Nürnberg

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    • Mendelbruder schrieb:

      Das Haus Maxtormauer 50 (direkt gegenüber der Stadtmauer) soll verschwinden. Es handelt sich um einen Vorkriegsbau (in dieser Ecke der Stadt höchst selten) von 1928. Dank Sockelzone aus Sandstein, Satteldach und Fensterläden passt es sehr gut in die Altstadt und harmoniert gut mit der Stadtmauer. (Bilder beim DAF, Haus mit Umgebung bei Street View)
      Besagtes Haus ist inzwischen abgerissen. Bilder von nothor gibts im DAF.

      Hier nochmal die Visu des geplanten Neubaus in unmittelbarer Nachbarschaft zur Stadtmauer (rechts daneben):

    • Danke, ich finde es ziemlich unmöglich, dass innerhalb der Altstadt überhaupt Gebäude mit Flachdächern erlaubt werden. Fehler, die man aus lauter Fortschrittseifer in den Siebzigern machte werden dadurch zementiert und breiten sich wie Geschwüre über die Stadt aus. Was wäre Nürnberg ohne seine Altstadt? Nicht zu unterscheiden von Bochum oder Gelsenkirchen. Dann auch noch in der Presse lesen zu müssen, dass der Denkmalschutz ein "wichtiges Wort mitreden würde" ist wie ein Schlag ins Gesicht, eine Frechheit! Der Denkmalschutz in Nürnberg ist ein höchst unattraktiver Posten, der hat hier quasi garnichts zu sagen. Die Politik rollt noch immer jedem,d er hier ein paar EUR investieren will den Teppich aus und ordnet dem alles unter. Erstmal abreißen, obwohl - das stand auch in der Presse - der Neubau noch garnicht genehmigt wurde.
    • Tja, der Nürnberger Denkmalschutz scheint leider eine andere Auffassung von ensemblegerechten Bauen zu haben als wir. Der drittplatzierte Entwurf, der ein geneigtes Dach, einen Innenhof mit Laubengängen und andere Reminiszenzen an die Alt-Nürnberger Architektur aufwies, wurde ja von der Denkmalschutzbehörde abgekanzelt, da er es nicht vermochte "das denkmalgeschützte Ensemble überzeugend und zeitgemäß fortzuschreiben." (Originaltext aus Jurybegründung)

      Die Betonung liegt hier wohl auf "zeitgemäß". Für die Verantwortlichen scheint bereits ein denkmalpflegerischer Sündenfall vorzuliegen, wenn man historische Gestaltungselemente aufgreift, da durch ihre Imitation die "echte", "authentische" Originalsubstanz entwertet wird. Zugrunde liegt dieser Ansicht wohl eine eine dogmatische Auslegegung der Charta von Venedig zugrunde, die fordert, dass neue Bestandteile vom Originalbestand unterscheidbar sein müssen, um den Wert eines Geschichtsdenkmals nicht zu verfälschen. Dies führt in der Praxis dann zur wohlbekannten Architektur der "Brüche" und spannenden "Kontraste". Flachdächer statt steiler ziegelgedeckter Satteldächer.

      Ein bekanntes Beispiel für diese Haltung in Nürnberg ist der Anbau des Albrecht-Dürer-Hauses, der sich mit seiner Sichtbeton-Ästhetik radikal von seinem Fachwerk-Nachbarn unterscheidet und in den Augen vieler das Ensemble des Tiergärtnertorplatzes empfindlich stört. Der Nürnberger Denkmalschutz ist hier anderer Meinung und hat den Bau unter Denkmalschutz gestellt. (Kein Witz!)


