• Ich glaube hier werden die falschen Leute zitiert.



    Der Verein hat Monatlich ein Flyer. Darin werden z.B. Termine genannt. Z.B. fuer die Kulturscheune:

    "Offen wider naechsten Samstag um 18:00 Uhr. 5 Euro Eintritt bitte anmelden hier unter dieser Nummer bei Sabiene."

    Oder "Der Vorstand bedankt sich bei Herrn Mueller das dieser Ehrenamtlich seit 20 Jahren dies und jenes tut..,"


    Das ist alles sehr toll, aber das hilft nicht den Verein im APH Forum oder sonstwo bekannt zu machen.

    Das hilft nicht um Geld oder Politische Unterstuetzung zu bekommen.

    UrPotsdamer, verstehen Sie das? Ich bin unter anderen im Kontakt mit Leuten aus Kroatien, USA Westkueste oder England gestanden

    und diese wollten gerne Bilder sehen. Vorher/Nachher Bilder. Bilder whaerend der Baustelle. Von der Baustelle.

    Nicht nur vom Pellerhof. Ich konnte nicht helfen. Die Info des Monatlichen Flyers hilft uns und mir da nicht weiter.

    Die Vermarktung ist viel zu ruhig, dass stimmt so. Die Vermarktung ausserhalb Nuernbergs ist damit gemeint.

  • Der Verein hat in diesen Moment sieben groessere Projekte in Arbeit. Der Verein hat mehrere Haeser frisch geerbt bekommen.

    Der Verein will die Haeuser sanieren, den urspruenglichen Schmuck anbringen und dann Vermieten. Ausserdem soll der Verein

    mehrere Haeuser geschenkt bekommen, auch von der Stadt Nuernberg, weil diese dringend saniert werden muessen.

    Es gibt sogar die ersten Projekte ausserhalb der Altstadt. Die Kritik bezieht sich auf die Vermarktung des Vereins

    ausserhalb Nuernbergs zwecks akquirierung von Spenden von eben da.

  • Was Bohnenstange meint, ist, dass die Altstadtfreunde sich NUR für ihr Leuchtturmprojekt interessieren, sich ansonsten aber städtebaulich nicht eingemischt haben und somit die Chancen, das Nürnberger Stadtbild durch gute klassisch-traditionelle Neubauten aufzuwerten, ungenutzt lassen. Ein Problem, das viele Altstadtvereine in Deutschland haben. Die Hildesheimer Altstadtgilde z.B. interessierte sich auch lange Zeit nur für ihr Denkmal zum 22. März 45 oder für die Spitze des Turms der Jakobikirche.

    Ja, so habe ich es auch verstanden und so nehme ich die Altstadtfreunde halt auch schon lange wahr.
    Die Altstadtfreunde machen tolle Arbeit, was die Renovierung und Restaurierung des (wenigen) verbliebenen Bestandes angeht. Und sie haben mit der Rekonstruktion des Pellerhofes wirklich etwas Großartiges im Feld Rekonstruktionen erreicht.
    Aber es fehlt ein richtiges städtebauliches Rekonstruktionsprojekt (der Pellerhof ist ja ein Einzelbau, der zumal von der Straße bzw. von Platz aus gar nicht sichtbar ist): ein städtebauliches Projekt, das ähnlich wie in Frankfurt oder Dresden einen Funken zündet, Bewegung in die eingefahrenen Fronten bringt.


    Im Moment habe ich den Eindruck, dass die Altstadtfreunde sich mit der Pellerhaus-Fassade verkämpfen. Man ist so darauf fixiert und reibt sich daran so auf, dass mögliche andere Rekonstruktionsprojekte - oder gar eine Kampagne, um die Rekonstruktionsidee überhaupt ins Bewußtsein der Nürnberger zu bringen - gar nicht richtig in Erwägung gezogen werden.


    Gegenüber jüngeren Leuten, die von der Rekonstruktionsidee à la Frankfurt oder Dresden herkommen, besteht anscheinend gleichzeitig eine große Skepsis. Die werden gerne abgebügelt oder man lässt sie ins Leere laufen. Sehr schade, wie ich finde.

