Leipzig - Innenstadt

  • Erschreckend. Das dürfte mit Abstand der übelste Fall von Kulturbarbarei sein, den es auf deutschen Boden je gegeben hat, dagegen wirkt die Sprengung der Sophienkirche in Dresden geradezu harmlos, war diese ja "wenigstens" total ausgebrannt. Man würde sich für die Zukunft wünschen, dass zumindest die Schuld der Universität an diesem Debakel vernünftig aufgearbeitet wird, wenn man schon nicht mehr die politischen Kräfte zur Verantwortung ziehen kann (oder will), die so etwas zugelassen haben.


    Allerdings ist es richtig, dass dies nichts mit "dem Osten" zu tun hat, auch wenn der Abriss in Leipzig offenbar vor ideologischem Hintergrund geschah. Das Schauspielhaus und das Schumann-Theater in Frankfurt, beides die bedeutendsten Jugendstilbauten der Stadt, wurden ja auch in den 60ern größtenteils zertrümmert (ersteres) bzw. abgerissen (letzteres) und sind heute Bauten, die dem Bahnhofsvorplatz bzw. dem Theaterplatz (heute als Willy-Brandt-Platz bezeichnet) städtebaulich als historische Kontrapunkte fehlen.

  • RMA schrieb:

    Quote

    Allerdings ist es richtig, dass dies nichts mit "dem Osten" zu tun hat, auch wenn der Abriss in Leipzig offenbar vor ideologischem Hintergrund geschah.


    Ganz richtig, Kulturbarbarei ist von alle Zeiten und ist überall an zu treffen.


    Am gefährlichsten sind die Leute die immer behaupten "den Fortschritt" zu dienen, also die Technokrate, man findet sie überall sowohl in Metropole als auch in Dörfer.Diese leute in Zucht zu halten das ist das wichtigste.

  • Quote from "GruttePier"

    RMA schrieb:


    Ganz richtig, Kulturbarbarei ist von alle Zeiten und ist überall an zu treffen.


    Am gefährlichsten sind die Leute die immer behaupten "den Fortschritt" zu dienen, also die Technokrate, man findet sie überall sowohl in Metropole als auch in Dörfer.Diese leute in Zucht zu halten das ist das wichtigste.


    Einspruch. Sicher, auch im "Westen" gab es Abbrüche wertvoller Bausubstanzen, aber in der ehemaligen DDR haben Verbrecher regiert und agiert, die weder Kultur noch Niveau hatten und somit tun und lassen konnten, was Ihnen woanders garantiert verwehrt geworden wäre. Ich bin mir ganz!!!! sicher, dass wenn nicht diese Verbrecherclique im Osten regiert hätte, unzählige Leipziger gegen diese Kulturschande gekämpft hätten. Ich verstehe jedoch, dass diese Leute nur fassungslos und dem Zusammenbruch nahe mitansehen mussten, ohne dagegen aufzutreten. Wer verschwindet denn schon gerne in Bautzen oder in irgend einem feuten Kellerbunker in Hohenschönhausen...


    Lest das Buch von Matthias Lerm "Abschied vom alten Dresden", dann versteht mich jeder hier!

    „Dekoration ist der wichtigste Teil der Architektur“ (Sir William Scott)

  • Hier stimme ich dir uneingeschränkt zu, Exilwiener. Wenn die DDR die finanziellen Mittel und Möglichkeiten gehabt hätten wie der Westen, sähe es im Osten wohl überall aus wie in Berlin-Marzahn. Protestler und Widerständler wurden der Willkür ausgesetzt, verurteilt, schlimmstenfalls in den Knast gesteckt oder in die Psychatrie eingewiesen. Und es gab sie trotzdem, die Protestler, die Widerständler, insbesondere auch vor der Sprengung der Unikirche.


