Werden wir das schöne Bauen noch erleben?

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    • "Vitruv" schrieb:

      "Frankfurter" schrieb:

      Wer weiß eigentlich noch von wem der Ausspruch 'form follows function' stammt und was konkret damit gemeint war? (selbst die meisten Architekten nicht)


      Genauso ist es ja mit Adolf Loos' "Ornament und Verbrechen", das meist fälschlich "Ornament ist Verbrechen" zitiert wird. Und seine Argumentation ist aus heutiger Sicht schlicht hirnrissig (z.B.: wenn man auf Ornament in Architektur und Gebrauchsgegenständen verzichten würde, müssten die Menschen statt 8 nur noch 6 Stunden arbeiten).

      Die Amerikaner haben sicher ein besonderes Verhältnis zum Klassizismus, da sie den Stil mit ihren Grundwerten von Freiheit und Demokratie verbinden. Wir Deutschen denken dann schon eher an Speer und Stalin.

      Wir stecken im Dilemma, dass uns schmerzlich bewusst ist, keinen Stil zu haben. Selbst unter Kunsthistorikern ist der Stilbegriff höchst umstritten. Wie da einen "besseren" Stil finden. Als einzige Alternative zum Modernismus bleibt eigentlich die Rekonstruktion. Leider beschränkt die sich aber in den allermeisten Fällen auf die FAssade.



      Wir HABEN doch Stil. Es ist zwar kein spezifisch deutscher "Stil", aber doch eine Bauweise, die im deutsch-niederländischen und teilweise dem skandinavischen Kulturraum bis heute ihre Gültigkeit besitzt - und das seit nunmehr über tausend Jahren.

