Berlin - ehemalige Villa Staudt - Tiergartenstraße

  • Wäre das Bauhaus unmittelbar nach dem Biedermeier möglich gewesen? Ich denke kaum.

    Nein, aber nicht wegen dem Biedermeier. Und auch nicht, weil sich der Historismus sein Grab geschaufelt hätte. Der Historismus war zwar an sein Ende gekommen, es hat aber ganz andere Lösungsansätze gegeben: Jugendstil, Art déco, Expressionismus, Reform-/Heimatschutzarchitektur, Neoklassizismus.


    Das Bauhaus hat ja vor allem erst nach 1945 seine Dominanz gewonnen, nicht also nach der Phase des Historismus oder Jugendstils.


    Das liegt zum Einen an der konsequenten Industrialisierung fast aller Lebensbereich, für die das genormte Bauhaus mit seinen industriell gefertigten Bauteilen die effizienteste Umsetzung darstellte. So weit war die technische Entwicklung nach dem Biedermeier noch gar nicht.


    Zum Anderen gab es nach dem Biedermeier zwar allererste marxistische Gedanken, diese entwickelten aber erst nach dem 1. Weltkrieg und dann in der kulturmarxistischen Ausformung erst nach 1945 ihre volle Kraft. Und sicherlich hat der Bruch mit jeder Tradition einen klar marxistisch-"progressiven" Wurzelgrund. Der Einfluss der bolschewistischen Avantgarde ist unübersehbar. (vgl. mal hier oder hier)


    Der Historismus war dagegen ein Zwitter. Modern in seiner urbanen Dynamik und den Bauaufgaben für die Massengesellschaft, konservativ in der Optik. Reform-/Heimatschutzarchitektur war hingegen klar konservativ. Sie versuchte sogar teils, in die Zeit vor der historistischen Moderne, zum Biedermeier, zurückzukehren.

  • Und nochmals drei weitere Aufnahmen des Hauses.


    Regentenstraße

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    Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
    (Immanuel Kant)