    St. Pauli wurde ja von Luther als erste deutsche Universitätskirche geweiht. Sie war Wirkungsstätte von Bach, Gellert, Mendelssohn-Bartholdy und Begegnungsstätte von Goethe, Gottsched, Wundt, Heisenberg und anderen. Ich denke, wenn Leipzig weiter amerikanische Besatzungszone geblieben wäre, und somit im Westen gelegen hätte, wäre eine solche Sprengung nicht einmal im Geiste erfolgt. Wenn weiterhin Diskussionsbedarf besteht, dann der Übersichtlichkeit halber doch besser HIER


    Zur neuen Brühlbebauung noch ein Artikel aus der "lizzy" - geschrieben von Ralf Julke, wie immer herzerfrischend kritisch:
    LINK

  • vielen dank für deine mühe. der bezug zum belvedere des romanushauses ist mir noch gar nicht aufgefallen.
    ansonsten hinken deine beispiele doch gewaltig. das projekt in minden wird gerade überarbeitet. das sich im bau befindliche "forum dresden" als adäquates vergleichsobjekt erfüllt nicht mal ansatzweise deine gestaltungswünsche und die blocks um die frauenkirche - die keine einkaufszentren sind - wohl auch nicht, wenn man mal von den fassadenrekonstruktionen absieht, die du ja selber für den brühl ausschliesst.


    also muss man sich schon eigenständige gedanken machen, wie am brühl gebaut werden soll. gelungene architektur bedeutet für mich, dass innen und aussen und vorn und hinten zueinander passen. da kann es meiner meinung nach nicht darum gehen, ein shoppingcenter auf einer seite zu tarnen. vielmehr müssten die - ohne zweifel nach wie vor nötigen - anstrengungen der architekten dahin gehen, die inneren qualitäten des entwurfs nach aussen sichtbarer zu machen.


    dazu vielleicht noch einige der anmerkungen, die ich ergänzen könnte:
    1. es wird in keinem wettbewerb einem büro der erste preis verliehen, mit dem nachträglichen hinweis, das alles ganz anders aussehen sollte.
    2. die avisierten 200 mio baukosten werden bereits mit diesem entwurf überschritten.
    3. ein shoppingcenter hat durchgängig gleichhohe geschosshöhen. da werden vorgeblendete fassaden, die etwas anderes vorgaukeln sollen, immer verkrampft wirken.


    oder anders ausgedrückt: bei einem projekt dieser grösse und funktion geht es nicht um traditionelle fassaden, sondern darum, an die grosse tradition der warenhäuser und passagen anzuknüpfen. mit fassaden, die wieder eigene akzente setzen.
    darin sollte die arbeit der nächsten monate bestehen.

  • Ab heute sind ja die Modelle aller Wettbewerbsteilnehmer im Bildermuseum zu sehen. Bin leider erst in anderthalb Wochen wieder in Leipzig, vielleicht kann ja vorher jemand schon mal was hier reinstellen. Da es hier gerade um leserbriefe gint, erlaube ich mir mal, einige aus der heutigen LVZ zu zitieren:


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    Ich will keine Milchtöpfe umwerfen, aber jetzt muss man als Leipziger schon mal die Stimme erheben. Da haben die Preußen gerade noch gefehlt! Hier im Zentrum der Sachsen, der Messe, der Pelze, der Neuberin, dem allgemeinen Treffpunkt der Leipziger. Man verspricht große Bilder an den Außenfassaden der Neubauten und auch Ecken und Kanten. Also Protest, ich bitte um neue Vorschläge. Hier darf um Gottes Willen noch nicht das letzte Wort gesprochen sein.
    Hans Berger, 04318 Leipzig


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    Wozu erst abreißen, wenn dann doch wieder Klötzer gebaut werden. Ich begrüße ja, dass zumindest auf der Seite des Brühls die alten Straßenfluchten wieder aufgenommen werden. Aber mir leuchtet nicht ein, warum Fassaden gebaut werden sollen, die so langweilig sind wie die Fassade des gegenüberliegenden Museums. Warum versucht man nicht wenigstens, die Fassaden der Vorkriegsbebauung anzunähern, wie das auch am Markt gut gelungen ist. Sämtliche Entwürfe der Architekten sind langweilig, einfallslos und wohl einzig dem Konsumterror angepasst. Kein Entwurf orientiert sich in der Gestaltung annähernd am historischen Stadtbild. Vielleicht hätte die Jury mal nach Dresden blicken sollen, wo um die hervorragend aufgebaute Frauenkirche historische Quartiere wieder auferstehen. Das ist Stadtgestaltung, die historisch, architektonisch und touristisch Leipzig den Rang ablaufen wird.
    Dirk Fischer, 04317 Leipzig


