Bausünden (Galerie)

  • Bei der herrlichen Schöngeisterei, die wir alle Pflegen, bei allen traumhaft schönen Fachwerk, Barock- oder Gründerzeithäusern, die wir gern zeigen, schlage ich mal was vor: Lasst uns so richtige Bausünden zusammentragen. Egal in welcher Stadt, egal ob bekannt oder unbekannt. Die geballte Ladung grässlicher Architektur wünsche ich mir hier versammelt.


    Als Dresdner mache ich mal den Anfang mit folgendem Bau:



    Jawohl liebe Nicht-Dresdner, auch DAS ist Dresden. Und zwar Altstadt!!![/url]

  • War dieser Bau nicht der Anlaß dafür, daß sich die Gesellschaft historischer Neumarkt e.V. gegründet hat?

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    War dieser Bau nicht der Anlaß dafür, daß sich die Gesellschaft historischer Neumarkt e.V. gegründet hat?


    Genau, das ist sozusagen die prominenteste Bausünde.

  • Der Coselpalaisanbau strotzt nur so vor Häßlichkeit und genau aus diesem Grund wurde er Anlaßfall zur Gründung der GHND. Vielleicht sollten wir sogar Kaplan dafür danken, daß gerade durch ihn - nolens volens- nun in Zukunft mehr Rekonstruktionen am Dresdner Neumarkt sein werden als ursprünglich beabsichtigt waren...

    „Dekoration ist der wichtigste Teil der Architektur“ (Sir William Scott)

  • Ein paar Kilometer von meinem Heimatdorf entfernt wurde in Heisters, Ortsteil der Großgemeinde Grebenhain im Vogelsbergkreis (Hessen), dieses 1893 erbaute Fachwerkhaus (ehemalige Schule, jetzt Dorfgemeinschaftshaus) mitten im Ortskern neben einer spätmittelalterlichen Kirche um einen Anbau in Gestalt einer roten Flachdachkiste mit Glaspyramide "ergänzt".
    Die Bausünde mitten in einem noch großenteils von Fachwerkhäusern geprägten Ort ist ein Ergebnis der gerade durchgeführten Dorferneuerung. Hier mal ein Bild davon, wie mit Steuermitteln ein kleines Dorf um ein herausragendes Beispiel moderner Architektur :zwinkern: "bereichert" wurde:


  • Carsten:
    Der komische Kasten ist ja wirklich ein Fehlgriff! Und dann noch diese alberne Pyramide. Soll wohl ein Louvre-Zitat sein.


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    Der Coselpalaisanbau strotzt nur so vor Häßlichkeit und genau aus diesem Grund wurde er Anlaßfall zur Gründung der GHND. Vielleicht sollten wir sogar Kaplan dafür danken, daß gerade durch ihn - nolens volens- nun in Zukunft mehr Rekonstruktionen am Dresdner Neumarkt sein werden als ursprünglich beabsichtigt waren...


    DAFÜR werde ich Kaplan niemals verzeihen. Der Bau bringt mich jedesmal fast auf die Palme, wenn ich über die Brühlsche Terasse gehe. Für diejenigen, die das "Neue Palais" noch nicht kennen, hier mal eines mit dem architektonischen Umfeld:


  • Das Gebäude ließe sich relativ leicht verbessern, wenn das seltsame grüne Gitter abgenommen würde. In Richtung Neumarkt wirkt es sehr unauffällig, da ließe sich wieder um mit einer geringfügig überarbeiteten Fassade schon viel erreichen.

  • Das wollte ich auch gerade sagen: Fairerweise muß man den Kaplan-Bau von beiden Seiten betrachten: Die Seite mit dem grünen Gitter ist in der Tat unter aller Sau, aber die andere Seite zur Salzgasse ist m.E. erträglich. Da stört nur das gläserne Staffeldach, das man durch ein Mansarddach ersetzen müßte, dann wäre das Ding in Ordnung.


    @ vitruv


    Und was ist mit dem Advanta-Riegel? Ist der nicht die schlimmere Bausünde von beiden?

  • Stimmt schon. Aber was nützt mir die unauffällige Fassade zur Salzgasse, wenn die eigentliche Schauseite grottenhäßlich ist und eine der schönsten Blickbeziehungen auf die Frauenkirche ruiniert?
    Der Advanta-Riegel ist auf andere Weise häßlich. Leider hab ich keine Fotos. Wäre nett wenn den mal jemand hier reinstellen könnte. Daran stört mich im wesentlichen die enorme Länge, das hässliche Dach, das man vom Zwinger aus sehen kann und der respektlose Umgang mit dem alten Straßengitter.

  • Das grüne Gitter stört wirklich. Meiner Meinung sollte man dieses entfernen sowie die gesamten Außenfassaden und neue Fassaden, die ins Umfeld passen bauen. Ok, vielleicht nicht die ganzen Fassaden abreißen, jedoch so umgestalten, dass die ins Umfeld passen.

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    Meiner Meinung sollte man dieses entfernen


    Hab ich auch schon gedacht. Bis ich die Planungsgeschichte erfahren habe. In Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege haben sich die Architekten daran gemacht, eine unauffällige Fassade zu entwerfen. Das Ergebnis war genau dieser Bau OHNE Gitter. Da man das zu langweilig fand, hatte der Architekt die tolle Idee dieses formschöne Gitter zu ergänzen. Mit Zustimmung der Denkmalpflege. Das muss man sich mal vorstellen!

  • Das "Donaucenter" in Neu-Ulm - ein Monstrum mitten in der Innenstadt: War es als Pendant zum Ulmer Münster auf der anderen Donauseite gedacht...?


  • marc!: oooh, schönes Beispiel. Da hatte der Architekt damals wohl zu viele Drogen intus gehabt. Aber leider zeigt der Artikel auch wieder, dass es nicht nur bei uns, sondern auch in den USA noch genug "Fachleute" gibt, welche diesen Mist schönreden und erhalten wollen.

  • mW wurde das hier:
    Aschaffenburg Online – Bauwerke
    niemals thematisiert - eine der Perlen bundesdt. Wiederaufbaus. Verschandelt die gesamte Innenstadt und steht natürlich unter Denkmalschutz, wie den auch anders.

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • In der Altstadt die Macht, im Kneiphof die Pracht, im Löbenicht der Acker, auf dem Sackheim der Racker.


    Hätt' ich Venedigs Macht und Augsburgs Pracht, Nürnberger Witz und Straßburger G'schütz und Ulmer Geld, so wär ich der Reichste in der Welt.