Termin bitte vormerken: Am 9. November findet unser großes Initiativentreffen in Frankfurt am Main statt- Jeder ist willkommen.

Nürnberg

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    • @ Rothenstein: Deine Sicht der Dinge ist nun mal sehr subjektiv und kann immerhin leicht mit Fakten widerlegt werden

      1. Die These "Nürnberg sei zu einer B-Stadt abgesunken
        Wahr ist, Nürnberg ist spätestens ab Anfang des 18. Jahrhundert nichts anderes als eine gewesen, erlebt aber seit Mitte des 19. Jahrhunderts eine kontinuierliche ökonomische Entwicklung nach oben. Leicht ist das an den Einwohnerzahlen abzulesen. Während Städte wie Leipzig oder Dresden im Vergleich zur Vorkriegszeit massiv an Einwohnern verloren (und auch an ökonomischer Bedeutung) und nach der Wiedervereinigung durch massive Eingemeindungen gegensteuern konnten (Dresden hat bspw. eine doppelt so große Stadtfläche), ist es Nürnberg gelungen sich Stück für Stück nach vorne zu arbeiten.
        Etwas veraltet aber als Quelle geeignet: de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Großstädte_in_Deutschland
      2. Die These, Nürnberg sei Stolz darauf "nicht hässlicher zu sein als Offenbach, Mannheim, Pforzheim oder Duisburg, die gesellschaftlich eine ähnliche Struktur haben". Tatsächlich landet die Stadt in internationalen Befragungen unter Expats immer wieder auf sehr guten Plätzen. Zuletzt hat Mercer für Nürnberg Platz 23 ermittelt, hinter München (3), Düsseldorf (6), Frankfurt am Main (7), Berlin (13), Hamburg (14) und vor Stuttgart (27) sowie Leipzig (60). Kriterien sind u.a. soziale, politische, wirtschaftliche und umweltorientierte Aspekte sowie Gesundheit, Bildungs- und Verkehrsangebote sowie andere öffentliche Dienstleistungen etc.
        Übrigens, beim gesondert befragten Thema Sicherheit landen Düsseldorf, Frankfurt, München und Nürnberg gemeinsam auf Platz 11, vor Stuttgart auf Platz 17 und Berlin mit Hamburg auf Platz 28. Du hattest meiner Erinnerung nach ja suggeriert, Nürnberg sei ein Kriminalitätshotspot...
        mercer.de/newsroom/quality-of-living-2019.html
      3. Das Stadtbild sei nicht attraktiver als das von Frankfurt oder Stuttgart.
        Nunja, es ist schwer direkt zu Vergleichen, den Geschmäcker sind verschieden. Als Teilzeit-Frankfurter, der in dieser häufig unterschätzten Stadt gern lebt, kann ich das aus meiner Sicht das nicht teilen. Hier mal ein Paar Impressionen aus der vormaligen Altstadt Frankfurts, einen Steinwurf entfernt vom Römer, nur mal so als Vergleich zu deinen Bildern aus Nürnberg...
      Ich glaube das hier war mal ein Teil der Stadtbefestigung

      Idyllische Bebauung, altstadtgerecht


      Hier das städtebauliche Fiasko an der für Kulinariker sehr zu empfehlenden Kleinmarkthalle


      Geschmackvolle und gepflegte Gastronomie kurz vorm Römer


      Kurz vorm Römer blickt man auf dieses charmante Stadtbild


      Der Römer selbst (ist aus meiner Sicht auf alle Fälle dem Hauptmarkt in städtebaulicher Summe überlegen, allerdings ist der Hauptmarkt auch nicht der einzig verbliebene Altstadtplatz Nürnbergs)
    • Ich sag mal so, Scheußlichkeiten gibt es in jeder Stadt, auch die Altstadt Münchens ist fürchterlich verschandelt. Und da sehe ich das eigentliche Problem auch in Nürnberg - daß Wohngebiete außerhalb der Altstadt jetzt Gründerzeitler , Fachwerkbauten oder was auch immer an historischen Stilen in Frage käme, das verlangt ja überhaupt keiner.

      Nürnberg verfügt über wunderschöne historische Gassen durch die ich gern flaniere und urgrmütliche Wirtschaften, in denen ich gern einkehre (auch wenn ich mich an das fränngische Bier nicht so recht gewöhnen kann).

      Wenn dann aber mitten in der Altstadt plötzlich modernistische Käsekästchen auftauchen, so dreht es einem schon den Magen um. Ich sag ja nicht daß es diese modernistischen Kisten nicht geben darf - aber doch bitte schön dort wo sie hingehören und das ist die Altstadt nicht.
      Mit Ziegelsteinen kann man Fensterscheiben zerstören, mit Glas, Stahl und Beton ganze Städte.
    • Ich halte Frankfurt auch für unterschätzt. Das Bahnhofsareal wird besser, die rund dreißig rekonstruierten bzw. angepassten Häuser sind ein Gewinn, der Main ist urban eingebunden und es gibt schöne und lebendige historistische Viertel, allen voran Alt-Sachsenhausen.

      Zu Stuttgart fällt mein Urteil wesentlich negativer aus, da die Innenstadt winzig und außerhalb weniger Inseln fast durchgehend brutal ausfällt. Der Neckar ist zubetoniert, die historistischen Viertel sind teilweise nette Refugien des Geldadels, teilweise extrem vom Autoverkehr belastet (v. a. West). Viele Fotos in diesem Forum von Stuttgarter geschoßen fallen viel positiver als der reale Eindruck aus.

      Bzgl. historistischer Viertel werte ich so: Frankfurt >> (= deutlich besser) Nürnberg > Stuttgart.

      Man kann vieles an Nürnberg kritisieren. Ich finde auch, daß man mehr aus der Stadt machen könnte/müsste. Dennoch ist es einfach grober Unfug zu behaupten, Frankfurt sei in der Fläche der ehemaligen Altstadt besser erhalten als Nürnberg. Stuttgart fällt hier sowieso aus.

