• Für dieses schlimme selbstleugnerische Verhalten des Deutschen Volkes kann man sich bei der "Frankfurter Schule" und den dieser entwachsenen Generation der "68er" bedanken. Erst haben sie die Architektur dieses Landes zertrümmert und dann die Köpfe und all jene, die sich dem mutig entgegenwerfen (M. Walser) werden als "reaktionär" gebrandmarkt.


    ... und im Unglück nun erstrecht ...

  • Quote

    ... und im Unglück nun erstrecht ...


    Das ist wirklich ein passender Sinnspruch... Nürnberg war einfach grossartig und was wir jetzt haben ist hochgelobt und - angesichts der immensen Zerstörungen - wirklich beachtlich, aber trotzdem nur ein kümmerliches Surrogat... Das historische Altnürnberg ist seitens der Stadtverwaltung fast tot - eigentlich unglaublich, sieht man sich die Touristenmassen an, die nur wegen dieser Thematik in die City strömen.


    Nie werde ich die Aussage einer Stadrätin vergessen, die - von den Altstadtfreunden auf die Notwendigkeit von authentischem Kopfsteinpflaster innerhalb eines bestimmten Bereichs der Sebalder Altstadt angesprochen - auf ihre Stöckelschuhe verwies und das man damit auf solch einem Untergrund doch so schlecht laufen könne...


    Arme deutsche Kulturlandschaft...

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    Zitat:
    ... und im Unglück nun erstrecht ...


    Das ist wirklich ein passender Sinnspruch...


    Ich glaub da hat Senator auf die inoffizielle 4. Strophe der Nationalhymne angespielt:




    http://www.deutsche-schutzgebiete.de/deutschlandlied.htm



    Aber zurück zum Thema...

  • Ja, ich meinte tatsächlich die vierte Strophe. Könnte auch zur offiziellen werden, es passt gut in das Gesamtbild dieses Landes ...


    Genug der Politik

  • Das habe ich eben auf der Seite der Stadt Nürnberg gefunden:


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    Wer den Weg von der Lorenzkirche zum Hauptbahnhof nimmt, kommt unweigerlich zum Königstor, wo sich ein gelungener Spagat zwischen Alt und Neu präsentiert: Rechts des Stadtturmes ist der Handwerkerhof mit all seinen kleinen, traditionellen Geschäften, Werkstätten und Lokalen gelegen. Genau gegenüber finden Einheimische und Besucher gleichermaßen einen recht nützlichen Anlaufpunkt – den noch recht neuen Kopfbau des Künstlerhauses K4, in welchem sich die NÜRNBERG Info befindet.

    Diese Einrichtung spielt in doppelter Hinsicht eine bedeutende Rolle: Erstens bietet die NÜRNBERG Info am Tor zur Altstadt einen touristischen Rundumservice für Besucher, und zweitens ist die Glas-Stahl-Konstruktion auch was fürs Auge schlechthin.


    Wer sagt denn sowas ?!?

  • hey jungs, um euch weiter zu deprimieren, schaut mal in den GEO artikel zu moskau...
    der amtierende moskauer buergermeister hat sich naemlich unter uebereinstimmung der meisten dort normal denken leute dem historisierendem bzw aesthetischem urbanismus verschrieben


    neue bruecken ueber die moskwa aus stein mit ornamentik, beton null, nachts beleuchtet, neue hochhaeuser mit ornamentik, angepasste sehr schoene neubauten, rekonstruktionen und und und...
    die reichen russen-jungs bauen neobarock neben roemische villen, das business brummt...
    und deutschland, mit ausnahme von vielleicht bayern, sch... sich weiter und weiter ein


    moskau: es gibt da so gut wie keine einzige beton-glas kaschemme a la deutschelend


    der siegerwettbewerb in nuernberg...
    diese typen inkl. jury sind doch die letzten #$%$##@#$#


    also ich kann hier gar nicht so schlimm schimpfen, wie daemlich dieses ganze germanische architektenpack ist. diese engstirnigen unflexiblen spiessigen pseudokreativen verkrampften kastrierten buchhalter betonkisten-dorftrottel


    man :kopfwand:


    die brauchen wieder 15 jahre laenger als alle anderen, bis sie begriffen haben, dass ihr flachdach-glassfassade-alugelaender stil in deutschen stadtzentren 100% daneben liegt.


    aber das passt doch zu dieser 68er michel mentalitaet, hauptsache alles schoen ordentlich und (pseudo)akademisch, auch wenns schwachsinn ist...

  • Wir haben offenbar ein ziemlich schwerwiegendes individuelles Problem mit uns selbst hier in Deutschland! Ein Patt ...


