• Vorab, ja, ich habe Nürnberg mehrfach besucht. Ich hatte sogar Verwandtschaft dort. Und es gefiel mir sogar ganz gut, trotz des oftmals fahlen Abglanzes Alt-Nürnbergs. Schon als Jugendlicher kamen mir dort vor Ort Ideen, wie sich das Stadtbild deutlich verbessern ließe.


    Wie absurd die Kritik teilweise am Nachkriegswiederaufbau ist, zeigt sich gerade auch wieder im Vergleich mit der heutigen Bautätigkeit, etwa im Bereich der Sebalder Höfe. Autsch!


    Ich weiß gar nicht, wie man meinen kann, man könnte aus 1.) und 2.) durch ein bißchen Farbe und ein paar Verzierungen etwas wie 3.) machen.

    Habe ich nicht behauptet. Das alte Nürnberg lässt sich nicht einfach mit Kosmetik an 50er-Jahre-Bauten wiedererwecken. Das ginge nur mit dem größten Stadtumbau in einem deutschen Zentrum seit der unmittelbaren Wiederaufbauzeit und massiven Investitionen. Vorher bräuchte es wahrscheinlich die Enteignung/den Rauskauf unzähliger Grundstückseigentümer. Wie realistisch das ist, kannst du dir vermutlich an 3 Fingern abzählen.


    Mir geht es um attraktivere Straßenbilder. Jede Steigerung ist eine Steigerung in meinen Augen.


    Quote from Philon

    Und ebenso wenig, wie man sagen kann, beides sei nur auf je verschiedene Weise schlicht.

    Genau das ist aber doch so. Die zweite von dir verlinkte Ansicht zeigt einige schlichte Fachwerkbauten und zwei schlichte Sandsteinfassaden. Große Verzierungen erkenne ich da nicht. Es sei denn ich übersehe etwas.


    In dem Szenario der Aufwertung der 50er-Jahre-Fassaden müssten wir eben damit leben, dass ein anderer Charakter vorherrscht als im alten Nürnberg (das realistischerweise wohl so nicht mehr im großen Stil zu erleben sein wird, jedenfalls nicht solang wir leben). Es wäre durch den massiven Einsatz von Sprossenfenstern, altstadttaugliche Anstriche, die Öffnung diverser Erdgeschosse, Teilabrisse, die Anbringung von Spolien usw. wohl im Charakter in Teilen eher mit Regensburg oder Tübingen vergleichbar, die auch stark durch farbige Putzfassaden geprägt sind. Gerne könnte man in Nürnberg natürlich auch öfter zum Sandstein greifen.


    Ich nehme nur mal eines von vielen typischen Straßenbildern aus Regensburg/Stadtamhof. Die Fassaden hier sind sehr schlicht und auch alle ähnlich hoch, fast wie die 50er-Jahre-Bauten in Nürnberg - einzig Sprossenfenster, die Farbigkeit, einfache Gesimse und eben die Kleinteiligkeit machen hier einen Großteil des Charmes aus. Wie auch das Straßenbild durch das Pflaster und die historisierenden Leuchten.



    Fotograf: Stadtbild-Forumer thommystyle in der Galerie: Regensburg (Galerie)

  • Das alte Nürnberg war aber nicht geprägt von Putzbauten, eher im Gegenteil: vorallem der Sandstein und das meist freigelegte Fachwerk haben die Straßenbilder dominiert. Daher ist die Stadt auch nicht mit Tübingen und Regensburg zu vergleichen! Außerdem waren die Gebäude eben "unperfekt", also mit teilweise verschobenen Fensterachsen, anderes Fachwerkgefüge in Obergeschoss,die infolge von den vielen Umbauten entstanden sind. Ja mir ist bewusst dass Sandstein heutzutage extrem teuer ist: dann sollte man eben es mit einer dünnen Sandsteinschicht wenigsten nach außen hin verkleiden wie hier: https://www.google.de/maps/@49…!2e0!7i13312!8i6656?hl=de


    Fachwerk wäre vom Material sogar kostengünstiger, aber leider fehlt den heutigen Zimmermännern oft das Können und Wissen über die alten Handwerkstraditionen, und deswegen ist es auch teurer, solche Leute aufzutreiben.


    Es ist wirklich schwierig, aus dieser Zwickmühle rauszukommen das stimmt. Aber wenn man schon was verändern will in der Altstadt, dann aber bitte so wie in ihrer Ursprünglichkeit.