      Die internationalen Zitate zeigen, daß Nürnberg als ganze Stadt attraktiv ist. Dies zeigt sich auch im Stadtbild, wo sehr viele Touristen aus aller Welt anzutreffen sind.
      Wirtschaftlich steht Nürnberg deutlich schlechter als München und für bayerische Verhältnisse unterdurchschnittlich dar. Dennoch, das zeigen dexters Zahlen, ist man von einer Verslumung a la Ruhrgebiet weit entfernt. Frankfurt und Stuttgart weisen bessere wirtschaftliche Zahlen auf, das Stadtbild und die Personen wirken ungepflegter. Man laufe mal durch Stuttgarts Haupteinkaufsstraße, die Königstraße...

      Manches verspricht in Nürnberg auch Verbesserung: Der Söder will Landeseinrichtungen verstärkt dort ansiedeln, an der Pegnitz wurde innenstadtnah eine schöne Badebucht eingerichtet, das Neue Museum wird inhaltlich toll, eine eigene Uni wird gebaut, die U-Bahn stetig erweitert, eine Stadt-Umland-Bahn bis Herzogenaurach errichtet, eine Tarifreform soll den ÖPNV günstiger machen. Und für uns: Die Altstadtfreunde wachsen weiter und besitzen politisch zumindest ein bißchen Gewicht. Ich halte diese für ein stadtbürgerliches Erbe, wie es dieses so in Stuttgart nicht (Residenz- und Industriestadt) und auch nicht mehr in Frankfurt (moderne Umgestaltung führte zu einem weitgehenden Identitätsverlust) gibt.
    • @dexter

      Naja Nurnberg uberzeugt genau so viel wie Frankfurt - beide Stadten widmet Wiederaufbaustil der Wirtschaftwunder.

      Leipzig, Halle, Erfurt, Heidelberg, Potsdam, Lubeck, Freiburg, Augsburg, Wiesbaden und so weiter sind alle Stadten die grosser als 100000 und hat deutlich mehr historische Strassenzugen.

      Mich nervt einfach die Frankische Selbstgefälligkeit. Irgendwie gibt es ein Grund warum alles so gut ist. Nurnberg ist halt heute Deutsche Mittelmass - sogar Osnabruck uberzeugt mehr...
    • Eduard wrote:

      Ich halte diese für ein stadtbürgerliches Erbe, wie es dieses so in Stuttgart nicht (Residenz- und Industriestadt) und auch nicht mehr in Frankfurt (moderne Umgestaltung führte zu einem weitgehenden Identitätsverlust) gibt.
      Frankfurt hat seine Identität seit Kriegsende vollkommen ausgetauscht. Vor dem zweiten Weltkrieg findet sich in der Literatur nur sehr wenig über diese Stadt, sie reichte an Nürnberg nicht heran und war wirtschaftlich und politisch wenig bedeutend. In der Nachkriegszeit hat Frankfurt, das ja auch als Alternative zu Bonn als Bundeshauptstadt gehandelt wurde, stark gewonnen: Der Finanzsektor siedelte sich hier an, und die Bedeutung der wichtigsten Buch- und Messestadt Leipzig verleibte man sich ein, da die Sachsenmetropole hinter dem eisernen Vorhang verschwunden ist. Ich kenne Frankfurt nicht so gut, aber ich vermute die Stadt hat wie keine andere von den Verhältnissen der Nachkriegszeit profitiert, sich ein Image als "Mainhattan" zugelegt und zeigt das selbstbewusst allen Menschen. Ich kenne Nürnberger, die schielen ganz neidisch an den Main. Ich für meinen Teil halte es dafür schon fast für ein Wunder, was man trotz der veränderten Identität dort am Römer nun vollbracht hat. Man hätte ja auch einen Wolkenkratzer hinstellen können.

      Ich nehme wahr, dass sich Nürnberg in der letzten Zeit positiv entwickelt. Und das schreibe ich der Verjüngung durch zugezogene zu, die einen unverstellten Blick auf Nürnbergs Pfunde haben und kritisch fragen, wieso man die nicht hebt. Mich frustriert es hier immer dass viele Alteingesessene sich die Wände mit Delsenbach-Stichen des alten Nürnberg schmücken, aber bei Rekonstruktionsvorhaben bleiben sie dann oft still. Gegen die studierten, die Architekten und Stadtplaner will man doch nichts sagen. Man will ja nicht rückständig sein. Dabei ist das Heben von Potenzial nichts rückständiges.
    • Philon wrote:

      Wichtiger Punkt. Franka erzählte mir heute, dass es in Nürnberg einige Vorort-Siedlungen aus der NS-Zeit gibt, die genau nach denselben Gestaltungsprinzipien errichtet wurden wie der Wiederaufbau in der Sebalder Steppe und auch mehr oder weniger genauso aussehen.
      Während der NS-Zeit gab es Wohnraumprojekte, durch Zufall war ich auch mal Gast in einem dieser Häuser. Wobei sie natürlich nicht ideologisch zu bewerten sind. (Nichts Proramäßiges.) Es sind schlichte Gebäude mit Satteldächer, ohne Fachwerk, ohne Spielereien. Ich hätte allerdings diese Häuser nicht auf diese Zeit getippt, ich möchte allerdings niemanden etwas unterstellen oder etwas anhängen. Ich versteh nur nicht den riesen Bohai, was um diese Ziegelhäuser bzw. Nachkriegsbauten veranstaltet wird, besonders wenn man sie noch ideologisch mit Begriffen wie "Demokratie" etc auflädt.

      Riegel wrote:

      Mit entscheidend für die Bürger, ob der Wiederaufbau der Altstadt funktional/altstadtgerecht (wie ausgeführt) oder als aufwändige Rekonstruktion mit modernen Wohnungsgrundrissen erfolgen sollte, dürfte gewesen sein, dass man bei der ersten Variante schneller den dringend benötigten Wohnraum zurückerlangte, und auch mehr Wohnkomfort erhielt:
      Das wäre eine interessante Frage, ob die Wohnungsnot dort am größten war? Ich glaube nicht. Ich kann nur von einem Vorort von Nürnberg berichten. Das Haus, indem ich heute lebe, wurde nach dem Krieg mit einer Zwangshypothek belastet. Ein großer Teil der Grundstücke musste damals verkauft werden. Die Gemeine wies am Ende der Straße den Heimatlosen und Sudetendeutschen ein großes Gebiet zu, bzw. es wurde ihnen fast geschenkt. Ein Platzproblem gab es nicht. Ich behaupte mal, dass zumindest ein Teil der Altstadt hätte rekonstruiert werden können, wäre der Wille da gewesen, trotz Wohnungsnot. Es gab ja dort nichts.

