Halle (Saale)

  • Soviel zu manch "nicht sanierungsfähiger Ruine" in den alten Bundesländern. Interessant ist hier auch, dass man entgegen der langläufigen Tendenz einen Gewerberaum geschaffen und nicht mit Sanierung beseitigt hat.

  • In 30 Jahren wird dann wieder alles umbenannt. Jede Generation muss ihren Stempel hinterlassen. Eigentlich dachte ich, dass nach den beiden deutschen sozialistischen Diktaturen damit Schluss wäre...

    Welches war denn die andere deutsche sozialistische Diktatur? Die, bei der die Machtergreifung erst mit Hilfe konservativer und monarchistischer Kräfte möglich wurde und die als ersten Amtsakt Kommunisten, Sozialisten und Sozialdemokraten in den Knast gesteckt hat? Oder welche genau?

  • Ach, lassen wir doch besser die Diskussion darüber, ob Pest oder Cholera schlimmer ist. Beide sind Krankheiten und zum Glück und hoffentlich für immer bei uns ausgemerzt!

    „Dekoration ist der wichtigste Teil der Architektur“ (Sir William Scott)

  • ^"Heinzer". Einer der Urgedanken des Nationalsozialismus war ja die Verbindung von nationalem Bürgertum und sozialistischer Arbeiterschaft, um die Klassenspaltungen zu überwinden. Letztlich ging es um so etwas wie den späteren Sozialstaat, also einen Ausgleich der Einkommens- und Vermögensdifferenzen. Und der wurde teilweise auch praktiziert. (Volkswohlfahrt usw.) Vergesse aber nicht, wer vom Hitler-Flügel der NSDAP noch vor der KPD verboten wurde. Es war die linke, stark sozialistisch orientierte Abspaltung der NSDAP ("Schwarze Front") von Otto Strasser. Diese wurde bereits am 15. Februar 1933 als Hauptfeind markiert, als die KPD und die SPD noch pro forma zur Wahl antreten konnten. Der Trend setzte sich 1934 beim "Röhm"-Putsch fort. Denn Hitler entschied sich für das Bündnis mit konservativem Militär und Unternehmerschaft, um die Wirtschaft am Laufen zu halten. Anfänglich war das allerdings keinesfalls sicher. Die Konservativen sind allerdings teilsweise auch unter die Räder gekommen. Es gab durchaus auch z.B. DNVP-Leute, die später verhaftet wurden. Auch der spätere Widerstand bestand zu erheblichen Teilen aus Konservativen. Die Sache ist also sehr kompliziert. Und.... komplett off-topic... :zwinkern:

    (Insofern keine Kritik von mir, sondern nur eine inhaltliche Ergänzung.)

  • Wollte ich gar nicht diskutieren und hat hier nichts mit zu tun.


    Mein Anstoß war die ganz nonchalant eingeworfene Bezeichnung "sozialistisch" für beide Systeme, als wären sie mehr oder minder das Gleiche in verschiedenen Farbtönen gewesen. Und so sehr ich das Bedürfnis einer bestimmten politischen Seite verstehen kann, sich vom Nationalsozialismus so weit wie möglich entfernen zu wollen, so ahistorisch und falsch ist diese seltsame Mode, die beiden in den gleichen, angeblich "sozialistischen" Topf zu werfen. Klar ist das attraktiv, so kann man als "Rechter" auch die Nazidiktatur ideologisch weit von sich selbst wegschieben, wie gesagt, der Impetus ist klar.


    Aber man sollte doch nicht vergessen, wer den Nazis zur Macht verholfen hat. Das waren alles andere als Sozialisten und Kommunisten, sondern eine seltsame Koalition aus dem exakten Gegenteil von "Sozialisten". Ohne deutsche Konservative, Deutschnationale und Monarchisten wäre uns die Nazidiktatur möglicherweise erspart geblieben und damit auch die DDR.

  • "Heinzer", ob uns die DDR erspart worden wäre, ist natürlich Zukunftsspekulation. Denn es setzt voraus, dass die Weimarer Republik weiter existiert hätte, also stabil geblieben wäre. Aber auch auf der anderen Seite gab es ja mit der KPD Stimmenzuwächse und stalinistische Bemühungen, den eigenen Einfluss auszuweiten. Die Kommunisten boten sich als Systemalternative an.

    Übrigens, was ich vergaß. Die Nationalsozialisten bestanden zu erheblichen Teilen, zumindest im Raum Berlin, aus übergelaufenen Kommunisten. Auch dies ein interessantes Moment, das die Sache noch komplizierter macht.

    Aber, weiter diskutiere ich das nicht. Eigentlich gehört das hier gelöscht.

  • Völlig richtig, der letzte Teil meines Posts war spekulativ, obwohl aus meiner Sicht wenig für eine kommunistische Revolution sprach, derartige Versuche sind in dieser Zeit (also vor dem Zweiten Weltkrieg) in allen zentraleuropäischen Ländern gescheitert oder kurzlebig gewesen (und ja auch danach in Europa nur durch eine gewaltsame Machtübernahme mit und durch die Sowjetunion möglich geworden) und es gibt wenig Anlass, anzunehmen, dass dies angesichts der immer weiter fortschreitenden Erholung der Wirtschaft in Deutschland anders gewesen wäre.


