hauptpost ein positives Denkmalgutachten einem Abriss dennoch nicht im Wege gestanden hätte, wenn der Investor hierfür eine gewisse Entschädigung im Stadtbild hätte leisten müssen, z.B. indem er sich finanziell beteiligt bei der Erhaltung städtischer Sorgenkinder im Denkmalschutz oder so.

    Wie dem auch so, sorry für meine noch unsortierten Gedanken, mich treibt das aber durchaus um. Ich muss mir immer wieder anhören dass der Denkmalschutz nach wissenschaftlichen Maßstäben arbeitet, und womöglich ist die Kaufhofentscheidung eine Glanzleistung dessen, und dass Schönheit eben nicht ausschlaggebend ist, und Rekonstruktionen sogar abgelehnt werden. Ich erlebe aber in der Praxis durchaus Verzückung bei Denkmalschützern, wenn sie z.B. bei den Altstadtfreunden vollständig rekonstruierte Elemente sehen. Das ist schon seltsam. Und wenn man sich mal auf das Argument des dokumentationswert einlässt, wie bei der Hauptpost, der Umladehalle, oder der Bärenschanzkaserne, dann gilt das plötzlich trotzdem nicht. So könnte ich nicht arbeiten und würd meinen Chef mal um ein klärendes Gespräch bitten.

  • Das Landesamt für Denkmalschutz hat in Nürnberg erneut ein Gebäude unter Denkmalschutz gestellt.

    Beim Bau der Nürnberger U- Bahn Haltestelle "Maximilianstraße" wurde die Villa des Straßenbahndirektors abgerissen um einer U- Bahnhaltestelle mit integrierter Sparkasse Platz zu machen.

    Fürther Straße Haltestelle Maximilianstraße

    (Quelle: Bundesarchiv)

    Nun sollte es wieder zu einer Veränderung kommen, denn die Sparkasse an der Maximilianstraße hat ihren Filialbetrieb aufgegeben und die Stadt Nürnberg wollte die U- Bahn Haltestelle mit integrierter Sparkasse abreissen. Das Landesamt für Denkmalschutz hat die U- Bahn Haltestelle nun kurzfristig unter Denkmalschutz gestellt. Das Baureferat und auch das Geldinstitut sind nicht begeistert. Denn das wirft die Pläne für das Quartier über den Haufen....

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    (Quelle. Wikipedia)

  • Das ist interessant. Obwohl es um die seinerzeit abgerissene Villa natürlich schade ist, muss man ehrlicherweise sagen, dass derart skulpturale Gebäude aus den 70er und 80er Jahren eher selten sind. Wobei ich jetzt nicht weiß wann das betroffene Gebäude genau errichtet wurde. Von daher ist der Denkmalschutz durchaus nachvollziehbar, auch wenn man solche Bauten heutzutage eher in periphereren Lagen akzeptieren mag. In Hannover wurde vor nicht allzu langer Zeit ebenfalls eine skulpturale Sparkassenfiliale unter Denkmalschutz gestellt, erbaut schon in den 1970er Jahren. Der Fall ist also ganz ähnlich gelagert. Und das Gebäude steht tatsächlich mitten in der Innenstadt (Karmarschstraße). Da musste ich seinerzeit auch erst mal schlucken. Aber hier einen Denkmalwert gleich abzusprechen wäre dennoch unseriös, nur weil das ungeliebte Teil vielleicht die Stadtentwicklung im eigenen Sinne hemmt. Solche Gebäude sind schon ein nicht unwesentliches Zeitdokument, so bauen wird schließlich sobald keiner mehr. Der Fall ist hier also ganz anders gelagert als beim unsäglichen Kaufhof.

    Sparkasse Karmarschstraße: Architektur der Spätmoderne in Hannover - Denkmalatlas und Objektportal des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege

    Edit.: Als beinahe einziges weiteres vergleichbares Beispiel in Hannover fällt mir die Überdachung der U-Station Lister Platz ein, zu sehen hier.

    Denkmalschutz besteht hier aber bisher nicht. Zwischenzeitlich wurde (leider) auch schon mal der Abriss in Erwägung gezogen.

  • Ich finde es schade dass man damals die U- Bahn Station und Sparkasse nicht in diese Villa einbezogen hat. Das wäre sicher auch gegangen.

    Nun gut, ich habe einige Zeit in der Nähe der Haltestelle gewohnt und finde diese Haltestelle nicht mal so schlecht. Wahrscheinlich habe ich mich daran auch gewöhnt. Wenn man sich das alte Bild anschaut wird man auch feststellen, dass man hinter der Villa das Eckgebäude auch abgerissen hat. Da steht heute ein Wohnblock aus den 70er Jahren mit Garagen.

