• Das glaube ich doch nicht. Da bekommen die Mindener eine Gelegenheit die größte Bausünde der Stadt loszuwerden und entscheiden sich für den Erhalt des Schandflecks. Wahrscheinlich ist die Mehrzahl der Bürger schon über 50 bis 60 Jahre alt. Die tun sich ja bekanntlich immer schwer mit Veränderungen. Bestimmt hatte man auch wieder die Kosten im Kopf. Lächerlich! Als würden die Bürger die Baukosten auf ihrem Kontoauszug erkennen. Ne ne, immer das gleiche. Aber die müssen ja mit dem Anblick leben. Selber Schuld! :kopfschuetteln:

  • Quote from "Neußer"

    Das glaube ich doch nicht. Da bekommen die Mindener eine Gelegenheit die größte Bausünde der Stadt loszuwerden und entscheiden sich für den Erhalt des Schandflecks. Wahrscheinlich ist die Mehrzahl der Bürger schon über 50 bis 60 Jahre alt. Die tun sich ja bekanntlich immer schwer mit Veränderungen. Bestimmt hatte man auch wieder die Kosten im Kopf. Lächerlich! Als würden die Bürger die Baukosten auf ihrem Kontoauszug erkennen. Ne ne, immer das gleiche. Aber die müssen ja mit dem Anblick leben. Selber Schuld! :kopfschuetteln:


    Da muss ich dir Recht geben. Die Tatsache, dass das Infocenter in der Innenstadt überwiegend von älteren Mindenern besucht wurde, unterstreicht deine These.

  • Hallöchen!


    Nun sind ja bereits fast 3 Jahre vergangen, seit die Mindener Bürgerschaft die Beseitigung der größten Bausünde ihrer Stadt erfolgreich verhindert hat.
    Und wenn ich mir bei Bing Maps die Vogelperspektive von Minden ansehe, kann ich diese Entscheidung noch immer nicht nachvollziehen. Wie ein schlangenförmiges Krebsgeschwür zieht sich das neue Rathaus durch die Innenstadt, vorbei an Dom und altem Rathaus. Das Teil muß auf jeden Fall weg. Gar keine Frage. - Doch da gibt es diesen Aktionskreis "Historische Kulturstadt Minden". Komischerweise wollen die das neue Rathaus aber erhalten. Für eine sinnvolle Innenstadplanung. - Gerade ein Aktionskreis mit dem Wort "historisch" im Namen, müßte sich eigentlich für die Entfernung des 70er Jahre Bauwerks einsetzen.


    Quote

    ...Hunting machte noch einmal deutlich, dass der Bürgerentscheid gegen den Abriss des Rathausneubaus seine zweijährige Bindungsfrist überschritten habe. Nach wie vor gebe es aber das Bestreben, das Areal einer neuen Nutzung im Einzelhandel zuzuführen...


    Quelle: http://www.mt-online.de/lokales/blickpunkt/muehlenkreiskliniken/3662923_Defizite_der_Stadtentwicklung_Wenig_Handlungsspielraum.html\r
    http://www.mt-online.de/lokales/blickpu ... lraum.html


    Kommt zufällig hier jemand aus der Region Minden und weiss mehr über die aktuelle Planung. Artikel aus dem Internet sind oft verwirrend oder uralt.

