• ^Hat man noch nicht herausgefunden, dass Streicher im Pellerhaus mal eine Zigarette geraucht hat? Oder Goebbels im Bratwurstglöcklein mal eine Wurst vernascht hat? Das wären doch dann doch die treffendsten Argumente gegen eine Rekonstruktion. Also müssten die Stadthistoriker mal von der aktuellen Stadtverwaltung auf dieses Thema angesetzt werden.


    Aber danke, "Götzenhainer", für den Hinweis. Vermutlich trifft das die heutige unentspannte Denkweise in Deutschland recht gut. So steht zu befürchten, dass dort ein grausiges Neubau-Konstrukt hingesetzt wird.

  • ^Hat man noch nicht herausgefunden, dass Streicher im Pellerhaus mal eine Zigarette geraucht hat? Oder Goebbels im Bratwurstglöcklein mal eine Wurst vernascht hat? Das wären doch dann doch die treffendsten Argumente gegen eine Rekonstruktion. Also müssten die Stadthistoriker mal von der aktuellen Stadtverwaltung auf dieses Thema angesetzt werden.


    Aber danke, "Götzenhainer", für den Hinweis. Vermutlich trifft das die heutige unentspannte Denkweise in Deutschland recht gut. So steht zu befürchten, dass dort ein grausiges Neubau-Konstrukt hingesetzt wird.

    Alleine schon das Nürnberg die Stadt der Reichsparteitage war , hätte doch dazu berechtigt nach 45* aus dem Schutthaufen eine Wiese zu machen , Ironie off.

  • Naja, wenn man diese Argumentation konsequent zu Ende denkt, wäre dem so. Städte wie Berlin, München, Stuttgart, Hamburg oder Nürnberg hätten niemals wieder bewohnt werden dürfen. Geschweige denn wiederaufgebaut auf den alten, verseuchten Flächen. Das ist die Schlussfolgerung, die aus den unsinnigen Argumentationen gegen Rekonstruktionen resultiert.

  • ^

    Während natürlich die Großkonzerne, die mit ihren Produkten die vom Dritten Reich ausgelösten Verheerungen erst möglich gemacht haben, weiterhin und teilweise unter staatlichen Schutz Geschäfte machen dürfen.


    Auch dieses "Streicher hat dort die Nazi-Ortsgruppe Nürnberg gegründet" ist in meinen Augen nur ein Hilfsargument, das Rekos verhindern soll, aber es verfängt halt. Aber auch rein praktisch gesehen kann ich mir eine originalgetreue Reko nicht vorstellen, heute will man ja dann doch mehr Fenster, mehr Fläche haben. Aber solange eben nicht sowas da entsteht kann man optimistisch bleiben. Mehr Glas? Von mir aus, aber dann auch Naturstein statt Wärmedämmverbundsystem mit Dünnschicht-Reibeputz und lächerlich überdimensionierten Dachgauben.


    Aber ich glaube nicht dass das Projekt als Kindergarten umgesetzt wird. Die Pro-Kop-Baukosten währen unverhältnismäßig hoch, da findet die Stadt sicherlich genug andere Orte. Mir persänlich wäre da aber tatsächlich ein Biergarten lieber, als Ersatz für den nun seit jahren geschlossenen Marientorzwinger. Wäre sicherlich günstiger zu bauen und würde mehr Geld einbringen.

  • Also das hier:


    https://www.google.com/maps/@4…8WET4g!2e0!7i13312!8i6656


    ist für mich ungleich schlimmer als dein Beispiel, nothor.

    Und das Allerschlimmste ist das hier:


    https://www.google.com/maps/@4…3RaEYA!2e0!7i13312!8i6656


    Das seynd so die Dinge, die einem das heutige Nürnberg so gründlich verleiden.

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • Also das hier:


    https://www.google.com/maps/@4…8WET4g!2e0!7i13312!8i6656


    ist für mich ungleich schlimmer als dein Beispiel, nothor.

    Das Haus hatte übrigens direkt nach dem Bau eine Sandsteinverkleidung!!! Die ist irgendwann mal gegen diese weiß-graue Material getauscht worden und dadurch hat das Doppelhaus massiv an Qualität eingebüßt. Ich hoffe hier auf eine baldige Sanierung mit Rückversetzung in den Ursprungszustand.


