Berlin-Mitte - Schinkelplatz und Umfeld

  • Lieber „thommystyle“,

    Willst du damit sagen, dass dieses Forum für ewig Gestrige reserviert ist?

    Ich fürchte, dann ist dass das falsche Forum für dich, denn "das ewige Beharren auf barocken oder anderweitigen Schnörkeln" gehört quasi zur DNA des APH, die Abwesenheit selbiger bei Neubauten seit ca. 100 Jahren ist im Prinzip der Grund, warum dieses Forum überhaupt exisitert.

    Auckland bei Nacht

  • Lieber „thommystyle“,

    Willst du damit sagen, dass dieses Forum für ewig Gestrige reserviert ist?

    Wer bestimmt denn eigentlich, dass Schnörkel von gestern sind und Klötzchen von heute?
    Vielleicht wird es ja nach 100 Jahren Bauhaus-Würfeln mal Zeit für etwas anderes.

  • Nur mal zum Verständnis: Die Ewiggestrigen sind die modernistischen Architekten, die es partout nicht hinbekommen, Schönheit zum integralen Bestandteil ihrer Entwürfe zu machen. Deutschland hat den 2. Weltkrieg verloren und darf dieses und darf jenes nicht. Natürlich dürfen wir. Und wie wir dürfen. Und die Menschen sehnen sich danach. Lebensqualität ist das wichtigste überhaupt. Und man sollte nicht sein Leben mit minderwertiger Qualität verschwenden. Denn wir haben nicht viel Zeit auf dieser Welt. Das sollte jedem klar sein.


    Und so einen Müll wie die Gebäude am Schinkelplatz hätte die DDR nicht besser hinbekommen.

    Dort stand einmal ein Außenministerium ähnlicher Farbgebung.

  • Danke, Goldstein - du warst etwas schneller als ich, deshalb muss ich das nun nicht selbst schreiben biggrin:)


    Mal ganz persönlich: Ich halte internationale Vorträge über Veränderungsmanagement und Innovation, und zu modernem Datenmanagement habe ich zwei Bücher geschrieben. Ich bin also vermutlich nicht wirklich "ewiggestrig". Weshalb ich deshalb glatte und kalte Quaderarchitektur gut finden soll, erschließt sich mir nicht.

    _______________________________________
    Gutmensch = Gut gemeint, nicht zuende gedacht, schlecht gemacht

  • Ich kann die Elogen auf die moderne Schinkelplatzbebauung auch nicht nachvollziehen. Gut, es hätte schlimmer kommen können, aber auch weitaus besser.

    Das rechte Haus von Volker Staab ist der Gipfel an Banalität. Eine reliefiert-aufgeraute Betontextur, die sich nach oben hin verflüchtigt, weil die Wand leicht schräg ist und so das Profil abnimmt: hat Alberti am Palazzo Rucellai weit geistreicher hinbekommen. Und dann kein gescheiter Abschluss nach oben hin.

    Beschreibungen, die sich hierzu im Internet finden (https://www.fsb.de/de/aktuelle…-am-schinkelplatz-berlin/), sind hingegen reinste Architektenprosa:

    "Das Bürogebäude beeindruckt durch das Spiel aus Reduktion und Ornament und die behutsam hergestellte Balance aus klassischen und zeitgenössischen Motiven. Volker Staab nutzt die Fassade, um den Betrachter in ein kluges Spiel aus Perspektive und Wahrnehmung hineinzuziehen: Erscheint die Fassade aus der Ferne noch als Lochfassade mit Stuckrahmen, treten bei näherer Betrachtung die Details hervor, die dem Gebäude seine Vielschichtigkeit geben. Die Außenhülle wurde aus geschlemmten Beton gefertigt und mit einem an die Bossierung historischer Sockelgeschosse erinnernden Relief versehen, das sich nach oben von Etage zu Etage mehr verflüchtigt und in eine glatte Oberfläche übergeht.

    Gegliedert ist die Fassade durch geschossweise Gesimse, die dem Bau seine horizontale Ausrichtung geben. Die Fenster sind von glatten, in die Fassade übergehenden Faschen gerahmt, deren Breite zugunsten eines größer werdenden Glasanteils nach oben hin abnimmt. Auch die Laibungstiefe reduziert sich: Während die Fenster in den unteren Etagen in das Volumen eingedrückt sind, sitzen sie in der obersten Etage bündig in der Betonhülle. Durch die Detaillierung gelingt es Staab Architekten, dem Bürohaus die Schwere des steinernen Volumens zu nehmen und ihm eine wohltuende Lebendigkeit zu verleihen: eine gelungene, weil behutsame Mischung aus Form, Material und Ornament."


