• Die Bilder liegen ja auf dem Server des Nürnberger Stadtarchivs. Wenn die Bilder von 1945/46 waren, ist das Urheberrecht 2020/21 ausgelaufen. Jetzt dürften diese gemeinfrei sein.

    Ich frage mich ob das auch für diese Bilder des Nürnberger Stadtarchivs gilt?🤔

    Ich hab das mal gegoogelt, bin mir aber unsicher. Was meint Ihr?

    Ist es nicht so, dass der entsprechende Fotograf 70 Jahre tot sein muss, damit es gemeinfrei ist?

    MODERNExit: Mehr Altstadt wagen!

  • Ist es nicht so, dass der entsprechende Fotograf 70 Jahre tot sein muss, damit es gemeinfrei ist?

    Ja. Vom bloßen Aufnahmedatum der Fotos her kann man deshalb nicht auf ein Erlöschen des Urheberrechts schließen. Man muss das Sterbedatum des Fotografen kennen.

  • Ich hab doch geschrieben, dass es von SirMocs Link stammt.

    Hat die Schönheit eine Chance-Dieter Wieland

  • Ich hab doch geschrieben, dass es von SirMocs Link stammt.

    Das genügt aber nicht. Man kann eine Urheberrechtsverletzung nicht durch eine Quellenangabe vermeiden, es sei denn, der Inhaber des Urheberrechts hätte der Verbreitung seiner Werke unter der Bedingung zugestimmt, dass eine Quellenangabe erfolgt (wie das bei wiki commons der Fall ist).
    Wenn der Urheber der Verbreitung seiner Werke nicht zugestimmt hat, ist und bleibt es eine Urheberrechtsverletzung, auch wenn eine Quellenangabe erfolgt.

    Außerdem wurde in dem Beitrag auch Bildmaterial von Google Earth verwendet und da ist rechtlich im Moment einfach noch zu viel unklar. Google hat zwar eine "fair use"-Politik, aber ob die deutschem Recht entspricht, ist nicht sicher.

  • Ja. Vom bloßen Aufnahmedatum der Fotos her kann man deshalb nicht auf ein Erlöschen des Urheberrechts schließen. Man muss das Sterbedatum des Fotografen kennen.

    Ich habe eine andere Auskunft vom Stadtarchiv Nürnberg bekommen, vor sicher 10 Jahren: Da wird abgestellt auf das Datum der Anfertigung des geteilten Content, wenn ich das sinngemäß wiedergebe und mich richtig erinnere. Dh. wenn das Stadtarchiv ein Digitalisat anfertigt von einer egal-wie-alt-Analogaufnahme, dann beginnt das Urheberrecht für dieses Digitalisat erneut, da alle Retuschen, Korrekturen, Aufbesserungen usw. geschützt sind. Das Urheberrecht liegt deshalb auch beim Stadtarchiv, und nicht bei Herrn Schmidt, Frau Gerardi oder sonstwem. Aus diesem Grunde kaufe ich historische Aufnahmen immer und digitalisiere selber, da bin ich safe. Alles andre wäre mir zu heikel.

    Man möge mich aber korrigieren wenn ich hier auf dem Holzweg bin.

  • Danke für die Aufklärungen. Dann werde ich derartiges ab jetzt nur noch ohne Bild verlinken.

    Hat die Schönheit eine Chance-Dieter Wieland

  • Strenggenommen darf das Stadtarchiv dies nur machen wenn es die Erlaubnis des Fotografen hat oder? Sonst gilt die 70 Jahre nach dem Tod des Fotografen Regel.


    Rechtsgrundlage

    Richtig, aber die Bilder sind meist entweder aus der Stadt übereignetem Nachlass oder damals bereits in ihrem Auftrag gemacht worden.

  • Wenn die Bilder gemeinfrei sind nach 100 Jahren oder 70 Jahre nach dem Tod des Autors, sind diese frei verwendbar. Die reine Digitalisierung sind keine noch keine künstlerische Schöpfungshöhe und nicht schützbar, aber eine professionelle Reproduktion durch einen Photographen bisher schon, so hat der BGH entschieden. Auf Europaebene kann sich dies aber eventuell bald ändern.


