• Über diese Stadt haben wir ja noch gar nichts!


    Ich bin zufällig auf das hier gestoßen.


    Ich selber war noch nicht dort. Kenne nur Karlsbad und Eger.


    Vielleicht weiß jemand von Euch mehr über die Stadt...

  • In Marienbad war ich bisher zwei Mal - für Historismus-Freunde ein El Dorado. Einziger Wermutstropfen ist eine größere Brachfläche im Zentrum auf Grund des Abrisses eines ganzen Häuserblocks. Da aber nichts draufgebaut wurde und ohnehin ein Park anschließt, ist das aber nicht so extrem störend.

  • Quote


    Meine Güte, wenn man sich diese Filigranität anschaut! Und wenn man das mal vergleicht mit der plumpen Stahlkonstruktion am neuen Berliner Hauptbahnhof.
    Ja, auch wenn es der Durchschnittsmodernist vermutlich nicht gerne hört: selbst mit Eisen und Stahl konnte der Historismus besser umgehen als die Protagonisten desselben heute. O tempora...

    Eine der vorzüglichsten Eigenschaften von Gebäuden ist historische Tiefe.
    Die Quelle aller Geschichte ist Tradition. (Schiller)
    Eine Stadt muss ihren Bürgern gefallen, nicht den Architekten.

  • @kindvon2dresdenern




    In Marienbad kenne ich mich relativ gut aus. Eine Tante von mir lebte bis zur Vertreibung in Karlsbad und ein Cousin meiner Mutter seit ein paar Jahren wieder in Franzensbad, welches die kleinste Kurstadt im sogenannten Bäderdreieck darstellt.


    Laut den Erzählungen meiner Tante, war Marienbad noch mondäner als es Karlsbad oder Franzensbad waren. Heutzutage sieht es nun wieder etwas besser aus, aber leider ziemlich verkitscht (die Fassaden sind leider mit billiger Farbe, schlechter Qualität angepinselt) und die Leute, die nun dort zur Kur hinfahren, sind auch nicht mehr die, die den ehemals besonderen Charakter als feinen Kurort ausmachten. Naja, so ist das halt einmal in der Geschichte - alles ändert sich und ist in Bewegung.


    Das imposante Hotelgebäude, welches Du ins Netz gestellt hast, steht schon seit Jahren) leer. Leider fällt mir der Name ad hoc nicht ein. Jedenfalls soll hier zur Jahrhundertwende der englische König (ich glaube König Edward der VII ?) gewohnt haben. Wenn ich nicht komplett irre, hat ihm das Hotel sogar gehört.


    Ein paar Häuser links davon steht ein relativ kleines Gebäude, in welchem Goethe seine Kuraufenthalte vertbrachte. Das letzte Mal, als ich in Marienbad war, hing an der Fassade noch eine Tafel, die darauf aufmerksam machte.


    Außerdem befindet sich in der Nähe von Marienbad das Kloster Tepl. Der ehemalige Klosterarzt, Dr. Nehr, hat seinerzeit den Kurort Marienbad gegründet. Ich bilde mir sogar ein, dass neben der Heilquelle in der Kurstadt sogar ein Denkmal für ihn steht. Dieses Kloster selber ist dem ehemaligen Orden nach der Wende wieder zurückgegeben worden. Allerdings befindet es sich in einem absolut schrecklichen Zustand. Unter anderem befindet sich in ihm der größte Bibliotheksaal Tschechiens. Da die Bücher durchwegs lateinischer und deutscher Sprache sind, hat man in kommunistischer Zeit auf deren Erhaltung wenig bis gar keinen Wert gelegt. Die Rettung kam glücklicherweise mit der Rückgabe des Klosters an den seinerzeitigen Orden, welcher diese Kunstwerke wieder zu schätzen weiß.