    Und was man auch nicht weiß. Was hätte dort gebaut werden sollen? Ein Wohnblock mit monotoner Rasterfassade? Dann lasse man doch lieber diese Haltestelle stehen. Und aus der Sparkassenfiliale kann man auch eine Wartehalle für die Fahrgäste machen. Ein Dreh- und Angelpunkt für die Buslinie 35, 38, 39, 65.

  • ^

    Ich kann den Denkmalschutz hier nachvollziehen, der Bau hat etwas ikonografisches, ich finde ihn stadtbildprägend und würde ihn wohl vermissen.

    Was ich an der Sache aber problematisch finde ist die Vorgehensweise, wie das Unterschutzstellen passiert, oder zumindest wie es der Öffentlichkeit kommuniziert wird. Denn man bekommt absolut den Eindruck als seien das alles Entscheidungen aus dem Elfenbeinturm, von denen immer alle völlig überrascht sind. So war das schon beim Kaufhof und ich kenne weitere Beispiele, wo einfach der Bescheid im Briefkasten liegt und Ende der Durchsage. Dabei ist der Denkmalschutz in jedem Falle eine staatliche Institution und muss demokratisch legitimiert sein. Ich vermisse in diesem Sinne doch Nachvollziehbarkeit und Transparenz. Sicher kann man argumentieren, dass Denkmalpflege wissenschaftlichen Maßstäben folgt und deshalb für Laien oft nicht nachvollziehbar arbeitet. Nun ist Denkmalpflege aber doch keine Mathematik oder Physik, die haben nämlich immer Recht. Sondern es ist schlicht Verwaltungstätigkeit, die Sachzwängen folgen muss und oft politisch arbeitet. Beweis dafür sind unzählige Denkmalabrisse, bei denen der Schutz dann "plötzlich aberkannt" oder aufgehoben wird. So als wären 2 + 2 dann doch nicht 4 sondern 3 gewesen. Oder der ganze weiter oben von mir angerissene Zwiespalt.

    Faktisch ist der behördliche Denkmalschutz nur eine von vielen Dimensionen der kommunalen Stadtentwicklung, und mehr ist es nicht. Der eigentliche Denkmalschutz, die Forschung und Pflege ist das, was die Altstadtfreunde tun: Bewahren und auch durch aktives Rekonstruieren erforschen. Der behördliche Denkmalschutz ist nur Sammlerei. Nichts wert ohne Menschen wie die Altstadtfreunde.

  • Leerstand in der Innenstadt
    Söder fordert: Kaufhof soll abgerissen werden

    Seit Monaten steht der Kaufhof in der Königsstraße in Nürnberg leer. Das Gebäude in prominenter Lage zwischen Hauptbahnhof und Lorenzkirche gilt seither als Schandfleck in der Innenstadt. Die CSU-Fraktion des Nürnberger Stadtrates hat am Freitag zusammen mit dem Ministerpräsidenten Markus Söder ihre Pläne für das Objekt vorgestellt. Söder warb dabei für einen Abriss des Gebäudes – obwohl es unter Denkmalschutz steht.

  • Auch in Nürnberg dominiert die komplette Einfallslosigkeit und Trostlosigkeit. Wie beim geplanten Nachfolgebau des Victoria-Hochhauses aus den 60er Jahren beim Hauptbahnhof.

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    Ersetzen wird der Turm das einstige Victoria-Hochhaus, das 1965 nach Plänen von Richard Bickei und Hanns Dustmann fertiggestellt wurde. Damals galt das Haus als „moderner Eckpfeiler“ auf dem prominentesten Grundstück am Bahnhofsvorplatz. Gelobt wurde damals unter anderem der Kontrast zum historischen Umfeld.

    Diesen Kontrast wird das geplante Gebäude von KSP Engel fortführen. Die generelle Kubatur des alten Hauses bleibt ebenfalls erhalten, nur drei zusätzliche Stockwerke und rund zehn Meter mehr Gesamthöhe sind vorgesehen. Außerdem wird es in Zukunft auf dem Sockelbau einen Dachgarten geben.

    Moderner Eckpfeiler 2.0 - KSP Engel planen Hochhaus am Nürnberger Hauptbahnhof

    In der Altstadt die Macht, im Kneiphof die Pracht, im Löbenicht der Acker, auf dem Sackheim der Racker.

    Hätt' ich Venedigs Macht und Augsburgs Pracht, Nürnberger Witz und Straßburger G'schütz und Ulmer Geld, so wär ich der Reichste in der Welt.