  • Regensburg/Stadtamhof. Die Fassaden hier sind sehr schlicht und auch alle ähnlich hoch, fast wie die 50er-Jahre-Bauten in Nürnberg -

    Man kann leicht erklären warum das so ist. Stadtamhof wurde im Jahre 1809 gründlich zerstört: "Im Laufe des 23. Aprils erstürmten und plünderten die französischen Truppen Regensburg und versuchten daraufhin das geschwächte österreichische Heer, das über die Donau und Stadtamhof flüchtete, zu stellen. Um dies zu verhindern, schossen die Österreicher mit Granaten und Pechkränzen Stadtamhof systematisch in Brand und zerstörten es dadurch fast vollständig. In den darauf folgenden Jahren wurde Stadtamhof mit dem heutigen Erscheinungsbild wieder aufgebaut." (Quelle)


    Wir sehen hier also Wiederaufbauarchitektur, die, wie so oft, eher eintönig ausfällt. Freilich waren die Fassaden früher belebter, ehe sie durch Sanierungen in der Nachkriegszeit geglättet wurden. Vgl. z.B. diese alte Ansicht: http://gartenbahn.doku4you.de/…hallabahn/Walhallab06.jpg


    Die nie zerstörten Teile von Regensburg sind, Putzfassaden hin oder her, viel abwechslungsreicher und die dortigen Straßenbilder könnte man nicht wiederherstellen, indem man Nachkriegsbauten aufbrezelt.

  • Das alte Nürnberg war aber nicht geprägt von Putzbauten, eher im Gegenteil: vorallem der Sandstein und das meist freigelegte Fachwerk haben die Straßenbilder dominiert

    Danke für die Feststellung, Captain Obvious. 8o Wie ich schrieb: entweder Attraktivitätssteigerungen in der Breite mit vielen Fassadenverbesserungen und einzelnen Leitbau-Rekonstruktionen (Pellerhaus, Toplerhaus, Markt und Co.), oder eben nahezu Komplettabriss von Nürnberg. Was ist wohl erreichbarer?


    Nix gegen große Visionen, die predige ich ja nicht umsonst immer wieder. Doch ein Fünkchen Bodenhaftung kann hier auch nicht schaden.



    Denn das hier ist ja anders gar nicht möglich als mit weitgehenden Abrissen des heutigen Nürnbergs:

    Quote from FWL

    Aber wenn man schon was verändern will in der Altstadt, dann aber bitte so wie in ihrer Ursprünglichkeit.

    Oder wie stellst du dir das vor? Für mich klingt das komplett nach Lala-Land.


    Die nie zerstörten Teile von Regensburg sind, Putzfassaden hin oder her, viel abwechslungsreicher

    Das schon. Aber auch alles sehr schlicht, wie ich finde. Es gibt kaum Bauschmuck in Regensburg.

  • Dann kann man den ganzen Schrott aus den '50ern auch einfach so stehenlassen, denn Nürnberg war nie wie Tübingen oder Dinkelsbühl. Das wäre ja wirklich "Disneyland"...

  • Danke für's absichtliche Missverstehen. ;) Da sind einige hier wirklich meisterlich drin...


    Als wenn ein paar frische Anstriche, Sprossenfenster und Spolien aus den Nürnberger Wiederaufbauhäusern ein Disneyland machen. Leute, wo ist eure Vorstellungskraft!


    Wir brauchen wirklich mal ein paar Visualisierungen dazu, sonst gehen die Vorstellungen im Kopf wild durcheinander. Leider bin ich da zu wenig begabt.

  • Nein, ein paar Spolien hier und da machen noch keine Altstadt! Ohne Sandstein, kleinteiligkeit, richtige Steildächer mit Dacherkern und wichtige Leitbauten wird Nürnberg sowieso ein Trauerspiel bleiben.

  • Jetzt verstehe ich endlich die Leute, die den 50'er-Jahre-Bauten einfach beibehalten wollen. Richtige Verbesserungen sind anscheinend nicht möglich, und wenn neugebaut wird, kann es nur noch schlimmer werden, weil Rekonstruktionen als "ewiggestrig" gelten, und damit quasi verboten sind. Siehe auch die Marthakirche, die vor einigen Jahren nach einem Brand auch nicht wirklich rekonstruiert wurde.

