Tübingen (Galerie)

  • Es muss selbstredend: "Sehr schönes Gebäude, wenngleich nicht typisch für Tübingens Altstadt aufgrund fehlender Giebelstellung mit Fachwerkkonstruktion." heißen.

  • Links die Kronenstraße, rechts sehen wir die Nordseite des Marktplatzes. Man kann gut erkennen, daß die Kronenstraße höher als der Marktplatz liegt.



    Kurz vorm Marktplatz.



    Das Zierfachwerk ist von 1913, das Haus ist wohl aus dem 16. Jahrhundert.



    Auf der linken Seite das riesige Calwer Haus.


  • Kurz vor dem Marktplatz mündet von Norden her die Hirschgasse ein. Häuser des 16. Jahrhunderts.



    Die Hirschgasse ermöglicht einen frontalen Blick auf das Calwer-Haus. Es ist nicht nur sehr breit und sehr hoch, sondern auch sehr tief. Ich habe nie ein größeres Fachwerkbürgerhaus gesehen. Die allermeisten Fachwerkrathäuser in Württemberg sind deutlich kleiner. Nach dem Stadtbrand von 1540 erbaute das Haus der Tübinger Bürgermeister und Angehörige des Landtages Melchior Metzger, genannt Calwer. Es zeugt vom damaligen Reichtum und Selbstbewußtsein der bürgerlichen Oberschicht Tübingens, daß sich der Bürgermeister ein Haus leisten konnte, das ungeführ so groß ist wie das Rathaus.



    Ein Blick zurück vom Marktplatz zur Kirchgasse. Hinten der Pfleghof des Klosters Gutenzell. Definitiv eine meiner Lieblingsansichten in Tübingen.



    Nun haben wir den Marktplatz erreicht. Wie der Holzmarkt ist auch er nicht planmäßig angelegt worden, sondern im Laufe der Zeit durch die Aufweitung einer Straße entstanden. Zwei Stadtbrände (1476 u. 1540) halfen dabei. 1540 wurde der Bereich nördlich und nordöstlich des Marktplatzes zerstört. Hier nun die Nordseite des Platzes.


  • Die Nordseite. Errichtet nach dem Stadtbrand von 1540. Das Haus links ist ein historisierender Neubau aus den 1970er Jahren. Kurioserweise fügt er sich besser in das Ensemble ein, als sein Vorgänger (Siehe hier). Die Marktstände verdecken freundlicherweise die, wie üblich, unpassenden Ladeneinbauten.



    Fortsetzung der Nordseite, Häuser ebenfalls von 1540. Links hinten geht die Rathausgasse ab, an deren Ende man das Kornhaus sieht.



    Die Westseite mit dem Rathaus, einem der größten und schönsten in Württemberg. 1435 dreigeschossig erbaut, mit offener Halle im Erdgeschoß. 1495 wurde es aufgestockt. Die Fassadenmalerei im Renaissancestil ist von 1877. Zur Zeit wird es umgebaut, wie schon oft in seiner Geschichte. Das Haus neben dem Rathaus stammt ebenfalls aus dem 15. Jahrhundert.



    An der Südseite des Rathauses ist noch teilweise ältere Fassadenmalerei erhalten.



    Die Ecke ziert die Figur einer Bacchantin. Tübingen war bis ins 19. Jahrhundert hinein ein regional wichtiger Weinbauort.


  • In der Südwestecke des Marktplatzes mündet neben dem Rathaus die Haaggasse ein. Häuser des 16. Jahrhunderts.




    Die ganze Südseite des Platzes.



    Die Ostseite. Die Rückseiten dieser Häuser waren bereits von der Kronenstraße aus zu sehen. Baudaten von links nach rechts: Nach 1540; 1821; 1975 (Fassenrekonstruktion eines durch Feuer zerstörten Hauses); letztes Viertel des 15. Jahrhunderts.