      Photo: Andreas Praefcke, Nürnberg Albrecht-Dürer-Haus Anbau, CC BY 3.0

      Natürlich führt diese Einstellung zum Bauen im Bestand den Ensembleschutz ad absurdum. Wozu noch der Schutz, wenn man praktisch gezwungen wird ihn nicht zu respektieren und sich möglichst kompromisslos von den bestehenden Bauten absetzen soll.
      Ich habe jedenfalls noch nie davon gehört, dass in Bayern ein Bauprojekt mit Verweis auf den Ensembleschutz verhindert wurde. Man bräuchte stattdessen eine rigide städtebauliche Gestaltungssatzung wie es sie in anderen Orten gibt und von den Altstadtfreunden für Nürnberg vorgeschlagen wurde. Mit den aktuell politisch Verantwortlichen tendieren die Chancen auf die Umsetzung dieser Idee jedoch gegen null.
    • Von welchem "denkmalgeschützten Ensemble" ist beim Denkmalschutz jetzt eigentlich noch die Rede? Das Gebäude hat man doch weggekloppt. Bleibt die Stadtmauer. Bisschen wenig für ein "Ensemble". Dann kann man natürlich auch leichter so einen Kasten durchwinken. Es ist schon traurig. Gerade in Nürnberg, das ja aufgrund der großen Schlichtheit vieler Nachkriegsbauten im Detail extrem von solchen einfachen Dingen wie Satteldächern abhängt, um noch ein einprägsames Stadtbild zu bilden.
    • Platz 3: "Kritisch diskutiert werden auch die Zitate historischer Architekturelemente, die ihrer ursprünglichen Funktion beraubt, der Willkür preisgegeben scheinen."

      Damit ist jedenfalls klar, was NICHT gewollt ist. Nämlich historische Zitate jeglicher Art. Kein Wunder wagt sich kaum ein Architekt daran, denn so kann man bei derartigen Wettbewerben nur verlieren. Bleibt halt wieder nur die Kiste.
      In dubio pro reko
    • Ehrlich gesagt überzeugt auch der 3. Entwurf keineswegs. Der Bestandsbau hätte erhalten bleiben müssen, es gibt in Nürnberg genügend ersetzenswerte Bausubstanz, wo auch so ein dunkler Kasten als Übergangsbau für die nächsten 30 Jahre vertretbar gewesen wäre.
      Das, was vom alten Nürnberg noch übrig ist und einiges von dem, was später gebaut wurde aber an das alte Nürnberg erinnern soll, gefällt mir sehr gut. Von dem, was seitens der Stadt an Weiterentwicklung einer der bedeutendsten deutschen Reichsstädte zu hören ist, bin ich jedoch sehr enttäuscht. Stattdessen wird munter weiter abgerissen, so ja auch vor kurzem das Hochhaus am Hauptbahnhof.
      Wo die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten
      Karl Kraus (1874-1936)
    • Mir gefällt der drittplatzierte Entwurf gestalterisch am Besten. Die ablehnenden Gründe sind fadenscheinig, da sie eine traditionsbewusste und ortsbezogen gestaltete Neubebauung dauerhaft verstellen und einzig den Ausweg bieten, gesichtslose Quader zu bauen, die tatsächlich frei von Gestaltung sind. So kann aber Bauen im Bestand dauerhaft nicht funktionieren und muss fehlschlagen, da am Ende keine lebens- und sehenswerte Stadträume mehr entstehen können.

      Man hätte diesen Entwurf prämieren und weiterentwickeln müssen, ggfls. auch durch Verzicht auf das eine oder andere. Der Fall Maxtormauer zeigt ganz deutlich, dass das Instrument "Wettbewerb" in der Architektur nicht funktioniert. Das liegt an der Vorauswahl der Büros, die immer stattfindet und bei denen man schon immer eine Vorahnung hat, was vorgeschlagen werden würde. Traditionsbewusste Büros bleiben außen vor oder bilden eine leicht abzukanzelnde Ausnahme. Die Jury setzt sich oft wiederum aus Bauherren und denjenigen Architekten zusammen, die genau wissen was sie wollen aber selbst keinen Entwurf liefern. Das ist wie bei Gottschalk damals, wo sich die Promis auf dem Sofa gegenseitig erklärt haben wieso der andere so großartig ist. Und das unglücklichste ist natürlich der Ausschluss der Öffentlichkeit. Denen wird immer nur hinterer erklärt, ein Wettbewerb unter Experten habe aus mehreren Vorschlägen den Besten ausgesucht. Basta. Der Wettbewerbsvorgang an sich ist undurchsichtig, intransparent und bietet keinerlei Ansatzpunkte für die Bürger, die das Ergebnis dauerhaft aushalten müssen, sich einzubringen. Diese Wettbewerbe sind also durchaus kritikwürdig.
    • Heimdall schrieb:

      Der Denkmalschutz könnte gackern so viel er will, wenn nicht Bauherren, Architekten, Stadtverwaltung und Politiker das Spiel mitspielen würden. Sie alle sind von dieser Geschmacksverirrung (und eventuell zudem Profitgier) betroffen.
      Ich weiß nicht, ob es nur Geschmacksverirrung ist. Ich habe da meine Theorien, aber das würde den Rahmen sprengen.
      Sie haben natürlich Recht, alles spielen mit.

