• Ich finde aber ehrlich gesagt, dass das Haus in dieser Form interessant genug wirkt.

    Hat die Schönheit eine Chance-Dieter Wieland

  • "Interessant" ist gar vieles, sogar das heutige Pellerhaus. Wir sollten aber schon auf Qualität achten, und nicht auf so eine Art Barackenromantik.

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • Witzig, ich bin schon zigmal an diesem Haus vorbeigelaufen und habe mir jedes Mal vorgenommen, etwas darüber in Erfahrung zu bringen. Irgendwie ging es immer unter. Um ehrlich zu sein, dachte ich immer, dass es sich hierbei um einen simplen Notbau der direkten Nachkriegszeit handelt. Aber offenbar ist das Erdgeschoss ja noch original, oder?

  • (Ausgehend von der Toplerhaus-Diskussion gehört dieser mein Kommentar besser in den allgemeinen Strang)

    Ansonsten ist der Wiederaufbau überall "abgeschlossen", dass heißt, es ist alles vollgebaut.

    Das ist mE genau der Punkt. Es zeigt sich eben, dass der so gepriesene dichte, die Grundrisse wahrende Wiederaufbau für unsere Behufe das größte Gift war. Bei aus historischer Sicht völlig verfehlt angelegten Arealen wie um das FFer technische Rathaus oder Plattenbausiedlungen in Altstädten, die im Osten glücklicherweise keine sehr hohe Halbwertszeit haben, ließ sich da viel eher was machen.


    Ich will mich ja wirklich nicht wiederholen (das tu ich ja bekanntlich nie in Sachen Nürnberg): aber das einzige freie Grundstück ist jenes der Moritzkirche, und diese Reko wäre städtebaulich sogar enorm wichtig, viel wichtiger als eine des Peller- oder Toplerhauses, dahier wirklich ein wertvoller Stadtraum wiederhergestellt werden könnte.

    Sollte man nicht hier Anregungen machen?

    Man bedenke die Situation: der kleine Platz ist in der heutigen Form recht unmotiviert und ästhetisch unbefriedigend. Schürstabhaus und der entfernte westl. Abschluss sind erhalten, die Sebaldkirche sowieso. Extrem stört mich der Block Neunürnberger Bürgerhäuser, der den östlichen Abschluss in Richtung Rathausplatz bildet. Seine Belanglosigkeit strahlt leider auf das ganze Viertel aus, jemand hat von einer "Ankerwirkung" einer guten Reko geschrieben, hier liegt eine negative Ankerwirkung vor. Wenn man sich davor das Moritzkirchlein vorstellt, wären diese Häuser verdeckt und nur noch als Platzumfassung wahrnehmbar, eine Funktion, die sie sogar einigermaßen erfüllen könnten. Dieser so zentrale Stadtraum wäre eigentlich wieder intakt. Dann kann man immer noch davon träumen, wie man den furchtbar banalen Dürerplatz irgendwie aufwerten könnte, aber jedenfalls hätte auch sein Südteil plötzlich wieder ein Gesicht.


    Und wenn man schon von Abriss und Neubebauung träumt, bestünde aus erwähnten Überlegungen bei diesem Klotz am Weinmarkt ein mE sehr hoher Bedarf, weil hier ein einigermaßen intakter Stadtraum nach allen Richtungen hin verschandelt wird. https://www.google.at/maps/@49…04aFrA!2e0!7i13312!8i6656


    ME sollten alle Überlegungen, retten, was noch zu retten ist, im Raum zwischen St. Sebald, Weißgerbergasse und Tiergärtner Tor angesiedelt werden. Hier wäre wohl noch wirklich einiges zu machen, um ein wirkliches Stück Nürnberg wieder erlebbar zu machen.

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • "Interessant" ist gar vieles, sogar das heutige Pellerhaus. Wir sollten aber schon auf Qualität achten, und nicht auf so eine Art Barackenromantik.

    Das heutige Pellerhaus würde ich jetzt nicht als interessant bezeichnen. Ich meinte im Bezug auf diese "Baracke" eher, dass sie was romantisches und besonderes hat. Ich würde sie in diesem Zustand belassen, auch wenn die Mauer des Nachbarhauses daneben natürlich nicht so ästhetisch schön wirkt. Aber ich pflichte dir bei, dass die Moritzkirche rekonstruiert werden sollte.

