Halle (Saale)

  • Eine weitere sehr gute Meldung aus Halle: Das um 1605 am Alten Markt erbaute Gebäude "Goldener Pflug", welches seit 20 Jahren leer steht, wird saniert und danach künstlerischen und kulturellen Aktivitäten dienen.


    Quote

    Da die GmbH gemeinnützig sei, ergo keinen Gewinn erwirtschaften wolle und dürfe, seien die moderaten Mieten möglich. Die künstlerisch-kulturelle Nutzung des „Golden Pflugs“ für weitere 15 Jahre ist also gegeben - sie ist eine Voraussetzung für die Förderung der Sanierungsarbeiten. Das Geld, fast eine Million Euro, stammt zu 70 Prozent aus dem Stark III-Investitionsprogramm der EU. Die restlichen 30 Prozent trägt gGmbH.


    Goldener Pflug in Halle - Alte Kneipe soll jungen Kreativen mehr Platz bieten


    Ansicht des Gebäudes

    In der Altstadt die Macht, im Kneiphof die Pracht, im Löbenicht der Acker, auf dem Sackheim der Racker.


    Hätt' ich Venedigs Macht und Augsburgs Pracht, Nürnberger Witz und Straßburger G'schütz und Ulmer Geld, so wär ich der Reichste in der Welt.

  • https://www.mz-web.de/halle-sa…ose--hat-zukunft-32416566


    Das gilt zwar auch für die Rose und ist sehr erfreulich - für die Gebäude. Zunächst.


    Was ich allerdings für erheblich unerfreulich halte - es fröhnen dort mehr oder weniger talentierte Künstler ihren privaten und damit auch privatwirtschaftlichen Hobbys. Die nun aufgerufene "Miete" wird es in absehbarer Zeit nicht ermöglichen, laufende Instandhaltungen zu finanzieren, was wohl auch nicht im Interesse liegt. Wenn jemand so laut das "Gemeinwohl" im Mund führt, werde ich immer sehr skeptisch.


    So macht man sich einen schlanken Fuß und freut sich, daß man (Förder-) unser aller Geld bekommt. Nun aber wirtschaftlich vernünftig damit umzugehen und das Gebäude zu erhalten und weiter zu sanieren - das sehe ich bei diesen finanziellen Konstrukten und handelnden Personen (bekannt, leider...) nicht.
    Wer so großzügig mit Geld bedacht wird, hat meines Erachtens die verdammte Pflicht und Schuldigkeit, dann auch etwas für die weitere Erhaltung zu tun - das sehe ich hier nicht.


    aber nun gut, erstmal saniert, der Rest wird sich zeigen und damit immer noch besser als Leerstand und Einsturz.

  • Als städtebauliche Maßnahme, dort eine Brache in Randlage der Innenstadt zu beheben, mag das seinen Sinn machen. Aber, ich habe mir mal den Wohnungsbericht der Stadt Halle angeschaut. Demnach haben Ende 2017 über 12.500 Wohnungen leer gestanden, 5100 vor 1948 errichtet. Die Stadt weist seit 2010 eine langsame Zunahme der Bevölkerung auf, allerdings nicht durch Geburten, sondern durch Zuzüge. Wäre es in solcher Situation nicht vordringlicher, erst einmal die Sanierung und Nutzung des Altbestandes sicher zu stellen, statt 13-stöckige Neubau-Wohntürme zu planen?


    (https://m.halle.de/Veroeffentl…ericht_datenband_2018.pdf)

  • Zwei Zitate von Anfang April:

    Das Zentralmagazin der naturwissenschaftlichen Sammlungen neben dem Dom hätte auch eine Kur verdient.


    Das Zentralmagazin Naturwissenschaftlicher Sammlungen (ZNS) der Universität beherbergt eine der bedeutendsten zoologischen und paläonthologischen Universitätssammlungen überhaupt. Das Hauptgebäude Domplatz 4 wurde 1839 gebaut und wird wohl "in naher Zukunft" saniert. Das Gebäude hat jedenfalls eine Nutzung (immer das Wichtigste bei Baudenkmalen) und ein Zukunftskonzept.