  • @ Rothenstein:

    • Zähle doch mal auf welche Städte "in dieser Größenordnung" (also offenbar nicht das von dir stets erwähnte Rothenburg o.d.T oder eben Freudenstadt) aus deiner Sicht "besser" sind und weshalb genau?
    • Oder erkläre doch mal konkret was du verändern würdest?
    • Und welche "verdreckten Viertel" um die Altstadt meinst du?

    d.


    Um auf deinen zweiten Punkt zurückzukommen: Man müsste im Prinzip großflächig abreißen, allerdings würde ich das gegenwärtig nicht empfehlen, sonst enden wir eben so wie im Augustinerhof oder den Sebalder Höfen.


    Und was deinen dritten Punkt angeht, frage ich mich gerade, welches Viertel um die Altstadt herum denn nicht verdreckt sei? Da fallen mir allenfalls einige Bereiche der Nordstadt ein, insbesondere das Gebiet um den Kaulbachplatz ist eines der wenigen attraktiven Viertel um die Altstadt herum (https://www.google.com/maps/@4…58da0g!2e0!7i13312!8i6656), dann noch Teile von Johannis, die aber durch billige Wiederaufbauarchitektur zu einem großen Teil entwertet sind (https://www.google.com/maps/@4…r75XOA!2e0!7i13312!8i6656), und dann vielleicht noch die Jugendstilarchitektur am Prinzregentenufer, die sich aber in ganz wenigen Häuserzeilen erschöpft (https://www.google.com/maps/@4…_b9t4g!2e0!7i13312!8i6656).


    Oder wolltest du etwa behaupten, der Bereich um den Plärrer (https://www.google.com/maps/@4…C0SpnQ!2e0!7i13312!8i6656), oder gar das Südstadt-Ghetto (https://www.google.com/maps/@4…7CMkkw!2e0!7i13312!8i6656) seien nicht verdreckt? Oder die Ausfallstraßen (https://www.google.com/maps/@4…s01EWw!2e0!7i13312!8i6656) seien ein Ausbund an Schönheit?

    Wer Nürnbergs Innenstadt in seiner Gesamtheit unter Frankfurt a.M. oder gar Stuttgart stellt, der disqualifiziert sich für weitere Ausführungen.


    Um noch einmal auf den Vergleich zurückzukommen und was an Nürnberg so schlimm sei: Nun, ich erkenne durchaus an, dass Nürnberg noch zahlreiche Einzeldenkmale besitzt, die man in dieser Zahl und Qualität eben kaum oder gar nicht in anderen deutschen Städten dieser Größenordnung findet. (Wobei deutsche Städte natürlich außerordentlich arm an solchen Einzeldenkmalen sind, und deswegen der Einäugige unter den Blinden gefeiert wird.) Es handelt sich dabei aber eben um Einzeldenkmale, nicht um städtebauliche Gesamtleistungen.


    Insgesamt ist Nürnberg nicht attraktiver als Städte wie Frankfurt oder Stuttgart, nicht zuletzt deswegen, weil die beiden letztgenannten erstens noch attraktive Gründerzeitviertel aufweisen und daneben auch wirklich interessante, großartige moderne Architektur zu bieten haben, wie beispielsweise die Neue Staatsgalerie in Stuttgart oder die Hochhäuser in Frankfurt. Man merkt den beiden Städten auch an, dass sie eine ganz andere Bedeutung im weltweiten Städtegefüge haben als das Nürnberg des Jahres 2019, das schon lange zu einer B-Stadt abgesunken ist und keinerlei Ambitionen hat, dies jemals zu ändern. Man hat sich ja hier zwischen Bratwürsten, Lebkuchen, Nazi-Grusel, Multikulti und Fünfzigerjahre-Mief ganz gut eingefunden und ist stolz darauf, nicht hässlicher zu sein als Offenbach, Mannheim, Pforzheim oder Duisburg, die gesellschaftlich eine ähnliche Struktur haben.

  • Man hat sich ja hier zwischen Bratwürsten, Lebkuchen, Nazi-Grusel, Multikulti und Fünfzigerjahre-Mief ganz gut eingefunden und ist stolz darauf, nicht hässlicher zu sein als Offenbach, Mannheim, Pforzheim oder Duisburg, die gesellschaftlich eine ähnliche Struktur haben.

    Das ist zwar hart, doch da ist was dran. In den ähnlich großen Städten Leipzig und Dresden ist der "Drang nach oben" z.B. viel stärker ausgeprägt. Diese Städte wollen noch was werden (genau wie Frankfurt, Berlin usw.), statt sich mit dem "sein" zufrieden zu geben.