    Hat die Schönheit eine Chance-Dieter Wieland

  • Die Moritzkapelle - heutzutage wäre es nur schon schwierig, bei einer Neugestaltung einer Platzoberfläche den Grundriss im Bodenbelag nachzuzeichnen. Ich könnte Euch jetzt drei Beispiele in der Schweiz nennen, wo das Nachzeichnen verschwundener Gebäude als Wunsch oder Idee vorgetragen wurde. Bei allen drei rümpften die zuständigen Planungsämter die Nase... Das würde in Nürnberg heute wohl nicht anders sein. Ich nehme an, dass die Nachzeichnung des Moritzkapellengrundrisses bei der grossflächigen Neugestaltung der Fussgängerzone in den 1980er-Jahren erfolgte. Es ist unverständlich, wie auch bei uns dieser Geist des Hasses gegen das Alte vorherrscht. Hier kann man die Nachzeichnung und die unbefriedigende Ostseite des Platzes sehen: https://goo.gl/maps/5MBCTvLG5BmSXvgU7


    Zeitlich sehe ich da eine Parallele zur Ostzeile in Frankfurt a. M., die um 1980/1983 realisiert wurde. Nun brauchte es drei Jahrzehnte(!), bis weitere Rekonstruktionen folgten, und auch dieser Vorgang war eine nicht einfache Zangengeburt. Ich versuche es mal so zu erklären. Die Postmoderne war eine Reaktion auf die misslungenen Stadtplanungen und 'architektonischen Leistungen' der 1960er/1970er-Jahre. Man besann sich wieder zurück auf die Reparatur des Stadtgrundrisses und suchte nach einer menschengerechten Architektur. Ich habe in den 1980er-Jahren Architektur studiert, und in allen Semestern war dies ein Hauptthema, auch die Findung einer ansprechenden, abwechslungsreichen und menschengerechten Architektur. Die ersten fünf Jahre nach Studienabschluss ging ich jeweils die Diplomarbeiten meiner Nachfolger anschauen - oh Schreck... was ist da passiert, dass plötzlich nur noch Kuben betrachtet werden konnten? Ich habe die Antwort bis heute noch nicht gefunden.


    Nun muss ich etwas zugeben: Ich bin bei meinen Nürnbergbesuchen schon mehrmals über den Weinmarkt gelaufen, aber diese Bausünde ist mir nie besonders aufgefallen. Irgendwie war ich blind, weil meine Augen offensichtlich auf die Bauten an den andern drei Seiten gerichtet waren. Städtebaulich - also von der Stellung und Grösse der Bauvolumen - stimmt der Weinmarkt eben. Das von ursus zu Recht kritisierte Gebäude ist von der Architektur her grauenhaft. Ist es aber nicht so, dass sich der Otto-Normalbürger beim Aufenthalt auf dem Sebalder Platz wohlfühlt, weil er eine angenehme Grösse hat und keine einzige Bausünde mit Rasterfassade und Flachdach dort steht?


    Das Bedürfnis nach einer Veränderung besteht wohl weder am Weinmarkt noch am Sebalder Platz, und somit wird es eine Rekonstruktion der Moritzkapelle ungemein schwerer haben. Abgesehen davon, dass für sie auch eine Nutzung gefunden werden müsste.

  • Zwei bereits etwas vernebelte Erinnerungen:


    1. Vor vielen Jahren sah ich einen Film über Nürnberg und womöglich die Anbringung des Bodenmosaiks. Da wurde am Ende ganz eindeutig gesagt, dass die Rekonstruktion der Moritzkapelle und des Bratwurstglöckleins nun Aufgabe künftiger Generationen sei. Es wurde also explizit diese Aufgabe genannt. Und eine Generation ist seitdem sicher verstrichen. Es wäre also Zeit.


    2. In der Phase der Postmoderne sah ich eines der berüchtigten Fernsehmagazine. (Heute schaue ich mir das ganze Zeug im TV aus Gründen der seelischen Hygiene gar nicht mehr an.) Ich vermute, es war das linke Kulturmagazin "Aspekte". Damals wurde mit der Postmoderne abgerechnet und eine "neue technoide Architektur" gefeiert. Das waren damals irgendwelche futuristisch gestylten Gestänge. Sachen, die in solche und solche Richtung gingen. Damals wurde mir schlagartig klar, dass jetzt das modernistische roll-back kommt. Denn sie hatten schon in den 80er Jahren die weitgehende bis vollständige Kontrolle über das Fernsehen und vor allem den kulturellen Überbau. Sie waren nur noch nicht so dreist und aggressiv wie heute. Und die Medien hatten eine enorme Kraft, die Leitlinien des Denkens festzulegen und dann massiv zu pushen. Das sah ich bereits als junger Teeny sehr sensibel bei der großenteils vom Ostblock gesteuerten "Friedensbewegung", deren Initiierung durch die tägliche Medienberichterstattung (gerade als noch gar nichts real existierte) ich ganz bewusst miterlebte, während ich die extremen Folgen durch die Corona-Berichterstattung wiederum heute anschaulich erleben kann. Somit, um den Bogen zu spannen, spürte ich damals als ganz junger Kerl, dass nun die Postmoderne beseitigt wird.