      Selbst der vielgescholtene Nachkriegswiederaufbau, der nach 1945 von einer Bevölkerungsmehrheit positiv bescheinigte Ruf "Wollt ihr die totale Vervorstädterung...?" steht in dieser Tradition. Die kalten, aber giebel und steildachgeprägten Innenstädte der Nachkriegszeit, beispielsweise Ulm, Nürnberg, Siegen und so viele andere sind Ausdruck dessen, was noch immer als "unsere" Bautradition gelten kann. Freilich kann derzeit schmückendes Beiwerk nur dazugedacht werden, aber schon im Vergleich mit sämtlichen Staaten Osteuropas besitzt der heutige westmitteleuropäische Raum(bzw. das, was vom ehemaligen westgermanischen Kulturgebiet noch übriggblieb) einen unschätzbaren Vorteil - denn diese Kleinteiligkeit, die Autonomie noch der kleinsten Gemeinden, die ausufernden uniformen Vorstädte; die Tatsache, daß es noch in Alfeld an der Leine "Weltniveau" Angebot ect. gibt - dies alles fußt zum großen Teil auf der urbanen Grundordnung, die vom Mittelalter herrührt. Der Marschallplan samt Wirtschaftswunder war hierbei nur eine Neubefeuerung. Da kann über einen traditionsgemäßen Wiederaufbau von Elbing oder Kaliningrad geredet oder er sogar vollzogen werden - das Stadtgefüge stellt sich nie wieder her, weil die neuen Bewohner von einem Schlage sind, welche in anderthalb Jahrtausenden keine derartigen Sozialstrukturen entwickeln konnten und werden, sondern nach wie vor alles von oben geleitet, befohlen werden muß. Eine frühurbanistische Bürgergesellschaft hat es im gesamten ostslawischen Raum niemals gegeben und selbst in Ostmitteleuropa wären ohne die dt. Ostsiedlung sowie die beträchtlichen jüdischen Kulturbindungen derartige Strukturen nicht entstanden.
      Zur Stilfrage: Die "Stile", d.h. die ornamentalen Ordnungen, konnten bis in den Barock hinein nur als Aufsatz zur bestehenden Bauform des Steildachhauses verwendet werden, unabhängig von -regional bestimmter- Giebel- oder Traufausrichtung zur Straße hin. Die Flut an gesichtslosen Einfamilienkolonien kann neben der Zerstörung riesiger Landschaftsflächen auch als neuzeitliche Wiederaufnahme eines mittelalterlichen Freisiedlungskonzeptes interpretiert werden. Die Siedler des Mittelalters kümmerten sich ebenfalls nicht um Ästhetik, sondern bauten nach einfachster, althergebrachter Art ihre Einzelhäuser in gerodete Freiflächen - in der Neuauflage des 20. Jahrhunderts ergänzt durch Asphaltstraßen, Kinos, Gemeindezentren, Shoppingcenter, Spaßbäder, Autobahnen und Kleinflughäfen. In ihrer Architektur ebenso pragmatisch und austauschbar. Und wie im Mittelalter entfaltet das Konzept jeweils nur intern seine innere Logik, derweil es von außen planlos und ungesteuert in die Landschaft hineinwuchert, natürlich in ungleich größerem Maßstab.
      Die Häuser werden ebenfalls "barbarisch" verziert, d.h. nach in der Mode liegenden Einzelversatzstücken, willkürlich drangebracht. Eine nachträgliche Verbesserung kann angedacht werden; es gibt unzählige Möglichkeiten, so einen Giebel zu verzieren; jedenfalls mehr als für öffentliche Gebäude, die entweder straffmodern oder irgendwie klassizistisch gehalten sein sollten. Letztere sind europa- und weltweit austauschbar; auch die Sowjetunion hatte ihren Beitrag zum "Bauhausklassizismus" geleistet. Bis weit in die Achtziger Jahre hinein, aufgrund ihres überstarken Bedarfs an Gesellschaftsbauten. Insofern ist auch ein sowjetischer Kulturpalast stilistisch nach Denver, USA oder nach Herford in Niedersachsen(Kleinformat) transferierbar, aber ein ganz einfaches Giebelhaus inmitten einer (west)deutschen Nachkriegswucherung wie z.B. Germersheim/Pfalz(oder irgendwelchen Siedlungen bei Groningen/NL, Aalborg/DK ect. stünde bereits in Ostpolen vereinsamt und unverstanden da. Wer braucht dergleichen dort ? Umgekehrt lassen sich kollektivistische Bauformen nur schwer in nichtkollektiv orientierten Gesellschaften etablieren. Sämtliche in der DDR neugebauten Strukturen funktionierten nach Einbruch des neuen, alten Systems nicht mehr und mußten kostenintensiv ersetzt bz. repariert werden. Dagegen scheinen die weiß-roten Wucherungen bei aller Untergangs-Treibhaus-Zersiedlungswarnung sich noch immer großer Beliebtheit zu erfreuen; sie wuchern immer weiter - besonders im Gebiet der NBL, wo sie in ihren Erscheinungsformen des heutigen Baumarktstils noch billiger, schlechter und provisorischer erscheinen als im Westen. So leid es mir tut, aber DAS scheint der "deutsche Stil" zu sein, nachdem so oft gesucht wird. Wir haben ihn längst.
      Nein, die werden gedünstet
    • "Wissmut" schrieb:

      Die Flut an gesichtslosen Einfamilienkolonien kann neben der Zerstörung riesiger Landschaftsflächen auch als neuzeitliche Wiederaufnahme eines mittelalterlichen Freisiedlungskonzeptes interpretiert werden. Die Siedler des Mittelalters kümmerten sich ebenfalls nicht um Ästhetik, sondern bauten nach einfachster, althergebrachter Art ihre Einzelhäuser in gerodete Freiflächen - in der Neuauflage des 20. Jahrhunderts ergänzt durch Asphaltstraßen, Kinos, Gemeindezentren, Shoppingcenter, Spaßbäder, Autobahnen und Kleinflughäfen.