      Riegel wrote:

      vorher unbelichtete, unbelüftete Treppenhäuser, auf die zudem meist auch die im Innern liegende Küche folgte - nachher belüftete Treppenhäuser und Wohnungen mit belichteten Küchen,
      vorher vereinzelt Dach- und Hofterassen - nachher für jede Wohnung ein eigener Balkon,
      vorher schmale und verschachtelte Grundrisse - nachher grosszügige Familienwohnungen auf einer Geschossebene, vorher schmale, dunkle Lichthöfe - nachher grosszügige, gartenähnliche Innenhöfe.
      Das klingt wie in einem Werbeprospekt. Warum sollte beim Wiederaufbau der Platz der Küche vorgeschrieben sein? Man denke an Bäder: Früher winzig klein, heute werden sie in riesige Wellness-Oasen umgebaut. Schöne Fachwerk-Hinterhoflauben würde ich Plastikbalkone an der Straßenseite tausendmal vorziehen.
      Ja, und ich liebe urige dunkle, geheimnisvolle Lichthöfe, wie ich sie von Italien kenne. (oder in dem alte Ansichten - Strang). Ich weiß, ich bin mit dieser Meinung in der Minderheit.

      Hier ein Neubau in der Marienvorstadt. Ein Innenhof.


      Centralbahnhof wrote:

      Wenn mir jetzt jemand sagt "Köln ist die hässlichste Stadt Deutschlands", "Wie kann man da nur wohnen", "So einen katastrophalen Wiederaufbau hat es in keiner anderen Stadt gegeben", dann fühle ich mich irgendwo angegriffen und einem Nürnberger, Dresdener oder Frankfurter, usw. wird es da nicht anders gehen,
      Ich kann Deine Gefühle verstehen und es tut mir auch leid, wenn sich jemand angegriffen fühlt. Wobei es nicht als Angriff gemeint ist. Es ist eher ein Hilferuf. Nürnberg verschlimmert sich gerade. Die nächsten Kästen sind schon in Planung.

      Centralbahnhof wrote:

      Was wir machen müssen ist, positiv an die Sache heranzugehen: Mit Bildern von der Vorkriegssituation verdeutlichen, dass sich die Stadt an dieser Stelle verschönern ließe. Man muss den Leuten ja nicht aufs Auge drücken, dass man die Stadt heute hässlich findet. Es reicht, eine Verbesserung vorzuschlagen. Und dass die Verbesserung tatsächlich eine Verbesserung wäre, zeigt man am besten anhand von historischen Fotos und nicht mit markigen Sprüchen, wie hässlich heute doch alles sei
      Schwierig eine Verbesserung vorzuschlagen, wenn jeder Nürnberg so toll findet. Keine Chance. Es ist eine kleine Jury, die bestimmt, wie ein Konzerthaus auszusehen hat, wie ein Theater gestaltet wird.
    • Eduard wrote:

      Franka, solche Investorenkästen werden in jeder größeren Stadt gebaut, deren Einwohnerzahl Arbeitsplatz bedingt wächst. Natürlich sind diese architektonischer Mist, aber keinesfalls spezifisch für Nürnberg.
      Ja, das ist richtig. Diese "Arbeiterschließfächer" finden sich allerdings nicht nur in sämtlichen anderen deutschen Städten wieder, sondern sind auch im Ausland wie A und CH anzutreffen. Es ist ja auch grundsätzlich nichts gegen solcherart Neubaugebiete einzuwenden - so sie sich außerhalb des Stadtkerns befinden - irgendwo müssen ja auch Menschen mit geringerem Einkommen wohnen und ich kann mir vorstellen daß in so einem romantischen Altbau in der Nürnberger Altstadt die Mieten nicht so ohne sind.
      Mit Ziegelsteinen kann man Fensterscheiben zerstören, mit Glas, Stahl und Beton ganze Städte.
    • Tendenziell sind die Mieten hier in den Neubauwohnungen höher als im Altbau. Mal abgesehen von den gehypten Viertel um den Friedrich-Ebert-Platz, dort sind Neubauten platzbedingt auch Mangelware.
      Ich schaue mich mehrmals die Woche in den Immobilienportalen um. Altbauwohnungen in diesen Vierteln findest du keine. Keine einzige, jedenfalls nicht zum Kauf. Ist doch interessant!
    • Franka wrote:

      Schwierig eine Verbesserung vorzuschlagen, wenn jeder Nürnberg so toll findet. Keine Chance. Es ist eine kleine Jury, die bestimmt, wie ein Konzerthaus auszusehen hat, wie ein Theater gestaltet wird.
      Immerhin gibt es in Nürnberg die Altstadtfreunde und eine Diskussion, besser gesagt, eine hitzige Debatte über ein Haus wie das Pellerhaus. In Köln zum Beispiel gibt es nichts dergleichen. Gar nichts. Da ist Nürnberg also schon deutlich weiter als andere Städte.
      Bei der Podiumsdiskussion scheinen die Teilnehmer ja auch überwiegend pro Pellerhaus-Reko gewesen zu sein. Ich sehe in Nürnberg von außen betrachtet die Hindernisse in der Politik und in der Verwaltung verortet, nicht in der Bürgerschaft. Sollte das mit dem Pellerhaus klappen, könnte da auch richtig etwas in Bewegung geraten, gebaute Realität ist nämlich immer die beste Werbung.
      Wenn ihr mich fragt (und ja, jetzt kommt ein von mir neulich noch verpönter Städtevergleich, aber diesmal im positiven Sinne), dann ist die Reko-freundlichste Stadt in Deutschland aktuell Dresden, direkt gefolgt von Potsdam. Danach kommen Frankfurt und Berlin, wobei in beiden Städten nach Abschluss der aktuellen Projekte etwas die Luft raus sein wird. Dahinter kommt aber für mich direkt schon Nürnberg und das ist eben der Existenz der Altstadtfreunde und ihrer hervorragenden Arbeit im Pellerhof geschuldet. Was bürgerliches Engagement betrifft, kann man sonst vielleicht noch Lübeck nennen. Andere aufkommende Bewegungen wie in Neustrelitz, Dessau oder Gießen stecken da noch in den Kinderschuhen und müssen erst einmal beweisen, dass sie konkret auch Rekonstruktionen realisiert bekommen, betreffen aber auch viel kleinere Städte.
      Also, man sollte die Sache auf Nürnberg bezogen nicht düsterer sehen, als sie ist, ich sehe da großes Potenzial. Es hängt aber einfach unheimlich viel davon ab, wie es jetzt mit dem Pellerhaus weitergeht.
    • Henry H. wrote:

      Es ist ja auch grundsätzlich nichts gegen solcherart Neubaugebiete einzuwenden - so sie sich außerhalb des Stadtkerns befinden - irgendwo müssen ja auch Menschen mit geringerem Einkommen wohnen
      Diese Neubau-Kästen sind nicht für Menschen mit geringem Einkommen. Ein Kumpel von mir wohnt in Frankfurt in einer solchen Anlage. Ich glaube 110 oder 120 Quadratmeter für 1600 Euro Warmmiete. Oder nehme das neue Frankfurter Quartier "Stadtgärten am Henninger Turm", dass sich optisch nur in der übergrünen Verkaufsgraphik wesentlich vom Nürnberger Beispiel unterscheiden dürfte. Kaltmiete für eine 80 Quadratmeter große 3-Zimmer-Wohnung 1490 Euro. (siehe hier)

      Leute mit geringem Einkommen wohnen am Stadtrand in Hochhäusern der 60er Jahre oder in Siedlungsblocks der 50er Jahre ("Neue Heimat"...).

      Zu den Frankfurter Bildern von "dexter" oben noch ein Nachtrag. Die Aufnahmen sind natürlich teils recht unvorteilhaft geraten. Es gibt schlimmere städtebauliche Fiaskos als die Rückseite der Kleinmarkthalle. Ich finde die Kleinmarkthalle an sich nicht schön, eben ein 50er-Jahre-Bau mit dem Charme einer Metzgerei. Aber das Gebäude und das Umfeld ist bei den Bürgern sehr beliebt. Die auf Bild 4 gezeigte Gastronomie-Terrasse ist am selben Platz. Ob das "kurz vor dem Römer" ist, hängt natürlich mit der eigenen Distanzeinschätzung zusammen. Der Römer ist jedenfalls von diesem Platz nicht in Sichtweite, dazwischen befindet sich auch die Berliner Straße. Dann das vorletzte Bild ("Kurz vorm Römer blickt man auf dieses charmante Stadtbild"). So negativ, wie hier dargestellt, ist der Paulsplatz nicht. Er ist durchaus beliebt durch die Außengastronomie der Eisdielen. Gleichwohl gibt es zaghafte Überlegungen, dort eventuell wieder die Alte Börse zu rekonstruieren, was das Ambiente sicherlich optisch verbessern würde.
    • @Heimdall

      Ich bin auch ein Fan der Kleinmarkthalle! Ich finde aber, man kann eines aus den Bildern lernen:
      • Selbst die "Sebalder Steppe" in Nürnberg, so dröge und spießig sie auch ist, wirkt im direkten Vergleich angepasster an die klassische altstadtbauweise in N als so manch vergleichbares Viertel in historisch tatsächlich vergleichbaren deutschen Großstädten in denen völlig neu und frei von alten Leitbildern geplant wurde
      • Die Regulierung des öffentlichen Raums in N ist deutlich rigider als die in FFM (und liegt damit in gewisser reichstädtischer Tradition). Worüber ich mich zum Beispiel rund um die Kleinmarkthalle in FFM immer wieder Ärgere, ist diese Omnipräsenz von provisorischen gastronomischen Zeltüberdachungen aller Art (zum Beispiel auf der Terrasse über dem Eingang der Kleinmarkthalle), oder eben auch die vielen verschiedenen Straßenraumoberflächen und Lampen. Das tut dem regen Betrieb, der angenehmen Stimmung und dem guten Essen da keinen Abbruch, steht seit der Errichtung der bis ins Detail durchorganisierten Räume in der "neuen Altstadt" aber in krassem Kontrast zu dieser. In N sind beispielsweise selbst die Farben der Standüberdachungen (z.B. auf dem Hauptmarkt) streng geregelt (Rot-weiß gestreift, entlang der Tiefe, nicht der Breite)
      @ Henry H: Die Wohnungen in der Sebalder Steppe oder in anderen Randgebieten der Altstadt sind ziemlich günstig. Vielleicht auch einer der Gründe warum sich da derzeit keiner mehr so richtig ran traut. Allmählich kommt auch wieder hochwertig ausgewiesener Wohnraum in die Altstadt zurück (das war lange die absolute Ausnahme), aber die Bauten aus den 1950ern sind nicht sehr beliebt. Was die reichstädtischen Häuser betrifft: Das ist meist was für Liebhaber oder Menschen ohne Familie und daher teilweise auch günstiger als vermutet. Ich kenne solche Häuser von innen, die Grundrisse sind natürlich sehr individuell und natürlich müssen gewisse Abstriche bei gewohntem Komfort ggü. "modernen Wohnformen" hingenommen werden. Dafür ist es halt "charming"...

      d.
    • dexter wrote:

      @ Rothenstein: Deine Sicht der Dinge ist nun mal sehr subjektiv und kann immerhin leicht mit Fakten widerlegt werden
      Ich glaube, dass die Beurteilung des Stadtbildes oder der Atmosphäre einer Stadt teilweise immer subjektiv bleiben muss, nicht nur, wenn ich dazu etwas schreibe. Es gibt natürlich auch objektive Daten dazu, die aber häufig der Interpretation und Einordnung bedürfen.

      dexter wrote:

      1. Die These "Nürnberg sei zu einer B-Stadt abgesunken
        Wahr ist, Nürnberg ist spätestens ab Anfang des 18. Jahrhundert nichts anderes als eine gewesen, erlebt aber seit Mitte des 19. Jahrhunderts eine kontinuierliche ökonomische Entwicklung nach oben. Leicht ist das an den Einwohnerzahlen abzulesen. Während Städte wie Leipzig oder Dresden im Vergleich zur Vorkriegszeit massiv an Einwohnern verloren (und auch an ökonomischer Bedeutung) und nach der Wiedervereinigung durch massive Eingemeindungen gegensteuern konnten (Dresden hat bspw. eine doppelt so große Stadtfläche), ist es Nürnberg gelungen sich Stück für Stück nach vorne zu arbeiten.
        Etwas veraltet aber als Quelle geeignet: de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Großstädte_in_Deutschland

      Die Bezeichnung A-Städte und B-Städte sind Kategorien der Immobilienwirtschaft. A-Städte in Deutschland sind die vier Millionenstädte Berlin, Hamburg, München und Köln, sowie drei weitere, kleinere Städte mit internationaler Ausstrahlung: Frankfurt, Düsseldorf und Stuttgart.

