Berlin-Kreuzberg

  • Das riesige Gebäude des Deutschen Patent- und Markenamtes/Europäischen Patentamtes an der Gitschiner Straße wurde in jüngster Zeit denkmalgerecht saniert und instandgesetzt.
    Das Ergebnis kann sich sehen lassen - der Bau sieht wieder hervorragend aus.





    Die erläuternde Projektseite der ausführenden Architekten:
    Patent- und Markenamt - Sting Architekten ELW




    Doch kaum eine Nachricht, welche keinen bitteren Beigeschmack hat - an der Alten Jakobstraße wird zur Zeit das Nachbargrundstück bebaut.


    Was dort entsteht, stellt sich leider als eine regelrechte städtebauliche Zyste dar, die schon als unverfroren missgestaltet bezeichnet werden kann.



    Vollkommen unnötiger Stumpfsinn! :daumenunten:

    Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
    (Immanuel Kant)

  • Haha über diesen Entwurf muss ich irgendwie lachen, denn:
    - es fällt dafür immerhin kein schönerer Bau, also gut, dürfen sich die Architekten und Investoren da austoben, und
    - es steht direkt neben einer echten Perle und zeigt eindrucksvoll, wie wenig man heute zustande bringt. Na wenn das mal nicht ein Fanal für die gegenwärtige Architektur ist, die jeden Bezug zum hier und jetzt verloren hat.


    Auf dem Mond könnte ich mir das gut als Geräteschuppen vorstellen, aber diese uninspirierte Melange an Antifarben und banalen geometrischen Formen ohne Bezug zu Mensch, der Umgebung oder anderen haptischen Bezugsgrößen an dieser Stelle ist einfach grotesk. Naja was nicht schön genug ist, um bewundert zu werden, sei einfach hässlich.

  • Sieht irgendwie aus, als hätt's ein BMW Gina mit ner Jalousie getrieben...


    Aber auch wenn schön sicher anders ist, muss ich sagen: der Neubau ist immer noch besser als irgendein Glas-Beton-Würfel à la Kanzleramt, Neues Museum (... Eigentlich sollte hier eine ironische Anmerkung dazu stehen, aber Angesichts dieser Grausamkeit fehlen mir jedes mal aufs neue die Worte...) oder der Block zwischen Friedrich-, Mohren-, Tauben- und Charlottenstraße, vom neuen Schinkelplatz ganz zu schweigen.
    Modern und banal ist der Bau zwer, mit Sicherheit, aber immerhin mit einer gewissen Dynamik. In einer sonst kaum zerstörten Gründerzeitstadt sicher ein ganz reizvoller Kontrast. Leider vergessen die Architekten von heute oft eins: BERLIN IST NICHT UNZERSTÖRT!!! UND BIETET - Überraschung! - DE FACTO AUCH KEINE KONTRASTE MEHR!!!


    Darüber hinaus frage ich mich, wie das Ding wohl in 20 Jahren aussieht. Auf lange Sicht ist wohl selbst Versailles einfacher instandzuhalten als diese Stahlröhrenorgie.

    Form is Function.


    "Fürchte nicht, unmodern gescholten zu werden. Veränderungen der alten Bauweise sind nur dann erlaubt, wenn sie eine Verbesserung bedeuten, sonst aber bleibe beim Alten. Denn die Wahrheit, und sei sie hunderte von Jahren alt, hat mit uns mehr Zusammenhang als die Lüge, die neben uns schreitet."

    Adolf Loos (Ja, genau der.)

  • Es muss sich ja für Investoren irgendwie immer noch auszahlen. Anscheinend muss es immer noch irgendwelche "hippen" Leute geben, die meinen, wenn sie in einer solchen Blechbude leben, dass sie auf der Erfolgsleiter nach oben geklettert wären. Würde nämlich der Eigentümer seine Wohnungen nicht zum eigenen Wunschpreis verkaufen oder vermieten können, käme er vielleicht mal ein bisschen ins Nachdenken. Ich persönlich würde in so einem Haus nie eine Wohnung kaufen. Aber, die ästhetischen Ansprüche sind ja offenbar sehr unterschiedlich.