    Insofern ist das wirklich eine psychologische Baustelle in Nürnberg. Die Stadt muss wieder was "werden" wollen.

  • Wir sind uns wohl einig darin, dass die Bewertung des Wiederaufbaus Nürnbergs uneinheitlich ist. Ich möchte hier einmal einige Stimmen zu Wort kommen lassen, die ich für bemerkenswert halte.


    Hier aus der New York Times des Jahres 1984, als der Wiederaufbau Nürnbergs als weithin abgeschlossen und gelungen galt - auch jenseits des Atlantiks:


    [...] Nuremberg has been splendidly rebuilt. Proposals for an entirely new city were rejected in favor of a plan that called for patching up as many of its historic monuments, majestic Gothic churches and patrician houses as could be salvaged from the wreckage while simultaneously reconstructing the rest of the old town, using the materials that had characterized Nuremberg for centuries, especially sandstone. Where walls, towers, fountains, bridges and burgher mansions could not be simply put back together stone by stone, gargoyle by gargoyle or gable by gable, new buildings expressing the vaulted, steep-roofed, turreted architectural spirit of the Middle Ages and the Renaissance took their place. Planners adhered faithfully to the old maps and property lines. They preserved the jumble of narrow, crooked, old cobblestone streets so that even Durer and Behaim would easily find their way.


    The rebuilding took 38 years. It was not until last spring that reconstruction of the half-timbered chatelain's house within the Kaiserburg, the Imperial Castle, was completed.


    The view from that mighty fortress, built between the 12th and 16th centuries on a bluff high above the city, is of a Nuremberg remarkably resuscitated - a jigsaw puzzle of gabled roofs, slender church spires, towers and bastions, a crazy quilt of streets, lanes and courtyards, bisected by the meandering Pegnitz River, and all girded by three miles of massive walls and moats that encircle the old town like a huge stone corset. No other major city has so effectively recaptured the appearance of its medieval past, and few others of its size - nearly a half million population - have as much appeal to visitors.[...]

    Natürlich wird in Amerika Nürnberg immer primär als Stadt der Reichsparteitage und der Nürnberger Prozesse wahrgenommen. Die historische Stadt ist im wesentlichen Beiwerk, das man mitnimmt - dafür bekommt es in dem Artikel relativ breiten Raum.

  • Oder hier, aus der französischen Perspektive des Jahres 2018:

    Man sei also weit vom Bild einer deutschen, wiederaufgebauten Industriestadt entfernt; der Wiederaufbau sei gleichsam identisch zum historischen Vorbild erfolgt, voller Charme, und sei ein kleines Meisterwerk in diesem Genre.


    Wie kommt man nur zu diesem Urteil? Bewertungen (gefällt/ gefällt nicht) sind das eine, aber Fakten (identisch rekonstruiert... oder eben nicht) das andere.

  • Haha, die meisten Amis wissen doch gar nicht, wie eine richtige Altstadt aussieht. Deshalb fahren die auch alle in die ehemalige nuernberger Altstadt, nachdem sie das Reichsparteitagsgelaende und den Sitzungssaal der Prozesse besucht haben.


    Dass aber auch manche Europaeer das heutige Nuernberg so “extrem toll” finden...

  • @ Rothenstein: Deine Sicht der Dinge ist nun mal sehr subjektiv und kann immerhin leicht mit Fakten widerlegt werden