    Nicht viel besser sind die angrenzenden Bauten von Steidle. Nach hinten gestaffelte Laibungen, um die Fassade zu gliedern. ist das alles? Doch was lesen wir? Hier werde an die Bautradition Schinkels angeknüpft - und zwar wegen der grau verputzten Ziegelwände - und Bezüge zum Schloss fänden sich auch - wegen der in Putz eingelassenen Rahmungen (wenngleich ich solche beim Schloss noch nicht gefunden habe).


    "Schon die Konstruktion der Wohnhäuser knüpft an die Bautradition Schinkels an: Beide Wohngebäude wurden in monolithischer Ziegelbauweise errichtet und anschließend grau verputzt. Ihre Farbgebung unterscheidet sich minimal – ansonsten verzichteten die Architekten auf weitere Unterscheidungen, auch die Fassadengliederung ergibt sich ausschließlich aus der inneren Logik heraus. Das Sockelgeschoss mit seinen öffentlichen und gewerblichen Nutzungen wird von den Planern durch raumhohe Fenster betont, deren Rahmen aus Baubronze gefertigt wurden. Die darüber liegenden Wohnungen zeichnen sich ebenfalls durch große Fensteröffnungen in der Fassade ab: Ihre Rahmung durch in den Putz eingelassene, bildartige Vertiefungen dient als Bezug zum gegenüberliegenden Schloss."


    Am schlechtesten finde ich hingegen die Rückseiten (u.a. von Klaus-Theo Brenner). Unsinnig eingesetzte Ornamente, weil man nicht weiß, wie man Wandflächen gliedern kann. Doch nein! Wir lesen: "Das Thema Putz wird von den Berliner Architekten ebenfalls gestalterisch variiert: Zwischen den Fensterbändern laufen schmale Ornamentfelder, die leicht nach hinten springen. Ein schönes Zusammenspiel aus Form und Material."


    Ich muss gestehen, ich kann diese sinnentleerte Geschwätzigkeit nicht mehr lesen. Man beschreibt - ohne richtig zu analysieren - und garniert das dann auch noch mit wohlklingenden Phrasen, die eigentlich mit dem, was man beschreibt, gar nichts zu tun haben bzw. die so beliebig sind, dass man sie auf alles Mögliche beziehen könnte.


    Noch schlimmer freilich das Wohnhaus von Max Dudler: Balkone an dieser Stelle gehen m. E. überhaupt nicht. Den Vogel schießt allerdings Rafael Moneo (Madrid) ab, an sich ein guter Architekt. Aber lachsfarbene Putzwände auf wie aufgeklebt wirkende rote Steinplatten zu setzen und eigenwillige-unmotivierte Rücksprünge in der Fassade - einfach nur peinlich! Aber auch da wird sich gewiss jemand finden, der das schönredet.

    Nimm das Recht weg, was ist der Staat dann noch anderes als eine große Räuberbande? (Augustinus von Hippo)

  • Man hat jedenfalls den Eindruck, dass das Verfassen des Beschreibungstextes mehr Zeit in Anspruch genommen und mehr Zuwendung erfahren hat, als die Zeichnung des Entwurfs.

  • Das Schlimme ist, dass das architektonisch eigentlich anspruchvollste Gebäude der Reihe hier am allerwenigsten passt. Mir ist dieser Schultes-Bau an dieser Stelle echt ein Dorn im Auge, obwohl er für sich genommen sicher nicht schlecht ist. Aber bei seinen Nachbarn könnte man einfach nachträglich ein - vielleicht mit Kupferblech eingedecktes - Dach drauf packen, eine etwas wärmere Fassaden-Farbe wählen und das Ergebnis wäre einigermaßen annehmbar. Bei Schultes funktioniert das leider nicht. Man kann daher nur hoffen, dass die Bauakademie noch etwas rettet, sollte sie denn dereinst tatsächlich mal wieder kommen.

