• Genauso Brixton. In den 2000er Jahre lebte ich dort, damals war Brixton ziemlich kriminell (ununterbrochenes Sirenengeheul), arm, aber nie hässlich, eine multikulturelle Stadt in meinem Sinne, die mich anregte. Wobei es das eine oder andere gruselige Haus gab.

    In der Zeit habe ich in Brüssel gelebt, in Ixelles/Elsene in direkter Nachbarschaft von Matongé (https://theculturetrip.com/eur…to-do-and-see-in-matonge/) . Damals war in Ixelles abseits der Avenue Louise und den Étangs d'Ixelles vieles extrem heruntergekommen: ein Viertel für Afrikaner, Araber, Portugiesen, Studenten, Künstler und schlechtbezahlte EU-Praktikanten oder Teilzeitangestellte, aber mit lebendiger Atmosphäre und mit mehr oder weniger interessanter, jedoch immer urbaner und reizvoller Architektur. Und durchaus ein heißes Pflaster, wobei ich von der Gang-Kriminalität wenig mitbekommen habe.


    Also so ähnlich wie Brixton und mittlerweile offenbar auch Szeneviertel und Touri-Attraktion, nicht nur wegen Multikulti (das dort ohnehin nie eine aufgesetzte Ideologie war), sondern auch wegen der Architektur.
    Ein beliebig ausgewähltes Beispiel:
    https://www.google.com/maps/@5…cKHoDg!2e0!7i13312!8i6656

  • Viel mehr als wirtschaftliche Armut macht eine Stadt doch intellektuelle Armut zu schaffen.


    Wenn ich kein Geld habe um irgend etwas zu tun ist das eine Sache, dann bleibt es eben alles wie es ist. Langfristig verheerender ist es aber oft, wenn ich zwar Geld habe, aber keine Ahnung, besonders von Kunst, Kultur und Architektur. Das wurde hier schonmal als "Obi-fizierung" beschrieben. Und das erkenne ich auch irgendwie in dem Argument "Nürnbergs Historismus sei schwerfällig und farblos" wieder. Das empfinde ich irgendwie überhaupt nicht, die i.d.R. aus Sandstein gehauenen Fassaden finde ich oft geschmackvoller als die massenweise aus Stuckelementen gegossenen und tausendfach an Fassaden montierten Ornamentorgien anderer Städte (wobei ich die trotzdem unwiderstehlich faszinierend finde).


    Problematisch wird es aber wenn die Fassaden altern und Renovierungen erforderlich werden, Fenster getauscht und Dächer gemacht werden müssen. Leute mit Geld aber ohne Verstand machen dann vieles kaputt, typisch an der Nürnberger Fensterkrankheit zu sehen. Jahrzehntelang wurden die geteilten Fenster durch Einscheibenfenster aus Kunststoff ersetzt. Die wirtschaftlich besser gestellten Kulturbanausen hatten nun praktische, einfach zu pflegende Fenster. Der Straßenzug war aber in seiner architektonischen Güte kaputt. So kann binnen eines Jahrzehnts aus einem etwas abgewohnten Gründerzeitviertel ein schäbig-verbasteltes, Obi-fiziertes Stadtbild werden, was niemand mehr schön findet: Jene, die Altbausubstanz lieben fühlen sich genau so abgestoßen wie jene, die alles modern und blitzeblank haben wollen. Das zu erkennen ist oft keine Frage des Geldes, sondern der Bildung (Kunst). An diesem Punkt stehen weite Teile der Nürnberger Gründerzeitstraßen: Niemand fühlt sich so recht wohl aber kaum einer kann genau beschreiben woran es liegt. Die einen sagen weil es zu viel altes Zeug gibt, die anderen sagen zuviel modernistische Zutaten. Hier müsste es einen Leitfaden geben der jedem dringend rät, sich bei der Altbausanierung am historischen Original zu halten. In einem Gebäude vor 1945 dürften m.E. grundsätzlich keine Einscheibenfenster rein.
    Und es gibt keinen Grund etwas am Haus rumzurenovieren, nur weil Geld übrig ist (in vielen Wohnungseigentümergemeinschaften ist das Praxis).

  • 86 Aufrufe seit Januar zeigen das große Interesse an diesem Video.


    Das neue Augustinerhof-Gelände präsentiert sich in Zukunft ja in ziemlicher Hässlichkeit. Auch die anderen Äußerungen in diesem Video überzeugen wenig, z.B. die Ankündigung der Sanierung des Pellerhauses ab 2022. Na dann.