  • Es gab vor zwei bis drei Jahren einen Bürgerentscheid gegen den Abriß.
    Dem ging voraus, daß die Neuplanung von der Stadt den Bürgern denkbar schlecht verkauft worden war, so gab es nirgendwo Pläne, wie der Nebau aussehen solle und die einzige "Werbung" der Stadt bestand in einem langweiligen Banner, das für einige Wochen am Rathaus hing, auf dem sinngemäß zu lesen war "Minden muß moderner werden" oder so ähnlich.
    Da hatten die Abrißgegner wirklich leichtes Spiel; es waren sehr viele "kleine Leute", die nun endlich mal "gegen etwas sein konnten", aber auch beispielsweise Rechtsanwälte, die apodiktisch behaupteten, daß in dem geplanten Einkaufszentrum "ja doch nur Angestellte in 1-Euro - Jobs ausgebeutet würden". Das wußten die so einfach vorher und diejenigen, die solche Jobs gerne gehabt hätten, wurden wohl nicht gefragt.
    Die Mindener Innenstadt ist in den letzten Jahren ausgesprochen verödet, mehrere beliebte Geschäfte (Hertie, ein großes Haushaltswarengeschäft, ein CD-Laden, eine Musikalienhandlung) wurden geschlossen; der Hertie - Bau ist verwaist; das ehemalige Haushaltswarengeschäft steht seit 1 1/2 Jahren leer, in den CD-Laden ist eine Billigbackwarenkette eingezogen, in die Räume des Musikinstrumentegeschäftes eine Eisdiele...
    Ansonsten überwiegen in der Innenstadt die üblichen Verdächtigen, Handy-Läden, Dönerbuden, Billigklamottengeschäfte, Eisdielen, 1-Euro-Läden, Schnellimbisse.


    Hinzu kommt, daß es 15 Kilometer weiter, in Bad Oeynhausen, ein großes Einkaufszentrum vor den Toren der Stadt gibt, den Werre-Park, der auch aus Minden viele Käufer anzieht und dem Kämmerer der Stadt Minden ein Dorn im Auge sein sollte. Auch andere umliegende Städte wie Bückeburg, Herford oder Rinteln sind vom Einkaufsangebot recht attraktiv und ziehen Kaufkraft.




    Das geplante Einkaufscenter hätte Minden nicht nur eine Verbesserung des Stadtbildes, sondern auch eine Erhöhung des Stereraufkommnes gebracht.

  • mir zumindest scheint die zukunft des areals durchaus nicht so eindeutig zu beantworten zu sein wie dir, neußer. dass das neue rathaus aus unserer heutigen sehgewohnheit an dieser stelle fragwürdig wirkt, nicht zuletzt in seiner dimensionierung, mag noch unstrittig sein, dass aber eine shopping mall an dieser stelle irgendetwas verbessert - architektonisch, maßstäblich, nutzungsstrukturell und im hinblick auch auf die angrenzenden innenstadtareale - drängt sich mir nicht so recht auf.


    das von alina angeführte beispiel vor den toren bad oeynhausens beweist, das solche entscheidungen weite auswirkungen zeitigen und eigentlich auf einer regionalen ebene verhandelt werden müssten. angenommen, minden bekäme das einkaufszentrum, würde vermutlich nicht nur dieser unsägliche werre-park, sondern würden ebenso die heute noch attraktiven zentren von herford und bückeburg leiden, da die kaufkraft wohl eher nicht wächst in der zukunft. wachstum hier bedeutet also schrumpfen dort. macht es volkswirtschaftlich sinn, dafür ein öffentliches gebäude, das erst vor dreißig oder vierzig jahren mit steuergeldern gebaut wurde, abzureißen und das grundstück zu privatisieren? gewinnt da nicht nur die ece? schwierige frage.

  • Quote from "ulgemax"

    sondern würden ebenso die heute noch attraktiven zentren von herford und bückeburg leiden, da die kaufkraft wohl eher nicht wächst in der zukunft.


    Nach dieser Logik dürften sich überhaupt keine neuen Unternehmen am Markt implantieren.
    Wenn ich beispielsweise eine gute Buchhandlung, breit und tief sortiert, vor Ort hätte, wie beispielsweise die "Eckart-Buchhandlung" in Gütersloh, so würde ich kein Buch mehr im Internet bestellen (fängt mit a...... an), sondern das Gedruckte nur noch hier kaufen oder bestellen.
    Umso größer die Konkurrenz, umso eher ist für jeden etwas dabei und alle profitieren.
    Der 'ulgemax' Gedankengang erinnert irgendwie daran, daß das Einkaufs- oder Bedürfnisvolumen eine fixe Größe sei, so wie ein Kuchen, der auf die verschiedenen Gemeinden oder Geschäfte aufgeteilt werden müsse, verkauft der eine mehr, hat der andere weniger. Es gibt aber auch Erlebniseinkauf, erlebt haben das sicherlich schon alle im Urlaub, wo man auch entspannter und mehr Geld ausgibt, als daheim.
    Nur mal so als Denkanstoß.