      Die mittelalterlichen Siedler waren allerdings Bauern und keine Arbeitspendler :zwinkern: . Insbesondere im Hochmittelalter vollzog sich die Besiedlung durchaus nicht ungeplant, sondern in der Form eines systematischen Landesausbaus durch die jeweiligen Grundherren. In den meisten Regionen des heutigen Deutschlands entstanden daher auch keine ungeplanten Streusiedlungen, sondern die unterschiedlichen Gruppensiedlungsformen, die wir heute als "Dorf" bezeichnen (Haufendorf, Straßendorf, Hufenbdorf usw.).
      Ich würde die heutigen Neubausiedlungen eher als eine Nachwirkung, freilich wirklich nur noch in erbärmlicher Art und Weise, der Villenviertel und Vorstädte des 19. und frühen 20. Jahrhunderts interpretieren. Deren innerer Antrieb ist eine ursprünglich nur Adel und Großbürgertum vorbehalten gewesene Sehnsucht nach dem vermeindlich idyllischen und ruhigen "Leben im Grünen" bzw. dem "Landleben" (wobei das für mich "wirkliche" Landleben der bäuerlichen Bevölkerung damals wie heute unberücksichtigt blieb), die sich mit dem zunehmenden Wohlstand nach 1950 auch aufs "gemeine Volk" übertrug (erleichtert im übrigen durch die Massenmotorisierung, die erst das tägliche Pendeln zu diesen seelenlosen Schlafdörfern überhaupt ermöglichte).
      War es nicht das wohlhabende Besitz- und Bildungsbürgertum, das im 19. Jahrhundert als erstes die Innenstädte in Richtung der Vorstädte und Villenkolonien verließ und die Altstädte wie z. B. Frankfurt/Main einer zunehmenden Verslumung preisgab? Im Grunde war es doch nur "logisch", das die übrige Bevölkerung diesem Trend später folgte.
      Andererseits sollte man die Rolle unserer Kommunalpolitiker nicht unterschätzen. Sind sie es nicht, die im Wettbewerb untereinander immer neue Baugebiete ausweisen und Einkaufszentren auf der grünen Wiese genehmigen, um dann Krokodilstränen über die Verödung der Innenstädte zu vergießen?
      www.chronik-bermuthshain.de
      www.chronik-crainfeld.de
      Ortsgeschichte von Bermuthshain und Crainfeld in Oberhessen
    • Die Flut an gesichtslosen Einfamilienkolonien kann neben der Zerstörung riesiger Landschaftsflächen auch als neuzeitliche Wiederaufnahme eines mittelalterlichen Freisiedlungskonzeptes interpretiert werden. Die Siedler des Mittelalters kümmerten sich ebenfalls nicht um Ästhetik, sondern bauten nach einfachster, althergebrachter Art ihre Einzelhäuser in gerodete Freiflächen - in der Neuauflage des 20. Jahrhunderts ergänzt durch Asphaltstraßen, Kinos, Gemeindezentren, Shoppingcenter, Spaßbäder, Autobahnen und Kleinflughäfen.


      Interessante Überlegung, Wissmuth. Es existiert aber ein wesentlicher Unterschied: Wie Carsten schon sagt vollzog sich die Besiedlung geplant. Die Siedlungen wurden nicht am Rande bestehender Siedlungen errichtet, sondern haben einen neuen Mittelpunkt gegründet. Dem zugrunde lag noch Ehrfurcht vor jeglicher Form des Siedelns, sozusagen als biblische Forderung, sich die Erde Untertan zu machen. Dementsprechend schön erscheinen uns die Dorfer und Städte des Hochmittelalters.
      Ich würde eher Carstens Vorschlag folgen, dass die modernen Siedlungen Nachwirkungen der Villenviertel sind. Wahrscheinlkich fehlt heute der humanistische Bildungshintergrund von damals. Denn den wohlhabenderen Bürgern war der Bezug zur antiken "vita ruralis", wie sie dann von Petrarca für die Neuzeit wiederbelebt wurde, noch bewußt gewesen, was man z.B. in Dresden-Striesen am Stil der Villen (neuklassizistisch, Skulpturenschmuck usw.) noch gut erkennen kann.
    • "Carsten" schrieb:

      ...
      Andererseits sollte man die Rolle unserer Kommunalpolitiker nicht unterschätzen. Sind sie es nicht, die im Wettbewerb untereinander immer neue Baugebiete ausweisen und Einkaufszentren auf der grünen Wiese genehmigen, um dann Krokodilstränen über die Verödung der Innenstädte zu vergießen?


