• Da es für Nürnberg zwar verwirrend viele Einzelthemen, aber weder einen allgemeinen Themenstrang noch einen zu alten Bildern gibt, pack ich den Hinweis mal hierhin, obgleich ich ihn nicht für peripher halte.


    Eine wunderbare Sammlung Alt-Nürnberger Ansichten:
    Old images of Nuernberg - a set on Flickr

    Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
    (Immanuel Kant)

  • Ich entschuldige mich von Herzen für meine früheren arroganten, provokanten, aggressiven und unfreundlichen Beiträge!
    Jesus ist mein Herr und Retter!

  • Prächtige Aufnahmen der alten Freien Reichsstadt. :harfe:


    Zwei Anmerkungen:


    Die Beschriftungen an den Häusern wirken nicht wie heutzutage nur angeklebt, sondern belebend und verschönernd. Die alte Nürnberger Synagoge gehörte damals sicherlich zu den schönsten im Deutschen Reich. Orientalisch anmutend, aber doch kein Fremdkörper im Stadtbild. Was wäre das für ein Gewinn für das heutige Nürnberger Stadtbild!

    In der Altstadt die Macht, im Kneiphof die Pracht, im Löbenicht der Acker, auf dem Sackheim der Racker.


    Hätt' ich Venedigs Macht und Augsburgs Pracht, Nürnberger Witz und Straßburger G'schütz und Ulmer Geld, so wär ich der Reichste in der Welt.

  • @Dirk
    Dieser Gefühlslage kann man sich grundsätzlich nicht verschließen.
    Allerdings empfinde ich eher so:
    es tut unnötig weh, sich das heutige Nürnberg anzuschauen. Eigentlich sind diese Bilder der einzig gangbare Weg, sich "Nürnberg" zu nähern oder vertraut zu machen. Mich lehren diese Bilder an negativen Emotionen eher den zu hassen, der solch Schönheit aus Niedertracht und Minderwertigkeitsgefühl mutwillig zerstört hat, sowie diesen stumpfsinnigen Wiederaufbau zu verachten. Man sieht deutlich, dass Nürnberg nicht Braunschweig oder Hildesheim gewesen war, keine reine Fachwerkstadt also, und dass die viele Häuser durchwegs zeilenweise, schlichte, glatte Sandsteinfassaden hatten. Es war eine reine Ensemblewirkung, die durch einige besondere Einzelbauten (teilweise noch vorhanden, ansonsten jedenfalls rekonstruierbar) bzw Türme in den Sichtachsen ihre einzigartige Pracht erhielt. Eine besondere Detailgetreue, in Dresden ein Muss, wäre gar nicht vonnöten gewesen. Einfach ein Wille zum jahrhundertelang gepflogenen Stil und zur (allerdings peniblen) Einhaltung der alten Grundrisse und Straßenverläufe. Die einzelnen erhaltenen FWH wären in solchen wiedererstandenen Gassen brillante Farbtupfer gewesen, die überdies soetwas wie historische Authentizität gesichert hätten. "Burgstraße, beeindruckende, an Verlauf und äußerem Erscheinungsbild bis heute gut erhaltene mittelalterliche Straßenanlage, mit einzelnen erhaltenen FWH, zumeist auf den historischen Grundmauern und teilweise Erdgeschosssockeln mit altem Material unter vielfältiger Verwendung von Spolien (Holz- und Dacherkern) im alten Stile neuerbaut, im Einzelnen hervorzuheben..." könnte dann im Dehio stehen, und dies könnt fast eine Art Stehsatz für viele Straßen, Gassen und Plätze werden.
    So ist alles vermurkst. Ich glaube nicht, dass es in absehbarer Zeit gelingen wird, ein auch nur kleines , ohnehin teilerhaltenes Viertel mit Anstand wiederherzustellen.
    Aber bleiben wir bei den Bildern:
    Die Marktkolonnaden waren äußerst originell, und in Anbetracht der heutigen Ödnis des Hauptmarktes sollte man eine Wiederherstellung ernsthaft in Erwägung ziehen, noch dazu, da es sich um eine funktional durchaus verwendbare, ja nützliche Konstruktion handelt.
    Was die Synagoge betrifft, so muss ich Freund Breslau widersprechen: sie passte überhaupt nicht ins Stadtbild, wie eigentlich fast alles Runde oder Barocke. Es gibt da nur wenige Ausnahmen, etwa ein hübsches Barockhaus in der Adlerstraße, aber das war es dann auch schon. Sicher ist man heute über die Elisabeth- und Egidienkirche froh, wie denn anders, bei dem Müll, aus dem sie hervorragen, aber damals waren sie echte Fremdkörper. Dass es der Barock in N schwer hatte, etwas Rechtes hervorzubringen, erscheint nur verständlich.
    Ansonsten muss ich den hiesigen Historismus sehr loben (sofern er sich nicht barock gab). Er hat sich nicht nur glänzend eingefügt, sondern sogar das Stadtbild nachhaltig bereichert. Das grundsätzliche Unterbleiben seines Wiederaufbaus stellt einen der unzähligen Fehler im unglückseligen Wiederaufbau dieser einst so beglückenden Stadt dar.