  • danke für den denkanstoß, dass ich beim einkaufen in einer shopping mall etwas erleben könnte, dieser gedanke ist mir in der tat neu. einkaufen und erleben gehen bei mir allenfalls auf einem markt oder in einer stadtstraße hand in hand, und eben diese beiden zutaten urbanen lebens scheinen mir nicht zwangsläufig von einem einkaufszentrum hinter dem mindener rathaus zu profitieren. aber wie gesagt: es ist eine schwierige frage; es soll auch einkaufszentren geben, die sich belebend auf ihre umgebung ausgewirkt haben. mir zumindest wäre wohler, wenn die stadt minden dort eine privatisierung in kleineren, städtischeren strukturen anstrebte.

  • Quote from "ulgemax"

    mir zumindest wäre wohler, wenn die stadt minden dort eine privatisierung in kleineren, städtischeren strukturen anstrebte.


    Das wäre sicher wünschenswert, kann man in Minden aber vergessen; in einer kleineren Stadt bekommt man leider viel schneller mit, wie der Hase läuft:
    a) wird der Einzelhandel hier vom übermächtigen Textilkaufhaus "Hagemeyer" dominiert,
    das zeitgleich zu den o.g. Vorgängen seine Einkaufsfläche über eine halbe Straßenlänge
    ausgedehnt und zahlreiche Läden zusätzlich eingemietet hat und erbittertet Feind
    zusätzlicher Konkurrenz ist
    b) die Stadt hat einen eigenen Beauftragten, der bezüglich der vielen Leerstände für neue
    Investoren, bzw. Einzelhändler sorgen, also werben, soll; ich kenne ihn persönlich und
    traue ihm aus vielerlei Gründen nichts zu, kann mich auch an keinen einzigen Erfolg
    diesbezüglich erinnern.

    Über Minden liegt Mehltau; die Stadt hat es sogar vor Jahren fertiggebracht, einen der
    größten Steuerzahler, die Hammer-Schlau-Gruppe (Heimtexmärkte und Großhandel)
    in die Nachbargemeinde "Porta-Westfalica" entschwinden zu lassen.



    Das einzig Positive im Stadtbild sind doch die vielen Hausbesitzer, die immer wieder ihre
    Fassaden aufhübschen, mangels besserer Entwicklungen nimmt man das bereits dankbar
    zur Kenntnis.

  • Man kann innerstädtische Einkaufszentren nicht so pauschal als schlecht bezeichnen. Mir persönlich gefällt die Atmosphäre in einer gut gemachten Galerie. Außerdem kann ich dieses Argument des Einzelhandels nicht mehr hören, daß angeblich die Kunden aus der Fußgängerzone weglaufen und nur noch in der Shopping Mall einkaufen. Das ist reine Ansichtssache, die man auch leicht umdrehen kann. Durch ein Einkaufszentrum werden potentielle Kunden in die Innenstadt gelockt und sehen sich bei dieser Gelegenheit auch direkt das Angebot der Geschäfte in der Fußgängerzone an. - Zumindest mache ich das so. In Duisburg stehen sich zwei Shopping Center in der Königstraße direkt gegenüber. Und trotzdem laufe ich beim Besuch in der Stadt noch weiter die Einkaufsstraße hinunter bis zum Rathaus. In vielen Städten gibt es schon sehr alte Ladenpassagen. Wenn man so will, sind das auch Einkaufszentren. - Und wenn man mit dem Bau eines solchen auch gleich den größten Störenfried aus dem Stadtbild entfernen kann,.. bitte.