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    Es ist wohltuend zu lesen, dass der Investor offenbar sehr gründliche Quellenstudien betrieben hat und einige Probleme der Leipziger mit spektakulären Neuinvestitionen gut kennt, wie der Umgang mit den Stichworten Richard Wagner, Pusteblumen, Pfeffermühle, Blechbüchse beweist. Ihm scheint viel an der Meinung der Leipziger zu liegen. Was die Gestaltung des Komplexes anbelangt, kann ich mir als dilettierender Fachlaie nur ein schlichtes Urteil nach dem Gefühl erlauben: Das sieht ganz gut aus.
    Peter Held, 04249 Leipzig


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    Die Mischung von Passagen verschiedener Breiten mit Lichthöfen, Eingangszonen an Hainstraße und Hallischem Tor lassen einen Bezug zu Leipziger Messehauspassagen erkennen, ohne ein billiger modernistischer Abklatsch zu sein. Die beidseitige Öffnung der Läden zur innen liegenden Passage und gleichzeitig zum Brühl und Ring erfüllt eine wichtige Forderung des Stadtrates. Im bewussten Verzicht auf die ausschließlich nach innen gerichteten Einkaufshöhlen mit fensterlosen Außenfassaden und Verödung der umgebenden Straßen, auch Mall genannt, geht Leipzig neue Wege in der Innenstadtentwicklung und kopiert auch nicht die mittelalterliche Stadt. Nunmehr beginnt für die Planer, den Investor sowie Stadtverwaltung und Stadtratsgremien die richtige Arbeit. So sollte kritisch hinterfragt werden, ob die Unterbringung von Stellflächen in Obergeschossen bei gleichzeitig nicht erreichtem Wohnflächenanteil von 16 Prozent statt angestrebter 20 Prozent hinnehmbar ist. Auch ist eine Differenziertheit der Fassaden für die einzelnen Gebäude noch ungenügend erkennbar.
    Siegfried Schlegel, Stadtrat Die Linke


    Weiterhin ein Interview mit Baubürgermeister Martin von Nedden:


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    Haben die Leipziger noch Chancen, bei dem Vorhaben mitzureden? Zum Beispiel beim Namen Arkaden?
    Ich leite Ihren Vorschlag gern an den Investor weiter. Dort wurde mir gerade versichert, der Neubau wird nicht Arkaden heißen. Vielmehr sucht MfI jetzt auch da nach einer für Leipzig typischen Lösung. Am Mittwochabend haben wir eine Ausstellung im Bildermuseum eröffnet, die bis 22. November läuft und die Leipziger zum Mitreden einladen soll. Im Verlauf des Bauleitverfahrens gibt es selbstverständlich noch eine Bürgerbeteiligung.


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    Petra Kießling: Die in der LVZ veröffentlichten Bilder wirken so, als ob wieder nur große Würfel entstehen. Was ist daran typisch für Leipzig?
    Die Bilder sind häufig eine Krux bei Architektenwettbewerben. Sie können in dieser Phase nur erste Ansätze aufzeigen. Beim Blick vom Hallischen Tor wirkte das Ensemble tatsächlich noch wie ein Würfel. In der Ausstellung im Bildermuseum ist bereits ein überarbeitetes Modell von Grüntuch und Ernst zu sehen, das die Gliederung des Entwurfs schon besser herausarbeitet. Dabei knüpfen die versetzten Gänge und die Höfe an die Leipziger Tradition der Passagen an – wie zum Beispiel Specks Hof oder die Mädlerpassage.


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    Hans-Henning Puttke: Ich verstehe die heutigen Architekten nicht. Nach meiner Meinung spottet der Siegerentwurf jeder Beschreibung. Wird das Einkaufszentrum genau so ein Hochbunker wie das neue Bildermuseum?
    Vielleicht können wir uns darauf einigen, dass es sehr unterschiedliche Sichtweisen dazu gibt, was schön ist. Jede Zeit hat ihre eigene Formensprache. Diese Diskussion führen Architekten ständig. Bei unserem aktuellen Thema war es ein Ziel, dass keine uniforme Wand entsteht. Die Fassade wird sehr stark gegliedert und aus unterschiedlichen Materialien wie Holz, Stein, Glas und Stahl bestehen.