      Dem stimme ich voll zu. Man sollte allerdings auch sehen, daß Kommunal-
      politiker auch nur Architekturlaien sind und bestenfalls einen speziellen
      Geschmack haben. Leider besteht aber meist ein großes Desinteresse
      und man lässt die Architekten und Investoren einfach mal machen.
      So kommt es dann zu Fehlentwicklungen, wie Abrissen von wertvollen
      alten Bauwerken und dem Bauen von einer nichtsagenden Weltarchitektur
      mit den üblichen Materialien Glas, Stahl und Beton.
    • Ein alter Strang, der infolge derzeitiger Entwicklungen vielleicht in einem neuen Licht betrachtet werden kann.

      Ich habe erst mal optimistisch für die erste Option votiert.

      Summiert man die derzeitigen Strömungen, dann kann man davon ausgehen, dass wir es in nicht allzu ferner Zukunft mit einem neuen Historismus zu tun haben werden. Die Moderne wird freilich nicht aussterben - doch sie wird aus den Innenstädten weitgehend verbannt und ein Schattendasein fristen. Ja, das kann ich fast schon mit Gewissheit sagen.

      Wer heute klassisch baut, hat morgen gewonnen. Das werden die Städte bald zu spüren bekommen.

      Und bis ich einmal das Rentenalter erreiche (sofern es diese Finanzstütze in Zukunft noch geben wird), werden noch viele Ostseewellen brechen.
    • Genau das soll man eben nicht tun. Man muß für seine Überzeugungen einstehen und sie -möglichst zielgenau- einsetzen, auch bei Sanktionsgefahr.

      Egal ob als Laie oder als Architekt; wer bestimmte Sachverhalte erkannt hat und Kritik übt, ist gleichzeitig auch aufgefordert, an ihrer Veränderung mitzuwirken.

      Meiner Ansicht nach ist es die Aufgabe der Architekten, den Wunsch nach traditionellem, angenehmen Bauen mit der Wirtschaftlichkeit und Machbarkeit zu verknüpfen. Es bringt wenig, sich Kaiserpaläste auszudenken und moderne Bauprinzipien nur aufgrund ihrer ästhetischen Fragwürdigkeit zu ignorieren. Man MUSS sie ins eigene Schaffen integrieren oder man schafft überhaupt nicht. Eine Übertragung einfacherer, regionalbezogener(und damit preisgünstigere) Formen in die heutigen Erfordernisse ist IMO das Gebot der Stunde für unsere Altstädte.

      Nach meiner Erfahrung ist das zu bewerkstelligen.
      Nein, die werden gedünstet
    • Hallo,

      ich gehöre zwar noch zum jungen Eisen aber ich bin in der Hinsicht eher pessimistisch - was die hier gestellte Frage anbelangt.

      Als Hauptgrund sehe ich, dass für das "schöne Bauen" (was für mich die über Jahrhunderte gewachsene Architektur in den Städten / Dörfern darstellt) die Voraussetzungen nicht mehr vorhanden sind.

      Ich bin Laie, deshalb drücke ich es mal so aus bzw. zähl einfach mal auf, was mir dazu einfällt:

      - Egotrip der Architekten / "Stararchitekten"

      - Globalisierung / Identitätslosigkeit / Oberflächlichkeit

      - Funktionalität

      - Kostengünstig

      - Wegwerfarchitektur -> damit will ich sagen, es wird nicht mehr für die Ewigkeit gebaut - das Gebäude soll wenig kosten, schnell hochgezogen werden, um in kürzester Zeit ne menge Kohle daraus zu generieren. Also, im Mittelpunkt steht nicht das Gebäude \ die Umgebung \ die Menschen etc. sondern die Kohle und die soll schnell vermehrt werden.