  • Quote from "Neußer"

    Man kann innerstädtische Einkaufszentren nicht so pauschal als schlecht bezeichnen. Mir persönlich gefällt die Atmosphäre in einer gut gemachten Galerie. Außerdem kann ich dieses Argument des Einzelhandels nicht mehr hören, daß angeblich die Kunden aus der Fußgängerzone weglaufen und nur noch in der Shopping Mall einkaufen. Das ist reine Ansichtssache, die man auch leicht umdrehen kann. Durch ein Einkaufszentrum werden potentielle Kunden in die Innenstadt gelockt und sehen sich .


    Natürlich ist das so; läßt sich bestens in Braunschweig beobachten, wo das ECE im Schloß auf die Altstadt abstrahlt und umgekehrt, bin da ganz Ihrer Meinung.
    Schlecht für die Innenstadt generell sind die Einkaufszentren auf der grünen Wiese; alles fährt raus und die Altstadt verödet mit den besagten Billigläden, wo überwiegend Leute einkaufen, die kein Auto haben oder Jugendliche; beides Gruppen, die auch über eine geringere Kaufkraft verfügen, als diejenigen, die einen starken Wagen in der Garage ihr eigen nennen (cum grano salis).


    Und, man sollte es wirklich der Eindringlichkeit halber wiederholen, gerade Minden leidet zusätzlich darunter, daß "Hertie" vor zwei Jahren geschlossen wurde; es war sehr angenehm zu wissen, daß vom Kochtopf bis zur Bettdecke oder zum Hemdenknopf oder der Nagelschere dort alles zu finden war. Nun heißt es bei jedem dieser Artikel überlegen, welches Geschäft (im Gewerbegebiet) das wohl führt, mit Ausnahme der Bettwäsche, da hat sich tatsächlich noch ein großes Fachgeschäft um die Ecke vom Wesertor gehalten, sogar ohne jede Parkmöglichkeit, aber im Grunde wartet man innerlich eigentlich jeden Tag darauf, daß "Räumungsverkauf"dran steht.

  • Hallo Alina,
    ich würde die ganze Sache mal von der anderen Seite sehen: Mag sein, dass die Geschäftswelt in Minden etwas verstaubt wirkt. Anderswo haben aber die großen Ketten (und damit meine ich nicht solche Läden wie Hagemeyer, die meines Wissens nur eingeschränkt regional aktiv sind) bereits ganze Innenstädte in Beschlag genommen. In Minden ist das noch nicht so. Freilich hat auch Minden ein Problem mit den zunehmenden 1-Euro-Läden, Dönerläden..., Leerstand, und sonstigen drittklassigen Läden.
    Ich meine allerdings, dass man aus der vorhandenen Struktur durchaus mehr machen kann, und zwar ohne einen großen "Magneten". Dabei sind selbstverständlich auch die Leute selbst gefragt. Weshalb wohnen denn in der Stadt in Minden nur "arme Leute", während die normalen und besseren Leute außerhalb wohnen und ohne Auto gar nichts erledigen können? Würde die Innenstradt, die m.E. so schlecht gar nicht ist, wieder verstärkt als Wohngegend akzeptiert -auch von den Hauseigentümern, die dem Anschein nach oft noch Privatleute sind-, würde sich das Problem der leerstehenden und untergenutzten Läden von selbst erledigen.
    Ganz nebenbei würden auch die historischen Gebäude saniert. Derzeit besteht ein hoher Sanierungsstau. Nur kleine Strukturen bringen langfristig einen Erfolg.

  • Leipziger


    Da sollten wir zwei Problemkreise auseinanderhalten, zum einen das Rathaus, dessen häßliche Jetztform durch eine der historischen Linie angepaßte Neuform ersetzt werden sollte und das wäre aufgrund der allgemeinen Kassenlage nur mittels Investor zu erreichen.