    Rechts daneben noch dieses Haus von 1480 (d), wie sein Nachbarhaus nach dem Brand von 1476 erbaut. Offensichtlich wurde es mehrmals umgebaut. Informationen zur Baugeschichte gibt es hier und hier (mit einem Querschnitt des Hauses auf S. 4).



    Über die Stiege neben dem Haus werden wir den Marktplatz verlassen. Nächste Woche folgt die Forsetzung mit dem Faulen Eck und der großartigen Neckarhalde.

  • Das Haus links ist ein historisierender Neubau aus den 1970er Jahren. Kurioserweise fügt er sich besser in das Ensemble ein, als sein Vorgänger


    Das ist doch nicht verwunderlich. In den 70ern hat man noch verstanden, gute und sich gut einfügende Neubauten zu errichten. Erst seit den 90ern geht es so bergab.


  • Das ist doch nicht verwunderlich. In den 70ern hat man noch verstanden, gute und sich gut einfügende Neubauten zu errichten. Erst seit den 90ern geht es so bergab.


    Man hat aber auch in den 70er Jahren vielerorts (zum Glück nicht in Tübingen) üble Bausünden in Altstädte gesetzt. Es gibt aber noch ein anderes Problem, das Dir sicher auch aus anderen Städten wohlbekannt ist. Die schlimmsten Verluste von historischen Bauten in Tübingen gab es in den 70er und 80er Jahren während der Stadtsanierung, als man glaubte, man könne historische Bauten gleichwertig durch gefällige historisierende Neubauten ersetzen. Dabei sind einige - für den oberflächlichen Betrachter unscheinbare - Häuser abgerissen worden, die ich rückblickend für sehr alt halte. Ich werde noch Beispiele zeigen. Der Neubau an der Nordseite des Marktplatzes ist ein Einzelfall, weil hier ein großer und auffälliger Bau ersetzt wurde. Insgesamt sind die Verluste in Tübingen aber viel geringer als andernorts.

  • Trotzdem schade, dass man dieses Haus abgebrochen hat. Es hatte auch einen älteren Kern, wie man an der Auskragung und den zwei Balkenköpfen über dem ersten Obergeschoss sieht. Wahrscheinlich hat man im 19. Jahrhundert die Dachgeschosse abgebrochen und zwei Vollgeschosse mit Flachdach darüber gesetzt. Vermutlich war es älter als die beiden Nachbarbauten, wenn man die niedrigeren Geschosshöhen bemerkt. Link zu altem Foto

  • Trotzdem schade, dass man dieses Haus abgebrochen hat. Es hatte auch einen älteren Kern, wie man an der Auskragung und den zwei Balkenköpfen über dem ersten Obergeschoss sieht. Wahrscheinlich hat man im 19. Jahrhundert die Dachgeschosse abgebrochen und zwei Vollgeschosse mit Flachdach darüber gesetzt. Vermutlich war es älter als die beiden Nachbarbauten, wenn man die niedrigeren Geschosshöhen bemerkt. Link zu altem Foto


    Die Nordseite des Marktplatzes ist 1540 abgebrannt; das Haus ist wohl wie seine Nachbarn bald danach errichtet worden. Mir wäre es auch lieber, wenn man das Haus erhalten hätte, aber schlimmer waren die Verluste im Bereich der Haaggasse, wo Häuser des 15., vielleicht sogar des 14. Jahrhunderts abgerissen wurden. An der Burgsteige wurde noch 1999 ein Haus von 1412 abgebrochen (siehe hier).

  • Ein bermerkenswertes Haus habe ich in deiner Galerie [von klingentor] vermisst. Es handelt sich um ein Fachwerkwohnhaus, dessen Putzfelder und Holzbalken im selben hellen Beigeton gestrichen sind, sodass man nur das Balkenrelief sieht. Ich fand diese Art von Restaurierung insofern interessant, da damit ein Bauzustand dokumentiert ist, als man im späten 18./frühen 19. Jahrhundert begann, Fachwerke lediglich mit einer Kalktünche "zum Verschwinden zu bringen". Das Zudecken mit einem Verputz war dann eine Weiterentwicklung.

