Leipzig - Innenstadt

  • Ja, der Alkohol macht die Leute dumm und hemmungslos. Sehr traurige Geschichte.

    Bei uns in den Nachrichten haben sie das gestern nicht gezeigt, aber dafür berichtet, dass man auch einem Polizisten anscheinend den Kopf in Leipzig einschlug...nur noch irre und schade, dass das neue Jahr gleich einmal mit solchen grausamen Abartigkeiten beginnt!


    Trotzdem, einen guten Start ins neue Jahr mit vielen Rekonstruktionen!

    „Dekoration ist der wichtigste Teil der Architektur“ (Sir William Scott)

  • Zu den Vandalismusschäden an der Thomaskirche


    Wie oben gemeldet, wurden in der Silvesternacht einige Fenster an der Thomaskirche beschädigt. Der Täter, ein 55 Jahre alter Mann, wurde wenige Tage später gefasst. Er ist geistig verwirrt und wurde zunächst in eine psychiatrische Klinik eingewiesen, ist mittlerweile aber wieder draußen. Ich hatte mir vor wenigen Tagen den Schaden vor Ort angesehen. Das Schadensbild deutet für mich auch auf einen psychopathischen Einzeltäter hin. Die Kirchgemeinde bittet nun um Spenden, um die Restaurierung und bessere Sicherung der Fenster zu ermöglichen. Ich möchte hier den Schaden anhand eines Berichts im MDR und eigener Beobachtungen beschreiben.


    Thomaskirche, Westseite, Mendelssohn-Portal (Foto: Appaloosa, Dezember 2009, CC-BY-SA-3.0)


    Sämtliche beschädigten Fenster befinden sich an der Westseite, zum Promenadenring hin. In dem MDR-Bericht zeigt das erste Foto einen Ausschnitt des Maßwerfensters über dem Westportal (Mendelssohn-Portal), das zweite einen Ausschnitt dazu aus dem linken Spitzbogen. Die auf dem ersten Foto zu sehenden Beschädigungen an dem Porphyrgewände waren schon früher vorhanden. Der aktuelle Vandalismusfall betrifft nur die Fensterscheiben. Die Beschädigungen über dem Mendelssohn-Portal sind für einen Besucher, der vor dem Portal steht, kaum zu erkennen. Die Einzelscheiben sind sehr klein, dahinter ist es normalerweise dunkel. Dafür habe ich Schäden gesehen, die in dem MDR-Bericht nicht benannt werden. Zu beiden Seiten der Portalvorhalle sehen wir jeweils drei sehr schmale Spitzbogenfenster. Davon weist auf jeder Seite das dritte Fenster vom äußeren Rand (also das längste Fenster) jeweils eine beschädigte Stelle auf. Beiderseits der Portalvorhalle sind Treppentürme in die Ecken eingepasst. Die Tür zum linken Treppenturm ist auf dem Bild oben gut zu sehen. Das kleine Maßwerfenster über dieser Tür weist Löcher auf. Dort fehlen mehrere Scheiben. Ob das Fenster über der Tür des rechten Treppenturms auch beschädigt wurde, konnte ich nicht erkennen, da dieser Bereich zum Garten des Thomashauses gehört und durch den Zaun abgetrennt ist.


    Südwestecke des Thomashauses (Foto: Timur Y, Juni 2013, CC-BY-3.0)


    Am südlich an die Kirche angrenzenden Pfarrhaus (Thomashaus) wurden Erdgeschossfenster der Westseite beschädigt, obwohl diese durch den monumentalen "Gartenzaun" geschützt sind. Ob der Täter diese Barriere überwunden hat und in den Garten eingedrungen ist? Es wurde ein Jugendstilfenster beschädigt. Ich weiß aber nicht, wo das sein soll. Alle von der Straße aus sichtbaren Fenster haben Klarglasscheiben. Auf dem Foto oben sehen wir an der Westseite zwei große Spitzbogenfenster. Dahinter kommt ein Erdgeschosserker und dahinter, nicht im Bild, folgen drei große Spitzbogenfenster. Bei den Spitzbogenfenstern wurden Scheiben beschädigt, und zwar jeweils in der Mitte und rechts.


    Die westliche Schaufassade der Thomaskirche wurde ab 1886 von Constantin Lipsius geschaffen. Die untere Zone der Fassade (bis zur Porphyrbalustrade) wurde der alten Außenwand der Kirche vorgesetzt. Die Fenster in diesem Bereich haben farbige Ornamentverglasung. Die auf den MDR-Fotos erkennbaren Engelchen über dem Mendelssohn-Portal dürften die einzigen figürlichen Elemente der Verglasung sein. Die bedeutenden Glasmalereien, die jeder kennt, der die Thomaskirche besucht hat, sind nicht betroffen. Sie befinden sich im Chor und an der Südseite des Langhauses. Bei den Chorfenstern gibt es eine äußere Schutzverglasung. In der Sockelzone laufen um den ganzen Kirchenbau (mit Ausnahme der Westseite) kleinere Fenster mit schöner Ornamentverglasung um, die außen durch Gitter geschützt sind.

  • Es gab allerdings auch ein Bekennerschreiben auf der linksextremen Plattform "indymedia". (siehe hier) Gleichwohl hat der Täter die Tat gestanden. Und was folgt daraus? Ist er mittellos oder kann er zivilrechtlich zu Schadensersatz verklagt werden? Wenn er so schnell wieder frei ist, wer garantiert, dass er nicht morgen zur nächsten Kirche läuft und das Gleiche macht? Diese scheinbare Zunahme psychischer Erkrankungen in unserer Gesellschaft ist jedenfalls ein Phänomen, dem sich die Gesellschaft weit intensiver widmen sollte, um Lösungen zu erarbeiten.

  • Gibt es eigentlich irgendwelche Neuigkeiten zum Quartier "Deutrichs Hof" ??

    Es ist unfassbar dass das wertvolle frühbarocke Bürgerhaus Deutrichs Hof samt Nachbarn 1968 abgerissen wurde. Noch schlimmer ist aber dass nach fast 30 Jahren deutscher Einheit auf dem Terrain immer noch eine als Parkplatz genutzte Brache existiert ! (in Sichtweite zum Alten Rathaus!)


    Deutrichs Hof:

    Kurz vor dem Abriss

    Nach dem Abriss

    Gegenwärtiger Zustand

  • Das frage ich mich auch schon seit langer Zeit. Vom 1968 abgerissenen Original sind wohl noch Teile des Erdgeschosses, u.A. ein Portal, erhalten - hier wäre eine tolle Reko möglich. Zwischen Deutrichs Hof und LWB-Blöcken befindet sich das 1700 m² große Grundstück Reichsstraße 14, dass wohl der Jewish Claims Conference gehört oder gehörte.