    Grundsätzlich also ähnlich wie hier: Das Konzept an sich ist interessant, aber die Fassaden noch verbesserungswürdig. Mal sehen, inwieweit da wirklich eine Bürgerbeteiligung erfolgt.

  • Keine Ahnung, aber vielleicht interessiert sich der eine oder andere Leipziger hierfür:


    "Leipzig und seine Bauten : zur X. Wanderversammlung des Verbandes Deutscher Architekten- und Ingenieur-Vereine in Leipzig vom 28. bis 31. August 1892"
    Das Buch hat 930 Seiten und kostet im Antiquariat zwischen 500 und 1300 €uro. Es bietet einen nach Themen (Regierungsbauten, Privatbauten, Industriebauten etc.) geordneten Überblick über Leipzigs Bauwerke. Das alles bebildert und illustriert.


    Hier kann man es sich kostenlos ansehen:
    http://www.dbc.wroc.pl/dlibra/docmetadata?id=1875&from=&dirids=1\r
    http://www.dbc.wroc.pl/dlibra/docmetada ... =&dirids=1


    Allerdings braucht man dieses DjVu Browser Plug-in:
    http://www.lizardtech.com/download/dl_options.php?page=plugins\r
    http://www.lizardtech.com/download/dl_o ... ge=plugins

  • Um auf Karasek einzugehen. Das gesamte Werk gibt es zum Download, einfach links unter der Sparte "Publication" auf download klicken. Die Datei ist ca 35 MB groß. Wunderbares Werk :)

  • Ein dickes Dankeschön an Karasek. Habe mir gestern das Buch "Leipzig und seine Bauten" runtergeladen, war echt ganz toll.
    Die öffentlichen Gebäude sind ja soweit bekannt, Privatbauten habe ich noch einige gefunden, die ich noch nicht kannte. Vielleicht 50% der gezeigten Bauten stehen noch (Leipzig hatte halt trotz allem erhebliche Kriegsverluste....)
    Wollte mir das Buch schon immer mal in der Bibloithek holen, ist aber etwas umständlich, weil solche Schinken ja grundsätlich aus dem Magazin bestellt werden müssen.... und kopiert hat man die dann immer noch nicht...

  • Quote

    die Politik hat die Initiative zur Rekonstruktion der Paulinerkiche scheitern lassen - also, auch wenn sich die Stadt insgesamt positiv entwickelt - auch in Leipzig ist bei weitem nicht alles nachahmenswert, wenn man's mal nicht durch die Leipziger-Brille sieht.


    Die Initiative zur Rekonstruktion der Paulinerkirche ist gescheitert an Obstruktion aus der Universitaet, und nicht durch die Politik. Aber mal durch nicht-Leipziger Brille: ob Paulinerkatastrophe oder Blechbuechsenerhaltung, beide sind motiviert durch kosten-, nutzungs-, und ideologisch-ostalgischen Gruenden.
    Ist diese Kombination nicht typisch Leipzig ?

    VBI DOLOR IBI VIGILES

  • Brandmauer: ja, das stimmt. kosten und nutzung spielen nur in leipzig eine rolle. und ostalgie ist in der stadt ein dauerbrenner. schliesslich wurde hier ´89 gegen die wende demonstriert...


    aber nun mal im ernst: schlossgespenst hat vollkommen recht, wenn er auf die unterschiedlichen ausgangssituationen von leipzig und dresden verweist. was bis 1990 geschah, entzog sich dabei eh weitgehend dem einfluss lokaler behörden. ich bin mir sicher, dass dies auch spacecowboy geläufig ist und er vor allem auf die nachwende-konzeptionen eingehen wollte.
    diese sieht hier schon seit der "volksbaukonferenz" in den wirrsten wendewirren vor,
    - die alten strassenverläufe in der innenstadt wieder herzustellen
    - die dem im wege stehenden ddr-bauten abzureissen
    - wohnen in der innnenstadt wieder bzw. weiter zu ermöglichen


    das sind vorgaben, die präzise genug sind, um deren einhaltung überprüfen zu können. und sie sind offen genug, um investoren anzulocken, statt abzuschrecken.


