• neuer Einkaufsklotz in der Altstadt


    Ich möchte diesen Thread eröffnen um mich mal so richtig über das neue Einkaufszentrum zu empören, das mitten ins Trierer Alststadtgebiet geklotzt wird. Dafür hat man Gebäude der alten Paulinus Druckerei abgerissen. Im Moment klafft in der Innenstadt ein riesiger Krater, der sich über mehrere Häuserblöcke erstreckt. Man kann wirklich einen Schrecken bekommen, wenn man durch die Innenstadt streift und dieses Loch da sieht.
    An dieser Stelle wird ein großes dreistöckiges Einkaufszentrum, die "Trier Galerie", hochgezogen werden, die natürlich absolut gar nicht ins Stadtbild passt und "super modern" daher kommt.


    http://www.trier-galerie.de/startseite.html


    Schaut euch mal den Grundriss an!


    Ausgerechnet wo sie so nahe an der schönen Post am Kornmarkt steht. Da wurde schon for kurzem ein neuer Glaskasten gebaut.


    In Trier, der ältesten Stadt Deutschlands, scheint man seit dem Krieg wirklich gar keine Hemmungen zu haben das Stadtbild gänzlich zu ruinieren. Erst die hässlichen überproportionierten Kaufhäuser direkt in der historischen Mitte der Stadt, dann die noch schlimmeren Parkhäuser. Von denen eines gerade vor sich hin gammelt und ein anderes gerade wieder neu gebaut wurde. Dann der neue Hotelkomplex am Nikolaus Koch-Platz, von der Bahnhofsgegend wollen wir garnicht reden und jetzt das!
    Widerstand gegen die Bebauungspläne habe ich nie bemerkt. Scheint einfach keinen zu interessieren...


    Warum dürfen die "Stadtväter" eine Stadt, die zum Unesco Weltkulturerbe gehört, so verschandeln?! :boese:

  • Zur Straßenseite wurde ein eigentlich recht hässlicher Nachkriegsbau abgerissen. So weit ich weiß, standen aber auf der weiten Fläche dahinter noch historische Gebäude der kirschlichen Paulinus Druckerei.


    Das schlimme ist aber eigentlich, das wieder so ein neuer Riesenklotz zwischen die ansonsten kleinteilige Bebauung der Trierer Innestand gesetzt wird. Und ausgerechnet genau in die Y-förmigen Straßenzüge, die die zentrale Altstadt Triers ausmachen. :weinen:

  • Das ist überall das gleiche, zum k'tzen.
    Leider kommen diese Einkaufszentren und Galerien bei der Bevölkerung jedoch ganz gut an, wie man an einigen älteren Gebäuden dieser Art sieht, sind sie jedoch nicht besonders langlebig.

    Wo die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten
    Karl Kraus (1874-1936)

  • Fragen zur Liebfrauenkirche


    Hallo!
    Ich weiß dieses Forum ist nicht umbedingt dazu gedacht Fachfragen von Schülern oder Studenten zu beantworten aber wenn nicht hier wo sonst..?
    Wenn ihr euch den Grundriss der Liebfrauenkirche in Trier anguckt (bei wikipedia z.B. : http://de.wikipedia.org/wiki/Liebfrauenkirche_%28Trier%29 ) seid ihr der Meinung dass man diese seitlichen abgetrennten Bereiche als Seitenschiffe bezeichnen kann? Oder ist diese Bezeichnung und die Einteilung in Haupt- und Seitenschiff bei dieser Kirche überhaupt nicht sinnvoll?
    Wäre über ein paar Anregungen oder vielleicht auch eindeutige Antworten dankbar.


    Grüße!

  • Ich schieß mal aus der Hüfte, obgleich ich erst das eine oder andere nachschlagen müsste...


    Links und rechts der Längsachse sind Seitenschiffe. Das Hauptschiff ist entlang der langen Achse des Kreuzes im Grundriss (von O nach W), die Seitenschiffe sind parallel dazu. Ich würde es aus dem Bauch heraus als recht spezielle drei- oder fünfschiffige Basilika bezeichnen - müsste aber, wie gesagt, das erst nochmals nachschauen.

    Eine der vorzüglichsten Eigenschaften von Gebäuden ist historische Tiefe.
    Die Quelle aller Geschichte ist Tradition. (Schiller)
    Eine Stadt muss ihren Bürgern gefallen, nicht den Architekten.