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • Das ist ja eine wunderbare Neuigkeit. - Als ersten Schritt müssen da mal neue Sprossenfenster eingebaut werden.
    Weiss zufällig jemand, ob der Originalzustand (äußerlich) wieder hergestellt werden soll?


    Quote

    (...) Mit Sanierung und Umbau wird dann im dritten Quartal 2013 begonnen. (...)

    Quote

    (...) Auch wurde bei einem Historiker ein Gutachten zur Baugeschichte in
    Auftrag gegeben. Die Ergebnisse sollen in die Sanierungsarbeiten
    einfließen. (...)

    Die Rekonstruktion des ehemaligen Bauzustands wäre sicher zu viel verlangt. (Man denke sich diese Fahnen weg :wink: ).


    Quelle der Zitate: Nürnberger Firma kauft "Deutschen Hof" - Nürnberg & Region - nordbayern.de

  • Ich bin der Auffassung, dass der solvente Investor dem Haus wenigstens einen Teil des ehm. Aussehens zurück geben könnte.

    Es erscheint mir auch durchaus nicht zuviel verlangt, wenigstens den Giebel über dem breiten Erker zur Reko vorzusehen.
    Damit könnte dieser seine einst vorgesehene, ehm. "Berechtigung" zurückerlangen.


    Es muss ja nicht unbedingt eine "Vollreko" vorgenommen werden.

    Im gegenwärtigen Zustand erscheint selbst der ehemalige, alte Glanz des Gebäudes sehr ernüchternd.
    Es ist kaum noch etwas da, dass zum Betrachten anregt.

    An der Fassade des Deutschen Hofes vorgenommene, sehr umfangreiche Reduktionen waren sicher nach den Kriegszerstörungen erforderlich und ggf. aus der Not geboren.


    Jetzt brauchen Konservierungen solcher Reduktionen, die den Charakter des Hauses bis zur Unkenntlichkeit verwischen, jedoch nicht mehr vorgommen werden.

  • Mit einem leichten Augenzwinkern erinnere ich mich gerade an den Konflikt der Interessen und die öfter zu beobachtende Ironie der Geschichte - ein bevorstehender Abriß eines Gebäudes in Nürnberg spielt hier mit hinein. Meine Heimatkirchengemeinde besitzt seit etwa 12 Jahren den Neubau eines Gemeindezentrums, in dem bis jetzt nur ein Orgelprovisorium einer elektronischen Ahlborn-Orgel steht. Nachdem sich vor Jahren ein Orgelbauverein gründete mit dem Ziel der Anschaffung eines neuen Instruments, hat sich ganz kurzfristig durch den in Bälde anstehenden Abriß des Gemeindezentrums Nürnberg-Katzwang die Möglichkeit zum Ankauf einer gebrauchten Pfeifenorgel ergeben, deren Ankauf nunmehr beschlossene Sache ist. Im Dezember wird die 1992 erbaute Köhler-Orgel dort abgebaut werden und nach den ersten 20 Jahren in Nürnberg ihre zweite Lebensstation im goldenen Mainz verbringen. Auf "Klein-Nürnberg" freue ich mich schon sehr.
    Der Abriß des Gemeindezentrums wird, wie zu erwarten, mit Spar- und Rationalisierungsmaßnahmen aufgrund geschwundener Gemeindemitgliederzahlen und der daraus sich ergebenden "Zentralisierung" begründet.
    Für die "Organistae" unter uns: die Orgel stellt realistischerweise ein Positiv dar, da das wichtige Fundament der Principale auf 8´- und 4´- Basis nicht ausgebaut ist. Das Positiv hat folgende Disposition:
    1. Manual (Hauptwerk): Holzgedackt 8´- Gemshorn 4´(mit niedrigen Aufschnitten, de facto ein Gemsprincipal) - Octav 2´ (Vorabzug aus Mixtur) - Mixtur 3fach 2´
    2. Manual (Positiv): Krummhorn 8´- Rohrflöte 4´- Waldflöte 2´- Quinte 1 1/3
    Pedal: Subbass 16´