    am konkreten beispiel brühlbebauung bedeutet dies:
    - die ddr-blocks in kammstellung wurden nicht saniert
    - für die neubebauuung wurden auflagen erlassen, wie
    a) einhaltung der innenstädtischen traufhöhen
    b) wiederherstellung der ursprünglichen strassenkanten
    c) berücksichtigung der typischen struktur aus höfen und passagen
    d) begrenzung der einzelhandelsfläche
    e) öffnung der geschäfte zum strassenraum hin
    f) bereitstellung von flächen für wohnungen und kulturelle nutzungen


    das selbe kann man auch anhand der marktgalerie überprüfen. oder dem standort des ehemaligen hotels "stadt leipzig". oder dem ehemaligen sachsenplatz. und sogar im zuge der uni-neubauten. (für alle wurden störende ddr-bauten abgerissen.)


    da hat spacecowboy zu recht die frage nach einer ähnlichen konzeption andernorts gestellt. die auflagenfreie dresdner centrum-galerie wird innerstädtischen trubel nicht beleben, sondern allenfalls ersetzen. und mit dem verkauf der woba hat sich diese stadt ihr wichtigstes gestaltungsinstrument selbst aus der hand geschlagen.
    sicher läuft auch in leipzig nicht alles perfekt. aber urbaner ist es allemal.
    und darauf sollte es jenseits favorisierter fensterformate doch wohl ankommen.

  • Ich glaube nicht,dass ein defizitäres ehemaliges kommunales Unternehmen wie die WOBA im großen Maße als Gestaltungsinstrument hätte eingesetzt werden können. Es wären garantiert nicht Blocks abgerissen worden, um alten Straßenverläufe etc. wieder herzustellen schon weil Sanierung der Platte billiger ist als Abriß und Neuaufbau. Daher halte ich obige Aussage für unsinnig.


    Quote


    rakete hat Folgendes geschrieben:
    in dresden hätte man die brühl-plattenbauten saniert.


    Da stimme ich Dir 100% zu!



    Außerdem gab und gibt es in Dresdens Innenstadt genug und weitaus mehr Brachflächen als in Leipzig die bebaut werden konnten / können auf denen keine störenden DDR-Bauten standen / stehen. Das es in Leipzig anders war und ist auf Grund der geringeren Kriegsschäden ist ein Vorteil und ein großes Glück für Leipzig kann aber Dresden nicht als falsche Stadtplanung durch Plattensanierung angekreidet werden.
    Oder anders gesehen - es blieb zu DDR-Zeiten weniger Platz für DDR-Bauten in Leipzigs Zentrum auf Grund der geringeren Kriegsschäden und des weniger radikal betriebenen Leerräumes der Innenstadt im Vergleich zu Dresden. Deswegen fallen diese in Leipzig schneller der Abrißbirne zum Opfer,weil sie die ersten sind die auf Grund mangelnder Ästhetik zur Raumschaffung für Neubauten (siehe am Brühl )beseitigt werden. In Dresdens Innenstadt dagegen ist leerer Platz nach der Wende mehr als genug vorhanden gewesen und immer noch da. Dieser wird aus Kostengründen natürlich zuerst bebaut anstatt woanders Platten abzureißen und dann dort zu bauen.Außerdem fehlen in Dresdens Zentrum nach wie vor Wohnungsbauten. Die Platten dort abzureißen (auch wenn es ästethisch sinnvoll ist) würde dem Konzept Belebung der Innenstadt nicht dienlich sein - im Gegenteil.
    Es ist eben kein Geld da, um alle Platten im Stadtzentrum abzureißen und neue Wohnbauten,die den Plattenbauwohnraum ersetzen, zu schaffen. Daher werden sie saniert. Und es ist genug freier Platz da auf dem gebaut werden kann ohne das vorher Plattenbauten abgerissen werden müßten. Die nächsten Generationen werden sich damit beschäftigen und in 100 Jahren werden weit weniger Plattenbauten Dresdens Zentrum "zieren" als heute. Alles eine Frage der Zeit aber auch des Geldes. Dresden Innenstadt hat noch ein riesiges Potential langfristig gedacht.