  • Ich finde, Fassadentechnisch sind die Gebäude "OK" , was mich aber richtig stört, ist das "Dach".

    die Gebäude wären nicht ansatzweise so schlimm, hätte man ihnen nur ein Anständiges Dach gegeben.

    Beispiel von mir: (mit Google Earth aufgenommen)

  • WUNDERBAR und EINFACH: Redutze: genau machen die Dächer ein Gebäude langweilig (ohne Dach) oder schön (mit Dach). In deinem Vorbild sind sogar die FW-Kisten mit herrlichen trad. Dächer schön und akzeptabel. Leider sind die Behörden doof oder dumm dass sie deine (billige) Lösung nicht gleich implementieren. Dann schöne Kandelaber oder Leuchter an der Fassaden, einiges an Schmuck extra und die Reihe lässt sich staunen.

  • Ist ganz klar am Schinkelplatz, traditionelle Architektur für die Neubauten war bewusst nicht gewollt bei den Entscheidungsträgern.Aber wir müssen es jetzt so nehmen wie es ist. Schade für den Schinkelplatz,das es keine städtebauliche Harmonie zwischen der historischen Platzgestaltung und den neu errichteten Gebäuden besteht. Dieser bauliche Zustand wird jetzt leider für einen langen Zeitraum Bestand haben.:sad:

  • Herr Hermann: ja Sie haben recht: wie es heute aussieht wird das nicht ohne schweren Druck ändern. Aber es könnte (und sollte) "leicht" angepasst werden mit historische Dächern wie Redutze gezeigt hat, das die langweilige Neubauten doch noch akzeptabel werden und sich besser zu dem Schloss verhalten. Wenn auf einem Tag (und der kommt) Lüscher nicht mehr da ist und traditionelle Architekten sich endlich äusern können, dann könnte so etwas passieren. Fehlende (Steil)dächer, Turmspitzen, Dachreiter, Laternen und Ecktürmen sind sowieso der grosse Mangel Berlins.

  • Wirklich klasse Redutze, deine Bildmontage! Es würde nicht vieler substanzieller Umbaumaßnahmen bedürfen, um den Gebäuden am Schinkelplatz ein wesentlich gefälligeres Erscheinungsbild zu verpassen. Aber leider sind Satteldächer aus (nicht näher erklärbaren) ideologischen Gründen derzeit wohl unerwünscht.

    „Die Freiheitsliebe ist bei den Deutschen nicht entwickelt“ (Madame de Stael)

    „Die Frage ist nicht, was wir dürfen, sondern was wir mit uns machen lassen“ (Nena)

  • Die Häuser gewönnen vielleicht noch mehr, wenn man ein Stockwerk wegließe (man hat ja zum Ausgleich das Dachgeschoss).


    Nimm das Recht weg, was ist der Staat dann noch anderes als eine große Räuberbande? (Augustinus von Hippo)

  • Die ideologischen Gründe sind schon erklärbar. Man darf sich als Architekt eben nicht dem leisesten Verdacht aussetzen "rückwärtsgewandt" zu sein.

    In dubio pro reko

  • #


    Die Häuser gewönnen vielleicht noch mehr, wenn man ein Stockwerk wegließe (man hat ja zum Ausgleich das Dachgeschoss).


    das sieht fast aus wie ein Altbau bei deinem Bild, wie ich schon gesagt habe, die Fassadengliederung dieser bauten ist ganz gut, aber das fehlen an Stuck oder irgendetwas spannendem und einem anständigen Dach macht diese Gebäude langweilig und trist.

  • Schoene Gruesse!


    Ich finde, dass es eine ganz einfache Faustformel fuer Gebaeude gibt:

    Eine von oben nach unten gehende "Teillung durch drei."

    Dachzohne, Fassade und Sockelzohne. Neubauten die sich diese Faustformel zugute halten, haben viel davon.

    Ausnahmen gibt es nartuerlich schon, z.B. einfach verputzte Fischerhaeuser an der Kueste, hier kann der Sockel

    weggelassen werden. Achtet mal bitte darauf!

  • Es wird die höchste Zeit das Architekten selbst bestimmen wie Bauten aussehen und das "Schönheit" wieder sein darf und "Rückwärtsgewandt" das Leitmotiv wird statt "Zeitgemäss" oder "Transparant" oder "Ehrlich".