  • Die Liebfrauenkirche ist ein Zentralbau auf griechischem Kreuz. Begriffe wie Haupt- und Seitenschiff kann man nur bei longitudinal ausgerichteten Kirchen verwenden, d.h. bei Basiliken oder Hallenkirchen. Die seitlich abgetrennten Bereiche sind am ehesten Seitenkapellen, die die Kreuzarme verbinden, so dass ein nahezu runder Grundriss entsteht.
    Habe zufällig ein Buch griffbereit (Nussbaum: Deutsche Kirchenbaukunst der Gotik, Darmstadt 1994, S.50): "[...] ein kreuzförmiger Zentralbau mit niedrigen Kapellenpaaren zwischen den Kreuzarmen. Sein Kern ist das Vierungsquadrat, dem sich querrechteckige Kreuzarmjoche und ihre dreiseitigen Polygone anschließen. [...]"
    Das sollte dir helfen...

  • schau mal unter
    http://www.lycos.de/1001stadt/…ier-liebfrauenkirche.html
    dort ist eine gute, aber kurze Beschreibung des Grundrisses. Um Seitenschiffe handelt es sich also sicher nicht. Trotzdem würde ich die Beschreibung anders formulieren:


    Es ist ein Zentralbau über kreuzförmigem Grundriss, wobei ein um zwei Joche verlängerter Kreuzarm als Chor hervorgehoben wird. Durch je ein zwischen die Kreuzarme eingeschobenes niedrigeres Seitenkapellenpaar erscheint die Kirche auf den ersten Blick als Rundbau, aber oberhalb der Seitenkapellen ist der kreuzförmige Grundriss klar ersichtlich, und wird noch mittels eines Vierungsturms betont.


    Bei einer Grundrissbeschreibung ist es wichtig, dass immer auch ein Blick auf das Aufgehende geworfen wird.

  • Nach 2.366 Tagen ein neuer Beitrag zu Trier.


    ECE plant in Trier einen massiven operativen Eingriff in die Weltkulturerbestadt. Alles ist bestens vorbereitet durch Geheimverhandlungen mit der dortigen Stadtspitze, die bereit ist, die Interessen von ECE durch überstürzte Exclusivverträge abzusichern. Die Stadt hat bereits vorher eine Zuwendung in Höhe von 100.000 € als "Preis für das coolste Rathaus Deutschlands" aus der "Gemeinnützigen ECE/ Otto-Stiftung Lebendige Stadt" bekommen.
    Wie in Mainz ist Gerd Wilhelmus auch in Trier der zuständige, der andernorts nicht nur ECE, sondern auch die "Stiftung Lebendige Stadt" vertritt.


    Als möglicher Standort sind sowohl das Areal um die Europahalle im Gespräch im Areal zwischen Viehmarkt, Neustraße, Kaiserstraße und Hindenburgstraße als auch das Gebiet des jetzigen Standorts Karstadt in der Simeonstraße bzw. Treviris-Passage und Pferdemarkt. Vermutlich wird auch die Porta Nigra ins Auge gefaßt - ein Porta-Nigra-Center, eine Porta-Nigra-Galerie oder ein Shopping-Center Alt-Rom liegt durchaus im Bereich des Vorstellbaren, eine Einbindung der Porta Nigra als "Eingang ins Center" ebenso.


    Der Trierer OB ist gleichzeitig Ehemann der neuen Ministerpräsidentin Malu Dreyer und wird demnächst ein Referat bei einer Veranstaltung dieser "Stiftung" halten.

  • In das römische Erbe Triers werden in den nächsten Jahren einige Millionen gepumpt. In den maroden Kaiserthermen werden ab sofort Sanierungsmassnahmen durchgeführt.


    Quote

    Putz blättert, Mörtel bröckelt und so manch antiker Stein droht aus Mauern zu fallen, die als Weltkulturerbe deklariert sind. Viele der römischen Denkmäler Triers müssen dringend saniert werden. "Wir haben eine besonders herausfordernde Situation in Trier, das nicht nur eines, sondern viele römische Zeugnisse hat", sagt die rheinland-pfälzische Finanzministerin Doris Ahnen. Daher gibt es für den weiteren Umgang mit Porta & Co. nun einen Managementplan, den Ahnen am Donnerstag in den Kaiserthermen vorgestellt hat. Bis 2028 will das Land demnach jährlich zwei bis drei Millionen Euro in den Erhalt und eine bessere touristische Erschließung der Römerbauten stecken.


    http://www.volksfreund.de/nach…ert-werden;art742,4181346

    In der Altstadt die Macht, im Kneiphof die Pracht, im Löbenicht der Acker, auf dem Sackheim der Racker.


    Hätt' ich Venedigs Macht und Augsburgs Pracht, Nürnberger Witz und Straßburger G'schütz und Ulmer Geld, so wär ich der Reichste in der Welt.

  • ECE plant in Trier einen massiven operativen Eingriff in die Weltkulturerbestadt. Alles ist bestens vorbereitet durch Geheimverhandlungen mit der dortigen Stadtspitze, die bereit ist, die Interessen von ECE durch überstürzte Exclusivverträge abzusichern.