    Nun der aktuelle Stand: Die "nahe Zukunft" hat begonnen. Das Gebäude Domplatz 4 ist inzwischen eingerüstet. Von Bauarbeiten ist aber noch nichts zu sehen. Sie fangen wohl gerade erst an. Der am Baugerüst genannte Architekt ist übrigens "zertifizierter Passivhausplaner". Aber hier geht es natürlich um eine denkmalgerechte Sanierung. Bei laufendem Betrieb. Ich liebe diese spätklassizistischen Gebäude, deshalb noch ein Foto ohne Gerüst:


    Halle (Saale), Domplatz 4 (Foto: Jwaller, Juli 2015, CC-BY-SA-4.0)

  • Bauarbeiten gibt es auch am Händel-Haus. So sah es bisher aus:


    Händel-Haus, Große Nikolaistraße 5 (Foto: Tilman2007, Juli 2017, CC-BY-SA-4.0)


    Jetzt wird rechts eine Toröffnung reingebrochen, die es früher einmal gegeben hat. Das nennt sich "Zielgruppenorientierte Verbesserung der Infrastruktur im Baudenkmal" und wird von der EU gefördert.


    Die zurzeit extrem verschlossen wirkende und abweisende Eingangssituation zum Händel-Haus soll durch Wiederöffnung einer ehemals vorhandenen Toreinfahrt zu einem neu entstehenden barrierefreien Zugang umgebaut werden. Gerade für Menschen mit Gehbeeinträchtigung soll das Händel-Haus somit leichter zugänglich sein und auf die Besucher von außen als ein öffentliches Gebäude einladend wirken. Darüber hinaus wird nach der Baumaßnahme das Erscheinungsbild des Händel-Hauses als authentischer Ort deutlicher wahrgenommen, denn durch die Wiederherstellung des Torbogens ist die Wiedererkennbarkeit zur frühesten und häufig publizierten Darstellung des Händel-Hauses gegeben. In Zukunft gelangen die Besucher des Händel-Hauses über eine barrierefreie Glastür in das Foyer des Gebäudes und von dort über Hublifte in den Kammermusiksaal und die Ausstellungen.

    Die früheste Darstellung von 1859 - zu finden auf der Händel-Haus-Seite - zeigt aber nur eine gewisse Ähnlichkeit zur heutigen wie zur künftigen Fassade. Die beiden Erdgeschossfenster ganz rechts verschwinden. Die Baumaßnahme reicht bis ans zweite Fenster rechts von der Tür und bis unter den Sims, der den Übergang zum Obergeschoss markiert. Aktuell ist der Rohbau zu sehen. Der Bogen über dem künftigen Tor wurde in Beton ausgeführt. Darüber ein bis zwei Lagen neue Ziegel bis zum Sims. Unter dem Bogen derzeit noch eine kleine Baustellentür, zu beiden Seiten der Tür altes Mauerwerk. Der eigentliche Torbogen wird ungefähr die Breite der bisherigen beiden Fenster ganz rechts haben. Die Arbeiten sollen Ende des Jahres abgeschlossen sein.


    Hier geht historische Bausubstanz verloren. Allerdings muss man auch sagen, dass das Erdgeschoss im Laufe der Zeiten mehrfach umgebaut wurde. Nicht ganz klar ist mir, ob die angekündigte Glastür den Torbogen ausfüllen soll oder erst in der Durchfahrt kommt. Eine Visualisierung konnte ich nirgends finden. Die Baumaßnahme wird aber als Rekonstruktion eines früheren Zustandes bezeichnet.

  • Aktueller Stand zu meinen beiden vorangegangenen Beiträgen:


    Beim Gebäude Domplatz 4 sind die Gerüste verschwunden. Man hat offenbar nur das Dach neu gemacht. Fassade und Fenster müssen noch saniert werden.


    Händel-Haus: Der äußere Zustand der Baustelle ist gegenüber dem beschriebenen Stand Ende November unverändert. Die Baumaßnahme sollte eigentlich Ende 2019 abgeschlossen werden, jetzt nennt das Händel-Haus Frühjahr 2020 als Fertigstellungstermin.

  • Danke für die Baustellenupdates. Halt uns gerne auf dem Laufenden. Insbesondere das Händel-Haus ist mir bei meinem bisher einzigen Halle-Besuch in Erinnerung geblieben. Aber weniger wegen der Architektur, als wegen der sehr schön musikalisch eingebetteten Ausstellung über das Leben von Händel. Gleich um die Ecke gibt es übrigens eine Wirtschaft mit Böhmischer Küche in einem herrlich erhaltenen alten Speisesaal.