    „Dekoration ist der wichtigste Teil der Architektur“ (Sir William Scott)

  • Ja, von Marienbad habe ich auch schon gehört. Ist es nicht auch ein
    UNESCO Weltkulturerbe mit einer herausragenden Architektur über
    die ganze Stadt verteilt ? Leider bin ich noch nicht dort gewesen, aber
    es steht auf jeden Fall auf meinem Besichtigungsplan. :D

  • Karlsbad, Marienbad, Baden-Baden, Bad Kissingen, Spa in Belgien und noch ein paar Bäder in Europa bewerben sich um eine Aufnahme ihrer Kuranlagen ins Weltkulturerbe

  • Karlsbad ist gar nicht Unesco - Weltkulturerbe?! Wird aber höchste Zeit. Karlsbad ist wirklich einzigartig! Selbiges gilt auch für Marienbad.
    Bad Kissingen ist da eher weniger spektakulär.

  • Ja das sehe ich auch so. Bad Kissingen hat nur die Wandelhalle und Trinkhalle, die wirklich herausragend sind, ansonsten kann die Stadt vom Flair lange nicht mit den tschechischen Bädern mithalten. Alles wirkt dort sehr verschlafen und langweilig. Wahrscheinlich hat der Zweite Weltkrieg seine Spuren hinterlassen, die Architektur ist nichts besonderes,
    Was mich eher als Bad Kissingen beeindruckt hat, ist das Staatsbad Brückenau, ein Kurort, in dem sich u.a. Ludwig der Erste von Bayern und Lola Montez aufgehalten haben. Hier beeindruckt das Zusammenspiel von der Architektur des Historismus und der umgebenden Landschaft.

  • Interessanter Tip. Davon hab ich noch nie gehört.
    Allerdings kann man Brückenau nicht mit Karls-Marien-oder Franzensbad vergleichen. Eher, schon von der Lage her, mit dem kleinen Bad Karlsbrunn im Altvatergebirge, einem Ort mit großem Flair.
    Wie sieht es eigentlich mit Baden-Baden oder Wiesbaden aus? Können diese Städte mit dem Glanz des böhm Bäderdreiecks mithalten?

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • Ich war gerade mit meinem Sohn nach langer Zeit wieder einmal in Baden-Baden. Höchst beeindruckend ist es allemal. Viel gründerzeitliche Pracht im Verband mit zurückhaltendem badischen Weinbrenner-Klassizismus und ganz wenigen hilflosen Versuchen der letzten 50 Architektur-Jahre, daneben einigermaßen bestehen zu können. Das ganze eingebettet in viel, viel nobel gepflegtes Grün der Schwarzwald-Hänge mit Villen beachtlichen Ausmaßes. Sehenswert auch das neue Festspielhaus, das sich mit seiner enormen Baumasse gewissermaßen versteckt hinter dem angegliederten Belle-Epoque-Gebäude des Alten Bahnhofs.


    Wiesbaden überragt natürlich als Großstadt und Landeshauptstadt die Reihe der übrigen Weltbäder, bietet auch über den Kurbereich hinaus komplett erhaltene historistische Wohn- und Geschäftsstraßen und gewaltig ausgedehnte Villenviertel. M.E. am bedeutendsten die Marktkirche als ein einmaliges Dokument eines Kirchenbaus aus der Zeit des romantischen Historismus (1852-62 von Carl Boos), das Kurhaus als eines der großartigsten Bauwerke des ausklingenden Historismus überhaupt (1904-07 von Friedrich von Thirsch) und das glanzvolle Staatstheater der Wiener Theaterarchitekten Fellner und Hellmer (1892-94). Ach in Wiesbaden mischen sich (wie in Baden.Baden) in auffälliger Weise der Klassizismus des mittleren 19. Jh's mit Gründerzeitarchitektur. Beide Bäderstädte können sich m.E, durchaus mit den böhmischen Bädern messen.

  • Ja, Bad Brückenau ist ganz interessant. Etwas versteckt gelegen. Ich bin auch mal vor Jahren durch Bad Ems durchgefahren, frühmorgens nach einer langen Konzert-/Partynacht in Koblenz. Hat mir sehr gut gefallen.

  • Baden-Baden ist sehr sehenswert und hat auch viel Flair - hier einige Eindrücke (leider hatte ich meine Spiegelreflexkamera nicht dabei).