    ECE ist die Firma, die diese Katastrophe an der Wilsdruffer Strasse in Dresden zu verantworten hat. Lässt nichts Gutes ahnen. Mich würde mal interessieren was aus den Trierer-Verunstaltungsplänen geworden ist? Schliesslich ist der Beitrag fast 2 Jahre her.


    Übrigens, ECE hat in einer Werbebrochüre bereits vor Jahren ihr Projekt mit zwei Bildern beworben die das Areal so darstellen wie es heute überhaupt nicht mehr aussieht - und dieselbe Brochüre enthält aber kein einziges (!) Foto vom eigenen Projekt. Nichts. Ich denke sagt einiges aus, wenn eine Firma sich nicht traut mit der eigenen hässlichen Schandfleck-Architektur zu werben und stattdesssen auf Bilder aus dem 17. Jahrhundert zurückgreifen muss. Und das wird dann gebaut von Leuten, die aggressiv "ehrliche Architektur" propagieren. :lachen::lachentuerkis:

    "Die Modernisten sollten sich endlich eingestehen, dass sich die Qualität einer Stadt konventioneller Architektur verdankt" - (H. Kollhoff).

  • Die Pläne zum Shoppingcenter sind meines Wissens, wohl durch verschiedenerlei Widerstände sowohl in der Bevölkerung als auch z.T. im Stadtrat, mittlerweile ad acta gelegt, die Akte selbst jedoch noch lange nicht durch den Schredderer gejagt. Wie würde der Arzt sagen: "Am besten beobachten, ob sich was tut, und wenn nicht, keine Sorgen machen."
    Ich sollte anmerken, dass der Viehmarkt architektonisch ohnehin weitgehend auf verlorenem Posten steht. Was wesentlich besorgniserregender war (ist?), ist die Tatsache, dass Trier eine (positiverweise) unverhältnismäßige Funktion als Oberzentrum des Einzelhandels in der Region hat. Ein zweites (sic!) Shopping Center würde versuchen, von dieser Ressource zu schöpfen, und gleichzeitig Gefahr laufen, einem der größten Arbeitssektoren das Rückgrat zu brechen.

    Form is Function.


    "Fürchte nicht, unmodern gescholten zu werden. Veränderungen der alten Bauweise sind nur dann erlaubt, wenn sie eine Verbesserung bedeuten, sonst aber bleibe beim Alten. Denn die Wahrheit, und sei sie hunderte von Jahren alt, hat mit uns mehr Zusammenhang als die Lüge, die neben uns schreitet."

    Adolf Loos (Ja, genau der.)

  • HILFE, ich weiss genau was du damit meinst, Gefahr ist erst mal vom Tisch....erstmal.... und wir dürfen da wohl noch auf nette "Überraschungen" gespannt sein.


    Was meinst du mit "Trier ist unverhältnismäßig als Oberzentrum", dass seine Bedeutung über-, oder unterbewertet ist??


    Ich weiss nur dass es eine relativ schöne Stadt sein muss......weiss aber zu wenig über sie.

    "Die Modernisten sollten sich endlich eingestehen, dass sich die Qualität einer Stadt konventioneller Architektur verdankt" - (H. Kollhoff).

  • Ja, aufmerksam muss man bleiben. Wie gesagt, dass etwas in der Schublade liegt, heißt nicht, dass man es da nicht wieder rausholen kann.


    Unverhältnismäßig bedeutet vollkommen ohne jegliche Wertung, dass das Angebot an Einzelhandelsgeschäften die innerhalb der Stadtbevölkerung (ca.100.000) anzunehmende Nachfrage an solchen bei weitem übersteigt. Dieser Überschuss gleicht sich jedoch durch Tourismus und Käufer von außerhalb aus (was man am unter hunderten Bitburger Kennzeichen zusammenbrechenden Straßenverkehr an Samstagvormittagen meist recht deutlich merkt). Viele Einwohner der umliegenden Dörfer, Urlauber von umgebenden Campingplätzen, aber auch eigens Angereiste, z.B. in der Weihnachtszeit viele Luxemburger und Franzosen, nutzen einen freien Tag zum Einkaufsbummel in der Trierer Innenstadt. Hierdurch hält sich die große Anzahl an Läden im Gleichgewicht.