  • Wir haben hier ja so viele Spezialisten, die bestens Bescheid über den Wiederaufbau Nürnbergs wissen. Ihnen empfehle ich als Ergänzung die Lektüre folgender Schrift: https://www.nuernberg.de/imper…oschuere040305_gesamt.pdf, Altstadtfreunde hin oder her. Herausgeber war zwar das städtische Baureferat, aber ich denke, dass der Text sachlich geschrieben ist. Herausgegeben wurde die Broschüre aus Anlass des 100. Geburtstages von Heinz Schmeißner, der vor, während und nach dem Krieg massgebend im Hochbauamt beschäftigt war und auch als freier Architekt arbeitete.

  • Herausgegeben wurde die Broschüre aus Anlass des 100 Geburtstages von Heinz Schmeißner, der vor, während und nach dem Krieg massgebend im Hochbauamt beschäftigt war und auch als freier Architekt arbeitete.


    Zitat Heinz Schmeißner aus der Broschüre:

    Quote

    "Ein Gesamtwiederaufbau Alt-Nürnbergs in historischen Stilformen kommt nicht in Frage.“


    Alleine die Ausschreibung zum Wiederaufbau war offenbar eine einzige Kungelei:

    Quote

    "Von früheren Mitgliedern der NSDAP dürfen sich sonst nur diejenigen beteiligen, die erst nach dem 1. Mai 1937 Mitglieder wurden und keine Funktion in der Partei oder ihrer Gliederungen ausübten."

    Abgesehen von dem beschissenen Deutsch des Ausschreibungstextes: Warum wird hier wohl (völlig willkürlich) der 1. Mai 1937 als der Stichtag gesetzt, vor dem man nicht in die NSDAP eingetreten sein darf, um an dem Wettbewerb teilnehmen zu dürfen? Und warum die zusätzliche Bedingung betreffend Parteifunktionen?


    Nun, ein Blick in den ebenfalls in der Broschüre abgedruckten Lebenslauf von Schmeißner zeigt es:

    Quote

    "Eintritt in die NSDAP im Mai 1937: „Anders ging es ja nicht.“ (Schmeißner). Keine Parteifunktion."

    Kurz gesagt: Das ganze war ein abgekartetes Spiel.

  • Quote

    "Ein Gesamtwiederaufbau Alt-Nürnbergs in historischen Stilformen kommt nicht in Frage.“

    Ich frage mich wirklich, wie jemand sich herausnehmen kann, so etwas einfach zu dekretieren und damit allen künftigen Generationen die Verbindung zu ihrer Vergangenheit und Geschichte abzuschneiden?

    Welches Recht hatte dieser Mann dazu, über das Leben der künftigen Generationen und über die Leistungen aller vergangenen Generationen in dieser kalten, sinnentleerten Weise zu bestimmen und das Beil fallen zu lassen?

    Da fehlt jedes Bewußtsein für Vergangenheit und Zukunft gleichermaßen, wie es gerade einen authentischen Konservatismus ausmacht. Es fehlt jede Demut, das Bewußtsein, nur ein kleiner Moment in einer großen Überlieferungsgeschichte zu sein. Stattdessen beschließt man selbstherrlich, diese Überlieferungsgeschichte in den Müll zu werfen.

    Das ist der stumpfe Ausdruck reiner, gegenwartsfixierter Technokratie, wie er für die Generation der zwischen 1895 und 1910 Geborenen so typisch war.

  • (Aus einem Artikel der NZ am 30. 01.1993)von Eckehard Meister: Die dritte Zerstörung Nürnbergs - Erst kam der Krieg, dann die Abrißbirne - und dann die Bauwut der Stadtplaner)


    "Die Konzeption der Stadtverwaltung seit dem städtebaulichen Ideenwettbewerb von 1947 war klar:


    1: Wiederaufbau der total zerstörten Teile der Altstadt unter Berücksichtigung der sozialen und hygienischen Forderungen nach modernen Gesichtspunkten.

