Im neuen Jahr bittet der Vorstand euch, frühzeitig nach neuen Bauprojektplänen in eurer Stadt Ausschau zu halten. Wo lässt sich durch traditionelle Architektur oder Rekonstruktionen euer Stadtbild verbessern? Teilt uns eure Ideen mit! Je eher wir mit Ideen an die Öffentlichkeit gehen, umso höher sind unsere Chancen, dass die Ideen von den Verantwortlichen ernstgenommen werden!
  • Also, die Moritzkapelle mit dem Bratwurstglöcklein sollte eine realistische Rekonstruktionsidee sein. Die Fläche ist frei. Es bräuchte eine zündende Nutzungsidee als Anfang.
    Ähnllich sieht es beim Ludwigstorzwinger aus. Dass die Nationalsozialisten dort mal (nie realisierte) Umbaupläne hatten, tut nichts zur Sache. Das Gebäude ist von 1898, kein NS-Bau. Und es passt hervorragend an diese Stelle, finde ich.

  • Als "staatlich geprüfter und anerkannter Historismushasser" (der ich nicht bin) gebe ich zu, dass der Ludwigstorzwinger wirklich zauberhaft aussieht und eine Bereicherung wäre...

  • Nein, dieses Fürther Tor (nicht Ludwigstor!) bitte nicht wiederaufbauen. Das Gebäude war einfach nur pittoresk, mehr aber nicht. Stadtbefestigungstechnisch wäre dieses Gebäude bis ins Spätmittelalter ein völliger Unsinn gewesen, auch das Fachwerk war völlig atypisch für Nürnberg.


    Ich empfinde auch diesen Tunnel darunter, der ja heute noch besteht, als schrecklich für Fussgänger und einen Unort. Lieber diesen Tunnel auch noch entfernen und einen anständigen Stadteinlass, wie an allen andern Eingängen, schaffen.


    Im Fachwerkstrang hatte ich bereits über dieses Gebäude geschrieben:
    Fachwerkbauten in Nürnberg (mit Abbildung des heutigen Zustandes; und hier eine Abbildung der Stadtinnenseite)

    Edited 4 times, last by Riegel ().

  • Das sehe ich nicht so.


    Das Bauwerk ist ja auch aus den Historismus, nicht dem Spätmittelalter. Insofern spielten wehrtechnische Gründe keine Rolle mehr. Ein offener Stadteinlass (nach Entfernung des heutigen Tunnels) wäre ja auch im Mittelalter wehrtechnisch nicht korrekt gewesen.


    Und der Durchgang in dieser Tunnelform ist mal etwas anderes. Nicht alle Stadteingänge müssen gleich sein. Dass er für Fußgänger ein Unort ist, kann natürlich sein. In Offenbach zum Beispiel gibt es zahlreiche solcher Durchgänge unter dem Bahndamm. (Hier ein durch Graffiti leider eher verunziertes Beispiel). Darüber, dass so etwas zum Unort wird, entscheidet letztlich die Stadt. Das hat etwas mit Pflege und Gestaltung zu tun. Gut beleuchtet und gesäubert habe ich derlei Tunnel nie als problematisch empfunden. Zumal das Nürnberger Beispiel ja nicht sehr lang ist.


    Bezüglich der Atypik des Fachwerks. Das ist ein Punkt, bei dem Du Dich weit besser auskennst als ich. Für mich ist das fränkisches Fachwerk, wie ich es als Nicht-Experte auch bei andern Gebäuden in Nürnberg zu erkennen meine. Dieses Sechseck-Muster der Balken finde ich dort jedenfalls in der symetrischen wie asymetrischen Variante. Aber, wie gesagt, da bist Du weit versierter. Für mich macht das Fachwerk dieses Gebäudes nur einen kleinen Anteil am Gesamten aus, und ich empfinde es nicht als unpassend.


    Das Gebäude passt für mich somit weit besser zu Nürnberg als sämtliche derzeitgen Neubauvorhaben im dortigen Mauerring. Diese sind ja noch weit atypischer für das alte Nürnberg.


    Dennoch brauchen wir uns nicht zu streiten. Die Rekonstruktion dieses Gebäudes kommt in absehbarer Zeit ohnehin nicht. So wenig wie die Moritzkapelle, das Toplerhaus und vermutlich auch das Pellerhaus. Dafür sind die Widerstände in Nürnberg noch viel zu stark. Alles nur Traum, Phantasie. Da wird sich nichts tun. Falls doch, bin ich natürlich gerne angenehm überrascht.

