Berlin - historische Denkmäler und Brunnen

  • Quote from "erbsenzaehler"

    Weiß jemand was der kleine unterhalb dessen darstellen könnte?


    Ja, ein Toilettenhäuschen.

  • Wenn ich mir Bilder von Berlins Denkmälern anschaue, bin ich oft ziemlich erschrocken, wie rücksichtslos die Berliner mit diesem Kulturerbe umgehen:
    http://www.flickr.com/photos/aussie_jedi/2765556940
    http://www.flickr.com/photos/k…/in/set-72157606409875643
    http://www.flickr.com/photos/28857098@N08/2686828054/
    http://www.flickr.com/photos/biggirlelise/2628456667
    http://www.flickr.com/photos/kpc1975/2521637974/sizes/l/


    Das sind nur einige wenige Beispiele...
    In London oder Paris wäre mir sowas gar nicht aufgefallen...


    Gibt es irgendwelche Gegenmaßnahmen gegen diesen Vandalismus in Berlin?
    Und weiß jemand, ob man diese Grafittis wieder spurenlos entfernen kann? Wäre wirklich eine Schande wenn nicht...

  • Quote

    In London oder Paris wäre mir sowas gar nicht aufgefallen...


    In London und schon gar in Paris gibt es einen solchen Vandalismus an den historischen Denkmälern der eigenen Nation nicht, weil man dort ein normales Verhältnis zur eigenen Nation und Geschichte hat.
    Die weitaus größten historischen Denkmäler Berlins sind sowjetische Ehrenmale und das Denkmal für die ermordeten Juden Europas; Die verbliebenen Denkmäler für kulturellen Errungenschaften oder herausragenden Persönlichkeiten der deutschen Nation werden von aufgeklärten Repräsentanten des neuen Deutschlands immer wieder auf diese Weise entstellt.

    VBI DOLOR IBI VIGILES

  • Grafittis kann man sicher entfernen, das bedeutet allerdings etwas Arbeit und dann wohl auch den prophylaktischen Auftrag einer Schutzschicht. Solche Schmierereien sind natürlich ein Zeichen von Verwahrlosung, zudem aber auch von einer Stadt, die sich um die Pflege nicht sonderlich kümmert (es sei denn man findet, wie kürzlich, Hakenkreuze oder Schmierereien an Stelen des Holocaust-Mahnmals). In Berlin ist es allerdings auch sehr extrem. Wenn man zum Beispiel am Prenzlauer Berg durch manche Wohnstraßen geht, findet man kein Haus, das nicht vollgesprüht wurde. Die Leute scheinen sich offenbar dort an den Zustand gewöhnt zu haben. Oder resigniert. Eigentlich traurig.

  • Wie schön der Platz um die St. Marienkirche einst war, und das Luther-Denkmal war ein prächtiges Monument, ähnlich wie das Reformatoren-Denkmal zu Worms.

    Für weniger Ideologie!

  • Ich kann dich beruhigen, Treverer. Das Geschmiere am Moltke-Denkmal ist rückstandsfrei entfernt worden. Allerdings könnte man mal den Namen erneuern. Das Gold ist kaum noch vorhanden...Und das Make-Up bei Neptuns Mädels ist mir auch nie aufgefallen. Wobei das ja schon irgenwie lustig ist ;). Macht wenigstens mehr "Sinn", als irgendwelche Buchstaben auf einen Sockel zu schmieren...

  • Hier noch eine aktuelle Ansicht des Musikerdenkmals im Tiergarten von August 2008; bislang scheint es von Sudeleien (noch) verschont zu sein.




    Allgemein zum Thema dieses Strangs kann man dort vielleicht fündig werden:
    http://www.bildhauerei-in-berlin.de/

    Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
    (Immanuel Kant)

  • Ich frage mich, ob bei dem auf der Seite auch aufgeführten Hardenberg-Denkmal auch wirklich was passiert...Man hört und sieht nichts davon. Nach zwei Jahren müsste so ein Denkmal doch wohl fertig sein, sofern überhaupt begonnen wurde.


