Hamburg - Wandsbeker Zollstraße - Abriß

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    • Hamburg - Wandsbeker Zollstraße - Abriß

      Was ich ob des Zustands der Gebäude schon länger befürchtet hatte, ist nun passiert: das letzte Gründerzeit-Ensemble seiner Art im Bereich Wandsbek Markt wird abgerissen, und wie so oft hört und liest man nirgendwo etwas darüber.

      So sah es im September 2004 aus. Das Bild täuscht insofern, als es nicht zeigt, daß dieses ehemalig sicher dichtbebaute Gebiet jetzt zum großen Teil aus Parkflächen für der Deutschen liebstes Spielzeug besteht - das einzige weitere Gebäude ist links hinter der Einfahrt, den Rest der Straße im Rücken hat man offenbar unter dem Platz zwischen einem Neubau und einem nagelneuen Parkdeck, das bis zur Hauptstraße rechts reicht, verschwinden lassen. An die einstige Zollgrenze zwischen Hamburg und dem preußischen Wandsbek erinnert hier nichts mehr.



      Frontansicht des am gestrigen Tage bereits abgerissenen Teils:



      Und nun die neuen Bilder.





      Überbelichtet für einen Blick hinein


      Dasselbe mit meinem alten Tele hat leider nicht geklappt (zu gegenlichtempfindlich). Habe es ohne Farbe einigermaßen retten können, so daß man den Stuck erkennt. Wollte den zuerst ausschneiden, aber irgendwie gefällt mir das Bild.


      Ein paar weitere Ansichten






      An das alte Hinterhaus grenzt links ein niedriger, vorn gelb verklinkerter Nachkriegsbau, der das Vorderhaus zur anderen Seite darstellt. Rechts im Hintergrund Neubauten, die gesamte Fläche davor besteht aus dem Parkdeck.


      Noch ein paar traurige Überreste


      Da fällt mir mal wieder nichts mehr zu ein. Also schreibt ihr doch einfach was..
    • @memet:
      Glaube nicht, daß es da ein paar geborgene Einzelteile bringen würden, außerdem faßt mein Rucksack nur jeweils eins davon =). Für sich gesehen sind die Ornamente auch nicht außergewöhnlich, aber die Gesamtwirkung ist schon etwas und es gibt eben auch weit und breit nichts Vergleichbares.
      Ich habe also das gemacht, was ich tun kann: nach Hause düsen, die Fotoausrüstung zusammenpacken, und es zumindest bildlich dokumentieren.

      @Booni:
      Vorbei ist es bei uns wohl erst, sobald der letzte Bau dieser Art verschwunden ist.

      Was mich nach wie vor am meisten ärgert ist, daß es alles nur halb so schlimm wäre, wenn man nicht heutzutage einen derartigen Murks baute. So ein Ziegelbau mit etwas Putz dran und Ladenzeile drin wäre nun wirklich nicht unersetzlich, wenn da nicht die unverständliche Haltung von Architekten und verantwortlichen Politikern wäre. Dazu das Problem, daß Neubauten derzeit meistens von großen Firmen hochgezogen werden, in die dann der nächstbeste Großkonzern seine gesichtslose 400. Filiale packt.
    • Trotz der Hiobsbotschaft: Danke, Haussmann! Mal wieder aeusserst verdienstvoll.

      "haussmann" wrote:

      Was mich nach wie vor am meisten ärgert ist, daß es alles nur halb so schlimm wäre, wenn man nicht heutzutage einen derartigen Murks baute.


      Recht hast Du. Die Ramsch- und Wegwerfgebaeude, die heute den einst recht schoenen Wandsbeker Markt zieren verdienen den Namen "Architektur" nicht. :wueten:
    • Verbrecher! Es wird der Tag kommen, an dem sie sich wünschen werden, sie hätten es nicht abgerissen. Als ich vor ca. 13 Jahren regelmäßig nach Hamburg gefahren bin, war das Carolinenviertel (in der Nähe des "Doms") ein sehr heruntergekommenes Gründerzeitviertel - hoher Ausländeranteil, viele Drogenprobleme und regelmäßig Randale am 1.Mai. Mittlerweile frisch saniert und eine der gefragtesten Gegenden in Hamburg überhaupt.
    • @Antiquitus:
      Keine Ahnung, was da hinkommt. Ist noch kein Schild über das kommende Projekt zu sehen.