    • Die These "Nürnberg sei zu einer B-Stadt abgesunken
      Wahr ist, Nürnberg ist spätestens ab Anfang des 18. Jahrhundert nichts anderes als eine gewesen, erlebt aber seit Mitte des 19. Jahrhunderts eine kontinuierliche ökonomische Entwicklung nach oben. Leicht ist das an den Einwohnerzahlen abzulesen. Während Städte wie Leipzig oder Dresden im Vergleich zur Vorkriegszeit massiv an Einwohnern verloren (und auch an ökonomischer Bedeutung) und nach der Wiedervereinigung durch massive Eingemeindungen gegensteuern konnten (Dresden hat bspw. eine doppelt so große Stadtfläche), ist es Nürnberg gelungen sich Stück für Stück nach vorne zu arbeiten.
      Etwas veraltet aber als Quelle geeignet: https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Großstädte_in_Deutschland
    • Die These, Nürnberg sei Stolz darauf "nicht hässlicher zu sein als Offenbach, Mannheim, Pforzheim oder Duisburg, die gesellschaftlich eine ähnliche Struktur haben". Tatsächlich landet die Stadt in internationalen Befragungen unter Expats immer wieder auf sehr guten Plätzen. Zuletzt hat Mercer für Nürnberg Platz 23 ermittelt, hinter München (3), Düsseldorf (6), Frankfurt am Main (7), Berlin (13), Hamburg (14) und vor Stuttgart (27) sowie Leipzig (60). Kriterien sind u.a. soziale, politische, wirtschaftliche und umweltorientierte Aspekte sowie Gesundheit, Bildungs- und Verkehrsangebote sowie andere öffentliche Dienstleistungen etc.
      Übrigens, beim gesondert befragten Thema Sicherheit landen Düsseldorf, Frankfurt, München und Nürnberg gemeinsam auf Platz 11, vor Stuttgart auf Platz 17 und Berlin mit Hamburg auf Platz 28. Du hattest meiner Erinnerung nach ja suggeriert, Nürnberg sei ein Kriminalitätshotspot...
      https://www.mercer.de/newsroom/quality-of-living-2019.html
    • Das Stadtbild sei nicht attraktiver als das von Frankfurt oder Stuttgart.
      Nunja, es ist schwer direkt zu Vergleichen, den Geschmäcker sind verschieden. Als Teilzeit-Frankfurter, der in dieser häufig unterschätzten Stadt gern lebt, kann ich das aus meiner Sicht das nicht teilen. Hier mal ein Paar Impressionen aus der vormaligen Altstadt Frankfurts, einen Steinwurf entfernt vom Römer, nur mal so als Vergleich zu deinen Bildern aus Nürnberg...

    Ich glaube das hier war mal ein Teil der Stadtbefestigung


    Idyllische Bebauung, altstadtgerecht


    Hier das städtebauliche Fiasko an der für Kulinariker sehr zu empfehlenden Kleinmarkthalle


    Geschmackvolle und gepflegte Gastronomie kurz vorm Römer


    Kurz vorm Römer blickt man auf dieses charmante Stadtbild


    Der Römer selbst (ist aus meiner Sicht auf alle Fälle dem Hauptmarkt in städtebaulicher Summe überlegen, allerdings ist der Hauptmarkt auch nicht der einzig verbliebene Altstadtplatz Nürnbergs)

  • Ich sag mal so, Scheußlichkeiten gibt es in jeder Stadt, auch die Altstadt Münchens ist fürchterlich verschandelt. Und da sehe ich das eigentliche Problem auch in Nürnberg - daß Wohngebiete außerhalb der Altstadt jetzt Gründerzeitler , Fachwerkbauten oder was auch immer an historischen Stilen in Frage käme, das verlangt ja überhaupt keiner.


    Nürnberg verfügt über wunderschöne historische Gassen durch die ich gern flaniere und urgrmütliche Wirtschaften, in denen ich gern einkehre (auch wenn ich mich an das fränngische Bier nicht so recht gewöhnen kann).


    Wenn dann aber mitten in der Altstadt plötzlich modernistische Käsekästchen auftauchen, so dreht es einem schon den Magen um. Ich sag ja nicht daß es diese modernistischen Kisten nicht geben darf - aber doch bitte schön dort wo sie hingehören und das ist die Altstadt nicht.

  • Ich halte Frankfurt auch für unterschätzt. Das Bahnhofsareal wird besser, die rund dreißig rekonstruierten bzw. angepassten Häuser sind ein Gewinn, der Main ist urban eingebunden und es gibt schöne und lebendige historistische Viertel, allen voran Alt-Sachsenhausen.


    Zu Stuttgart fällt mein Urteil wesentlich negativer aus, da die Innenstadt winzig und außerhalb weniger Inseln fast durchgehend brutal ausfällt. Der Neckar ist zubetoniert, die historistischen Viertel sind teilweise nette Refugien des Geldadels, teilweise extrem vom Autoverkehr belastet (v. a. West). Viele Fotos in diesem Forum von Stuttgarter geschoßen fallen viel positiver als der reale Eindruck aus.


    Bzgl. historistischer Viertel werte ich so: Frankfurt >> (= deutlich besser) Nürnberg > Stuttgart.


    Man kann vieles an Nürnberg kritisieren. Ich finde auch, daß man mehr aus der Stadt machen könnte/müsste. Dennoch ist es einfach grober Unfug zu behaupten, Frankfurt sei in der Fläche der ehemaligen Altstadt besser erhalten als Nürnberg. Stuttgart fällt hier sowieso aus.