    "Er [BGH] hat entschieden, dass diese Fotos gemeinfreier Werke nicht verwendet werden dürfen und dass das Museum Unterlassung vom Wikipedianer verlangen kann. Der Scan der Fotos aus dem Katalog ist demnach ein Verstoß gegen die Lichtbildrechte des Fotografen beziehungsweise des Museums, das die Rechte vom Fotografen übernommen hat. Die Tatsache, dass ein abgebildetes Werk gemeinfrei ist, reicht nicht dazu aus, dass man auch die eins-zu-eins-Fotos dieses gemeinfreien Werkes verwenden darf. Es bleibt laut BGH vielmehr ein Verstoß gegen die Lichtbildrechte."

    https://irights.info/artikel/m…uem-eu-urheberrecht/29450

  • Die 70 Jahre nach dem Tod des Fotografen betreffen aber nur Lichtbildwerke, die einen künstlerischen Anspruch haben. Einfache Abbildungen, also so genannte "Schnappschüsse" die keine explizit künstlerischen Kriterien aufweisen, gelten als Lichtbilder. Dort gilt ein Urheberrecht bis 50 Jahre nach Veröffentlichung bzw. Erstellung.


    Siehe hier:

    Urheberrecht bei Fotos: Welcher Schutz gilt für Fotografien?

    https://www.urheberrecht.de/fotos/


    Ich halte es allerdings auch wie "nothor". Ich kaufe bei Verwendung historische Aufnahmen auch analog und digitalisiere diese dann selbst.

    Deshalb finde ich es auch juristisch grenzwertig, was einige Foristen regelmäßig praktizieren, die hier z.B. teils Fotos mit erkennbaren Wasserzeichen posten.

  • Deshalb finde ich es auch juristisch grenzwertig, was einige Foristen regelmäßig praktizieren, die hier z.B. teils Fotos mit erkennbaren Wasserzeichen posten.

    Du meinst sicher einige "Piraten". :wink: Darauf habe ich auch schon mehrfach hingewiesen, ohne dass jedoch ein Lerneffekt eingetreten wäre.

    In dubio pro reko

  • Dh. wenn das Stadtarchiv ein Digitalisat anfertigt von einer egal-wie-alt-Analogaufnahme, dann beginnt das Urheberrecht für dieses Digitalisat erneut, da alle Retuschen, Korrekturen, Aufbesserungen usw. geschützt sind.

    Das halte ich für rechtlich nicht haltbar. Siehe auch die m.E. zutreffende Aussage von unify zum künstlerischen Wert von Digitalisaten.

  • ^ Richtig, denn es gibt noch die unterste Kategorie der "Lichtbildkopie", welche nicht geschützt sind. Die Abgrenzung zum Lichtbild erfolgt über das "Mindestmaß an persönlicher geistiger Leistung".


    Der Sachverhalt wurde beim Bundesgerichtshof, Urteil vom 08.11.1989 - I ZR 14/88 (OLG Köln) ("Bibelreproduktion") erläutert:

    "... es aber in erster Linie Abgrenzungsschwierigkeiten, die zu einer Erweiterung des Lichtbildschutzes geführt haben, so kann jedenfalls auf ein Mindestmaß an - zwar nicht schöpferischer, aber doch - persönlicher geistiger Leistung nicht verzichtet werden (vgl. auch E. Ulmer, Urheber- und Verlagsrecht, 3. Aufl. 1980, S. 511; Gerstenberg in Festschrift für Klaka, 1987, S. 120, 123; derselbe in Schricker, Urheberrecht, 1987, § 72 Rdn. 5; Nordemann, GRUR 1987, 15 , 17 ).

    Ein solches Mindestmaß an persönlicher geistiger Leistung hat das BerG zu Recht in den Fällen verneint, in denen ein Lichtbildschutz für Lichtbilder oder ähnliche Erzeugnisse beansprucht wird, die sich lediglich als bloße Vervielfältigung anderer Lichtbilder (oder ähnlich hergestellter Erzeugnisse) - hier: der Photographien des H. und C.-Verlags der Original-Kupferstiche der Merian-Bibel von 1630 - darstellen, bei denen also ein Original-Lichtbild so getreu wie möglich egal ob im selben Format oder im Wege der Mikro- oder Makrokopie - lediglich reproduziert (kopiert) wird. Der Lichtbildschutz erfordert, daß das Lichtbild als solches originär, d.h. als Urbild, geschaffen worden ist.

    Das BerG hat zutreffend darauf hingewiesen, daß bei Schaffung des Urheberrechtsgesetzes von 1965 ein Schutz von Lichtbildkopien nicht beabsichtigt war."

    https://de.wikisource.org/wiki…tshof_-_Bibelreproduktion


    Die Dreifaltigkeit der Bildwerke und ihrer Urheberrechte:

    urheberrecht_bei_reproduktion.jpg?itok=mcf_6Gdy

    Quelle: Ellen Euler, Anne Klammt, Oliver Rack, CC BY mainzed.org


    Die Abgrenzung vom Lichtbild zur Lichtbildkopie ist natürlich die Streitfrage und sobald ein professioneller, gewerblicher Fotograf diese angefertigt hat, wird er oder sein Auftraggeber diese als schützenswerte Lichtbilder ansehen.