      Selbstverständlich haben Leipzig und Dresden unter der deutschen Teilung massiv gelitten. Leipzig war vor dem Zweiten Weltkrieg mindestens ebenbürtig zu Frankfurt, und Dresden war eine Kulturstadt von europäischem Rang; sie wären vor dem Krieg quasi A-Städte gewesen. Nürnberg war auch schon zu jener Zeit von minderem Rang.

      Solche Dinge lassen sich auch ganz gut an der Architektur um 1900 ablesen; diese ist in Nürnberg längst nicht so prachtvoll wie in den sächsischen Städten oder Berlin. Nürnberg erlebte einen langen Niedergang im 17. und 18. Jahrhundert. Im 19. Jahrhundert kam es zwar, wie im übrigen in allen deutschen Städten, zu einem starken Bevölkerungswachstum, aber relativ gesehen verlor Nürnberg immer mehr an Bedeutung, nicht zuletzt wegen des bayerischen Zentralismus, der auf München und Oberbayern ausgerichtet ist.

      Auf der anderen Seite hat die relative Bedeutungslosigkeit zwischen Ende des Dreißigjährigen Krieges und Beginn des Zweiten Weltkrieges dazu geführt, dass die Altstadt Nürnbergs mehr vor Veränderungen als in anderen, dynamischeren Städten geschützt war. Heute merkt man der Stadt ihre Ideen- und Konzeptlosigkeit an; es fehlt das intellektuelle Kapital.

      Bayern hat Nürnberg ja u.a. auch seine Universität und damit seine intellektuelle Bedeutung genommen, was mit zum Niedergang beigetragen hat. Nürnberg ist die größte deutsche Stadt ohne eigene Universität (die Universität Erlangen-Nürnberg ist ja im wesentlichen eine Erlanger Universität). Der Bildungsstand in Nürnberg ist, für mich wenig überraschend, so niedrig wie in kaum einer anderen deutschen Großstadt.

      Beim Akademikeranteil in der Gruppe der 14 Städte über 500.000 Einwohner nimmt Nürnberg den 11. Rang ein, also gerade noch vor den Ruhrgebietsstädten Essen, Dortmund und Duisburg, aber hinter allen anderen Städten.
      Quelle: comdirect.de/cms/ueberuns/de/presse/cori1088_0767.html

      Das Armutsrisiko in Nürnberg ist höher als in allen anderen dieser 14 Städte mit Ausnahme von Dortmund. Und das merkt man der Stadt auch an, wenn man die vielen Rentner sieht, die im Müll nach Pfandflaschen kramen.
      Quelle: sueddeutsche.de/bayern/erschre…n-armut-bedroht-1.3930929


      dexter wrote:

      1. (...)
      2. Die These, Nürnberg sei Stolz darauf "nicht hässlicher zu sein als Offenbach, Mannheim, Pforzheim oder Duisburg, die gesellschaftlich eine ähnliche Struktur haben". Tatsächlich landet die Stadt in internationalen Befragungen unter Expats immer wieder auf sehr guten Plätzen. Zuletzt hat Mercer für Nürnberg Platz 23 ermittelt, hinter München (3), Düsseldorf (6), Frankfurt am Main (7), Berlin (13), Hamburg (14) und vor Stuttgart (27) sowie Leipzig (60). Kriterien sind u.a. soziale, politische, wirtschaftliche und umweltorientierte Aspekte sowie Gesundheit, Bildungs- und Verkehrsangebote sowie andere öffentliche Dienstleistungen etc.
        Übrigens, beim gesondert befragten Thema Sicherheit landen Düsseldorf, Frankfurt, München und Nürnberg gemeinsam auf Platz 11, vor Stuttgart auf Platz 17 und Berlin mit Hamburg auf Platz 28. Du hattest meiner Erinnerung nach ja suggeriert, Nürnberg sei ein Kriminalitätshotspot...
        mercer.de/newsroom/quality-of-living-2019.html

      Wie Mercer das macht, weiß ich nicht; über diese Befragung habe ich mich schon oft gewundert. Allerdings sind sicherlich auch die Ansprüche der Expats verschieden; vielleicht sind die wenigen Expats, die es nach Nürnberg verschlägt, einfacher zufriedenzustellen. In Nürnberg gibt es ja, im Vergleich zu München, Stuttgart, Frankfurt, Düsseldorf etc., in denen sich bedeutende Unternehmenssitze, Banken, internationale Großkanzleien und Forschungsaktivitäten konzentrieren, anteilig viel weniger interessante Stellen.

      Was die Sicherheit angeht, so ist ja bekannt, dass Nürnberg 2017 die unsicherste Stadt in Bayern war.
      Quelle: nordbayern.de/region/nurnberg-…ssstadt-bayerns-1.5880901

      Außerdem habe ich einmal eine Stichprobe gemacht und mir für 2017 die Straftaten gegen das Leben in verschiedenen deutschen Städten angeschaut. Verglichen mit Düsseldorf, Stuttgart, Frankfurt, Hamburg, Dresden und München hatte Nürnberg die höchste Rate an Straftaten gegen das Leben bezogen auf die Einwohnerzahl. Dies waren absolut gesehen 49 Delikte, davon 13 Morde und 25 Totschlagsdelikte. In den etwa gleich großen Städten Dresden und Düsseldorf waren es halb so viele.

      dexter wrote:

      @ Rothenstein: Deine Sicht der Dinge ist nun mal sehr subjektiv und kann immerhin leicht mit Fakten widerlegt werden

      1. (...)
      2. (...)
      3. Das Stadtbild sei nicht attraktiver als das von Frankfurt oder Stuttgart.
        Nunja, es ist schwer direkt zu Vergleichen, den Geschmäcker sind verschieden. Als Teilzeit-Frankfurter, der in dieser häufig unterschätzten Stadt gern lebt, kann ich das aus meiner Sicht das nicht teilen. Hier mal ein Paar Impressionen aus der vormaligen Altstadt Frankfurts, einen Steinwurf entfernt vom Römer, nur mal so als Vergleich zu deinen Bildern aus Nürnberg...