  • Schön gemacht mit dem Pellerhaus , jetzt machen die Gegner der Rekonstruktion " Nägel mit Köpfen " , und schaffen Vollendete Tatsachen … da muss man doch mal Klat :applaus: chen .

  • Das ist ja die Winklerstraße 24. Da hatte ich auch gehofft, daß die IHK das Haus rekonstruiert.
    Aber vielleicht findet sich ja ein wiederaufbauwilliger Käufer. Wird langsam mal Zeit.


    (...) Hier handelt es sich um ein Objekt welches mit viel Hingabe wieder aufgebaut werden müsste, um den Charakter des historischen Hauses wiederzubeleben. (...)

    Die Visualisierung sieht wirklich super aus. Der Wiederaufbau würde Nürnberg sehr gut tun.


    https://media-pics2.immowelt.o…B474AB9B01222FF904D1D.jpg

  • Und wenn es die Altstadtfreunde erwerben, rekonstruieren und dann weiter verwerten (verkaufen/vermieten)? Das sollten sie mal durchrechnen, ob das wirtschaftlich rentabel umsetzbar wäre.

  • Eine Fassadenreko sollte hier Pflicht sein! So wird das von der IHK erst aufwändig neu gestaltete Komplex richtig rund. Schade, dass die IHk das nicht selbst macht, aber anscheinend wird es nicht gebraucht und die Mitglieder sind wohl schon von den Kosten des Neubaus verschreckt. Die Lage, die Adresse ist aber erstklassig! Dass das die Altstadtfreunde machen könnten würde ich auch super finden!

  • Auch ökonomisch wäre das doch interessant, denn man würde durch eine Rekonstruktion faktisch zwei Vollgeschosse durch Aufstockung hinzugewinnen. Somit könnte man das Haus als Bauherr fertigstellen und dann z.B. einzelne Eigentumswohnungen darin verkaufen, um die Baukosten wieder hereinzuholen. Oder man vermietet.

  • Somit könnte man das Haus als Bauherr fertigstellen und dann z.B. einzelne Eigentumswohnungen darin verkaufen, um die Baukosten wieder hereinzuholen. Oder man vermietet.

    So gehen die Altstadtfreunde schon seit Jahrzehnten vor, allerdings mit sehr moderaten Mieten.

  • Auf meine Anfrage, ob sich die Altstadtfreunde den Kauf des Hauses Winklerstraße 24 vorstellen können, hat mir Herr Karl-Heinz Enderle nun geantwortet. Er gab mir die Erlaubnis, seine Aussagen sinngemäß zu veröffentlichen.


    Die Nürnberger Altstadtfreunde sind sehr wohl an einem Kauf interessiert. Nur hat man auch noch das Pilatushaus, um das man sich kümmern möchte. Bei beiden Gebäuden rechnen die Altstadtfreunde mit einer Investitionssumme von jeweils fünf (5) Millionen Euro. Daran sollte man denken. Es ist für den Verein natürlich eine riesige Summe.


    Herr Enderle hat sich noch einmal beim Denkmalschutz erkundigt. Obwohl das Denkmalamt gewöhnlich Rekonstruktionen ablehnt, wäre für das Savoyerkreuz aber eine Außenrekonstruktion vorgesehen. Egal, wer das Haus kauft und wieder aufbaut. Es wird allerdings befürchtet, daß, außer beim Giebel, auch modernere Zutaten und Veränderungen durchaus genehmigt werden. Daher werden die Altstadtfreunde versuchen, sich möglichst in dieser Sache zu engagieren.


    Für die Antwort von Herrn Enderle bin ich sehr dankbar.


    Im letzten Newsletter wird übrigens darum gebeten, über eine Mitgliedschaft bei den Altstadtfreunden nachzudenken. Ab einer jährlichen Spende von 30 Euro, kann man dem Verein beitreten.

  • Verzierungen wegsaniert: Wieder Architektur-Ärger in Nürnberg

    Quote

    Schön, aber nicht schützenswert: In Schoppershof keimt Kritik auf. Bei einer Sanierung eines Sandsteingebäudes wurden Verzierungen einfach wegsaniert. Fehlt in Nürnberg ästhetisches Gespür?

    Quelle: https://www.nordbayern.de/regi…9py62fJR8i9YSjyVmUynoyXK8