  • Quote from Br.de

    Nürnberg
    Martha-Kirche nach Wiederaufbau eröffnet


    2014 ist die evangelische St. Maria-Kirche in der Nürnberger Innenstadt abgebrannt. Nun wird sie nach viereinhalb Jahren Arbeit und zwölf Millionen Euro Sanierungskosten neu eröffnet.

    https://www.br.de/mediathek/vi…:5be5cdc6fa70500018d2a3d5


    Ich muss sagen, das Ergebnis gefällt besser als erwartet, allerdings hätte man wenigstens Bänke statt Stühle und einen Steinboden statt diesem Terrazzo nehmen können und Altar und Ambo sind - wie fast immer bei heutigen Neuanschaffungen - aus dem Gruselkabinett zeitgenössischen Künstlertums. Insgesamt doch etwas zu „zeitgeistig“ und ich bin mir nicht sicher, ob man das in 10 Jahren nicht alles schon wieder etwas abgeschmackt finden wird.

  • Mir gefällt das neue, äußerst nüchterne und sehr helle Raumbild überhaupt nicht. Die dunkleren Holzdecken wirkten auf mich viel stimmungsvoller; außerdem vermisse ich das schöne Tonnengewölbe im Mittelschiff. Die jetzige "Schuhkarton-Lösung" überzeugt mich überhaupt nicht. Von der Bestuhlung möchte ich gar nicht reden. Die Kirche wirkt nun fast wie ein kompletter Neubau. Wurden die Pfeiler etwa komplett erneuert?

  • Und hier gibt es sogar Bilder vom Entwurf der neuen Orgel!!!


    https://www.stmartha.de/Neue_O…artha-14553-0-281-81.html

    Aus meiner Sicht ein eher enttäuschender Neubau. Keine klare Werkgliederung, sonder nur ein hoher Kasten mit langen "Röhren" in der Front...


    Auch im Orgelbau möchte man versuchen, "modern" zu sein. Leider gelingt es nicht immer, wie beispielsweise auch in Kassel, St. Martin.


    https://www.musik-martinskirche.de/Orgel/Das-Instrument

  • Wenn ich mir die Bilder vor und nach dem Brand der Martha- Kirche anschaue, fehlt mir ein wenig die Farbkombination. Der Innenraum wirkt schlicht und die Bestuhlung gefällt mir gut. Die alte Einrichtung mit Holzbänken und Holzdecke wirkt auf mich erdrückend. Ein Bonbon war allerdings die alte Kanzel, die ist ja nicht mehr erhalten geblieben.

  • Da sollte besser jemand aus Nürnberg antworten, aber wie ich mich aus diesem Strang erinnere, wollte der frühere Eigentümer am jetzigen Zustand festhalten (aus welchen Gründen auch immer... Ruinenkult?). Das Haus wurde vor ein paar Jahren von der benachbarten Industrie- und Handelskammer Nürnberg erworben, die ihre Gebäude umfassend um- und neu baut. Das Haus Winklerstr. 24 ist aber nicht Bestandteil ihres Projekts. In diesem Beitrag von Markus sieht man, wie das Haus sicherheitshalber zusammengebunden wurde. Bei Google Maps sieht man die Baustelle; in der Ecke Winklerstrasse/Schulgässchen befindet sich Winklerstr. 24.
    https://www.google.ch/maps/@49…,35y,39.37t/data=!3m1!1e3

    Edited once, last by Riegel ().

  • Putz und Farbe doch eher nicht, das würde alles eigentlich nur weiter verschlimbessern. Nürnberg war kein Dinkelsbühl (oder Bamberg)! Nein, da braucht man schon nürnbergtypische Sandsteinfassaden (und etwas Fachwerk). Aber dann reden wir schon nicht mehr von einfachen Maßnahmen. Rekonstruktionen von Dacherker und Chörlein wären da vielleicht schon realistischer...

  • Burgstraße (Kaiserstübchen!)

    Danke NIederländer, für diesen Hinweis und diesen Link. Auch mir war das "Kaiserstübchen" bislang völlig unbekannt, es scheint dazu auch keinen Wikipedia-Artikel zu geben, ein Defizit, welchem du dich mal annehmen könntest, das würde uns alle wohl sehr freuen.


    Kennst du Helmut Walther, den Verfasser der informativen Pdf, zufällig persönlich?