    2. Ergänzung und Wiederinstandsetzung schwer beschädigter Gebäude bei genügend alter Bausubstanz

    3. Kein Wiederaufbau total zerstörter Gebäude. Verzicht auf Kopien.


    Aber! Da es nie einen Mengenbegriff gab, wieviel Orginalsubstanz zur Wiederherstellung nötig sei, es nie zu einer genauen Definition des Begriffes "erhaltenswert" kam (die Mühe der Erstellung eines genauen Punktekatalogs machte man sich erst nicht), nie strenge Ortssatzungen aufgestellt wurden, niemals bedeutende Zuschüsse der öffentlichen Hand an Privatbesitzer von historischen Gebäuden gezahlt wurden, ihre Häuser wieder denkmalgerecht instandzusetzen, Baugenehmigungen verweigert und unzulässig verzögert wurden, entstand am Restbestand der historischen Altstadtgebäude ein unermesslicher Schaden. Selbst bei höchstem historischen Wert wurde oft nicht restauriert. "


    Er zählt dann auf:

    Keine Rekonstruktion des Pellerhauses, keine Rekonstruktion des berühmten Welserhofes, die Fleischhalle wurde nicht wiederaufgebaut.

    1963 fiel eines der größten erhaltenen Fachwerkhäuser aus dem Jahr 1484 für das Amtsgebäude der Stadt in der Theresienstraße/Tetzelgasse der Spitzhacke zum Opfer, 1963 musste für den Neubau der Deutschen Bank das einzige Nürnberger Haus mit erhaltener Rokokofassade und weltberühmten Arkadenhof mit Skulpturen von Adam Kraft aus dem Jahr 1498 weichen, Höfe, Chörlein, Türen, Fassaden, einfach alles zerstört. von 330 geretteten historischen Einzelhäusern fielen bis heute etwas 90 dem Abbruch zum Opfer. Erst durch die Altstadtfreunde konnte seit 1973 diesem brutalen Vorgehen Einhalt geboten werden.


    Ein Architekt und Mitglied im Kuratorium für den Wiederaufbau der Stadt Nürnberg erklärte 1953:


    "Wir können keine Nürnberger Architektur betreiben. Diesen Begriff hat es noch nicht gegeben und wird es auch nicht geben"


    Es gab nur eine maßstäbliche Anpassung, also eine Anpassungsarchitektur die gekennzeichnet ist, durch "eintönig wirkende Fassadenfolgen, gesichts- und charakterlosen Neubauten, armselige Dacharchitektur, Abkehr von Sprossenfester, Missachtung der Umfeldgestaltung und einen fatalen Hang zu spießiger Mediokrität...."


    Die Bautradition des Nürnberger Altstadthauses:


    - traufseitig zur Straße gestelltes Haus

    - zwei - bis dreigeschossig

    - steiles Satteldach

    - Fassade Sandstein oder Teilfachwerk

    - Erker

    - Dachgauben

    - Chörlein

    - Innenhof mit Laubengängen

    - Rückgebäude)

    wurden nur selten in hohger Qualitiät fortgeführt.


    Er führt dann noch auf:

    "Welche Möglichkeiten für den modernen Wohnbau hätten sich dabei eröffnet: zum Beispiel Dachausbau im steilen Satteldach, wobei ein gut dimensionierter Erker für diese Dachwohnung einen unschätzbaren Wert hätte - Schaffen ruhiger, intimer, begrünter Räume in den "Hinterhöfen" - offene Laubengänge - usw. usw...

  • Der Kurfürst

    Die Partei ist in Schmeißners Lebenslauf auf S. 9 - 11 erwähnt.


    Philon

    Warum wird hier wohl (völlig willkürlich) der 1. Mai 1937 als der Stichtag gesetzt, vor dem man nicht in die NSDAP eingetreten sein darf

    War denn an jenem Tag etwas Spezielles in Kraft getreten? Dass man natürlich sehr früh und freiwillig in die Partei eingetretene Mitglieder und Funktionäre von Wettbewerben fernhalten wollte, finde ich verständlich. Kann man denn sagen, dass nach dem 1. Mai 1937 in die Partei Eingetretene eher unter Zugzwang standen, den ganzen NS-Zirkus mitzumachen?