    (aus Beitrag 5)


    @ Tübinger:
    Nun habe ich endlich dieses Haus in einer deiner Galerien gefunden. Es handelt sich um den Gründungsbau der Universität. Ich finde die Art und Weise der Restaurierung insofern interessant, dass man den Zustand mit der Fensterteilung des 18./19. Jahrhunderts und zugedecktem Fachwerk bewahren wollte, aber auf einer Fassade trotzdem das gotische Fachwerk zeigen wollte. Man könnte meinen, dass hier eine in der Denkmalpflegesprache "analytische Freilegung" erfolgte. Ich konnte aber solche Zustände mit dem noch sichtbaren Fachwerkrelief und modernerer Fenstereinteilung schon bei mehreren bauhistorischen Untersuchungen nachweisen.


    Die auf dem zweiten Bild gezeigte Fassade schliesst auf dem ersten Bild rechts an.


    (aus Beitrag 97)




    Ich habe eben bemerkt, dass ein Bild von mir nicht mehr online war, habe es aber wieder neu eingestellt: Beitrag 26

  • Das Haus aus dem 70ern am Marktplatz gefällt mir überraschend gut. Wenn ich es nicht gewusst hätte, hätte ich ein historisches Gebäude vermutet. Die Fassade ist typisch "tübingisch" und die Fenster sind sogar ungleichmäßig verteilt und nicht 70-er-Jahre-groß.


    Ich habe insgesamt eher einen schlechten Eindruck der 70er.


    Quote

    In den 70ern hat man noch verstanden, gute und sich gut einfügende Neubauten zu errichten.



    1) habe ich nicht unbedingt den selben Eindruck und 2) wurde in den 70ern wahnsinnig viel abgerissen. 3) Und von den Entstellungen alter Bauten durch Abfassadierungen, Fenstervergrößerungen, Garageneinbauten, etc.. will ich gar nicht erst reden...


    Solche fürchterlichen Geschmacklosigkeiten wie Plastikblumen, dunkelbraunen Badefliesen, etc.. tangieren uns zwar auf diesem Forum kaum, sind aber trotzdem grauenvoll.


    Da Haus am Markplatz ist m. E. schon ein bisschen verwunderlich ;)

  • Tübingen und kein Ende. Nachdem wir den Marktplatz verlassen haben, besuchen wir das Faule Eck und die Neckarhalde. Der Weg ist auf dem Plan in Rot markiert.



    Am Faulen Eck treffen sich sechs Gassen. In Nordwesten sind dies auf dem Bild links die Burgsteige, die zum Schloß führt und rechts das Wienergässle, ein Durchgang zum Marktplatz (Den Giebel des Rathauses kann man im Hintergrund noch erkennen). Das Häuschen in der Mitte stammt noch im Kern tief aus dem 15. Jahrhundert.



    Nach Nordosten geht die Kronenstraße ab.



    Von Osten kommt die Münzgasse, hier vom Anfang der Burgsteige aus gesehen.


  • Zwischen der Münzgasse und der Stiege zum Klosterberg steht dieses stattliche Haus, dessen ältester Teil noch aus dem 14. Jahrhundert stammt. Ein besonders bedauernwertes Opfer liebloser Fassadengestaltung. Davor stand bis ins 19. Jahrhundert noch ein weiteres Haus.



    Die Stiege zum Klosterberg und zur Bursagasse. Rechts angeschnitten das Stift.



    Der Alte Bau des Stiftes, welches wir bei anderer Gelegenheit besuchen werden. Dies ist die Südseite der Neckarhalde.



    Die Neckarhalde, die sich durch eine Fülle besonders großer Fachwerkhäuser auszeichnet. Das Haus vorne rechts ist das "Hospiz". Es besteht im Kern aus drei Häusern des 16. Jahrhunderts.


  • Munter aufgestockt. Links daneben ein Haus aus dem 16. Jahrhundert (?).



    Es geht stattlich weiter. Das große rosa Haus stammt im Kern aus der Zeit um 1600, das Haus links daneben noch aus dem 15. Jahrhundert.