    Auch sonst ist die Auflistung der Denkmäler sehr interessant. Diese Borussia am Wannsee kannte ich gar nicht. Und auch andere, die man beim Bildindex teilw. nur schwer findet und wenn, dann auch manchmal nur von weit weg oder schon zerstört...

  • Werden eigentlich andere (Nachkriegs-) Denkmäler genau so oft beschmiert oder vandaliert als die Vorkriegsdenkmäler? Gibt es diesbezüglich Beobachtungen von den Berlinern, ob z.B. das Marx-Engels Denkmal, sowjetische Ehrenmal oder ähnliche des öfteren gereinigt und instandgesetzt werden müssen?
    Würd mich ja wirklich interessieren, ob es da irgendwelche Vorlieben bei den Schmierern gibt. :keine ahnung:

    Labor omnia vincit
    (Vergil)

  • Quote from "Aedificium"

    Würd mich ja wirklich interessieren, ob es da irgendwelche Vorlieben bei den Schmierern gibt. :keine ahnung:


    Mit Sicherheit. Du kannst ja davon ausgehen, daß die Schmierer keine bürgerlich-konservativen Leute sind. Mindestens wissen sie, daß sie bei der Beschmierung eines sowjetischen Ehrenmals oder eines Stolpersteins mehr Ärger bekommen. Neben einigen in irgendeiner Weise politisch bewußt selektierenden Schmierern dürfte bei der Masse zumindest der Aspekt der Strafe bei zu starker Abweichung vom vorgegebenen politisch-korrekten Weg eine gewisse Rolle spielen.

  • Das vom Trierer verlinkte Bild zeigt den sogenannten Tag einer Person, die die Buchstabenkombination DFG verwendet. Den hatten wir auch schon bei uns an der Haustür. :boese: Wenn ich den doch nur in flagranti mal erwischte...


    Andererseits ist die Szene nicht selten bewaffnet und agiert in Gruppen mit Ausführenden und Assistenten und Schmierestehern (daher kommt also dieses Wort!!).


    Im Hinblick auf den (grds. berechtigten) Ausspruch

    Quote

    "Einige Berliner sind solche Schweine"

    muss angemerkt werden, dass häufig auch Leute aus dem europäischen Ausland anreisen, um sich hier international zu verewigen. Berlin ist da - nicht zuletzt wegen der immer noch ungenügenden rechtlichen Handhabe und aus alter West-Berliner Tradition heraus - leider allererste Adresse.

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  • Quote

    Andererseits ist die Szene nicht selten bewaffnet und agiert in Gruppen mit Ausführenden und Assistenten und Schmierestehern (daher kommt also dieses Wort!!).


    Zufälligerweise habe ich gestern bei Wiki was gesucht und bei ner Liste mit hebräischen/jiddischen Worten im deutschen Sprachgebrauch gelandet. Darunter war auch "schmiere stehen": Schmiere (=Wache) stehen von schamrah (= Wache). Ist also eher ein Zufall ;).


    Wie sieht denn diese West-Berliner Tradition aus? Einfach, weil es nicht bestraft wird oder wurde das sogar irgendwie gefördert, als Entfaltung der jugendlichen Kreativität oder so...Oder gabs sowas im Osten einfach nicht?


    Bei Treverers Bild ist es natürlich besonders ärgerlich, weil die Figuren der Schlossbrücke ja erst für bestimmt nicht wenig Geld gereinigt wurden. Aber wenn ich mir den bereits hier gezeigten Moltke anschaue hoffe ich, dass der mist nicht allzu schwer zu entfernen sein dürfte.

  • Benni

    Quote

    Wie sieht denn diese West-Berliner Tradition aus?