    Meinens Erachtens sollte aber bei Lichtbildern die Schutzzeit von 50 auf 5 Jahre verkürzt werden oder der Begriff der Lichtbildkopie ausgeweitet werden auf jede Form des Abfotografierens. Wer selber am Nektar der Geneinfreiheit labt, sollte nicht mit so einer absurd langen Schutzzeit belohnt werden.

  • In der Waaggasse beim Nürnberger Hauptmarkt ist ein grosses Bauvorhaben vor kurzem abgeschlossen worden. Die Totalsanierung des IHK-Komplexes, bestehend aus dem historistischen Gebäude sowie einem gelungenen 50er Jahre Gebäude mit Kunst am Bau. Infolge dieser Sanierung wurde der mittlere Teil des Nachkriegsbaus abgerissen und durch ein neues Gebäude ersetzt.


    Ich bin hin- und hergerissen wie ich es einordnen soll. Der Vorgängerbau war ein typisches, miefiges Haus, wie es in der östlichen Sebalder Seite x-fach steht. Der Neubau kommt im lokalen rötlichen Baustein her, mit sehr grossen Fenstern und einem wertigen Eingangstrakt. Positives und Negatives hält sich also die Waage in der Waaggasse.



    Quote

    Zwischen die Bestandsbauten – die ebenfalls der Handelskammer gehören und aufwendig instandgesetzt wurden – setzten Behles & Jochimsen Volumen mit Sandstein-Lochfassade und Steildach, das die mittelalterliche Altstadtarchitektur dezent neu interpretiert.


    Im Inneren kamen zum großen Teil natürliche Materialien zum Einsatz. Boden und Tresen im Atrium wurden mit grau-grünlichem Gneis, Treppen und Flure – dem Bestand entsprechend – mit Juramarmor belegt. Die einzelnen Etagen gliedern sich in unterschiedliche Farbtöne wie Blau, Grün oder Orange. Ein Highlight ist sicherlich die doppelgeschossige Lounge mit großzügigen (Dach-)Fenstern, durch die sich malerische Ausblicke auf die Altstadt eröffnen.


    Handel am Nürnberger Hauptmarkt - Bürogebäude von Behles + Jochimsen

    In der Altstadt die Macht, im Kneiphof die Pracht, im Löbenicht der Acker, auf dem Sackheim der Racker.


    Hätt' ich Venedigs Macht und Augsburgs Pracht, Nürnberger Witz und Straßburger G'schütz und Ulmer Geld, so wär ich der Reichste in der Welt.

  • Für mich schlimm und nicht in die Altstadt gehörend. Da hilft der rote Sandstein auch nicht.

    Ganz genau. Anders kann man es nicht sagen.
    Und ein Armutszeugnis für Nürnberg, dass die Rekonstruktion des spätmittelalterlichen Marktgewölbes, immerhin eines für die reichsstädtische Verfassung sehr bedeutsamen Gebäudes, nicht einmal diskutiert worden ist.

  • Was auffällt: Die Ruine des Hauses zum Savoyischen Kreuz wurde bei allen Aufnahmen weggelassen bzw. jene wurden so geschnitten, dass man das Haus nicht sehen kann. Nur in der vorletzten Graphik des Gesamtblocks ist es von hinten, allerdings in der rekonstruierten Form, zu sehen.

  • Es wirkt glitschig mit den Fenstern, aber immerhin wurden ortstypische Materialien bedacht. In einer fernen Zukunft könnte man die Fenster umbauen, mit mehr Tiefe und mit Fenstersprossen und vielleicht mit Schmuckelemente versehen. Hier eine kleine Skizze zum Verdeutlichen, wie ich es meine.

  • Also ich bin mit dem Neubau eigentlich sehr zufrieden. Im Vergleich zum Vorgängerbau, dessen größte Stärke die Unsichtbarkeit war, ist der Neubau eine erhebliche Aufwertung. Er passt natürlich besser zum Saalbau aus den 1950'ern, der ebenfalls voll aus Sandstein ist und in der Geometrie ähnlicher ist als zum Eckhaus mit der Sonnenuhr. Am Neubau habe ich im Grunde wenig auszusetzen.


    Viel wichtiger wäre mir langsam eine Info zum Haus zum Savoyischen Kreuz! Der ganze Komplex ist schließlich erst dann fertig, wenn die Ruine rekonstruiert ist!