  • Ist es aber nicht so, dass sich der Otto-Normalbürger beim Aufenthalt auf dem Sebalder Platz wohlfühlt, weil er eine angenehme Grösse hat und keine einzige Bausünde mit Rasterfassade und Flachdach dort steht?

    Das zeigt eben, dass das vermeintlich Gute der Feind des wirklich Guten ist. Das fehlende Bewusstsein bei O.N. und nicht nur bei diesem trägt viel zur Verteidigung eines mehr als unbefriedigenden Status quo bei.

    Apropos Flachdach: ich kenn aus eigener Anschauung den Sebalder Platz eigentlich nur mit einem markanten Flachdachgebäude. Es handelte sich dabei um das heute Schürstabhaus genannte Gebäude. Das trug nicht viel bei, um mich dort besonders wohlzufühlen.

    Den Weinmarkt hab ich als sehr unangenehm in Erinnerung, als eine genuin Nürnbergische Schmerzfühlregion. Eben darum: WEIL dort noch so viel steht. Was soll man groß zur Steppe sagen, außer hin ist hin? Dafür kann auch keiner was in Nürnberg.

    Dieser moderne Giebelbau stört besonders aus Richtung Weißgerbergasse:


    Weißgerbergasse Instagram posts (photos and videos) - Picuki.com



    aber auch das ist nicht ohne:


    https://www.google.at/maps/pla…3d49.4552721!4d11.0753382


    Ich muss auch eingestehen, dass ich diese Häuser nicht leiden kann, nicht nur, weil sie mehr als anständige Barockbauten substituieren:


    https://www.google.at/maps/pla…3d49.4553869!4d11.0754963


    An anderer Stelle wäre man vielleicht froh über ihre Unaufdringlichkeit, aber hier schaden sie enorm dem Gesamtbild dieser Zeile.

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • Die Moritzkapelle mitsamt Bratwurstglöcklein zu rekonstruieren fände ich auch ganz wunderbar. Denn das Ensemble war ein Top-Postkartenmotiv und neben der Burg sicherlich die wichtigste Stadtbild-Ikone. Wenn ich auf Messen und Flohmärkten alte Nürnberg-Postkarten durchwühle begegnet mir die Moritzkapelle so oft, das ich manchmal das Gefühl habe sie sei noch da.

    Den Sebalder Platz finde ich so, wie er ist, nicht wirklich schön. Eine Steinwüste, die sich im Sommer leider wirklich extrem aufheizt und kaum Aufenthaltsqualität besitzt. Die Touristen, die da drüber stolpern, fotografieren kurz und sehen dann zu, wieder in den Schatten zu kommen. Dort wendende und rumkurvende Fahrzeuge stören zusätzlich. Ab und an gibt es dort Kundgebungen oder irgendwelche Events.


    Ich denke die Moritzkapelle mit Bratwurtglöcklein brächten nicht nur ein weltberühmtes Postkartenmotiv zurück ins Stadtbild, sondern die dadurch entstehenden Gässchen und der kleinteiliger werdende Sebalder Platz wären ein großer Gewinn für das Viertel, es gäbe viele zusätzliche schattige Plätzchen für Gastro und Galerien.


    Wie könnte man die Moritzkapelle nutzen? Nun, wenn von der Inneneinrichtung nichts mehr in Depots ruht, dann wäre das m.E. eher ein Galerie- oder Kunstgebäude. Die Erdgeschossräume des Schürstabhauses nutzt aktuell ein Auktionshaus als Ausstellungsfläche, was wie ich finde dort ganz hervorragend hinpasst. Es bräuchte also einen Mäzen, den sich dort präsentieren will. Den sehe ich aber in Nürnberg aktuell nicht.

  • In der Weißgerbergasse stört mich eher das Gebäude mit den schrecklichen Balkonen am Ende, An den Giebelbau hier kann ich mich nicht mehr erinnern, aber auf dem Bild wirkt der nicht so schrecklich, finde ich. Und nebenbei bemerkt:

    Da hat sich wohl jemand in den falschen Teil der Straße verirrt.