    Und dein Beispiel vom Kaufhof, nunja, ich denke nicht dass der Bau noch Jahrzehnte Bestand haben wird.

  • Aber ich hab auch nicht mehr viel länger Bestand, das ist das Problem.

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • Aber ich hab auch nicht mehr viel länger Bestand, das ist das Problem.

    Aber ein sehr individuelles. Und übrigens, auch der Kaufhof war vor irgendeiner Sanierung mal mit Sandstein verkleidet, wie mir einfällt.

    Leider haben diese "Modernisierungen" stets dazu beigetragen, dass die Bauwerke heutzutage mglw. wirtschaftlich funktionieren, aber ästhetisch komplett abgelehnt werden. Sanierungen sind daher immer kritisch zu sehen, wenn sie sich nicht am Originalentwurf orientieren.

  • Aber solange eben nicht sowas da entsteht kann man optimistisch bleiben.

    Und das ist das Problem. Ich bin angesichts der derzeitigen Dominanz des Modernismus und dessen Kontrast-Wut meist pessimistisch, was solche Vorhaben angeht. Im Zweifel derzeit lieber die Rekonstruktion bevorzugen, als irgendwelchen Experimenten trauen. So jedenfalls meine Meinung.

  • Das Spektrum einer Bebauung liegt doch zwischen


    ak-fuerthertor.jpg
    Fürther Tor mit “Gartenrestauration Ludwigstorzwinger". 1927 gelaufene Ansichtskarte. Franz Klahr, Photo-Anstalt, Nürnberg.


    und


    schuett_3063x40_15.09.09.jpg

    Südlicher Pegnitzarm beim Kasemattentor, 2009.


    Die Architekten wissen doch genau, wie eine Kindertagesstätte auszusehen hat. Einfach mit mehr horizontalen und kindergerechten Fensterschlitzen und der Denkmalpflege zuliebe anthrazit anstatt rot gestrichen.


    Ich dachte wirklich an ein Märchen, als ich las, dass an diesem Unort eine Kindertagesstätte errichtet werden soll; passt aber - Märchen und Kindertagesstätte.


    Der Unort von der Innenseite:


    schlotfegergasse_3372xx30_16.09.09.jpg
    Schlotfergergasse, Fürther Tor von innen, 2009.


    Der Unort von der Aussenseite: https://goo.gl/maps/rpfswUHYtFwnHfDc8

    Der Unort aus Satellitensicht: Google maps mit Plärrer und Schlotfegergasse


    Eine 50-plätzige Kindertagesstätte - das heisst: 100 Autofahrten mit Kurzparkplatzsuche täglich... Wo parkieren die alle? Der Fairness muss ich aber beifügen, dass hier ein Ersatz für zwei Einrichtungen in der Nähe (Mostgasse, Karl-Grillenberger-Strasse) geschaffen werden soll. Wobei diese zusammen aber nicht 50 Plätze aufweisen.


    Der zweite Satz im 1. Bericht der Stadt lautet bereits

    Quote

    Es besteht nun die Möglichkeit, mit einem finanziellen Zuschuss der Emanuel-Wöhrl-Stiftung eine neue Bebauung des Fürther Tors mit der Nutzung als Kindertagesstätte umzusetzen.

    Ohne einen finaziellen Zustupf geht es also nicht. Arme Stadt. Die Emanuel-Wöhrl-Stiftung stellt aber gemäss dem 2. Bericht der Stadt auch eine Bedingung:

    Quote

    Die Wöhrl-Stiftung verknüft ihre Finanzierungszusage mit der Zusage, dass die Immobilie den Namen "Emanuel-WÖHRL-Kinderhaus" trägt. Ohne Zuschuss ist das Projekt unwirtschaftlich.

    Wunderschöner Name. Die Kinder lernen also bereits im Vorschulalter schwieriges deutsches Aussprach. - Der Zuschuss beträgt 400'000 €, die Baukosten 4'970'000 €. Das Zünglein an der Waage sind also 8%, sonst bekommen die armen Kinder kein neues Dach über dem Kopf. Die Initiative, den Unort wieder zu beleben, kam von der CSU-Stadtratsfraktion, allerdings ohne Nutzungsvorgabe.


    Nun heisst es weiter im 2. Bericht:

    Quote

    Eine Bebauung des Zwingerbereichs ist nicht angestrebt.

    [...]