      - die Gesellschaft als solches - ich nenne sie gern "Dumm-Volk" - die Werte / die Etikette der heutigen Gesellschaft: Geld, Aussehen, Egoismus-Ellenbogengesell., sexuelle und moralische Verdorbenheit, zerrütte Familien, fehlende soziale Strukturen, Vereinsamung, Oberflächlichkeit, Gefühlskalt - Medien und Informationsverblödet - kurz Amerikanisiert

      - Demographie/ Zuwanderung - Gunnar Heinsohn(Soziologe) Wer 2050 noch in Europa ist, ist selber schuld (Sinngemäß seine Aussage)

      - Arbeitslosigkeit, Perspektivlosigkeit, Zukunftsangst

      - Verlust der Geschlossenheit innerhalb der Gesellschaft

      ...so, mehr fällt mir zu später Stunde nicht mehr ein - bei all diesen Punkten sehe ich keine Besserung eher Verschlechterung - deshalb bin ich eher pessimistisch, was die hier gestellte Frage angeht. Ihr werdet bestimmt fragen, was haben die Punkte mit dem "schönen Bauen" zu tun - ich denke, dass spielt alles im gewissen Sinn in diese Thematik mit hinein.

      Adios, xFlipx
    • "xFlipx" schrieb:

      ...- die Gesellschaft als solches - ich nenne sie gern "Dumm-Volk" - die Werte / die Etikette der heutigen Gesellschaft: Geld, Aussehen, Egoismus-Ellenbogengesell., sexuelle und moralische Verdorbenheit, zerrütte Familien, fehlende soziale Strukturen, Vereinsamung, Oberflächlichkeit, Gefühlskalt - Medien und Informationsverblödet - kurz Amerikanisiert
      ...


      Das Gegenteil ist richtig, xFlipx. Die USA stehen heute für Werte, die es in "Dumm-Deutschland" nicht oder nur noch ansatzweise gibt. Da kann ich Dir gerne einige Beispiele liefern. Deine Argumente passen im übrigen hervorragend auf (post)kommunistische Systeme, die singulär immer nur auf Wirtschaft fixiert waren. Im Westen gab und gibt es hingegen eine plurale Werteskala neben Wirtschaft mit Christentum, demokratisch-freiheitlichem Denken und einem besonderen Bewusstsein für Umwelt und Kultur.
    • Ich glaube nicht, daß diese genannten Faktoren etwas mit dem heute vorherrschenden Architekturstil zu tun haben, denn wann war es denn jemals besser als heute?

      Hexenwahn, Religionskriege, Bauernaufstände, Pestepidemien usw. haben das schöne Bauen von damals nicht verhindert. Da wird es wohl unser demokratischer Sozialstaat auch nicht verhindern... die Gründe liegen meines Erachtens einfach in der Architekturszene selbst, die wie alle anderen Kunstformen auch Modeströmungen unterliegt. Ganz langsam scheint jetzt aber ein Paradigmenwechsel hin zum "schöneren" Bauen stattzufinden...
    • "Wissmut" schrieb:

      Eine Übertragung einfacherer, regionalbezogener(und damit preisgünstigere) Formen in die heutigen Erfordernisse ist IMO das Gebot der Stunde für unsere Altstädte. Nach meiner Erfahrung ist das zu bewerkstelligen.


      Der zentrale Punkt.
      Ich entschuldige mich von Herzen für meine früheren arroganten, provokanten, aggressiven und unfreundlichen Beiträge!
      Jesus ist mein Herr und Retter!
    • "xFlipx" schrieb:



      - die Gesellschaft als solches - ich nenne sie gern "Dumm-Volk" - die Werte / die Etikette der heutigen Gesellschaft: Geld, Aussehen, Egoismus-Ellenbogengesell., sexuelle und moralische Verdorbenheit, zerrütte Familien, fehlende soziale Strukturen, Vereinsamung, Oberflächlichkeit, Gefühlskalt - Medien und Informationsverblödet - kurz Amerikanisiert

      Warst du schon mal in Amerika?
      Wenn ja, dann würdest du nicht behaupten, daß alles Verdorbene von dort kommt.

