• Die Nürnberger Altstadtfreunde, die Gesellschaft Dresdner Neumarkt und Herr Wilhelm von Boddien kann man denke ich getrost als die heilige Trinität der alten Baukultur bezeichnen.

    Na das hat noch keiner von uns gesagt.... danke danke!!!

  • Nürnberg kann sich glücklich schätzen die Altstadtfreunde zu haben. Ich wünschte, Vergleichbares gäbe es in jeder Stadt.

  • ^

    In vielen Städten, v.a. in den "neuen Bundesländern" braucht es Altstadtfreunde garnicht, weil die Stadtverwaltung und Ämter selbst in der Lage sind, die Weichen richtig zu stellen. Die Altstadtfreunde Nürnberg sind der logische Gegenpol zu einer Lokalpolitik, die die Geschichte der Stadt ablehnt und sie, beginnend mit allem Gebauten, ändern will. Seit Mitte der 1950'er schon. Dabei wäre es so einfach....

  • nothor, ich kann nicht erkennen dass die Lokalpolitik (Stadtverwaltung und Ämter) hier in Stuttgart besonderes Gespür und Engagement für das historische Stadtbild (bzw. was davon noch vorhanden ist) an den Tag legen. Um nur ein Beispiel zu nennen. Dein zweiter Satz lässt sich 1:1 auf meine Heimatstadt übertragen, allerdings ohne dass irgendein Gegenpol existiert. Das macht die Altstadtfreunde in Nürnberg so wichtig und wertvoll.

  • ^

    Ja stimmt, ich glaube je weiter man nach Westen kommt, desto schlimmer wird es. Köln, Stuttgart, in meinen Augen verlorene Städte. Und leider Vorbild für Nürnberg. Ich dachte eher an Leipzig, Halle, Erfurt, aber auch Augsburg oder Regensburg.

  • Letztere Städte profitieren allerdings von ihrer noch reichlich vorhandenen historischen Bausubstanz. Es ist somit kein Verdienst der Lokalpolitik dass diese Städte einen besseren Eindruck machen, sondern ein glücklicher Umstand, dass man dort nicht so viel städtebaulichen Schaden anrichten kann. In Dresden kann man beobachten, wie genau das außerhalb des Einflussbereichs der GHND leider geschieht. Bausünden entstehen überall dort, wo sich Platz dafür bietet, selbst in Städten mit großem Namen und der damit eigentlich verbundenen Verpflichtung. Deswegen darf man sie aber trotzdem nicht verloren geben, zumal vieles von dem was in der jüngeren Zeit gebaut wurde/wird aufgrund funktionaler und ästhetischer Mängel nur für wenige Jahrzehnte existiert.

    In dubio pro reko

  • Der Aufsessplatz südlich der Nürnberger Altstadt erhält einen Neubau. Anstelle des hässlichen Nachkriegskaufhauses mit den Kacheln von Egon Eiermann entsteht ein neuer Komplex, der allein schon durch seine Materialwahl deutlich angenehmer daherkommt. Trotzdem schade, dass der zerstörte Mendelsohn-Bau nicht rekonstruiert wird.


    Quote

    Das einstige „Schocken“ von Erich Mendelssohn nehmen H2M zum Vorbild für die Materialwahl und Gliederung der neuen Fassade. Dabei wollen sie mit Fertigteilen aus Recyclingbeton mit Klinkerzuschlägen einen Arkadengang formulieren, der die Straßenebene als öffentliche Gewerbezone auszeichnet. Mit einer kleinteiligen Lochfassade aus Klinker in den Obergeschossen markieren sie die privaten Nutzungen. Die massiven Wände sind in farblich changierenden Ziegeln und variierenden Verbänden geplant. Das Parkgeschoss auf einer höheren Ebene wird mit einer begrünten Fassade als eine „Überhöhung der städtischen Zone“ aufgegriffen.


    Anstelle des alten Schocken - H2M gestalten Fassade am Aufseßplatz in Nürnberg

    In der Altstadt die Macht, im Kneiphof die Pracht, im Löbenicht der Acker, auf dem Sackheim der Racker.


    Hätt' ich Venedigs Macht und Augsburgs Pracht, Nürnberger Witz und Straßburger G'schütz und Ulmer Geld, so wär ich der Reichste in der Welt.

  • Zitat baunetz:


    Quote

    Das einstige „Schocken“ von Erich Mendelssohn nehmen H2M zum Vorbild für die Materialwahl und Gliederung der neuen Fassade.