      Und der Freistaat Bayern ist nicht besser, er gibt seine Verantwortung an Investoren ab, indem er sich einmietet.
      TH-Nürnberg

      und ganz aktuell
      das neue Zukunftsmuseum

      Das macht nach Adam Riese 70 Millionen Miete für 25 Jahre an die Alpha-Gruppe.
      Und was passiert danach? Wird das Gebäude dann doch gekauft oder zahlt man bis zum Sankt Nimmerleinstag weiter?

      Ich kann ja verstehen, dass sich Interessengruppen gegenseitig die Bälle zuspielen. Aber im letzteren Fall war man eine kleine Spur zu gierig.

      Und last but not least - Der Wettbewerb des neuen Konzerthauses in Nürnberg.
      Alle Entwürfe der Erst/Zweit/Dritt/Viert-Platzierten, gleichen sich. Egal was in Nürnberg an Prestigebauten hochgezogen werden, am Ende wird es eine Kiste sein. Darauf ist Verlass. Ob Staatstheater, Konzertsaal, Touristinformation...)
    • nothor schrieb:

      Das liegt an der Vorauswahl der Büros, die immer stattfindet und bei denen man schon immer eine Vorahnung hat, was vorgeschlagen werden würde. Traditionsbewusste Büros bleiben außen vor oder bilden eine leicht abzukanzelnde Ausnahme. Die Jury setzt sich oft wiederum aus Bauherren und denjenigen Architekten zusammen, die genau wissen was sie wollen aber selbst keinen Entwurf liefern. Das ist wie bei Gottschalk damals, wo sich die Promis auf dem Sofa gegenseitig erklärt haben wieso der andere so großartig ist. Und das unglücklichste ist natürlich der Ausschluss der Öffentlichkeit. Denen wird immer nur hinterer erklärt, ein Wettbewerb unter Experten habe aus mehreren Vorschlägen den Besten ausgesucht. Basta. Der Wettbewerbsvorgang an sich ist undurchsichtig, intransparent und bietet keinerlei Ansatzpunkte für die Bürger, die das Ergebnis dauerhaft aushalten müssen, sich einzubringen. Diese Wettbewerbe sind also durchaus kritikwürdig.
      Danke, das ist eine sehr gute Aufschlüsselung. Wer tut denn die Büros voraus wählen?
      Und warum bezieht man den Bürger nicht ein? Warum gibt es kein "Usability" in der Architektur?
      Entschuldigung, ich will Sie nicht mit Fragen überfallen. Ich arbeite in der IT und meine Arbeit ist immer nur auf den späteren Nutzer des Produkts ausgerichtet. Der Nutzer darf und soll im Gestaltungsprozess teilnehmen und das ist nicht nur in meiner Branche so. Warum nicht in der Architektur?
    • Im aktuellen Newsletter informieren die Altstadtfreunde darüber, dass sie vorübergehend ein weiteres Haus gekauft haben, und zwar das Fachwerkhaus Weißgerbergasse 20 (dendrochronologisch auf 1689/90 datiert). Besonders mit seinem eigenwilligen Chörlein setzt es einen Akzent in der Häuserreihe. Das Haus befindet sich in einem relativ guten Zustand, steht aber momentan leer. Angesichts zahlreicher weiterer Projekte und "in Erwartung wirklich gefährdeter Häuser" werden die Altstadtfreunde das Gebäude nicht selbst sanieren. Das Haus wurde aber trotzdem gekauft, um es nicht in falsche Hände geraten zu lassen. Nun suchen die Altstadtfreunde einen neuen Eigentümer, der es denkmalgerecht saniert.