    Die Ketten und Filialbetriebe sind mir auch ein Greuel, weil sie die Innenstädte austauschbar machen, sicher; aber gerade die würden sich ja auf das besagte Einkaufszentrum konzentrieren: da mag dann anschließend reingehen, wer will (ich bestimmt nicht), aber wir hätten das Stadtbild verschönert und es käme mehr Geld in die Stadtkasse, wie in BS, wo ich mich an den Schloßfassaden freue, ohne dort jemals in das ECE zu gehen.


    Die Altstadt von Minden, also jetzt wirds interessant, die kann man ein-, zweimal bei schönem Wetter ertragen, wenn man die Stadt nicht näher kennt und gut ist's.
    Wer in Minden lebt, wird sie früher oder später verabscheuen, weil dort überwiegend Asoziale, Sozialhilfeempfänger, Ausländer schlichtesten Zuschnittes oder Berufs- und Gesinnungslinke leben (die wenigen Ausnahmen, wie das wundervolle Fleischergeschäft in der Königstraße und sein Inhaber, wissen, daß sie hier nicht mitgemeint sind, aber es sind sehr, sehr wenige). Da kriegt man als Normalbürger die Krätze, wenn ich wohnen täte, würde ich nach wenigen Wochen ersticken, wie an einem zu engen Pullover.


    Das sind meine persönlichen Eindrücke; aber davon mal abgesehen, wie will man das steuern;
    wenn mir dort Häuser gehörten, würde ich sie auch vermieten oder verfallen lassen, welcher normale Mensch hält denn solche Nachbarschaft zwischen Suff und Puff (Rampenloch) und Gesinnung aus?

  • Zu dem Thema des angedachten Rathausumbaus kann ich nichts beitragen, weil ich dies bei meinen Besuchen nie zur Kenntnis genommen habe (Scheuklappen für alles, was Nachkriegsarchitektur ist).


    Bezüglich der in der Innenstadt überwiegend lebenden "armen Leute" kann ich nur erwidern, dass die Hauseigentümer usw. diesen Zustand letztlich selbst herbeigeführt haben. Nun hätten diese im Zusammenhang mit dem Trend "zurück in die Stadt" die Möglichkeit, dies wieder Rückgängig zu machen. Dazu bedarf es natürlich der behutsamen Sanierung der Gebäude, und zwar nicht nur unter dem Aspekt der Energieeinsparung. Dies ist selbstverständlich ein Prozess, der viele Jahre dauert und nur gelingen kann, wann alle an einem Strang ziehen. In anderen Städten werden gerade in der Innenstadt die höchsten Mieten erzielt - in Minden ist das sicher nicht so. Eine Aufwertung der Innenstadt mit höherwertiger Wohnnutzung in Altbauten würde die "armen Leute" verdrängen und die Vermietbarkeit der Ladenlokale deutlich verbessern.
    Nicht falsch verstehen, ich bin auch am Stadtrand in einem Einfamilienhaus aufgewachsen - ohne Auto oder Fahrrad konnte man dort gar nichts erledigen. Diese nötige Mobilität kostet Unmengen Zeit und Geld. Und schön ist es auch nicht gerade, dauernd bei ostwestfälischem Nieselregen nass zu werden. Dies müsste doch dem einen oder anderen intelligenten Mensch klar zumachen sein. Selbstverständlich ist es nicht leicht, die Fehlentwicklung hin zur entmischten, autogerechten Stadt, die Ostwestfalen heute besonders prägt, teilweise rückgängig zu machen.