    Quote

    Bodentiefe Fenster im Wohnbereich mit Brüstungen und textiler Beschattung sollen die Schmuckformen der umliegenden Gründerzeitbauten zeitgenössisch interpretieren. Dabei greifen die Architekten in den Brüstungen auch auf die berühmte Eiermann-Kachel zurück, deren Motiv sie immer wieder in die Fassade integrieren.

    Mendelsohn zitiert, Eiermann integriert, Gründerzeitbauten interpretiert.... da scheint auf Nürnberg ja ein wahres Juwel zuzukommen.


  • Manchmal kann es nicht schaden, sich mit anderen (Bau-)Bewegungen auseinanderzusetzen. Hier geht es hauptsächlich um den Erhalt des Brutalismus, nicht vom Titel täuschen lassen und dann enttäuscht sein. Es ist aber ein qualitätsvoller, aufrichtiger Überblick über den Bestand in Nürnberg.


  • Es gibt durchaus tolle, fantasievolle, futuristische Beispiele des Brutalismus.

    Die Beispiele aus Nürnberg haben mit fantasievollem Brutalismus leider nicht das geringste zu tun. 08/15-Kisten ohne jede Inspiration. Genau wie das "Zukunftsmuseum" und der unsägliche "Augustinerhof".

  • Nebenbei - was ist "Brutalismus in Beton"? Klingt irgendwie nach tautologischem Pleonasmus.

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • Der Begriff Brutalismus kommt ja nicht von „brutal“ sondern eher von der Sichtbarkeit des Rohmaterials, im Normalfall eben Beton. Es ist eine von wenigen Architekturströmungen, der ich mal überhaupt nichts abgewinnen kann. Aber es gibt durchaus erhaltenswerte Gebäude aufgrund ihrer Einzigartigkeit.

    Wo die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten
    Karl Kraus (1874-1936)

  • Ich finde es sehr interessant, wie die neuen "Trends" der Architektur, wie am Ende des Videos kurz angemerkt, das Bauen in Holz und (momentan noch weniger) Stein sein werden bzw. schon sind. Also genau das, was das Bauen in den Städten bis zum zweiten Drittel des 20. Jahrhunderts über Jahrtausende ausgemacht hat. Plötzlich kommt den Menschen in den Sinn, dass vielleicht genau diese natürlichen Materialien der Schlüssel zum Erfolg sein könnten. So, als sei der Großteil der Architekten 100 Jahre lang völlig verblendet gewesen und so, als ob diese jetzt aus einem langen Delirium erwachten und den Kater spürten. Interessante Entwicklung. Vielleicht geht der Trend ja tatsächlich auch wieder zum klassischen Blockrand mit Häusern aus o.g. Materialien. Und eventuell sogar mit Satteldächern (was wohl eher ein Traum bleiben wird...).

  • Ich finde es sehr interessant, wie die neuen "Trends" der Architektur, wie am Ende des Videos kurz angemerkt, das Bauen in Holz und (momentan noch weniger) Stein sein werden bzw. schon sind. Also genau das, was das Bauen in den Städten bis zum zweiten Drittel des 20. Jahrhunderts über Jahrtausende ausgemacht hat. Plötzlich kommt den Menschen in den Sinn, dass vielleicht genau diese natürlichen Materialien der Schlüssel zum Erfolg sein könnten. So, als sei der Großteil der Architekten 100 Jahre lang völlig verblendet gewesen und so, als ob diese jetzt aus einem langen Delirium erwachten und den Kater spürten.

    Ich kann Dir sogar erklären, wieso es so lief. Das Geheimnis lautet unbegrenzt verfügbare Energie (chemische Energie). Solange ich diese Prämisse annehme, kann ich Häuser bauen, die ich nicht (oder bedingt) recyclen kann, die enorm viel Energie wortwörtlich verbrennen beim Herstellen und auch beim Bauen und beim Abriss wieder viel Energie brauchen.

    Und das war nicht erst eine jüngste Entwicklung: Ziegel gibt es bei uns auch erst in breiter Verfügbarkeit seit es viel Kohle gibt.

  • Die Heiliggrabkapelle in Nürnberg war mir bisher gar nicht bekannt, sie hat aber etwas sehr romantisches, ihr versteht denke ich was ich meine. Leider wurde sie im Krieg zerstört/beschädigt? und später abgebrochen.

    https://pin.it/pmgAgyz

    Hat die Schönheit eine Chance-Dieter Wieland