    Problem: Die Trierer Innenstadt funktioniert als Netzwerk, ein Shopping Center dagegen als Insel. Vereinnahmt diese Insel einen Zu großen Teil der Einkaufsmöglichkeiten, geht dies zu Lasten wesentlich weiterer Teile des Netzwerks. Eine Interessengemeinschaft hat z.B. eine Vitalisierung der ganz in der Nähe des von ECE ins Auge gefassten Gebiets gelegenen Neustraße mit Erfolg vorgenommen. Zuvor hatten Ladeninhaber mit der innerhalb des Zentrums recht periphären Lage der Straße zu kämpfen. Mittlerweile hat sie sich jedoch zu einem charaktervollen und beliebten Quartier entwickelt. Ein Shopping Center könnte (jedoch stehen die Chancen m. E. keinesfalls im Verhältnis zum Risko) diese Arbeit durch eine zu starke Beanspruchung der oben erklärten fragil zusammengesetzten Kapazitäten schnell ruinieren.


    Aber eine schöne Stadt ist sie, allemal :zwinkern:

    Form is Function.


    "Fürchte nicht, unmodern gescholten zu werden. Veränderungen der alten Bauweise sind nur dann erlaubt, wenn sie eine Verbesserung bedeuten, sonst aber bleibe beim Alten. Denn die Wahrheit, und sei sie hunderte von Jahren alt, hat mit uns mehr Zusammenhang als die Lüge, die neben uns schreitet."

    Adolf Loos (Ja, genau der.)

  • Problem: Die Trierer Innenstadt funktioniert als Netzwerk, ein Shopping Center dagegen als Insel.


    Das ist ein sehr guter Vergleich, darauf kam ich gar nicht selber, dies so treffend auszudrücken. Ich bin auch gegen diese ganze Manie überall und an jeder Ecke "shopping malls" zu errichten. Es gibt zwar einige die sind gut und ich bin auch nicht generell gegen shopping malls, aber gegen ihre epidemieartige Ausweitung in unseren Städten (bzw. in Städten der westlichen Welt d.h. USA/EU u. andere).


    Dass dies einen "isolierenden" Effekt hast, wie du es ausdrückst, daran hatte ich noch gar nicht gedacht, stimmt aber. Es zerstört dadurch gewachsene Strukturen.


    Die Innenstadt als traditionelles Zentrum für Handel und Kultur etc. , plus sinnvolle Ergänzungen fände ich OK. Aber eben nicht dieses ausufernde, wie man leider überall, nicht nur in Trier beobachten kann. Besonders schlimm finde ich es in Dresden, wo riesige Gebiete noch immer kriegszerstört brachliegen, wo man also zuerst Strassen und Plätze wiederaufbauen müsste. Dort sieht es besonders absurd aus, hier ein zufällig stehengebliebener Altbau, umgeben von toten Plattenbauten ohne jegliche Geschäfte (Normalität in traditionellen Europäische Städten), und plötzlich ein hässlicher pseudo-moderner Klotz wo sich geschäftliche Aktivität und Handel ballt. Ich denke das ist destruktiv. OK bin schon fertig mit Dresden, wieder zurück zu Trier. :smile: Aber in DD sieht man die negativen Auswirkungen dieses überhandnehmenden Shopping-Mall Wahns besonders deutlich.

    "Die Modernisten sollten sich endlich eingestehen, dass sich die Qualität einer Stadt konventioneller Architektur verdankt" - (H. Kollhoff).

  • Ich platziere mal das erste (und zweite) Bild dieses Strangs...


    Dieser Altbau steht am Porta-Nigra-Platz, Ecke Petrusstraße. Das Haus wird saniert.

    Bildquelle: Wikimedia, Urheber 'Spon.teeve', CC BY-SA 4.0 international


    Direkt anschließend in der Petrusstraße bislang eine Baulücke, welche aktuell mit zwei Neubauten gefüllt wird.

    Bildquelle: Wikimedia, Urheber 'Berthold Werner', CC BY-SA 3.0 unportiert


    Projekt Petrusstraße in Trier: Investor will Altbau restaurieren und plant Neubau auf hässlicher Brache - Trierischer Volksfreund



    Schön wird das leider nicht werden - und das ein paar Steinwürfe von der Porta Nigra entfernt.


    Modernes Wohnen unmittelbar an der Fußgängerzone in altersgerechter Ausführung


    IFA-Immobilien - Aktuelles

    Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
    (Immanuel Kant)

  • Nein, schön wird das wirklich nicht. Ich werde in den nächsten Tagen aktuelle Fotos beisteuern.
    Aber auch nicht hässlicher als die gegenüberliegende Zentrale der Stadtsparkasse (die man im Gegensatz zum Neubau sogar von der Porta aus sehen kann).



    von Lsjm (Eigenes Werk) [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) oder CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons


    Noch schlimmer ist nur das 'Mercure Hotel Porta Nigra'/Spielbank, direkt am Porta-Nigra-Platz.




    Rechts am Bildrand die Sparkasse und der Altbau an der Petrusstraße



    Bilder von mir, 2012