  • Heutzutage werden viele Wohnungen an Investoren verkauft, an Fonds. Die schauen sich die Wohnungen doch nie an, sondern da werden nur Kataloge und Broschüren ausgewertet und kalkuliert. Da ist es völlig egal wie das Haus aussieht. Er fehlt an treffsicheren Bauvorschriften, hier wie dort.

  • Die investoren interssiert nur der Standort, an verkehrsmäßig zentralen Orten könnt man theoretisch auch ne genagelte Bretterbude gewinnbringend vermarkten....wobei das gegenüber gewisser architektonischer Entgleisungen noch einen gewissen Charme hätte :biggrin:

  • Der Neubau Alte Jakobstraße 166/67 - siehe bereits hier - ist dann auch fertig.



    :blah:http://www.metropolenhaus.de :blah:


    An meinem damaligen Urteil nach Maßgabe des Bauschildes brauche ich keine Abstriche vorzunehmen.

    Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
    (Immanuel Kant)

  • Ich nehme auch keine Abstriche von meinem einstigen Urteil vor. Sieht für mich wie ein aufgehipptes Parkhaus aus. Eine Wohnung würde ich dort nie nehmen. :daumenunten:

  • Gewiss kann eine Komposition nicht nur aus Folklore und nicht nur aus Klassik bestehen. Vielmehr ist die Musik um Ska, Punk und Techno erweitert worden. Jedoch haben die Schätzenden dieser jeweiligen Stilrichtungen es bisher vermieden, gegenüber der Mehrheit der Nichtmögenden eine Dauerpräsenz am beliebigen Ort an den Tag zu legen.


    Wenn es das glatte Gegenteil von "gut eingeFÜGT" gibt, dann versinnbildlicht es dieses Gebäude.

  • So uneingepasst finde ich es schon wegen der strukturierten Holzfassade nicht.


    Die Fassadenverblendung besteht aber tatsächlich aus Blechlatten. Und nun? :zwinkern:


    Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
    (Immanuel Kant)

  • Ich will hier nochmal an einen alten Beitrag anknüpfen, wobei es da um Gefühle im Menschen ging. Das ist natürlich rein subjektiv und dennoch an anderer Stelle wiederum anthropologisch.


    Es ist offensichtlich aufgrund der heutigen Materialien technisch möglich, ein 300 Meter hohes haus stabil auf fünf Meter Grundfläche zu gründen, sodass ein Baukörper von gut 30 Meter zu allen Seiten überhängt. Aber kein einziger kann mir erzählen, dass er gänzlich frei von Angstgefühlen wäre, wenn er dort drunter durchgeht.


    Auch wenn es vermessen klingt: Ich behaupte einmal kühn, dass 90 % der Vorbeigehenden als erste Assoziation durch mangelnde Haltbarkeit verbogene Blechplatten in den Sinn kommen.

  • Stimmt, während man dem Bauschild vielleicht noch glauben wollte, dass hier was Originelles entstehen könnte (wenn auch am völlig falschen Ort), so muss man nun entsetzt feststellen, dass hier billigste Sozialbauarchitektur mit billigsten Lattenkonstruktionen schlecht kaschiert wurde.
    Welcher Architekturpraktikant hat das denn wieder verbrochen? Der sollte zur Strafe gezwungen werden, gegenüber zu wohnen und jeden Tag auf den Mist gucken zu müssen. Vielleicht würde ihm oder ihr dann irgendwann ein Licht aufgehen.
    Aber diese unsensible selbstverliebte Architektengeneration ist so verblendet, dass kaum noch was zu helfen scheint.
    Die geilen sich an ihrem Schund nur noch weiter auf....

    Dem bald wieder aufgebauten Berlin stehen goldene Zeiten bevor .....