      Tilman2007, Nürnberg, Weißgerbergasse 20 20170821 001, CC BY-SA 4.0

      Was das Pilatushaus angeht, schreibt Herr Enderle:

      Karl-Heinz Enderle schrieb:

      Die Altstadtfreunde sollen das herausragende bürgerliche Fachwerkhaus (der Weinstadel war immer städtisch) übernehmen. Da bekamen wir so manchen bösen Kommentar zu hören – nicht über uns, sondern über den Umgang der Stadt mit ihren reichsstädtischen Denkmälern. Ja, es stimmt, es gab Gespräche bezüglich der Übernahme des „Kronjuwels“ (Baureferent Ulrich) durch die Altstadtfreunde. Dass diese jetzt öffentlich wurden, ist der Sache nicht dienlich. Fakt ist, dass das platzprägende Haus wegen Einsturzgefahr seit sechs Jahren leer steht und die Verwaltung wenig Chancen sieht, die Sanierung über kurz oder lang in Angriff zu nehmen. Könnten da nicht die Altstadtfreunde in die Bresche springen, die schon so viel erreicht haben und der Stadt mit dem Pellerhof einen über 5 Millionen Euro schweren Schatz auf dem silbernen Tablett servieren? Das muss gut überlegt sein, die Rahmenbedingungen müssten stimmen, die der Übernahme und der Zuschüsse, um den Anteil der Altstadtfreunde in einem verantwortbaren Maß zu halten. (...) Und eines ist sicher: Die Altstadtfreunde werden sich deswegen nicht in ein finanzielles Abenteuer stürzen!
    • Franka schrieb:

      Danke, das ist eine sehr gute Aufschlüsselung. Wer tut denn die Büros voraus wählen?Und warum bezieht man den Bürger nicht ein? Warum gibt es kein "Usability" in der Architektur?
      Entschuldigung, ich will Sie nicht mit Fragen überfallen. Ich arbeite in der IT und meine Arbeit ist immer nur auf den späteren Nutzer des Produkts ausgerichtet. Der Nutzer darf und soll im Gestaltungsprozess teilnehmen und das ist nicht nur in meiner Branche so. Warum nicht in der Architektur?
      Ja, das ist nicht so einfach zu beantworten. Auch wenn Basisdemokratie vom Prinzip her durchaus zu befürworten ist, führt sie unter Umständen zu erheblichen Prozessstörungen.
      Daher funktioniert die Einbeziehung des Bürgers nur, wenn die politisch Führenden klare Vorgaben geben und eine representative Menge der beteiligten Bürger dies dann auch bewerten kann.
      Schweizer Volksabstimmungen funktionieren deshalb so gut, weil die Beteiligung groß und das zu entscheidende Subjekt klar definiert ist.
      Die Bürgerbefragung zur neuen Frankfurter Altstadt funktionierte aus ähnlichen Gründen mit einem klaren und in diesem Fall für Rekonstruktionsfreunde positivem Ergebnis. Die Befragung z.B. zum Wiederaufbau der Ullrichskirche in Magdeburg scheiterte bei ausreichender Beteiligung unter anderem daran, dass eine doppelte Verneinung im Spiel war, und somit die Frage zwar sachlich korrekt gestellt war aber für den Durchschnittsbürger unverständlich formuliert wurde. Somit ist diese Befragung unabhängig vom Ergebnis im Konstrukt anzuzweifeln.

      Zu Herrn Enderle: Ich kann durchaus verstehen, dass ein Handeln hinter den Kulissen für das Engagement der Altstadtfreunde im Effekt positiver ist, als wenn gleich alle Karten offen auf dem Tisch liegen. Wir sollten daher auch in unseren Beiträgen zu Nürnberg stets berücksichtigen im Sinne der Altstadtfreunde zu handeln und nicht entgegen.
      Ich bin sicher kein Verfechter der "Traditionelle um jeden Preis", aber ich bin gegen die "Trostlosigkeit und Langeweile im zeitgenössischen Bauen". dto.
    • Anschließend an die obige Diskussion, möchte ich auf eine Diskussion hinweisen, die am
      5. Juni vom Architekturclub Nürnberg veranstaltet wurde. Sie trug den Titel
      Nemo propheta in patria - Wie nehmen externe Architekten die Nürnberger Baukultur wahr?
      Eingeladen waren die Architekten Piero Bruno (Schöpfer der ersten brutalistischen Kindertagesstätte), Arno Lederer und Volker Staab. Letzterer ist seit Jahren für praktisch jedes größere Bauvorhaben in der Nürnberger Altstadt verantwortlich (Neues Museum, Sebalder Höfe, Augustinerhöfe). Ziel der Debatte war es durch "vergleichende Betrachtung von außen (...) altbekannte Klischees kritisch zu reflektieren und neue Inspirationsquellen für die Stadt sichtbar zu machen". Dadurch soll auch die Bewerbung Nürnbergs als europäische Kulturhauptstadt befruchtet werden. (Link zur Ankündigung)