    Hier mal etwas anderes:
    Im DAF steht etwas über das Projekt Sebalder Höfe nebst softer Stellungnahme der Altstadtfreunde:


    http://deutsches-architektur-f…ead.php?p=97395#post97395


    Hier wurde das Thema auch schon einmal gestreift:


    http://www.aphforum.de/forum/viewtopic.php?p=10089#10089

  • Ich habe ein paar aktuelle Fotos zu zeigen. In diesem Thread poste ich aber nur die, die sich auf konkrete Projekte beziehen, die hier thematisiert wurden.


    1) Wiederaufbau Kasemattenturm I


    Der Wiederaufbau ist abgeschlossen. Ich kann das Millionenvorhaben nur uneingeschränkt begrüßen. Die Bauweise ist innen modern (Ziegel/Beton), außen mit Sandstein verkleidet. Wirkt aber sehr authentisch. Die Fenster sind ein Tribut an die Nutzbarkeit, damit kann man leben. Die Türme wurden ja in den Jahrhunderten immer mal umgebaut.





    2) Sanierung und Teilwiederaufbau Irrerstraße 1


    Die Grabungsarbeiten haben sehr lange gedauert. Es geht nur langsam voran. Die Plane, die den neu zu errichtenden Fachwerkgiebel zeigt, ist oben abgeiknickt, offenbar laufen die Arbeiten am Dachstuhl.


    Die Baustelle ist ganz links:






    3) Sanierung Weißgerbergasse 10


    Die auch hier langwierigen Ausgrabungen bei diesem Anwesen haben dazu geführt, daß die Geschichte Nürnbergs neu geschrieben werden muß. Bereits ins neunte Jahrhundert zurück reichen die Funde. Das Haus sieht zurzeit furchtbar aus, der Giebel scheint ganz zu fehlen. Auch hier müssen wir uns noch ziemlich gedulden.





    4) Erker Hauptmarkt 9


    Gerd Schmelzer, Eigentümer des Anwesens, ließ einen Neurenaissance-Erker der abgerissenen "Seerose" auf das Dach hieven und gleichzeitig alle Fenster durch Sprossenfenster ersetzen. Sehr erfreulich. Zu hoffen ist, daß Lokalpatriot Schmelzer (ex-Präsident des 1. FCN) bei seinem neuesten Projekt "Sebalder Höfe" ein bißchen Rücksicht auf die Altstadtsituation nimmt und seinem Architekten Volker Staab insoweit beeinflußt.



    5) Fleischhaus, Hauptmarkt 1


    Johan hatte angemerkt, daß es eine Diskussion über den Wiederaufbau des Fleischhauses gegeben hat. Diese verstummte jedoch recht schnell wieder, da die Rekonstruktion zu teuer sei. Dann kaufte die Riedel-Holding das Anwesen, deren Vermögen aus der Erbmasse der Großversandhaus-Quelle-Gründer Schickedanz stammt.
    Das Erscheinungsbild ist erträglich, aber die Dachgauben sind zu groß. Ich fand die kleinen halbrunden 50er-Jahre-Kupfergauben früher angenehmer. Die Farbe ist etwas gewöhnungsbedürftig, zuerst dachte ich, man hätte das Haus mit Selbstbräuner eingeschmiert.



    6) Dachrekonstruktion Weißgerbergasse 27/29


    Sehr erfreulich auch der jüngst erfolgte Wiederaufbau dieser Dächer in der Weißgerbergasse nebst Aufzugserkern.




    7) Erkerrestauration Untere Kreuzgasse 5


    Dieser barocke Erker wurde kürzlich fertiggestellt, seine Besonderheit sind die gebogenen Scheiben.



  • Ich wusste nicht dass die Altstadtfreunde so aktiv sind........wie gross sind die verrein und welche kapazität hat es...vielleicht kann man etwas dazu spenden....

  • Ich habe ja drei fragen...


    Wenn ich in Nürnberg austauch-student war, da wohnte ich in Helige-Geist Hospital...es gehörte dann die Evangelische Kirche...es werde dann von die Stadt gekauft...was ist davon geworden...?


    Was ich fand sehr komisch war, die Gebäude ist ja wiederaufgebaut...und unter denkmal-schutz gestellt.....aber es ist ja keine richte wiederauf...auf jeden fall nicht mit dem Wohnheim...gibt es trotzdem nicht möglichkeit auch die Wohnheimts teil im Orgninal zu wiederaufbauen?


    Warum gab es in Nürnberg keine Bewegung die Marktplatz im Orginal zu wiederaufbauen...das verstehe ich immer noch nicht.....übrigens finde ich schade das so ein Prachtstrasse als Karolinenstrasse einmal war, so schlecht wiederaufgebaut ist....