  • Wo wir gerade beim Thema sind, weiß jemand, was es mit folgender Ruine auf sich hat? In der Literatur über Nürnberg konnte ich nichts finden, und auch in der Denkmalliste scheint sie nicht zu stehen.




    Dabei steht sie eigentlich an recht repräsentativer Stelle, direkt bei den Sieben Zeilen. Ich hatte mir auch überlegt, ob es vielleicht einfach nur eine Gartenmauer mit Tordurchfahrt ist, aber dagegen spricht eigentlich das vermauerte Fenster links, der einsame Konsolstein neben diesem Fenster sowie das Gesims als oberer Abschluss. Außerdem steht an der Wand die Hausnummer 8 (müsste Webersplatz 8 sein).


    diese ruinenreste sind eindeutig aelteren datums-ich schaetze 16./17.Jahrhundert.eine genaue ortsangabe waere intewressant, wohne in der naehe...

  • Was mir beim Betrachten von Nürnberg-Bildern immer sofort ins Auge springt, sind die ausgesprochen hässlichen Fenster. Würde man Gebäude wie die neben der Frauenkirche mit Sprossenfenstern ausstatten, wäre schon ein gewaltiger Fortschritt getan (http://img.fotocommunity.com/photos/6659464.jpg). Wenn man noch parallell dazu punktuelle Abrisse vornehmen würde, wie z.B die Bebauung um die Liebesinsel oder den Hans-Sachs-Platz und durch altstadtgerechte Bauten oder gar Rekos ersetzen (http://www.nordbayern.de/polop…vatives/900/705213118.jpg), dann sähe Nürnbergs Stadtbild schon erheblich besser aus.

    In der Altstadt die Macht, im Kneiphof die Pracht, im Löbenicht der Acker, auf dem Sackheim der Racker.


    Hätt' ich Venedigs Macht und Augsburgs Pracht, Nürnberger Witz und Straßburger G'schütz und Ulmer Geld, so wär ich der Reichste in der Welt.

  • In etwa, vor allem aber die Bebauung rund um die Fleischbrücke.


    http://de.wikipedia.org/w/inde…etimestamp=20090912191345 (das Starbucks-Gebäude natürlich nicht)

    In der Altstadt die Macht, im Kneiphof die Pracht, im Löbenicht der Acker, auf dem Sackheim der Racker.


    Hätt' ich Venedigs Macht und Augsburgs Pracht, Nürnberger Witz und Straßburger G'schütz und Ulmer Geld, so wär ich der Reichste in der Welt.

  • Kürzlich konnte ich wieder mal drei Aufnahmen von Nürnberg erwerben, die eine anonyme Person wahrscheinlich in den 1930er oder 40er Jahren aufgenommen hatte. Auch wenn die Aufnahmen sehr klein sind, ist mir eine davon - allerdings unterbelichtet und leicht schräg aufgenommen - aufgefallen:



    (Originalgrösse)


    Wenn man sie aber stark vergrössert, aufhellt und ins Lot dreht, entpuppt sich das kleine Bildchen als eine wunderbare Aufnahme:


    klicken, und dann nochmals klicken



    Abgebildet ist das obere Ende der Burgstrasse bei der Einmündung von Am Ölberg, und gleich darunter die Einmündung der Schildgasse. Von allen Gebäuden im Vordergrund steht heute einzig und allein noch das schmale helle Haus in der linken Bildhälfte. Vom grossen Eckhaus in der Mitte ist nur noch der Sockel vorhanden, und in den Nachfolgebau integriert worden.




    (September 2009)

  • Wow Riegel, abgefahren was du aus der Aufnahme rausgekitzelt hast. Respekt!

    "Willst du eine Stadt vernichten, baue Kisten, Kisten, Kisten!"