      Selbstverständlich ist Frankfurt eine Katastrophe im europäischen Vergleich. Im Vergleich zu Nürnberg besticht Frankfurt aber durch den Römerberg (ich denke, auch objektiv besser als der Hauptmarkt in Nürnberg), durch den viel schöneren und ausgedehnteren Gründerzeitgürtel um die Altstadt herum, durch teilweise gelungene, beeindruckende moderne Architektur (die Hochhäuser), und neuerdings durch die sehr kleine, aber hübsch wieder aufgebaute Altstadt um den Hühnermarkt.
    • Komisch, wenn ich durchs TV zappe und da Reality-Drogenszene-Polizeidokutainment läuft ist das öfter in Frankfurt, aber nie in Nürnberg. Auch was Clankriminalität angeht, Drogenringe oder sonstwas in Nürnberg jetzt nicht unbedingt der Rückzugsort dunkler Gestalten. Als Nürnberger nehme ich die Stadt hier nicht als Brennpunnkt war, es gibt auch keine No-go-Areas oder so. Ich gebe allerdings zu, dass sich Kriminalität auf die ganze Stadt nahezu gleichmäßig verteilt. Wenn man so will glänzt Nürnberg nirgends, aber es gibt auch keine echten Unorte. Also eine sozial eher gleichgebügelte Stadt. Das mag in Frankfurt mit seinen Glastürmen und ihren langen Schatten und den großbürgerlichen Gründerzeitvierteln anders sein.

      Was ich aber nicht verstehe ist, worauf soll das hier hinauslaufen? Sind arme Städte denn auch immer hässlicher, oder ist es nicht eher andersherum?
    • Rothenstein wrote:

      relativ gesehen verlor Nürnberg immer mehr an Bedeutung, nicht zuletzt wegen des bayerischen Zentralismus, der auf München und Oberbayern ausgerichtet ist.
      Damit sprichst du den Nürnbergern ja aus der Seele. Da sind noch viele Rechnungen offen mit München...


      Rothenstein wrote:

      Heute merkt man der Stadt ihre Ideen- und Konzeptlosigkeit an; es fehlt das intellektuelle Kapital.
      Kann ich so nicht unterschreiben. Der aktuelle Bürgermeister hat immerhin die erfolgreiche Überwindung der verhängnisvollen fränkischen Kirchturmpolitik durch Initiierung der Metropolregion bewirkt, ein maßgeblicher Impuls um in München nicht mehr auseinander dividiert zu werden. Was folgte draus?

      • Die Gründung einer echten, annähernd 1,3 Milliarden schweren (von den Kosten aus betrachtet) Universität für ca. 6000 Studenten auf einer Industriebrache, derzeit in Planung
      • Der Bau der Stadt-Umland-Bahn nach Erlangen und Herzogenaurach
      • Die baldige Sanierung eines der besten Jugendstilbäder Deutschlands
      • Einen Fahrplan für die Sanierung des Opernhauses bei zusätzlicher Errichtung eines neuen Konzertsaals und Sanierung der Meistersingerhalle
      • Den weiteren Ausbau einer inzwischen sehr erfolgreichen Museumslandschaft (Doku-Zentrum, Memorium Nürnberger Prozesse, Ausbau GNM etc.)
      • Dem Ausbau des technisch anspruchsvollsten deutschen U-Bahnsystems
      • ...

      Rothenstein wrote:

      Der Bildungsstand in Nürnberg ist, für mich wenig überraschend, so niedrig wie in kaum einer anderen deutschen Großstadt.
      Das ist so, vor allem aus zwei Faktoren begründet:
      • Das industrielle Erbe der Stadt, das sich in der Sozialstruktur nachhaltig niederschlägt. Lange war Nürnberg die Werkbank Bayerns und daher von Arbeitern stark geprägt
      • Das rigide bayrische Schulsystem, das stark aussortiert - auch nach sozialer Herkunft
      Seit Jahren geht praktisch der größte Anteil des städtischen Budgets in den Neubau von Ganztags-Schulen (gab es lange in Bayern praktisch nicht) und die Stärkung der Bildungslandschaft.


      Rothenstein wrote:

      Das Armutsrisiko in Nürnberg ist höher als in allen anderen dieser 14 Städte mit Ausnahme von Dortmund.
      Das stimmt, auch wenn das weniger mit dem Misserfolg als mit dem Erfolg der Stadt in den letzten Jahren zusammen hängt. Nürnberg war lange die "günstigste" der deutschen Großstädte. Seite einigen Jahren verschieben sich die Parameter aber deutlich, Mieten und Kaufpreise stiegen überproportional. Da bleiben Teile der Stadtgesellschaft schlichtweg auf der Strecke, während andere sich stark verbessern konnten. Die Schere zwischen Arm und Reich geht nun deutlich auseinander. Die Fakten:
      • Der Anteil an wissenintensiven Jobs ist in N besonders hoch (Platz 6 in D)
      • Das BIP lag 2015 mit ca. 54.000 EUR deutlich über dem von ähnlich großen Städten wie Hannover (41.000 EUR), Bremen (49.000 EUR), Essen (42.000 EUR), Leipzig (35.000 EUR), Dresden (37.000 EUR)
      • Bei den Steuereinnahmen pro Kopf lag Nürnberg 2015 mit 1024 EUR auf Platz 8 der 30 größten deutschen Städte, noch vor Köln (982 EUR) oder Berlin (728 EUR), mit deutlichem Vorsprung vor Dresden (586 EUR), Leipzig (571 EUR) oder Hannover (879 EUR)
      Quelle: berenberg.de/files/Presse/Pres…0Kultur-Städteranking.pdf

      Quelle: Berenberg Städteranking 2017, berenberg.de/files/Berenberg/P…g-Staedteranking_2017.pdf

      Man könnte also sagen, die Nürnberger sind im Schnitt weniger akademisch gebildet, dafür aber inzwischen wieder überm Schnitt vermögend. Der Strukturwandel fruchtet also...