    Gestalterisch gilt der langjährige Konsens mit dem Landesamt für Denkmalpflege bezüglich der historisierenden Gestaltung von An-, Um- und Aufbauten im Bereich der Stadtmauer, um das einheitliche Erscheinungsbild der Stadtmauer zu bewahren.

    "nicht angestrebt" heisst aber "ist allenfalls möglich". Und wie der "langjährige Konsens" aussieht... siehe 2. Bild dieses Beitrages.


    Da stinkt doch viel zu viel in dieser Angelegenheit!

  • Ich kann mir eine moderne Bebauung nicht vorstellen. Der Denkmalschutz und das Eigenverstaendnis liegen dem zuwieder.

    Die Stadtmauer und die Burg sind DAS was Nuernberg fuer Nuernberg ist. Ich glaube wir koennen Ruhig bleiben.

    I schlimmsten Fall kommt ein Bau im historischem Gewand.

  • So, wir haben unseren naechsten Wiederaufbau in Nuernberg:


    Baureferent Daniel Ulrich hat auf Twitter den wiederaufbau des als Stummel erhaltenen Turm "Blaues G" aus der Stadtmauer

    vorgeschlagen. Der Mann hat uebrigens etwas zu sagen.

    Hier auf Twitter:


    Dieser Turm war einst Teil des Marientorzwingers . Der Turm war etwas versteckt und daher noch nicht aufgebaut worden.

    Hier die Strassenansicht: https://www.google.com/maps/@4…bfov%3D100!7i13312!8i6656


    und noch einen schoenen Abend!

  • Wenn man sich Nürnberg so anschaut in der Gesamtbetrachtung, fallen zwei Dinge auf.


    Es fehlen die herausragenden Traditionsinseln, wie es sie etwa in Braunschweig gibt, dort gelegentlich als Traditionsmüll bezeichnet. Der Nürnberger Hauptmarkt ist weitgehend langweilig und müsste zu 2/3 aufgewertet werden, aber bei private Häusern ist dies wohl schwierig. Die Altstadtfreunde und ihr Konzept des Anbauens alter Teile kann langfristig etwas helfen, aber es fehlt der große Wurf.


    Die gut sichtbare Materialität des roten Steines hilft auch den einfachen Bauten in näherer Betrachtung, sie über die Banalität des üblichen Wiederaufbaus zu heben. An der Stelle lassen sich wahrscheinlich viele Einwohner blenden und empfinden Nürnberg als gelungene Altstadt. Der Albrecht Dürer Platz ist wahrscheinlich ein Beispiel für eine Bausituation, die eigentlich nur von der Wirkung des Materials lebt (soweit noch vorhanden). Auf den größeren Plätzen hilft dies weniger, da die Bauten weiter entfernt stehen und man vor allem die Kubaturen wahrnimmt, weniger das Material.


  • Gibt es eigentlich Neuigkeiten zum Stand des tollen Hauses "Zum Savoyischen Kreuz"?

    Die Frage von "Resurrectus" ist bis heute unbeantwortet. Mittlerweile ist dieser Immobilien-Deal ein Jahr her. Getan hat sich offenbar gar nichts.


    Nun wollte ich mal zu den Projekten dieser "Sturmtor Immobilien GmbH" schauen, die statt der Altstadtfreunde den Zuschlag für das Gebäude erhalten hat. Das Ergebnis:

    1. Auf der Webseite der Gesellschaft komme ich über die Startseite mit einer Adresse nicht hinaus.

    2. Bei "Immowelt" ist zu lesen: "Derzeit haben wir keine Immobilien bei immowelt in der Vermarktung"


    Was steckt dahinter? Insolvenz? Immobilienspekulation? Weiterverkauf an andere Spekulanten? Der normale bürokratische Lauf der Dinge im heutigen Deutschland?... huh:)


    Vielleicht sollten die Altstadtfreunde mal nachhaken, was dort los ist.

  • Das ist so eine riesen Sauerei. Das stinkt mir alles nach Politklüngel. Auch ich habe über diese Firma nichts Vernünftiges finden können. Unglaublich, was in Nürnberg manchmal abläuft.

  • Auf der Webseite der "Sturmtor Immobilien GmbH" steht unter Impressum:

    Quote

    Impressum

    Geschäftsführer Thomas Fritsch, Franz Hofbeck

    Amtsgericht

    Nürnberg

    HRA 17563 UstID DE 306 338 592