    Ich weiß jetzt nicht, wie alt Du bist, aber dass das alte West-Berlin zumindest ab Mitte der 70er Jahre das Sammelbecken der Menschen mit sog. alternativen Lebensentwürfen war (nicht zuletzt die erhebliche Menge an "Wehrdienstflüchtlingen" trug maßgeblich hierzu bei) und im weiteren die avantgardistische Subkultur incl. Hausbesetzungen, Graffiti, Drogen, Leben auf Eltern- oder Staatskosten etc. gerade in Kreuzberg und Schöneberg ihren Ursprung hatte, dürfte doch nicht neu sein. Dazu kam natürlich noch die Berliner Mauer als "Arbeitsfläche" der internationalen Szene. Wie das im damaligen Ost-Berlin war, weeß ick ooch nich' jenau, aba det war wohl voraussichtlich nich' üblich und jewiss nicht ohne Konsequenzen, wenn man dort rumsaute und erwischt wurde - mal abgesehen vom vermutlichen Mangel an Spraydosen.


    Aber das gehört hier alles im Grunde gar nicht hin...

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    (Immanuel Kant)

  • Ach so meenste dit. Ick bin 24, war also ooch als Wessi voa meena Zeit, wa. Hätt ick abba ooch selbst druf kommen können. Naja, mal wieda nich richtich nachjedacht. Abba weile davor vom rechtlich verfolgen und so jeredet hast, dacht ick eben, dit hat damit wat zu tun. Dit mit den Hausbesetzan weeß ick natürlich. VonnaMaua ma janz zu schweijen. Abba ejal...

  • Quote from "Heimdall"


    Mit Sicherheit. Du kannst ja davon ausgehen, daß die Schmierer keine bürgerlich-konservativen Leute sind. Mindestens wissen sie, daß sie bei der Beschmierung eines sowjetischen Ehrenmals oder eines Stolpersteins mehr Ärger bekommen. Neben einigen in irgendeiner Weise politisch bewußt selektierenden Schmierern dürfte bei der Masse zumindest der Aspekt der Strafe bei zu starker Abweichung vom vorgegebenen politisch-korrekten Weg eine gewisse Rolle spielen.


    Selten so einen gequirlten Quark gelesen. Schau dir mal entsprechende Denkmäler in Berlin an, bevor du hier irgendwelche mit dem Fernglas beobachteten hessischen Spekulationen in die Runde gießt, die jeder Grundlage entbehren. Der Schmierer schmiert, wohin ist ihm egal. Und die Strafen unterscheiden sich ebenfalls nicht. Das blickt man als paranoider bürgerlich-Konservativer natürlich nicht.


    Aber wenigstens bist du mit deiner unsympathischen Denke konsequent und lässt keine Gelegenheit aus, diese an den Mann zu bringen.

  • Hallo,


    das sind die Gründe, warum sich ein Investor viell. 3mal überlegt ein Haus in Kreuzberg zu sanieren. Ich kenne es aus Chemnitz und dort war ich immer wieder erzürnt, wenn ich an einer frisch sanierten Fassade eines Gründerzeitlers, irgendwelche Tags sah. Man ist dort teilweise den Schritt gegangen, dass man an die Fassade Videokameras anbringt. In Weimar konnte ich die nicht beschmierten Häuser (histor. Stadtteil) an einer Hand abzählen - Weimar hat eine starke alternative Szene - die hinterlässt ihre Spuren. Die Stadtführer geben dies meist erst beim zweiten mal nachfragen zu.


    Ich denke, dass die Strafen viel zu schwach sind bzw. kein Abschreckungspotential mehr haben - sein es Sozialstunden oder finanzielle Schulden, die dem Täter dadurch entstehen - zu Abschreckung führt das nicht - man muss ja teilweise sagen, dass dies nicht mal mehr deutsche Strafvollzugsanstalten tun - Abschrecken.


    Ich kann es nicht genau sagen - ich habe mal gehört oder gelesen, dass die skandinavischen Länder, die Verunstalter fremden Eigentums durch Graffiti-Schmierereien, neuerdings mit bis zu 6 Jahren Haft bestrafen.