    Den Link zur Broschüre habe ich aber vor allem deshalb eingestellt, weil darin verschiedene Wettbewerbe und ihre Resultate vorgestellt werden, von denen die wenigsten hier im Forum eine Ahnung haben, wie die Planung des Wiederaufbaus ablief.



    Von 330 geretteten historischen Einzelhäusern fielen bis heute etwa 90 dem Abbruch zum Opfer. Erst durch die Altstadtfreunde konnte seit 1973 diesem brutalen Vorgehen Einhalt geboten werden.

    !!! Die Zahlen dürften stimmen. Etwa 10% der Bauten der Altstadt überlebten den Krieg. Wenn man diese 90 Häuser auch noch abzieht, dann sind es nur noch etwa 7%. DAS finde ich etwas vom Schlimmsten, dass nach der Zerstörung nochmals so viele Häuser dran glauben mussten!

  • Aha, und ich dachte, dass ab dem 1. Mai 1937 irgend etwas war, und der Eintritt Schmeißners in die Partei mit vielen andern Eintritten zusammen fiel. Manchmal sucht man halt zu weit... :smile:

  • Deine Wortwahl widert langsam an. Seit zwölfeinhalb Jahren schreibst Du immer dasselbe

    Danke Riegel.

    Du schreibst aber auch immer dasselbe, indem du das gutredest, zB Wiederaufbau Theresienplatz, rein zum Kopfschütteln. Gut, das war jetzt nicht hier, aber du referierst auch auf älteres.

    Die Steine der Altstadt kannst du auszugraben versuchen, sie wurden zum Aufschütten nördlich der Pegnitz verwendet. Nur als sachlicher Hinweis, von wegen "solcher Käse".


    Es hat auch niemand die Altstadtfreunde gescholten, die natürlich ihren Beitrag leisten. Es geht um den Status quo, den man so umschreiben kann:

    Es gab nur eine maßstäbliche Anpassung, also eine Anpassungsarchitektur die gekennzeichnet ist, durch "eintönig wirkende Fassadenfolgen, gesichts- und charakterlosen Neubauten, armselige Dacharchitektur, Abkehr von Sprossenfester, Missachtung der Umfeldgestaltung und einen fatalen Hang zu spießiger Mediokrität...."


    Das ist der stumpfe Ausdruck reiner, gegenwartsfixierter Technokratie, wie er für die Generation der zwischen 1895 und 1910 Geborenen so typisch war.


    No, Riegel, ist das eine "weniger abstoßende Wortwahl"? Gott sei Dank ist das alle ja nicht von mir.

    Aber mit denen, die das geschrieben haben, legt man sich besser nicht an, oder? Lieber pöbelt man den alten Ursus an, der ja womöglich gar nie in N. gewesen ist.

    Weißt du was, du lässt mich künftig einfach in Ruhe.

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • Aha, und ich dachte, dass ab dem 1. Mai 1937 irgend etwas war, und der Eintritt Schmeißners in die Partei mit vielen andern Eintritten zusammen fiel. Manchmal sucht man halt zu weit... :smile:

    Ich muss mich korrigieren, da war doch was. Ich habe gerade nachgelesen: Im April 1937 hatte die NSDAP die seit 1933 geltende Aufnahmesperre für "Neumitglieder" gelockert. Damit durften nun auch Leute eintreten, die Mitglieder von NSDAP-Organisationen waren, aber wegen der Aufnahmesperre von 1933 nicht Mitglieder der Partei hatten werden können.


    Außerdem wurde - für alle anderen - der neue Status eines "Parteianwärters" eingeführt, und da wird jetzt der 1. Mai 1937 interessant: Denn dieser Status wurde pauschal zum 1. Mai 1937 verliehen, egal wann der Antrag auf Verleihung dieses Status gestellt wurde. Allerdings handelte es sich bei den "Parteianwärtern" eben nicht um Mitglieder und bei der Verleihung des "Anwärterstatus" nicht um einen Eintritt im rechtlichen Sinn. Das war wohl so eine Art "Mitgliedschaft light".