      Rothenstein wrote:

      Was die Sicherheit angeht, so ist ja bekannt, dass Nürnberg 2017 die unsicherste Stadt in Bayern war.
      Quelle: nordbayern.de/region/nurnberg-…ssstadt-bayerns-1.5880901
      Die Zahlen sind inzwischen überholt. Nürnberg liegt unter den 8 bayerischen Großstädten nun auf Platz 6 und hat die Laterne an Würzburg übergeben (dort sollte man wohl dann am Abend lieber nicht mehr auf die Gasse gehen ;-))
      nordbayern.de/region/nuernberg…r-einwohnerzahl-1.8716638


      Mein Fazit Rothenstein: Vieles was du schreibst ist nicht falsch, aber die Schlüsse die du ziehst sind mir zu negativ. Da schwingt die Lust am Niederschreiben zu deutlich mit. Ich spiele gern das korrektiv...
      Nürnberg ist wirtschaftlich auf einem sehr guten weg. Nicht umsonst konnten die Altstadtfreunde hier bei Großspenden aus dem Raum Mittelfranken gut punkten. Für Rekos wie den Pellerhof bedeutet das, das man hier nicht locker lassen darf und die wachsende vermögende Bürgerschaft ins Boot holen muss.

      d.

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    • Dexter belegt dies mit Zahlen, ich kann das als Externer eher mit Eindrücken bestätigen.

      Nürnberg ist keine akademische Stadt. Auch wenn/sobald die neue Uni steht, werden dort nicht so viele (neue) Studenten und Dozenten zuziehen, als daß sich die Stadt wesentlich verändert.
      Auch Stuegert hat recht. Der Historismus in Frankfurt wirkt/ist besser, urbaner und mondäner als in Nürnberg. Ich habe zuvor ja schon geschrieben: Historismus Frankfurt >> Nürnberg > Stuttgart, um vergleichbar große Städte südlich der Mittelgebirge herzunehmen.

      Für mich bleibt es irgendwie immer schwer nachvollziehbar, warum Nürnberg trotz massivem Strukturwandel, Nicht-Landeshauptstadt-Sein (man denke nur an Ministerien, Verwaltung und allem, was damit zusammenhängt), Landeszentrismus gen München, fehlender eigener Uni etc. noch und wieder so gut dasteht.

      München ist schon jung und studentisch, aber auch teuer und versnobt. Welcher Normalverdiener wohnt dort wirklich noch in der Stadt/innenstadtnah?
      Frankfurt hat sicherlich eine namhafte Uni, nicht nur bezüglich Wirtschaft, sondern auch Literatur und Soziologie/Philosophie ("Frankfurter Schule"). Dennoch gibt es gesellschaftlich auch dort sehr dunkle Seiten. Ein Kumpel, der ehemals in Frankfurt unterrichtete, nennt diese "failed city" in Bezug auf das Klientel, das dort mehrheitlich innerstädtisch verkehrt (aber vielleicht nicht am Römer Kaffee trinkt).
      Eine Bahn-Mitarbeiter, den ich im VGN (Verkehrsverbund Großraum Nürnberg) gesprochen habe, meinte, er sei sehr froh, von dort weg zu sein. Gründe sind bekannt.
      Die kriminellste bayerische Stadt soll nun Würzburg sein. Das zum Thema Statistiken...
      In Stutgart gibt es auch nicht wirklich eine Studentenszene. Es gibt zahlenmäßig recht viele Studenten in Vaihingen, die studieren, um später viel Geld zu verdienen. "Akademisch" ist das Milieu nicht, Lehramtsfächer z.B. überlegen in S dichtzumachen, weil ambitionierte Studenten lieber nach Tübingen gehen. Über die Hipster, die auch 2019 noch am Hans-im-Glück-Brunnen und dem Palast herumhängen, brauchen wir nicht zu reden.

      In Stuttgart habe ich wenige Jahre gearbeitet. Wirtschaftlich top, städtisch-urban ein Graus. Freilich, es gibt schöne historistische Viertel, die hier im Forum auch häufig abgelichtet sind. Ansonsten: Winzige Innenstadt, außerhalb der Traditionsinsel schlimmster Brutalismus, übler Autoverkehr und ein Großteil der gut 600.000 Einwohner lebt irgendwo auf der grünen Wiese der eingemeindeten Orte. Urbanität geht anders.

      Nürnberg muß sich überhaupt nicht verstecken, fällt aber manchmal etwas unter den Tisch, da keine Landeshauptstadt und wirtschaftlich eine "B-Stadt". In irgendwelchen Vergleichsstudien, die nur Quantifizierbares messen, schneidet N häufig gut ab - eigentlich überraschend, da Nürnbergs Stärken sicherlich woanders liegen.

      Beispielhaft sind die Vergleiche: In Nürnberg wird immer nur die Innenstadt mit ihren Licht- und Schattenseiten hergenommen, in Frankfurt neben dem kleinen Römer und der neuen winzigen "Altstadt" die (sicherlich schönen und urbanen) historistischen Viertel wie Alt-Sachsenhausen.
      In Stuttgart geht es beinahe nur um historistische Viertel, da es innerstädtisch außer einzelnen Gebäuden beinahe nichts gibt. Dazu versucht man historistische Viertel als "Innenstadt" umzumarkieren, um ein bißchen Geschichte zu konstruieren.
      In Nürnberg braucht man keine Reihe von wenigen historistischen Häusern, um Postkartenmotive abzulichten.