      Die Probleme rühren eher daher, daß den Deutschen durch die begangenen Irrwege (3.Reich und Kommunismus in der DDR) ein festes, verlässliches moralisches Wertegerüst abhanden gekommen ist.
      Ein zweimaliger völliger Wertewandel und Paradigmenwechsel innerhalb eines Menschenlebens hat vielen Menschen das Vertrauen in das eigene Rechts- und Moralempfinden genommen.
      Das führt in der Konsequenz dazu, daß man einerseits Verbrecher und destruktive Elemente unter Berufung auf falsch verstandene Freiheitsrechte gewähren läßt, andererseits Bürger zu kriminaliseren versucht, weil sie die falsche Lampe in ihre Leuchte schrauben.
    • "xFlipx" schrieb:

      - Egotrip der Architekten / "Stararchitekten"

      - Globalisierung / Identitätslosigkeit / Oberflächlichkeit

      - Funktionalität

      - Kostengünstig

      - Wegwerfarchitektur -> damit will ich sagen, es wird nicht mehr für die Ewigkeit gebaut - das Gebäude soll wenig kosten, schnell hochgezogen werden, um in kürzester Zeit ne menge Kohle daraus zu generieren. Also, im Mittelpunkt steht nicht das Gebäude \ die Umgebung \ die Menschen etc. sondern die Kohle und die soll schnell vermehrt werden.

      Ich votiere dafür. =)

      Und da viele weitere Bauer sich an den Erfolgreichen orientieren - also den Egotripstararchitekten -, bauen sie in dem modernen Sinne weiter. Mit rein in die show spielt in Deutschland wohl etwas die über 70 jährige Lücke, in der die alte, kulturtypische und zeitlose Baukunst in Vergessenheit geriet.

      Was ich extrem schade finde: Bei der Jugend zählt heutzutage wenig die location, eher der show act. Da können Konzerte in den hässlichsten Hallen oder auf den zusammengeflicktesten Bühnen stattfinden, da kann Motorsport in Betonplastikparks seine Kreise ziehen, da kann man Mannschaftssport in den klobigsten Hallen zujubeln, da kann man in den kältesten shopping malls einkaufen gehen... Es interessiert die meist jungen Leute nicht. Bald kennen sie nichts anderes mehr. :weinen:

      Wenn ich merke, wie Leute zB dieser hässlichen O2-Halle in Berlin zujubeln, könnte ich heulen.
    • Ein zweimaliger völliger Wertewandel und Paradigmenwechsel innerhalb eines Menschenlebens hat vielen Menschen das Vertrauen in das eigene Rechts- und Moralempfinden genommen.

      Das spielt sicher 'ne Rolle, eine viel größere aber noch vermutlich der hedonistische Links-Nietzscheanismus der '68iger und der Postmodernen (mit Marxismus hatte das nämlich außer der Rhetorik nicht viel zu tun) ... und den gab's eben in Deutschland, anderswo in Europa und in den USA.

      Aber jetzt wieder zum Thema.
    • Hallo,

      ich habe viell. in Bezug auf Amerika etwas undifferenziert geschrieben. Amerika ist in der Hinsicht auch ein Land der Gegensätze. Auf der einen Seite prüde, religiös konservative Kräfte und auf der anderen Seite liberale Kräfte bis "open for everything". Für mich ist aber der American Style of Life Identitätslos, oberflächlich und von hinten bis vorne kommerzialisiert und darüber hinaus missionarisch ausgerichtet. Sicher, Amerika steht in der heutigen Zeit, viel vehementer für die bzw. seine freiheitlich, demokratischen Werte ein. Wo andere Länder, die sich der Demokratie verpflichtet haben, schon längst aufgegeben haben. Laut Heinssohn wird Amerika auch das einzige Land sein, was sich gegen den durch Zuwanderung ausgelösten islamischen Werteexport, entgegenstellt.