    Hat die Schönheit eine Chance-Dieter Wieland

  • nothor Unter den Abertausenden von Ansichtskarten der Moritzkapelle und dem Bratwurstglöcklein bin ich letztes Jahr auf diese seltene Ansicht gestossen. Kanntest Du diese schon?


    Ak Bratwurstglöcklein Ia

    Bratwurstglöcklein mit Sicht auf das Nordportal von St. Sebald. Ungelaufene Reklame-Ansichtskarte vor 1944 von Photo Porst, Nürnberg.

  • Es zeigt sich eben, dass der so gepriesene dichte, die Grundrisse wahrende Wiederaufbau für unsere Behufe das größte Gift war. Bei aus historischer Sicht völlig verfehlt angelegten Arealen wie um das FFer technische Rathaus oder Plattenbausiedlungen in Altstädten, die im Osten glücklicherweise keine sehr hohe Halbwertszeit haben, ließ sich da viel eher was machen.

    Das ist meines Erachtens ein ganz zentraler Punkt und eine Problematik, die wir eigentlich mal gesondert diskutieren müssten: Wie gehen wir mit diesem Problem um? Welche Lösungsansätze wären da (zumindest theoretisch) denkbar? Steuerliche Förderung für Rekonstruktionen? Bebauungspläne, die wichtige Rekonstruktionskandidaten verzeichnen mit einer Regelung, dass für den Fall einer Neubebauung geprüft werden muss, ob eine Rekonstruktion sinnvoll ist? Welche Instrumente könnte es da geben?

  • nothor Unter den Abertausenden von Ansichtskarten der Moritzkapelle und dem Bratwurstglöcklein bin ich letztes Jahr auf diese seltene Ansicht gestossen. Kanntest Du diese schon?


    Ak Bratwurstglöcklein Ia

    Bratwurstglöcklein mit Sicht auf das Nordportal von St. Sebald. Ungelaufene Reklame-Ansichtskarte vor 1944 von Photo Porst, Nürnberg.

    Nein, die ist wirklich schön, der Ausleger (der mir bekannt vorkommt, als hätt' ich ihn letztens in einer Auktion gesehen) kommt schön zur Geltung. Wie verwunschen und bedeutungsschwer das alles aussieht...


    Das ist meines Erachtens ein ganz zentraler Punkt und eine Problematik, die wir eigentlich mal gesondert diskutieren müssten: Wie gehen wir mit diesem Problem um? Welche Lösungsansätze wären da (zumindest theoretisch) denkbar? Steuerliche Förderung für Rekonstruktionen? Bebauungspläne, die wichtige Rekonstruktionskandidaten verzeichnen mit einer Regelung, dass für den Fall einer Neubebauung geprüft werden muss, ob eine Rekonstruktion sinnvoll ist? Welche Instrumente könnte es da geben?

    Das sehe ich nicht so, denn ist ja mal absolut überhaupt nicht der Fall, dass dort, wo man völlig neu gebaut hat, Straßenverläufe und Gebäudeumrisse verworfen hat und heute eine ganz andere Stadt steht, dass dort heute munter rekonstruiert wird. Es ist doch vielmehr eine Frage der Qualität der Nachkriegsbebauung, sowohl im ästhetischen Sinne, ob sie die Menschen das alte vermissen lässt, als auch im wirtschaftlichen Sinne, inwieweit das nun Bestehende nutzbar und sinnbringend ist. Das eine oder andere hat womöglich seine Lebensdauer noch nicht hinter sich gebracht, weil es zeitlos ist und von der Nutzung her breiten Bedarf bedient. So sehe ich das bei den Nachkriegswohnhäusern in der Nürnberger Altstadt, die zu vermieten ist ein Kinderspiel.

    Zu bedauern, dass nicht flächendeckend so wieder aufgebaut wurde und daraus abzuleiten, dass wir dann heute mehr rekonstruieren könnten und ein schöneres Nürnberg hätten als es aktuell ist, scheint mir etwas übers Ziel hinaus zu schießen. Denn vermutlich wäre es eher so, dass man heute eine Initiative hätte, die den Wiederaufbau des Rathauses erstreitet, vielleicht auch noch das eine oder andere, das wir aktuell als selbstverständlich nehmen, und das wars.