  • Den Nürnberger Marktplatz finde ich absolut furchtbar!
    Und dann kommt auch noch jeden Winter die halbe Welt auf diesen Kahlfassadenplatz.
    Verstehe auch nicht, wieso es an diesem zentralsten Standort keine Rekonstruktionsbestrebungen gibt.
    Diese zwei parallelen Einkaufststraßen, von denen Johan eine angesprochen hat,
    liegen glücklicherweise nicht in der Hauptschneise Bahnhof-Marktplatz-Burg (die wiederrum teilweise sehr attraktiv ist!),
    sind aber tatsächlich durch billigste Nachkriegsbauten verdorben.
    Die Billigbuden dort sehen noch schlimmer aus als am Marktplatz.

    Ich entschuldige mich von Herzen für meine früheren arroganten, provokanten, aggressiven und unfreundlichen Beiträge!
    Jesus ist mein Herr und Retter!

  • Herzlichen Dank, baukunst-nbg!


    Vor allem freut mich riesig, dass es mit dem neuen Sitz der AF inzwischen losging. Das wird eine Verbesserung der dortigen Situation um Größenordnungen.


    Warum war denn der Turm eigentlich so teuer?
    Mit den Fenstern kann ich genausogut leben, wie mit dem Umstand, dass die Buckelquader lediglich vorgeblendet sind.


    Ich glaube, das Haus Weißgerbergasse 10 haben wir damals mit Jürgen innen besichtigt - mein Gott, war da alles schief! ;)

    Eine der vorzüglichsten Eigenschaften von Gebäuden ist historische Tiefe.
    Die Quelle aller Geschichte ist Tradition. (Schiller)
    Eine Stadt muss ihren Bürgern gefallen, nicht den Architekten.

  • Ich freue mich über die große Resonanz zu meinem Bericht. Ich werde auch ein paar weitere Bilder von meiner letzten Tour in die Galerie stellen.


    Doch zuerst zu den Fragen:


    Antiquitus


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    Warum war denn der Turm eigentlich so teuer?


    Die Bausumme betrug meines Wissens 1,2 Mio. DM, also über eine halbe Million Euro. Das ist schon weniger verwunderlich, handelt es sich doch zum einen um ein nicht gerade kleines, fünfstöckiges Gebäude. Zum anderen bringt ein solcher Wiederaufbau in der Mauer sicher einiges an Besonderheiten mit sich, die den ziemlich individuellen Bau teurer machen als ein normales Gebäude.


    @Johan


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    Wenn ich in Nürnberg austauch-student war, da wohnte ich in Helige-Geist Hospital...es gehörte dann die Evangelische Kirche...es werde dann von die Stadt gekauft...was ist davon geworden...?


    Was ich fand sehr komisch war, die Gebäude ist ja wiederaufgebaut...und unter denkmal-schutz gestellt.....aber es ist ja keine richte wiederauf...auf jeden fall nicht mit dem Wohnheim...gibt es trotzdem nicht möglichkeit auch die Wohnheimts teil im Orgninal zu wiederaufbauen?


    Das Heilig-Geist-Spital wird von der Stadt als Seniorenwohnheim betrieben. Im Saal, der noch einige der alten Kirchenfenster der ehem. nördlichen Seitenschiffswand hat, finden Veranstaltungen statt. Auch hier hätte man etwas mehr retten können, denn es stand noch ein Teil der nördlichen Hautpschiffswand einschließlich Obergaden und bis September 1946 das Chorhaupt. Aber Beschwerden sind heutzutage bekanntlich zwecklos.
    Altsubstanz sind eben diese Kirchenwand, die westliche Stirnmauer der Kirche mit dem Dachreiter, ein Teil des Kreuzigungshofes und einige Mauern. Wenn man das alte Spital wiederherstellen wollte, müßte man praktisch alles wieder abreißen, einschließlich Altenheim und Gaststätte.


    @Johan, youngwoerth


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    übrigens finde ich schade das so ein Prachtstrasse als Karolinenstrasse einmal war, so schlecht wiederaufgebaut ist....


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    Die Billigbuden dort sehen noch schlimmer aus als am Marktplatz.