      Ich war zwar nicht anwesend, aber in den Nürnberger Nachrichten erschien gestern ein kleiner Bericht (nicht online). Die Autorin stellt zunächst fest, dass ein großer Teil der Zuhörer selbst Architekten sind und man auf derartigen Veranstaltungen immer "die selben Gesichter" sähe. Die Mitglieder der Disziplin fänden offenbar nicht den Draht zur Stadtbevölkerung, woran nach Meinung der Autorin das abschreckende Fachjargon dieser Zunft Schuld ist.

      In der Diskussion selbst ging es auch um den von vielen Nürnbergern geäußerten Wunsch die Reniassance-Fassade des Pellerhauses zu rekonstruieren und dafür "die schöne 1950er-Fassade" zu opfern. Die Position der drei eingeladenen Architekten war erwartbar: Sie sprachen sich "gegen Bauen im Krebsgang, den Blick nach hinten gerichtet" aus. Die soeben fertiggestellte neue Frankfurter Altstadt und das Berliner Stadtschloss seien abschreckende Beispiele. Staab befand, dass solche Projekte "die falsche Geschichte" erzählen würden. Die Autorin des Zeitungsbeitrages (selber ebenfalls gegen Rekonstruktionen eingestellt) begrüßte die klare Positionierung Staabs und drückte ihre Hoffnung aus, dass die Befürworter der Pellerhaus-Rekonstruktion Staab als "allseits geschätzten Planer" eher zuhören als einheimischen Architekten.

      Staab schlug dann noch vor, die Wahrnehmung des öffentlichen Raumes in Nürnberg zu verbessern, indem man einige Würstchen- und Falafelbuden "abräumt". Außerdem dankten die Experten den Verein Baulust für sein Engagement für eine kritische Baukultur-Debatte (z.B. ein Vortragsabend zum Pellerhaus, bei dem einer der Referenten dem Vorkriegsbau jegliche kulturhistorische Bedeutung absprach).

      Mein Fazit: Schon der Name der Veranstaltung spricht Bände über das Selbstbild der hiesigen Architekten-Zunft: Nemo propheta in patria ("Niemand ist Prophet in seinem eigenen Land"). Die Nürnberger Architekten halten sich offenbar für verkannte Propheten einer glorreichen baukulturellen Zukunft, deren messianisches Wirken aber leider von den undankbaren, in der Vergangenheit verhafteten Nürnbergern nicht geschätzt wird. Zudem wirkt es angesichts der Tatsache, dass die "Architektur-Promis" offenbar zu jedem Thema der selben Meinung sind und innerhalb der Architektenschaft augenscheinlich bei keiner Frage ein Dissens herrscht, geradezu Hohn solche Veranstaltungen als Debatte zu bezeichnen.
    • Richtig, schon allein der lateinische Veranstaltungstitel bringt deutlich zum Ausdruck, dass die Einbindung der Bevölkerung und die Einladung der Bürgerinnen und Bürger zu einem Dialog nicht im Vordergrund standen, als man die Veranstaltung geplant hat. Ich wüsste keine sonstigen Veranstaltungen z.B. zu den Themen Umweltschutz, Verkehr, Soziales, und auch das Germanische Nationalmuseum gibt selbst anspruchsvollen Veranstaltungen keine so kryptischen Titel. Soetwas tun nur Geheimbünde und Logen, würde ich mal sagen. Ich würde meinen der Titel zeigt auch, dass man schlecht beraten und an abweichenden Meinungen nicht interessiert ist. Bei einer der Pellerhausveranstaltungen 2016 war ich auch dabei. Die Reihen wurden mit Studenten der FH gefüllt, die aber keine Redebeiträge lieferten. Ansonsten waren die Architekten unter sich und die wenigen Stimmen, die sich damals zu Wort meldeten und die herrschende Meinung zu überragenden Bedeutung des heutigen Lagerhauses in Frage stellten, wurden irritiert wegmoderiert.
    • Mendelbruder schrieb:

      Zudem wirkt es angesichts der Tatsache, dass die "Architektur-Promis" offenbar zu jedem Thema der selben Meinung sind
      Das betrifft nicht nur den Bereich der Architektur, sondern auch viele gesellschaftliche Debatten in diesem Land. Insofern ist die Architektur ein Teil des Problems.