    Ein Blick zurück zum Faulen Eck.



    Weiter die Neckarhalde herab. Vorne ein Haus des 18. Jahrhundert (mit älterem Kern?), der Nachbar entstammt dem 16. Jahrhundert.


  • Links vorne ein Nebengebäude des Stiftes.



    Zwei besonders altertümliche Häuser, links vor 1400, rechts 15. Jahrhundert. In der Gesamtschau mit den Nachbargebäuden ist dies ein eklatantes Beispiel wie unterschiedlich Geschoßhöhen ausfallen können. Das lila Haus links daneben im Kern ebenfalls aus dem 15. Jahrhundert.



    Die beiden Häuser von der anderen Seite. Rechts der Alte Bau des Stiftes.



    Wir gehen in der ursprünglichen Richtung weiter. Hier beginnt die Bebauung mit Wohnhäusern auf der südlichen Seite (links), während die Bebauung auf der nördlich Seite weiter unten aufhört. Das Haus links aus dem 16. Jahrhundert.


  • Das Geburtshaus von Ludwig Uhland. Der steinerne Sockel aus dem 16. Jahrhundert hat überlebt, das Fachwerk darüber wurde 1772 neu errichtet.



    Die Häuser auf der Südseite der Neckarhalde. Die beiden vorderen Bauten aus dem 16. Jahrhundert, daneben ein Haus von 1830.



    Ein Blick zurück. Links ein Haus aus dem 16. Jahrhundert.



    Weiter. Häuser des 16. und 17. Jahrhunderts. Hier gibt es ein Nest von Häusern des 17. Jahrhunderts. Das mag mit der Beschießung von Schloß Hohentübingen (rechts ober- und außerhalb des Bildes) im Jahre 1647 zusammenhängen.


  • Voran gehts. Das Ende der Altstadt ist in Sicht.



    Ein Blick zurück. Vorne ein Beispiel exzessiver Aufstockerei. Wie wohl das Treppenhaus aussieht?



    Oberhalb der Südostturm des Schloßes.



    Weiter stadtauswärts stehen überwiegend Häuser, die nach dem Abbruch des Hirschauer Tores im Jahre 1830 erbaut wurden.



    Eine Ausnahme ist die im 16. Jahrhundert errichtete "Münze"; in diesen Bau zog die Münzprägestätte ein, die zuvor in der Münzgasse angesiedelt war. Später diente das Gebäude als Gerichtshof.



    Ein letzter Blick zurück. Wir stehen schon außerhalb der Altstadt. Rechts neben der Münze befand sich das Hirschauer Tor.



    In einigen Tagen kehren wir in die Altstadt durch die Haaggasse zurück.

  • Heute war der Turm der Stiftskirche geöffnet. Tübingen aus der Vogelschau, angefangen im Südosten. Die Neckargasse.



    Der Anfang der Bursa- und Clinicumsgasse. Das gelbe Haus vorne ist das Wohnhaus von Nikodemus Frischlin.



    Die Alte Aula.



    Der Gründungsbau der Universität am Anfang der Münzgasse. Links dahinter die Burse.


  • Blick nach Westen über die Münzgasse. Dahinter die Neckarhalde.



    In der Mitte das Rathaus. Rechts davor das Calwer-Haus an der Kirchgasse. Mein Lieblingsblick über Tübingen. SO sollte eine deutsche Stadt aussehen!



    Der Nordwesten mit dem Ammertal.



    Blick zur Unterstadt. Am rechten Rand das ehem. Collegium illustre, das heutige Wilhelmsstift. Vorne die Kirchgasse.


  • Der Norden. Das Collegium illustre an der Langen Gasse. Hinter dem Collegium steht die neugotische Kirche St. Johannes.



    Blick nach Nordosten. Vorne der Holzmarkt.



    Nach links hinten führt die Wilhelmsstraße aus der Altstadt heraus. Rechts der Bebenhäuser Pfleghof.



    Im Osten der Pfleghof und dahinter der Österberg.