    Klar ist das Dresdens Zentrum als ganzes gesehen in seiner Homogenität und Qualität der Bebauung momentan nicht mit Leipzig konkurrieren kann bzw. die beiden Städte auf Grund genannter Ausgangslagen nach dem Krieg nicht zu vergleichen sind.Auch finde ich in Leipzig die Abfolge von Grünanlagen und Parks momentan noch gelungener als in Dresden. Allerdings werden einzelne Perlen in Dresden gerade neu poliert siehe Neumarkt,Neustadt und Königsufer,Großer Garten und eine Verdichtung des städtischen Raumes tritt ein. Damit verbessert sich auch Urbanität. Ein harmonisches Gesamtbild wird in Dresdens Zentrum wohl nie wieder herzustellen sein. Und obwohl ich kein Freund der Prager Straße bin wohl aber die Stalinbarockbauten am Altmarkt als gelungen erachte, sehe ich doch einen gewissen Reiz in der Abfolge Prager Straße - Altmarkt - Neumarkt (natürlich ohne Gewandhaus). Wenn dann noch die vorhandenen Brachen zwischen Schloß und Kurländer Palais mit hochwertigen Rekos bebaut sind und der Postplatz und andere freien Stellen mit möglichst hochwertiger zeitgenössicher Architektur haben wir in Dresden auch wieder ein urbanes Zentrum. Dresden braucht noch Zeit.


    Die Einbettung Dresdens in die Landschaft sowie die z.T. dörfliche Atmosphäre der alten eingemeindeten Dorfkerne und die wunderschönen unzerstörten Stadtgebiete, wie z.B. Laubegast,Loschwitz,Weißer Hirsch,Plauen,Blasewitz,Striesen,Cotta,Pieschen,Leipziger Vorstadt oder Löbtau außerhalb des Zentrums (nicht die Plattenbaugebiete) sind meiner Meinung nach ein Pfund Dresdens das so keine Großstadt in Deutschland hat, auch nicht Leipzig. Dresden ist von der Fläche her die viertgrößte kreisfreie Stadt Deutschlands. Und das bei 500.000 Einwohnern. Man hat also Platz zum leben und es ist weniger hektisch. Lebensqualität eben.


    Ich mag Leizig und sehe keine Konkurrenz beider Städte aber diese Lanze mußte ich jetzt mal für meine Heimatstadt brechen.


    Außerdem wird hier höherklassiger Fußball gespielt und wir haben mehr Touristen als Leipzig. :gg:

  • Henry schrieb:


    Quote

    Ein harmonisches Gesamtbild wird in Dresdens Zentrum wohl nie wieder herzustellen sein.


    Unsinn!! In Dresden besteht noch ausreichend Zeit und Raum (und in der Zeit auch das Geld) um wieder einen "Ring" mit grossen Urbanität um die Innenstadt zu errichten. Meinentwege wird dann auch die ganze Pragerstrasse der DDR wieder abgebrochen und die Neubauten am Altmarkt weitgehend "verbessert" (= die Fassaden mit Stillelementen der Vorkriegsbau versehen!!). Historisieren heist so etwas.


    In Dresden könnte bestimmt einen sehr attraktiven Architektur entwickelt, werden, die eine Misschung ist von:


    - historisierende Wohn-neubauten, die jetzt schon in der westlichen Friedrichstadt hochgezogen (Blockrandbebauung, Walm- oder Mansardedächer, Mittelrisaliten, Erker, dachgauben) [1];
    - Reko's (von der Aussenseite ungefähr ähnlich mit der Vorkriegsbau) von bestimmten ausgewählten Einzelobjekten [2];
    - hochwertige Neubauten die in der neuen Umgebung gut einfügen [3].


    Wenn hier wieder Wohnstrassen, Geschäftstrassen, Einkaufstrassen, Flanierstrassen und Bummelgassen in hohen Verdichtung (= Urbanität) entstehen könnten, dann ist Dresden bestimmt fast wieder so attraktiv als Leipzig. Das kann 10-20 Jahre dauern. Die Einsichten werden bestimmt in dieser Richtung wachsen.