      Ergo: Vieles wirkt nicht großstädtisch und ist es vielleicht auch nicht, dennoch ist Nürnberg als bundesdeutsche Stadt mit all ihren Fehlern 100% ehrlich. Ich weiß von vielen Münchnern, daß sie aus diesen Gründen gerne dorthin kommen, um dies zu erleben, was sie zuhause verloren haben.
    • Eduard, du kannst es irgendwie nicht lassen in jedem deiner Beiträge einen Stuttgart-Verriss einzubauen. Du hast offenbar ein ganz persönliches Problem mit der Stadt. Da ich Nürnberg und Stuttgart auch direkt vergleichen kann (weil ich in beiden Städten gelebt habe), ist meine Präferenz eindeutig. Stuttgart ist als Stadt wesentlich dynamischer und vitaler als Nürnberg, das mir immer sehr angestaubt und gestrig vorkam. Über den Schönheitsaspekt kann man streiten, ich finde aber Stuttgart, schon allein aufgrund seiner Topographie, reizvoller als die Stadt in Franken. Und da du es erwähnt hast, der Historismus in Nürnberg ist in der Regel recht schwerfällig und farblos, Stuttgart hat hier feinere und hochwertigere Architektur zu bieten. Das gilt besonders für den Villenbau, hierzu gibt es sogar ein interessantes Buch. Meine Rangfolge wäre daher Frankfurt > Stuttgart > Nürnberg. Selbstverständlich kann man das alles anders sehen, ich denke es hängt auch von den eigenen Präferenzen ab welche Stadt einem zusagt, oder auch nicht. Ich finde Stuttgart jedenfalls trotz aller Defizite sehr lebens- und liebenswert.
      In dubio pro reko

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    • Es ist auch in Ordnung, lieber Stuegert, das kann jeder so sehen, wie er mag. Frankfurt und Stuttgart sind hier seit einiger Zeit die Vergleichsstädte zu Nürnberg. Ich kenne beide (Frankfurt weniger, Stuttgart besser).
      Komisch nur, daß Frankfurter oder Nürnberger Bewohner argumentativ und sachlich auf Vergleiche reagieren - wenn auch freilich subjektiv, das ist menschlich - , du und manch anderer Stuttgarter aber immer gleich so persönlich verletzt.

      Als Nicht-Bewohner Frankfurts und Nürnbergs (oder auch Münchens) ist es für mich kein Problem, wenn jemand diese Städte sehr negativ bewertet, was hier ja regelmäßig geschieht. Ich teile diese Ansicht dann nicht, bin aber auch nicht beleidigt.

      Einzig auf die Beiträge eines Nutzers gehe ich nicht mehr ein, da ich den Eindruck habe, daß er mit seiner Herkunft und der Verachtung beinahe von allem, was die BRD betrifft, provozieren will. Brauche ich nicht, mir zu geben.
    • nothor wrote:

      Was ich aber nicht verstehe ist, worauf soll das hier hinauslaufen? Sind arme Städte denn auch immer hässlicher, oder ist es nicht eher andersherum?
      Ja, eine arme Stadt kann toll sein, wenn sie architektonisch interessant ist (auch im Verfall). Neapel ist z.B. so eine Stadt, die ich bereits seit den frühen 90ern besuchte. Damals kriminell und aufregend, heute wohl auch noch, aber in anderen Gebieten. Der innere alte Stadtzirkel soll jetzt ziemlich "aufgeräumt" sein. (?) Ich werde diese Stadt alsbald mal wieder besuchen.
      Genauso Brixton. In den 2000er Jahre lebte ich dort, damals war Brixton ziemlich kriminell (ununterbrochenes Sirenengeheul), arm, aber nie hässlich, eine multikulturelle Stadt in meinem Sinne, die mich anregte. Wobei es das eine oder andere grusselige Haus gab. Londoner erzählten mir, dass heute es ein Szene-Viertel wäre.
      Dann spitzte ich in den Neunzigern in den Banlieues von Paris. Eine große Liebe von mir lebte dort. Ich war erschrocken über diese Architektur, wie man weiß hat sich nichts zum Besseren gewendet.
      Meine Theorie ist ja, es kann eine Stadt noch so arm und morbide sein, solange sie ihren Reiz hat, werden irgendwann Menschen kommen, die sie wieder schön machen.
      Totgeburten bleiben tot.
      Hier:



      Weitere Positive Aspekte von Nürnberg

      dexter wrote:

      Einen Fahrplan für die Sanierung des Opernhauses bei zusätzlicher Errichtung eines neuen Konzertsaals und Sanierung der Meistersingerhalle

      Ich fotografierte in meinem Nürnberg realistisch - Strang, die Meistersingerhalle, weil mir die flache Bauweise mit den Zusammenspiel der Bäume gefiel. Auch das Ramada-Hotel hatte etwas Verwunschenes an sich. Das ganze Areal wird nun durch einen großen Kubus zerstört. Das Ramada-Hotel steht auch zur Diskussion.

      Apropo Kubus:

      Hier ein Zitat aus einem anderen Strang

      Seinsheim wrote:

      Zu großer Architektur wie dem Berliner Schloss gehört auch, dass sie mit dem Tageslicht arbeitet - einem an sich ja kostenlosen Baustoff. Man frage einmal heutige Architekten, wie sie mit Licht umgehen. Die meisten haben darauf keine Antwort - einige nehmen Zuflucht zu LED-Effekten, was aber mehr mit Design als mit Baukunst zu tun hat.
      Mag sein, dass ein beleuchteter Kubus in der Dämmerung ganz interessant wirken kann.
      Die blaue Nacht ist ja auch so ein LED-Highlight im Jahr. Einmal im Jahr im Jahr wird die Stadt hochgepuscht, mit Effekten. Besser als gar nichts. Das macht eine Stadt weder kulturell noch multikulturell, was Frau Lehner selbst zugeben musste.

      dexter wrote:

      Das rigide bayrische Schulsystem, das stark aussortiert - auch nach sozialer Herkunft

      dexter wrote:

      Seit Jahren geht praktisch der größte Anteil des städtischen Budgets in den Neubau von Ganztags-Schulen (gab es lange in Bayern praktisch nicht) und die Stärkung der Bildungslandschaft.
      Das Problem in Bayern ist der Schweinezyklus bei der Verbeamtung von Lehrern. Mit Ganztags-Schulen löst man dieses Problem nicht. Alles schon probiert. Ich gebe oft Mathenachhilfe. Es ist mir unbegreiflich, warum man dieses Fach so erschreckend kompliziert erklärt.