    Quote from "Palantir"


    Dazu kam natürlich noch die Berliner Mauer als "Arbeitsfläche" der internationalen Szene. Wie das im damaligen Ost-Berlin war, weeß ick ooch nich' jenau, aba det war wohl voraussichtlich nich' üblich und jewiss nicht ohne Konsequenzen, wenn man dort rumsaute und erwischt wurde - mal abgesehen vom vermutlichen Mangel an Spraydosen.


    Aber das gehört hier alles im Grunde gar nicht hin...

    :D


    Ich wage zu bezweifeln, dass ein Ostberliner in DDR Zeiten je lebend bis zur berliner Mauer vorgedrungen wäre - wenn doch, dann hätte er sicherlich besseres zu tun gehabt als dort seinen Hermann ranzusprühen.


    Adios, xFlipx

  • Quote from "Dase"

    Selten so einen gequirlten Quark gelesen. Schau dir mal entsprechende Denkmäler in Berlin an, bevor du hier irgendwelche mit dem Fernglas beobachteten hessischen Spekulationen in die Runde gießt, die jeder Grundlage entbehren. Der Schmierer schmiert, wohin ist ihm egal. Und die Strafen unterscheiden sich ebenfalls nicht. Das blickt man als paranoider bürgerlich-Konservativer natürlich nicht.


    Aber wenigstens bist du mit deiner unsympathischen Denke konsequent und lässt keine Gelegenheit aus, diese an den Mann zu bringen.


    Ach, da hat unser lieber Ostalgiker "Dase" mal wieder eine seiner üblichen Pöbeleien abgelassen. Nun, ich kann leider nichts daran ändern, Dich weiterhin mit "unsympathischer Denke" zu belästigen - bin ja schließlich "paranoid". :lachen:


    Zur Sache: Natürlich besteht die Mehrzahl der Sprayer nicht aus politischen Aktivisten, das wissen wir ja alle. Die Zeit des rein politischen Graffiti der 70er und frühen 80er Jahre ist lange vorbei. Indes, es ist über die eigene Beobachtung vieler Jahre für mich durchaus feststellbar, daß sich Schmierer an bestimmte Objekte nie oder zumindest selten herantrauen, z.B. NS-Gedenkstätten. Ich kenne die Berliner Situation relativ gut, aber dennoch ein Beispiel aus der Stadt Frankfurt, die ja durchaus auch viel Graffiti aufweist: An der langen Gedenkwand an der Allerheiligenstraße, mit den kleinen eingearbeiteten Namensschildern von NS-Opfern, ward noch nie eine Kritzelei gesehen, obwohl sich die Fläche dafür technisch geradezu anböte (Riesige freie Fläche, tags attraktiv sichtbare Lage an der Straßenbahnlinie, nachts wenig belebt). Dieser Respekt mag bewußt passieren (durch Objektauswahl) oder instinktiv (durch die Ahnung von höherer gesellschaftlicher Strafsanktion). Übrigens ist dieser Respekt gegenüber der Gedenkwand ein sehr positives Beispiel, zeigt es doch, daß gewisse erzieherische Disziplinierungsmaßnahmen durchaus greifen. Bloß sollte es eben auch auf viele weitere Denkmäler und Gebäude ausgeweitet werden.

  • Quote

    xflipx hat Folgendes geschrieben:


    Ich wage zu bezweifeln, dass ein Ostberliner in DDR Zeiten je lebend bis zur berliner Mauer vorgedrungen wäre - wenn doch, dann hätte er sicherlich besseres zu tun gehabt als dort seinen Hermann ranzusprühen.


    Und warum konnte man da nicht hin, um 'was ranzuschreiben?


    Nichts für ungut, aber da haste den Schnitt beim Zitieren recht elegant gesetzt und mir viel Naivität zugetraut. :zwinkern:

    Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
    (Immanuel Kant)