    PS. Die Reko's sollen vorrangig "Eckbauten" (sogar Gründerzeitler: ) sein die das Blickfeldt beherrschen!!!


    :peinlich: Gründerzeitler? Ja !!!! :zwinkern::lachen: Mit schräge Ecken und Zwiebelkuppeln!! (sehe auch die Bauten in der Neustadt).


    Vorbild: Hauptpostamt am Postplatz!!!! Ein Supergebäude dass das ganze Umfeldt beherrst. (sehe Ehemalige Postplatz). So gibt es noch dutzendte von rekonstruktionswerte Gebäuden.


    Ja dass kostet eine Menge Geld aber ist es auch mehr dann wert. In London wurde gerade ein einziges Bahnhof (St Pancrass) fur 1,2 Milliarden Euro saniert!!! Es ist heute wieder ein Juwel. Millionen staunen dieses Bahnhof. Ist unbezahlbar!!!

  • Glaube mir - dieses Szenario hat hier bestimmt schon jeder Dresdner mal gedanklich durchgespielt.Gib mir 10 Mrd.Euro und es geht los. Bis dahin rechne ich mit den Realitäten und hoffe auf das Beste. Und nun gut,schließlich sind wir hier im Leipzig Strang. :)

  • Ja kehren wir zu Leipzig zurück.
    Es kann in nächster Zeit sich das Bild der Innenstadt wirklich veändern, gerade mit den beiden Projekten Uni und Brühl. Es bleibt zu hoffen das sich aus der Fassadengestaltung brühl noch was ergibt.
    Vielleicht wird ja auch noch Oelsners Hof in der Nikolaystraße noch gemcht wird wird es doch ganz ansehnlich.
    Wen sich die neunen Vorhaben (Brühl) ein wenig besser ins das Bild einpassen haben wir gute Chancen in Leipzig.
    Und mit ein wenigmehr öffentlichem Interesse am Brühl wird der auch noch besser

  • Henry. Leipzig ist glúcklich: nur (!) 10 berümhte Bauten fehlen heute noch: Augusteum (in 1945 war die Ausenseit fast total unversehrt!!!); Pauliner Kirche; 2 Hotels östlich u. westlich (ehemalige superschöne Aussenseite fehlt hier!) des grossen Bahnhofs; Oper, Kaufhaus am Brühl nr 1. und NUR 100 sonstige Bauten.
    Das Augusteum soll doch vorrangig an erster Stelle rekonstruiert werden!!
    10 Bauten rekonstruieren: dass ist doch kein unmöglicher Ziel?


    Im Vergleich: Dresden, Magdeburg und Hamburg fehlen 10 x so viele Bauten (100 öffentliche und 1.000 Wohnbauten) und Berlin 100 x so viele Bauten (1000 öffentliche und 10.000 Wohnbauten).
    Für diese 3 Städte sind die Zielen bestimmt nicht realisierbar.

  • Im Zuge einer Umgestaltung des Richard-Wagner-Platzes wäre bei einer Installation der Pusteblumen darauf zu achten, dass diese Gestaltungsvariante nicht mit dem Gedächtnisort von Richard Wagner "kollidiert"! U.a. ist wohl ein Denkmal, welches den jungen Wagner zeigt, sowie der Treppenaufgang zum urspr. geplanten Wagner-Monument angedacht. Ansonsten bestünde die Gefahr, dass beide Bereiche "verschwimmen" und sich im städtischen Kontext nicht klar positionieren können.

  • Mal zu einem anderen Thema, das allerdings gar nicht so weit entfernt liegt. Auf dem gegenüberliegenden Grundstück zwischen Ranstädter Steinweg und Goerderlerring war ja urspr. die langfristige Planung dahingehend, dass, unter Berücksichtigung der 20er Jahre Ring-City Planung, ein Hochhaus an jener Stelle errichtet werden sollte. Es gab dazu auch Anfang der 90er (ich glaube 1992) einen Gestaltungswettbewerb, den ein Italiener gewonnen hatte (zweiteilig-gestaffelter Baukörper ca. 90 m). Weiß irgend jemand von Euch wie es hier evtl. weitergeht?