    Trotzdem: Zustimmung. Mir ging es nur um die entspannte Bezeichnung beider totalitären Systeme als sozialistisch, und dann noch so locker, en passant. Dass der Nationalsozialismus auch Aspekte des Sozialismus hatte (starker Staat, zumindest tlw. staatlich gelenkte Wirtschaft etc.) ist im Übrigen auch mir klar, aber als sozialistisches und somit "linkes" System, denn genau darum geht es ja bei diesen Gleichsetzungen, war es definitiv nicht, dafür reicht ein Blick auf Unterstützer/Mitläufer und Gegner.

  • Danke, Heinzer ! Die dämliche Bemerkung von "Naumburg" war mir auch schon aufgefallen. Man hat ja eigentlich keine Lust, auf sowas zu reagieren, aber wenn solche Äußerungen unwidersprochen stehen bleiben, ist es auch nicht gut. Das NS-Regime war eine faschistische Diktatur. Zwischen den politischen Systemen des Totalitarismus gibt es erhebliche Unterschiede, die man auch benennen sollte.


    Um nun wieder zu Halle zurückzukommen: Das Städtische Museum für Kunst und Kunstgewerbe (so der ursprüngliche Name des heutigen Kunstmuseums Moritzburg) besaß vor 1933 eine der bedeutendsten öffentlichen Sammlungen moderner Kunst in Deutschland. Die faschistische Diktatur brachte dann "Säuberungen" im Zuge der Aktion Entartete Kunst, die dem Halleschen Museum schweren Schaden zufügten. Zahlreiche Meisterwerke der modernen Kunst, die heute zu den Highlights renommierter Museen im In- und Ausland gehören, waren ursprünglich Teil der Halleschen Sammlung. In der DDR, also während der kommunistischen Diktatur, gab es keine Säuberungsaktionen in den Sammlungsbeständen. Im Gegenteil: Einige der von den Nazis beschlagnahmten Werke konnten für die Staatliche Galerie Moritzburg zurückgewonnen werden.


    Beschäftigt man sich mit der Kunst des 20. Jahrhunderts in Europa, so muss man feststellen, dass die sozialistischen Staaten hier erheblich besser abschneiden als die faschistischen Staaten.


    Nochmals zu dem Gemälde "The Nigger of the Narcissus" von Theodor Lux Feininger aus dem Jahr 1933: Ich habe das Bild in der Moritzburg gesehen. Das war vor Corona. Es ist ein sehr schönes Bild. Der ungewöhnliche Titel weckte Interesse. Er hat mich überhaupt nicht negativ berührt, weil klar war, dass sich Feininger mit dem Bild gegen den zu seiner Entstehungszeit noch verbreiteten Rassismus positionierte. Durch die nun getroffene Entscheidung, das Wort "Nigger" im Titel nicht mehr auszuschreiben, wird die Rezeption des Werks erschwert. Es wird der Eindruck erweckt, das Werk selbst sei rassistisch. Die Wirkung von Wörtern und Formulierungen hängt stets von ihrem Kontext ab. Der Eingriff in den Werktitel führt hier zu einer falschen Kontextualisierung.

  • Vor 100 Jahren, Halle im Film


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  • Bin nicht sicher, ob wir diese Meldung schon hatten: Am Hallmarkt hat die Sanierung des 1907/09 erbauten Alten Polizeipräsidiums im Jugendstil begonnen.



    Quote

    „Die denkmalgerechte Sanierung gehört zu unseren Kernkompetenzen“, betont QUARTERBACK-Vorstand Henrik Thomsen. „In der Verschmelzung historischer Bausubstanz mit zeitgemäßen Konzepten sehen wir einen besonderen Reiz – und zugleich eine Möglichkeit, künstlerisch wertvolle Eigenheiten der einzelnen Epochen für die Zukunft zu bewahren.“ Noch heute sichtbare Zeugnisse der Vergangenheit sind im „Alten Polizeipräsidium“ unter anderem das großzügige Treppenhaus und die breiten Treppen mit ihren originalen, über 100 Jahre alten schmiedeeisernen Handläufen.


    99 Wohnungen entstehen: altes Polizeipräsidium am Hallmarkt wird saniert



    HAL-Polizeipräsidium

    Jwaller, CC BY-SA 3.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0>, via Wikimedia Commons

    In der Altstadt die Macht, im Kneiphof die Pracht, im Löbenicht der Acker, auf dem Sackheim der Racker.


    Hätt' ich Venedigs Macht und Augsburgs Pracht, Nürnberger Witz und Straßburger G'schütz und Ulmer Geld, so wär ich der Reichste in der Welt.

  • Ich kann garnicht sagen, wie sehr mich diese Nachricht freut. Das Gebäude war eines der größten Sorgenkinder, da es auf tektonisch unsicherem Terrain steht und sehr baufällig ist.