    Von daher hatte ich das (trotz einer dunklen Erinnerung aus dem Geschichtsstudium) nicht mit der Angabe zu Schmeißners Eintritt in Verbindung gebracht. Außerdem hat mir der 1. Mai nichts gesagt, weil die o.g. Lockerung schon seit April in Kraft war. Schmeißner muss also schon vor 1937 irgendeiner Parteiorganisation angehört haben, oder der besagte "Eintritt" am 1. Mai 1937 war eigentlich kein Eintritt, sondern "nur" die Verleihung des Anwärterstatus.

  • Ich frage mich wirklich, wie jemand sich herausnehmen kann, so etwas einfach zu dekretieren und damit allen künftigen Generationen die Verbindung zu ihrer Vergangenheit und Geschichte abzuschneiden?

    Philon, würdest du dir zutrauen, einen kurzen Essay dazu zu schreiben? Den könnten wir dann auf der HP posten und den Altstadtfreunden zur Verfügung stellen. Von den Politikern wird es sicher keinen interessieren, aber wer weiß? Auch die Verwendung als Unterrichtsmaterial für Schüler könnte ich mir vorstellen.

  • Philon, würdest du dir zutrauen, einen kurzen Essay dazu zu schreiben? Den könnten wir dann auf der HP posten und den Altstadtfreunden zur Verfügung stellen. Von den Politikern wird es sicher keinen interessieren, aber wer weiß? Auch die Verwendung als Unterrichtsmaterial für Schüler könnte ich mir vorstellen.

    Ab Mitte März hätte ich wohl Zeit. Das kann ich dann mal machen.

  • Die Kritik an der Öffentlichkeitsarbeit der Altstadtfreunde kann ich zwar irgendwie nachvollziehen, finde sie aber dennoch unfair.

    Ich wage mal die These, dass die Altstadtfreunde als etablierter Verein sich im Laufe der Jahre auf die Verwaltungskultur und Politik in Nürnberg so eingestellt haben, dass man eben öffentlich vieles nicht mitbekommt.


    Ich habe im Rheinland studiert, und da ist mir der Begriff "Klüngel" das erste mal begegnet: Hinterzimmerpolitik, Absprachen bei einem Bier in der Wirtschaft, eine Hand wäscht die Andere... und das ist auch hier in Nürnberg so, Wettbewerbe und irgendwelche Verfahren werden so gesteuert, dass man ein bestimmtes Ergebnis bekommt. Die Lokalpolitik ist viel zu eng verbandelt mit dem Nürnberger Geldadel, die alle ihr Geschäft machen wollen, das hatten wir ja bereits, die mit einem Baulöwen verheiratete zweite Bürgermeisterin und so.


    In dieser Gemengelage ist es besonders schwierig, wenn man Veränderungen anstoßen möchte. Und bei dem, was die Altstadtfreunde wollen, wird nur die Stadt als Ganze reich, aber keine Einzelpersonen. Die Politik liebt deswegen alles neue und verachtet alles historische, solange sie nicht per (Denkmalschutz-)Gesetz zur Wertschätzung gezwungen wird. Dass die Altstadtfreunde trotzdem eine Stimme haben, Gewicht und teils ganzseitige Interviews in der Lokalzeitung abgedruckt werden, dass sie Podiumsveranstaltungen durchführen können, dass sie bei Entscheidungsprozessen gehört werden, das ist in so einer Klüngelpolitik nicht selbstverständlich und eher hart erkämpft.


    Denn die Nürnberger Klüngelpolitik kann eines ganz besonders gut: Alles was von außen kommt ignorieren. Es kommt immer wieder "Unser Nemberch is a so scheee" und man verweist auf alles was noch da ist, wobei das beinah auch für ein paar Parkplätze, eine Altstadtautobahn oder sonstwelche Hirngespinste geopfert worden wäre.