    Die internationalen Zitate zeigen, daß Nürnberg als ganze Stadt attraktiv ist. Dies zeigt sich auch im Stadtbild, wo sehr viele Touristen aus aller Welt anzutreffen sind.
    Wirtschaftlich steht Nürnberg deutlich schlechter als München und für bayerische Verhältnisse unterdurchschnittlich dar. Dennoch, das zeigen dexters Zahlen, ist man von einer Verslumung a la Ruhrgebiet weit entfernt. Frankfurt und Stuttgart weisen bessere wirtschaftliche Zahlen auf, das Stadtbild und die Personen wirken ungepflegter. Man laufe mal durch Stuttgarts Haupteinkaufsstraße, die Königstraße...


    Manches verspricht in Nürnberg auch Verbesserung: Der Söder will Landeseinrichtungen verstärkt dort ansiedeln, an der Pegnitz wurde innenstadtnah eine schöne Badebucht eingerichtet, das Neue Museum wird inhaltlich toll, eine eigene Uni wird gebaut, die U-Bahn stetig erweitert, eine Stadt-Umland-Bahn bis Herzogenaurach errichtet, eine Tarifreform soll den ÖPNV günstiger machen. Und für uns: Die Altstadtfreunde wachsen weiter und besitzen politisch zumindest ein bißchen Gewicht. Ich halte diese für ein stadtbürgerliches Erbe, wie es dieses so in Stuttgart nicht (Residenz- und Industriestadt) und auch nicht mehr in Frankfurt (moderne Umgestaltung führte zu einem weitgehenden Identitätsverlust) gibt.

  • @dexter


    Naja Nurnberg uberzeugt genau so viel wie Frankfurt - beide Stadten widmet Wiederaufbaustil der Wirtschaftwunder.


    Leipzig, Halle, Erfurt, Heidelberg, Potsdam, Lubeck, Freiburg, Augsburg, Wiesbaden und so weiter sind alle Stadten die grosser als 100000 und hat deutlich mehr historische Strassenzugen.


    Mich nervt einfach die Frankische Selbstgefälligkeit. Irgendwie gibt es ein Grund warum alles so gut ist. Nurnberg ist halt heute Deutsche Mittelmass - sogar Osnabruck uberzeugt mehr...

  • Ich halte diese für ein stadtbürgerliches Erbe, wie es dieses so in Stuttgart nicht (Residenz- und Industriestadt) und auch nicht mehr in Frankfurt (moderne Umgestaltung führte zu einem weitgehenden Identitätsverlust) gibt.

    Frankfurt hat seine Identität seit Kriegsende vollkommen ausgetauscht. Vor dem zweiten Weltkrieg findet sich in der Literatur nur sehr wenig über diese Stadt, sie reichte an Nürnberg nicht heran und war wirtschaftlich und politisch wenig bedeutend. In der Nachkriegszeit hat Frankfurt, das ja auch als Alternative zu Bonn als Bundeshauptstadt gehandelt wurde, stark gewonnen: Der Finanzsektor siedelte sich hier an, und die Bedeutung der wichtigsten Buch- und Messestadt Leipzig verleibte man sich ein, da die Sachsenmetropole hinter dem eisernen Vorhang verschwunden ist. Ich kenne Frankfurt nicht so gut, aber ich vermute die Stadt hat wie keine andere von den Verhältnissen der Nachkriegszeit profitiert, sich ein Image als "Mainhattan" zugelegt und zeigt das selbstbewusst allen Menschen. Ich kenne Nürnberger, die schielen ganz neidisch an den Main. Ich für meinen Teil halte es dafür schon fast für ein Wunder, was man trotz der veränderten Identität dort am Römer nun vollbracht hat. Man hätte ja auch einen Wolkenkratzer hinstellen können.


    Ich nehme wahr, dass sich Nürnberg in der letzten Zeit positiv entwickelt. Und das schreibe ich der Verjüngung durch zugezogene zu, die einen unverstellten Blick auf Nürnbergs Pfunde haben und kritisch fragen, wieso man die nicht hebt. Mich frustriert es hier immer dass viele Alteingesessene sich die Wände mit Delsenbach-Stichen des alten Nürnberg schmücken, aber bei Rekonstruktionsvorhaben bleiben sie dann oft still. Gegen die studierten, die Architekten und Stadtplaner will man doch nichts sagen. Man will ja nicht rückständig sein. Dabei ist das Heben von Potenzial nichts rückständiges.