      nothor schrieb:

      wurden irritiert wegmoderiert.
      Das erinnert mich an eine Veranstaltung zum Neubau des Stadtmuseums in Frankfurt, die vor Jahren in der Planungsphase dort stattfand. Umgesetzt wurde der Entwurf des auch oben bei der Nürnberger Veranstaltung erwähnten Büros von Arno Lederer. Der dortige Museums-Direktor, Jan Gerchow, war dabei bemüht, kritische Diskussionsbeiträge aus der Bürgerschaft, die sich für eine Rekonstruktion der Zeile hinter der Nikolaikirche einsetzten, ganz schnell abzuwürgen.
    • Ich weiss nicht, ob das Pendant zu den Altstadtfreunden Nürnbergs hier schon mal verlinkt wurde:
      stadtbild-initiative-nuernberg.de
      (rechts auf "Themenauswahl" klicken).

      Jedenfalls behandeln sie Themen, die genau unserem Forum entsprechen. Im Gegensatz zu den Altstadtfreunden kümmern sie sich vor allem um das Stadtbild ausserhalb der Altstadt. Einigen der vorgestellten, geretteten und misshandelten Häuser sind wir bei uns auch schon begegnet:

      Gerettete Denkmale:
      stadtbild-initiative-nuernberg…kmale/gerettete-denkmale/

      Vernichtete Baudenkmale:
      stadtbild-initiative-nuernberg…ale/vernichtete-denkmale/

      Energetische Sanierung...:
      stadtbild-initiative-nuernberg.de/category/themen/sanierung/
    • Am Altstadtfreunde-Haus Hintere Ledergasse 43 geht es voran. Bei tropischen Temperaturen haben die Zimmerleute den neuen Dachstuhl aufgerichtet, der nach über 70 Jahren endlich das Notdach aus der Nachkriegszeit ersetzt. Beim Tag des offenen Denkmals wird das Haus auch von innen zu sehen sein.

      Bild: files.crsend.com/25000/25568/i…L43+Panorama-Kabelitz.jpg
    • Nürnberger City-Point muss dem Altstadt-Karree weichen

      Der Architekturwettbewerb für das Areal zwischen Breiter Gasse, Pfannenschmiedsgasse und Hallplatz ist entschieden. Nach dem Abriss des City-Points soll dort das "Altstadt-Karree" mit einem Investitionsvolumen von rund 200 Millionen Euro entstehen. Eine Jury hat aus den 11 teilnehmenden Architekturbüros drei Sieger gekürt. Welcher der Entwürfe umgesetzt wird, ist aber noch nicht entschieden. Laut Baureferent Daniel Ulrich sei das Ziel gewesen, Stadtreparatur zu betreiben, das sei gelungen.

      Der Neubau werde sich in jedem Fall besser in seine Umgebung einfügen als sein Vorgänger, betonte der Bauherr. Die Geschäfte sollen sich mehr nach außen an die Straße orientieren. Es ist ein Nutungsmix von Gastronomie, Dienstleistung und Hotel und Einzelhandel vorgesehen, nach oben wird teilweise sechsstöckig gebaut. Der Neubau soll außerdem mit einem passendem Dach versehen werden.

      deal-magazin.com/news/75125/Me…Altstadt-Karree-Nuernberg (mit Visualisierung des Siegerentwurfs)

      nordbayern.de/region/nuernberg…-karree-weichen-1.7908482 (mit Bild des drittplatzierten Entwurfs)

      Heutige Fassade Cit-Points hinter dem Zeughaus: sugarraybanister.de/orte-der-renaissance/zeughaus
    • Ich sehe keinen wirklichen Unterschied zwischen dem Sieger- und dem drittplatzierten Entwurf. Anscheinend haben sich alle beteiligten Architekturbüros auf dieselbe funktionale Einfallslosigkeit geeinigt, die mittlerweile das ganze Land überzieht. Man befindet sich in der Frage des architektonischen Ausdrucks auf dem Nullpunkt, gänzlich selbstverschuldet.
      Nur wagt es leider kein Architekt, stellvertretend für seine Zunft den Offenbarungseid zu leisten. Zu groß ist der Konformitätszwang und die Angst, verinnerlichte Dogmen zu hinterfragen.
      In dubio pro reko