Am 9.November findet unser großes Initiativentreffen in Frankfurt am Main statt. Unter der Rubrik "Aktuelles und Allgemeines" finden Sie alle Informationen vor.

Nürnberg

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    • Franka wrote:

      Genauso Brixton. In den 2000er Jahre lebte ich dort, damals war Brixton ziemlich kriminell (ununterbrochenes Sirenengeheul), arm, aber nie hässlich, eine multikulturelle Stadt in meinem Sinne, die mich anregte. Wobei es das eine oder andere gruselige Haus gab.
      In der Zeit habe ich in Brüssel gelebt, in Ixelles/Elsene in direkter Nachbarschaft von Matongé (theculturetrip.com/europe/belg…to-do-and-see-in-matonge/) . Damals war in Ixelles abseits der Avenue Louise und den Étangs d'Ixelles vieles extrem heruntergekommen: ein Viertel für Afrikaner, Araber, Portugiesen, Studenten, Künstler und schlechtbezahlte EU-Praktikanten oder Teilzeitangestellte, aber mit lebendiger Atmosphäre und mit mehr oder weniger interessanter, jedoch immer urbaner und reizvoller Architektur. Und durchaus ein heißes Pflaster, wobei ich von der Gang-Kriminalität wenig mitbekommen habe.

      Also so ähnlich wie Brixton und mittlerweile offenbar auch Szeneviertel und Touri-Attraktion, nicht nur wegen Multikulti (das dort ohnehin nie eine aufgesetzte Ideologie war), sondern auch wegen der Architektur.
      Ein beliebig ausgewähltes Beispiel:
      google.com/maps/@50.8357007,4.…cKHoDg!2e0!7i13312!8i6656
    • Viel mehr als wirtschaftliche Armut macht eine Stadt doch intellektuelle Armut zu schaffen.

      Wenn ich kein Geld habe um irgend etwas zu tun ist das eine Sache, dann bleibt es eben alles wie es ist. Langfristig verheerender ist es aber oft, wenn ich zwar Geld habe, aber keine Ahnung, besonders von Kunst, Kultur und Architektur. Das wurde hier schonmal als "Obi-fizierung" beschrieben. Und das erkenne ich auch irgendwie in dem Argument "Nürnbergs Historismus sei schwerfällig und farblos" wieder. Das empfinde ich irgendwie überhaupt nicht, die i.d.R. aus Sandstein gehauenen Fassaden finde ich oft geschmackvoller als die massenweise aus Stuckelementen gegossenen und tausendfach an Fassaden montierten Ornamentorgien anderer Städte (wobei ich die trotzdem unwiderstehlich faszinierend finde).

      Problematisch wird es aber wenn die Fassaden altern und Renovierungen erforderlich werden, Fenster getauscht und Dächer gemacht werden müssen. Leute mit Geld aber ohne Verstand machen dann vieles kaputt, typisch an der Nürnberger Fensterkrankheit zu sehen. Jahrzehntelang wurden die geteilten Fenster durch Einscheibenfenster aus Kunststoff ersetzt. Die wirtschaftlich besser gestellten Kulturbanausen hatten nun praktische, einfach zu pflegende Fenster. Der Straßenzug war aber in seiner architektonischen Güte kaputt. So kann binnen eines Jahrzehnts aus einem etwas abgewohnten Gründerzeitviertel ein schäbig-verbasteltes, Obi-fiziertes Stadtbild werden, was niemand mehr schön findet: Jene, die Altbausubstanz lieben fühlen sich genau so abgestoßen wie jene, die alles modern und blitzeblank haben wollen. Das zu erkennen ist oft keine Frage des Geldes, sondern der Bildung (Kunst). An diesem Punkt stehen weite Teile der Nürnberger Gründerzeitstraßen: Niemand fühlt sich so recht wohl aber kaum einer kann genau beschreiben woran es liegt. Die einen sagen weil es zu viel altes Zeug gibt, die anderen sagen zuviel modernistische Zutaten. Hier müsste es einen Leitfaden geben der jedem dringend rät, sich bei der Altbausanierung am historischen Original zu halten. In einem Gebäude vor 1945 dürften m.E. grundsätzlich keine Einscheibenfenster rein.
      Und es gibt keinen Grund etwas am Haus rumzurenovieren, nur weil Geld übrig ist (in vielen Wohnungseigentümergemeinschaften ist das Praxis).
    • nothor wrote:

      In einem Gebäude vor 1945 dürften m.E. grundsätzlich keine Einscheibenfenster rein.
      Ich würde noch weiter gehen und aufgrund des oft traditionalistischen Nachkriegswiederaufbaus sagen:
      geteilte Fenster für möglichst alle Bauten, mindestens bis 1960.