      @Armin:
      Das fatale an der Sache ist ja, daß das Gebiet eh schon ein Totalverlust ist und mehr mit amerikanischer Vorstadt als mit sonstwas gemein hat. Da gibt es kein Viertel mehr abzureißen, nur noch winzige, versprengte Reste. Und dies war der bedeutendste davon!

      Diese Sanierungen sehe ich etwas kritisch. Sie sichern zwar jetzt den Bestand, aber erstens kriegen die Häuser dadurch meist diesen klinisch reinen Disneyland-Look (das Reizwort hier mal in anderem Zusammenhang =), und zweitens wird das Viertel dadurch oft zum Spekulationsobjekt mit hohen Mieten und der entsprechenden Schicki-Micki-Transformation.
      Außerdem haben sozial schwache Bevölkerungsgruppen diese Bauten eben jahrzehntelang erhalten und die sogenannte Flächensanierung verhindert. Es stößt mir übrigens ziemlich auf, daß du Ausländer in einem Atemzug mit Krawallmachern (mehr zu denen unten) und Drogenabhängigen nennst.

      Besonders schade ist, daß Hamburgs Osten mit etwas mehr Altbaubestand eine bessere Entwicklung als der verspekulierte Westen nehmen könnte. Wie der Bereich an der Lübecker Straße bis zum Anfang der Wandsbeker Chausse, dem man ansieht, daß er mit nur einem halben zusätzlichen Altbau-Straßenzug den Sprung zum attraktiven Viertel schaffen könnte. Genau hier hat man aber in den 70ern einen gesamten Block abgerissen, nachdem der Rettungsversuch von Mitgliedern der Szene der obigen Krawallmacher mit Polizeigewalt beendet wurde.

      Manchmal habe ich den Eindruck, daß man aktiv die Wertsteigerung der teuren Spekulationsobjekte durch weitere Verknappung zu unterstützen versucht..
    • Es ist zum verzweifeln - so ein schönes Gebäude wird einfach weggehauen, das kann doch nicht wahr sein................! :kopfschuetteln: Reicht es denn nicht, daß in Ostdeutschland so viel wertvolles plattgemacht wird? Ist man in Hamburg immer noch nicht klüger geworden????

      Wenn ich solche Bilder sehe, vergeht mir fast die Freude an Rekonstruktionen wie am Dresdner Neumarkt. Es ist - da haben die Nörgler wie Bartetzko irgendwie doch recht - schon abartig, daß man einerseits verschwundene Bauwerke kopiert, aber andererseits echte historische Bauten verfallen läßt und/oder abreißt.
    • Verschlimmernd kommt noch hinzu, dass in den letzten Jahren an dieser Straße viele Glaspavillons von irgendwelchen Baumärkten, Bürmärkten usw. hochgezogen worden. Da sehe ich für die Zukunft schwarz.

      Dabei hat Wandsbek Potential!
      Die meisten Hamburger kennen nur das Wandsbek entlang der Ausfallstraßen, und das ist echt ätzend. Schon in 2. Reihe, in den Parallelstraßen dieser Ausfallstraßen, findet man heute noch renovierungsbedürftige und renovierungswürdige Altbauten, auch Gründerzeitler.

      Wandsbek ist auch Wandsbek-Gartenstadt, Marienthal und die Gegend um das Wandsbeker Gehölz. Meine Grundschule war die architektonisch sehr schöne Boveschule. Das ist doch auch eine schöne Gegend da.

      Trotzdem wohne ich heute lieber in Eimsbüttel...
      Ah, ein Stadtmensch!
      www.stuck-und-dielen.de
    • "Stadtmensch" wrote:

      Meine Grundschule war die architektonisch sehr schöne Boveschule. Das ist doch auch eine schöne Gegend da.

      Trotzdem wohne ich heute lieber in Eimsbüttel...


      Was, Du gingst auch zu der Schule an der Bovestraße? :D

      Von den drei Schulen dort in der Gegend fand ich allerdings die Charlotte-Paulsen-Schule und das Matthias-Claudius-Gymnasium architektonisch wesentlich ansprechender als die Boveschule. Die hiess uebrigens in grauer Vorzeit mal anders, kann mich aber nicht mehr an den Namen erinnern.