      Gerade heute kam eine Sendung über die neue Hafenstadt in Hamburg. Die Aussage des "obersten Stadtplaners" war gewesen, das Hamburg sich zukünftig international behaupten muss - im Mittelpunkt stehen international agierende Investoren, die man anlocken möchte, damit die nicht z.Bsp. in Madrid investieren, sondern in Hamburg. Also schönes Bauen und damit Identitätsbildung steht nicht mehr im Vordergrund, sondern Internationalität und damit Identitätslosigkeit + kostenoptimierte - kommerzielle ausgerichtete Gebäude.

      Adios, xFlipx
    • xflipx

      Das passt schon, was du über die USA geschrieben hast. Natürlich sind sie nicht der Ausgangspunkt des Bösen, aber doch der zweifellos katastrophalste Staat der Menschheitsgeschichte. Mögen auch "Ideenstaaten" wie das alte Österreich oder Preußen bis 1871 ím Ganzen sympathischer sein als Nationalstaaten, so trifft dies für die USA zweifellos nicht zu.
      Genau das eben ist das Problem bei den USA: Die Idee.
      Kapitalismus seit der Gründung.
      Die seitdem stattgefunden systematische Verinnerlichung dieses Prinzips in allen Bereichen führt naturgemäß zum allmählichen Verlust aller ethischen und kulturellen Werte. Auch die von dir angesprochene, zweifellos nicht zu leugnende extreme Ambivalenz in manchen gesellschaftlichen Erscheinungen findet nur soweit statt, als das big business dadurch nicht beeinträchtigt wird.
      Die meisten von dir genannten Werte sind ohnehin, sofern jemals vorhanden, völlig den Bach runter gegangen. Vonwegen 'demokratischen' Werte angesichts dieses Pseudozweiparteiensystems, dessen Kräfte sich in allen entscheidenden Fragen die längste Zeit einer Meinung sind!
      Und 'freiheitlich', 'Freiheit' oä betrifft, so handelt es sich nur um eine Floskel, unter der sich die Staatsbürger umso leichter unterdrücken lassen.
      Was folgt daraus für unser 'schöner Bauen'?
      Von der anderen Seite des Atlantiks ist kaum Unterstützung zu erwarten.
      Wenigstens in nächster Zeit auch keine Bomben. Zumindest nicht auf uns.
    • Na ja, mir würden spontan so ungefähr 100 Staaten einfallen, die zwar meist kleiner sind als die USA, aber wesentlich katastrophaler - von China über den Iran bis hin zu Pakistan.

      Außerdem sind doch die USA einer der Schwerpunkte des New Urbanism, oder etwa nicht? Und wo gibt es in solidarischen Sozialstaaten wie Schweden oder Dänemark Rekonstruktionsprojekte? Wurden dort nicht im Gegenteil große Teile intakter Städte abgerissen, um diese im modernistischen Stil zuzubetonieren?

      Zum Thema USA ist mir auch noch dieser Artikel aufgefallen:

      http://www.welt.de/wirtschaft/article2439409/USA-verabschieden-sich-vom-reinen-Kapitalismus.html\r
      www.welt.de/wirtschaft/article24 ... ismus.html

      Vielleicht sollte man alles etwas weniger holzschnittartig sehen...
    • Natürlich kann in dieser Kürze Gesagtes nur holzschnittartig wirken, und zu längerer Darstellung besteht weder Zeit noch Raum.

      Kehren wir zur reinen Ästhetik zurück.
      Was ist 'schönes Bauen' eigentlich?
      Fällt Hundertwassers Werk etwa darunter?
      (Für alle, des es nicht kennen, ein Beispiel: http://de.wikipedia.org/wiki/Bild:Magdeburg_Hundertwasserhaus.jpg\r
      de.wikipedia.org/wiki/Bild:Magde ... erhaus.jpg

      Nun, für Magdeburg womöglich tatsächlich eine Bereicherung. Aber ist das das Gelbe vom Ei?