    Stimmt vorbehaltlos. In der Lorenzer Altstadt war das Wirtschaftswunder wahnsinnig wirksam. Hierzu möchte ich aus einem Beitrag im DAF-Forum zitieren, den ich letztens veröffentlicht habe, als Beispiel, daß man auch heute noch vieles falsch macht (man sieht die Karolinenstraße von der Lorenzkirche aus):



    Es handelt sich um die gleiche Perspektive, einmal vor dem Bau des Kaufhaus "Breuninger" (klein), einmal danach. Gerade von oben ist der krasse Eingriff deutlich. Das frühere Gründerzeitgebäude war bereits ziemlich groß im Vergleich zu den Bauten des historischen Nürnbergs. Einen kleinen Teil davon hat Breuninger als Lieferanteneingang an der Rückseite zur Adlerstraße stehengelassen:



    Das voluminöse Dach (Pfeile auf dem oberen Foto) dieses älteren Komplexes konnte jedoch noch recht passend untergebracht werden, ohne das Stadtbild zu stören. Im krassen Gegensatz dazu steht die heutige Investitionsarchitektur, die ausschließlich den Erwerbsinteressen der Bauherren dient, aber der Baukultur in keinster Weise gerecht wird. Die öffentliche Hand ließe sich, wenn überhaupt Widerstand bestünde, leicht durch das Argument in die Knie zwingen, daß die Ansiedlung des Kaufhauses Arbeitsplätze schafft und die Attraktivität der Stadt für Konsumenten steigert und letztlich die Kommune finanziell profitiert. Gestalterische Vorgaben behindern ferner die Planung angesichts funktioneller Vorstellungen des Bauherrn. Die Persönlichkeit des gewählten Architekten und dessen individueller Stil erzeugen häufig weitere Spannungen.


    Würde man dem freien Lauf lassen, dann wäre keine einigermaßen geordnete Bauentwicklung möglich, jeder würde seine Hütte hinstellen, wie er will. Beispiele dieser Art gibt es genug, es sieht dann wahrscheinlich irgendwann aus wie in einem Industriegebiet. Kaum zu glauben, daß es verantwortliche Leute gibt, denen es wurscht ist, daß in denkmalsensiblen Bereichen so etwas passiert. In der Brunecker Straße ist es mir auch egal, aber nicht in der Lorenzer Altstadt.



    @Johan, youngwoerth


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    Warum gab es in Nürnberg keine Bewegung die Marktplatz im Orginal zu wiederaufbauen...das verstehe ich immer noch nicht.....


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    Verstehe auch nicht, wieso es an diesem zentralsten Standort keine Rekonstruktionsbestrebungen gibt.


    Die Frage nach dem Hauptmarkt-Wiederaufbau höre ich persönlich sehr oft, in den Medien wird diese absolut nie thematisiert. Warum? Weil es praktisch unmöglich ist, daß der alte Hauptmarkt wieder ersteht.


    Für die Frage nach dem Hauptmarkt müßte man das Rad der Geschichte nochmal 50-60 Jahre zurückdrehen. Wenn einmal etwas wiederaufgebaut ist, dann steht es erst einmal. Was man am meisten am Hauptmarkt vermißt, ist ja das Haller'sche Gebäude auf der Nordseite, wo jetzt das Rathaus steht. Dieses ist bereits selbst wieder ein Baudenkmal der Nachkriegszeit und somit abrißfest. Außerdem gehört der Hauptmarkt mit Ausnahme des Rathauses lauter Privatleuten. Die müßten enteignet werden; das dürfte kaum zu rechtfertigen sein. Zudem möchte da niemand eine Dauerbaustelle haben.


    Doch das größte Problem ist mit Sicherheit das Geld. Wiederaufbauen könnte man viel - es ist hauptsächlich eine Frage des Geldbeutels. Wenn das Geld da wäre, würden sich wohl auch politische Barrieren überwinden lassen, auch wenn das vorher sicher bestritten werden würde. Schließlich ist man dann selbst der umworbene, arbeitsplatzschaffende Investor. Bill Gates, gib mir nur eine deiner Milliarden, das würde uns hier schön echt weiterhelfen.

  • Zeitungsmeldungen vom heutigen Tag:


    1) Der Vater der Altstadtfreunde, Dr. Mulzer, ist im Alter von 76 Jahren verstorben:


    http://www.nz-online.de/artikel.asp?art=404344&kat=11


    2) Zu den neu gebauten Dacherkern in der Weißgerbergasse:


    http://www.nn-online.de/artikel.asp?art=404316&kat=10&man=4


    http://www.nz-online.de/artikel.asp?art=404348&kat=11&man=4

  • Also nicht erschrecken, habe die Beiträge, Dr. Mulzer betreffend, abgetrennt.

    Eine der vorzüglichsten Eigenschaften von Gebäuden ist historische Tiefe.
    Die Quelle aller Geschichte ist Tradition. (Schiller)
    Eine Stadt muss ihren Bürgern gefallen, nicht den Architekten.