    Ich halte den Wiederaufbau der Nürnberger Altstadt für gelungen, aber für nicht abgeschlossen. Denn es fehlen noch für die Identität wichtige Ikonen und fast noch schlimmer, in den letzten 20 Jahren wurde der Wiederaufbau durch teils dreist-unpassende Neubauten entwertet. Denn immerhin wird immer vom "Wiederaufbau der Alstadt" als Ganzes gesprochen, das meint dann immer sowohl den Tiergärtnertorplatz genauso wie den Kornmarkt. Und das passt irgendwie nicht, vor allem die weniger gelungenen Orte werden im Laufe der zeit eher immer schlimmer, im Sinne einer wiederaufgebauten Altstadt. Der Kornmarkt schaut eher aus wie Minsk oder Eisenhüttenstadt.

  • Ich halte den Wiederaufbau der Nürnberger Altstadt für gelungen, aber für nicht abgeschlossen.

    Wenn dem so ist... worüber diskutieren wir dann? Warum ein gelungenes Werk in Frage stellen? Was sollte man an einem gelungenen und befriedigenden Status quo um ein paar klitzekleine Ikonen oder was verändern? Das wäre doch kleinlich. Und abgesehen davon hätten die recht, die von einem schützenswerten Flächendenkmal der 50er/60er Jahre sprechen. Wenn schon, denn schon.


    Und was ist mit "nicht abgeschlossen" gemeint? Wohl keine Rekos, weil es so etwas einfach nicht gegeben hat. "Abschluss" heißt wohl nicht "Neuansatz".


    Denn immerhin wird immer vom "Wiederaufbau der Alstadt" als Ganzes gesprochen

    Wer hätte das gemacht? Das wäre doch illusorischer Unsinn.

    Aber dass eben gar nix (ex nihilo) wiederaufgebaut worden ist, steht auf einem anderen Blatt.


    das meint dann immer sowohl den Tiergärtnertorplatz genauso wie den Kornmarkt.

    Tiergärtnertorplatz als Wiederaufbauleistung... Inwiefern eigentlich? Das Pilatushaus ist da wohl nicht gemeint Gut, das Dürerhaus war nicht ganz unbeschädigt, aber seine Nachbarhäuser hat man jedenfalls nicht wiederaufgebaut, obwohl in der Dürerstraße nicht so wenig gestanden ist:

    Bundesarchiv_B_145_Bild-F006558-0007%2C_N%C3%BCrnberg%2C_Altstadt%2C_Albrecht_D%C3%BCrer_Haus.jpg

    (1959)

    Warum aber gefällt dir der Kornmarkt nicht? DAS ist N.er Wiederaufbau nicht aber der stehengebliebene halbe Unschlittplatz oder die halbe Füll etc.

    PS Seh grad, der Kornmarkt hat sich in jüngeren Zeit wohl etwas verändert, und drauf willst du wohl hinaus. Na gut, aber glaub mir, er war in den 80ern auch nicht schöner, im Gegenteil!

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • In Deutschland soll man planmässig ganze Viertel wieder rekonstruieren oder sanieren im altken Still MIT alle komfort von moderen Bauten. Besonders Schmuck und Details sollen wieder in das Städtebild zurückkommen.

  • ^Wenn man die Vorstellung nicht gleich verwirft wegen ihrem undemokratischen Zentralismus, könnte man eventuell überlegen, ob man nicht Regelungen schaffen kann, die bestimmte Viertel, deren Charakter von einer Epoche stark geprägt wurde unter einer neuen Form des Ensembleschutzes stellen könnte, sodass nur in dieser Formensprache ergänzt werden darf.

    Im Prinzip das gleiche System, wie man noch bis Anfang des Jahrtausends teilweise Neubauwohngebiete beschränkt hat z.B. nur in der Dachform und Bauhöhe.


    Aber das führt jetzt weg vom Thema.

  • Wohl auch ein wichtiger Rekokandidat, das Haus ganz rechts:


    Bild 1 - CPA-AK-Nurnberg-St-Sebalduskirche-u-Weinmarkt-GERMANY-942634



    weiß wer was Näheres, inwieweit der Nachfolgebau die Kubatur einhält? Der Giebel kommt mir auf dem Bild leicht historistisch vor, weniger von der Form als von der Fassadierung?

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
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    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • Momentan boomt ja hier die Diskussion über Nürnberg. Ich finde Nürnberg auch faszinierend und würde daher gerne in naher Zukunft mal ein Video zum Thema "das alte Nürnberg" machen. Dann kann jeder sehen, welchen Schatz wir damals verloren haben. Wie fang ich am besten an? Wo kann ich gute Bilder finden? Irgendwelche Tipps?

    Ich finde ja die Galerie zum alten Nürnberg hier im Forum sehr schön:


    Nürnberg - in alten Ansichten (Galerie)


    (Nicht mit Chrome öffnen, sonst sieht man die extern eingebundenen Bilder nicht.)