      Nett, dass Du Wandsbek lobst! Aber Du hast Recht, Eimbuettel ist recht attraktiv, das hat was! 8)
    • Mit Stolz nennt sie sich mit Sicherheit nicht so, der Name wurde wohl in den 60ern oder 70ern von lästernden Autoren erschaffen.

      Leider setzt sich das heute noch fort. Es ist aber auch tatsächlich die logische Konsequenz, man hat hier ja auch die Gängeviertel gnadenlos plattgemacht. Der Unterschied war halt, daß damals noch größer und schöner gebaut wurde als vorher, und daß hinterher keine Brachen oder toten Stadtteile entstanden.

      Deshalb sage ich, das eigentliche Problem sind die miesen Neubauten und nicht der fehlende Erhalt des Alten (wohl wissend, daß viele hier anderer Meinung sein dürften).
    • @Hausmann Muß gestehen, daß meine Wortwahl etwas unglücklich klingen mag. Hätte schreiben sollen: Hoher Ausländeranteil mit daraus folgender Drogenproblematik (Dealer). Das würde die damalige Situation gut treffen, denke ich. Es gab eine permanente Polizeipräsenz auf der Straße und meine damalige Freundin hat sich nach Dunkelheit nicht mehr rausgetraut. An den Gebäuden wurde zu der Zeit nichts saniert. Und hätte man ihnen nicht den "Disneylandlook" verpasst - keine Ahnung ob sie heute noch stehen würden. Ich meine, wenn du ein Haus besitzt, sanierst du es doch auch nach einer größeren Zeitspanne, oder nicht?
    • Ich sehe die Korrelation nicht so ganz.. aus bestimmten Gebieten vor allem Schwarzafrikas wandern auch potentielle Dealer ein, ja, aber man sollte das nicht verallgemeinern.
      Und heraustrauen konnte & kann man sich immer noch in jeder deutschen Stadt, das war dort nicht anders. Ich kenne die Schanze als Schmuddelviertel aus meiner Kinderzeit (frühe - Mitte 80er). Anfang der 90er, vor dem Edel-Umbau, tauchte das Viertel noch in Wahlwerbung von DVU & NPD auf, eben als Gegend in der man sich nicht heraustrauen könne. Pure Panikmache, wir sind hier nicht in LA South Central. Die Leute stellen sich hier wirklich an.

      Zum Zustand; sicher rettet die Renovierung normalerweise vor dem Abbruch, aber daß die in dieser Form erwartet wird, legt auch die Schwelle zum Erhalt höher. Bei den Bildern der Tour de France sah man gerade wieder ganze Dörfer, die bis auf die zerbrochenen Scheiben wohl in schlechterem Zustand waren als dieser Abrißkandidat hier!
    • @Pilaster, Thema Schule:

      Die Boveschule ist ja eine Grundschule. Oder war es als ich da lernte. Ich bin übrigens 1975 eingeschult, wenn ich mich richtig erinnere - Passt jedenfalls so zu meinem Geburtsjahrgang.

      Ja, vielleicht sind wir ja tatsächlich Schulkameraden? Ich kann mich aber kaum an Namen aus der Grundschulzeit erinnern. An einen Schulfreund aus der Grundschule erinnere ich mich auch nicht mehr mit Namen, aber die Familie wohnte in einem Haus auf der anderen Seite des Bahndamms und der Vater hatte die ausgesprochen coole Idee, die Grundstückseinfahrt nach sich selbst zu benennen. Mit persönlichem Straßenschild!

      Das fand ich als Grundschüler absolut obercool!! (oder wie man es so in den 70ern nannte - Nannte man es damals schon "geil"? Oder war das eher 80er?)

      Ich glaube, Charlotte-Paulsen war zu der Zeit auch nur ein Mädchengymnasium, wäre für mich also sowieso nicht in Frage gekommen(?).

      Meine Familie wohnte in der Freesenstraße in der Nähe der Wandsbeker Post (Auch ein architektonischer Pluspunkt!)

      Wegen weiterer Geschwister und zuwenig Platz sind wir dann aber in einen Vorort gezogen.
      Ah, ein Stadtmensch!
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