    Ich persönlich glaube manchmal, als Zugereister, dass in Nürnberg noch ein gewisser Untertänigkeitsgeist da ist, der aus dem Minderwertigkeitskomplex heraus entstand, dass man eben keine Residenzstadt, keine Universitätsstadt, keine Weltmetropole war. Daraus resultiert dann dass man den jeweiligen Zeitgeist übererfüllen wollte. Deswegen wurde Nürnberg nur zu gerne Stadt der Reichsparteitage, oder hat direkt nach dem Krieg extrem ehrgeizige Wiederaufbaupläne betrieben, die dann rasch von ebenso extrem radikalen Planungen zur autofreundlichen Stadt abgelöst wurden. Das ist auch heute noch so, wenn man sich die Bemühungen z.B. zur Kulturhauptstadt oder zur Fahrradfreundlichen Stadt ansieht. Man will immer das beste, schafft davon aber nur Bruchteile. Und das, was man eigentlich am Besten kann, zählt nicht. Nur mal meine ganz eigenen Gedanken, weil ich mir dieses ständige Verrennen der Stadtplanung, auf jeden Trend aufzuspringen, aber nichts davon in beeindruckender Weise umzusetzen, nicht anders erklären kann.

  • Nürnbergs Wiederaufbau kann man m.M. nach nur unter Berücksichtigung des damaligen Zeitgeists und der damaligen Verhältnisse beurteilen. Er hätte vermutlich besser (in unserem Sinne) sein können. Dennoch würde ich ihn bestimmt nicht als misslungen bezeichnen. Man muss halt auch darauf achten, wo und wie man sich durch die Stadt bewegt. Wer sich einfach treiben lässt, landet vielleicht schon in irgendwelchen schlimmen Ecken. Ein Problem, dass Nürnberg ja mit vielen deutschen (und auch anderen) Städten teilt.


    Trotzdem ist Nürnberg für mich, in seiner Gesamtheit gesehen, eine schöne Stadt, die in ihrer Bedeutung und mit ihren Bauwerken sich immer noch weit über viele andere Städte erhebt. Und man spürt einen "Geist der Geschichte", den man nur in uralten, bedeutenden Städten erlebt (ich spüre ihn z.B. auch in Köln).


    Ich erlaube mir, hier nochmal auf meinen letzten Rundgang dort vom April 2019 zu verweisen: RE: Nürnberg (Galerie)

    "Mens agitat molem!" "Der Geist bewegt die Materie!"

  • 90 von 330 Altstadthäuser abgerissen? Stimmt das wirklich? Wo standen diese Häuser?


    Ansonsten zeigt die Diskussion der letzten Seiten, dass der Wiederaufbau Nürnbergs immer ein heisses Thema ist. Was mich frustriert, ist die Tatsache, dass man eigentlich viele gute Entscheidungen getroffen hat: Wiederherstellung der Dachlandschaft, kleinteilige Parzellierung, Wiederaufbau der wichtigsten Grossbauten, wenige Strassenverbreitungen usw. Leider werden diese guten Ansätze durch die Gestaltung der Fassaden zerstört. Da hat Ursus völlig recht, und es ist einfach kaum auszuhalten darüber nachzudenken, wie einfach man sehr grosse Verbesserungen erreichen könnte, wenn man wollte. Denn die Ausgangssituation ist viel besser als in Hannover, Frankfurt, Kassel, Magdeburg oder Bremen. Ich finde es deshalb nicht fair zu sagen, dass der Wiederaufbau völlig versagt hat. Aber ohne eine Neugestaltung der Fassaden, sei es nur passender Putz oder Sprossenfenster, bleibt der Wiederaufbau auf halber Strecke stecken.

    Unsere große Aufmerksamkeit für die Belange des Denkmalschutzes ist bekannt, aber weder ökonomisch noch kulturhistorisch lässt es sich vertreten, aus jedem alten Gebäude ein Museum zu machen. E. Honecker