  • Leipziger


    Wo du recht hast, hast du recht :P , das ist eben der Unterschied zwischen der Welt wie sie sein sollte und wie sie ist. Ich kann diese Frage eben doch nur für mich persönlich beantworten, d.h. ich habe jahrelang in herrlichen Gründerzeitwohnungen in diversen Städten gelebt, aber da das mitmenschliche Umfeld immer lauter, nörgliger und rücksichtsloser geworden ist und man sich entweder an den allgemeinen Ton anpassen oder untergehen muß, habe ich für mich die persönliche Konsequenz gezogen und mir im Villengürtel ein Haus gekauft.
    Ist aber auch insofern eine schöne Erfahrung, weil man das eigene Haus viel besser kennenlernt, die Sanierung mehr Freude macht und jede Mark, die ich dort hineinstecke, als nicht verloren betrachte. Und es bringt auch noch weitere Vorzüge mit sich, so könnte ich theoretisch von morgens bis abends Schlagzeug spielen, ohne mich mit entnervten Mitbewohnern absprechen zu müssen.
    Aber wie gesagt, das sind subjektive Begebenheiten, einem anderen ist der kurze Weg in die Wirtschaft wichtiger. Minden hat zur Zeit noch einen weiteren Magneten verloren, das innerstädtische Museum bleibt für mindestens zwei Jahre geschlossen, es wurde komplett ausgeräumt und wird nun general saniert. Als Laie hätte ich wiederum keinen Sanierungsbedarf gesehen, doch stand in der Zeitung, daß die Feuerwehr erhöhte Gefahr im Falle eines Brandes moniert hat und nun geht alles seinen gewohnten Weg:
    weil natürlich im Erlebensfall niemand die Verantwortung übernehmen will, muß es nun für viele Millionen umgebaut werden, vermutlich neue Fluchtwege und Aufzüge, genaueres läßt sich bei der Wiedereröffnung berichten.
    Wobei Minden noch Glück gehabt hat, in Bad Salzuflen gibt es ein ausgezeichnetes Museum zur Geschichte des Bades in einem herrlichen Fachwerkhaus; das wird im Oktober für immer geschlossen, die Museumsstücke gehen an die Leihgeber, da wird anschließend eine Pizzeria einziehen!
    Auch in Hildesheim im Knochenhaueramtshaus ist das Museum von der Schließung bedroht, es steht nur noch nicht fest, ob es umziehen oder ganz aufgelöst wird.
    So stirbt still und leise das kulturelle Gedächtnis der sTädte.

  • Direkt neben dem bekannten Weserrenaissancehaus Hagemeyer (1592-94) wurde das gleichnamige Kaufhaus 2009 durch einen Neubau ersetzt:


    http://www.baukunst-nrw.de/bilder/full/1244_142668.jpg


    http://www.koegel-bau.de/files…el-Referenz-Hagemeyer.jpg


    Dabei hat man leider wenig Einfühlungsvermögen bewiesen, auf den Altbau wurde keinerlei Rücksicht genommen.


    Die bauliche Situation früher:


    http://www.bildindex.de/?+pgesamt:%27MINDEN%27#|8

  • Puh, ist das grauenvoll. sad:)
    Wie wenig Selbstachtung oder wie viel Verblendung müssen die Vertreter der städtischen Gremien besitzen, um so etwas in "ihre" Stadt bauen zu lassen!
    Das könnte gestalterisch der Eingang zu einem Flughafen sein, aber steht jetzt in der Mindener Innenstadt.


    Noch mehr "schlechte Laune-Impressionen" beim verantwortlichen CAD-Akrobaten:
    http://partners.blocherblocher.com/de/projekt/hagemeyer.html

    Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
    (Immanuel Kant)

  • Erinnert sich noch jemand an die Abrisspläne für das Neue Rathaus in Minden ? Nun wird der monströse Bau nicht nur erhalten, sondern möglicherweise auch noch unter Denkmalschutz gestellt. Mit der ganz tollen Begründung: "Der so genannte Deilmann-Bau ist bedeutend für die Geschichte der Menschen in der Stadt Minden." - Mit identischer Argumentation, versucht man das schreckliche Rathaus in Gronau , auch ein Deilmann-Bau, auf die Denkmalliste zu kriegen. In Gronau hat man es fast schon geschafft. Die entgültige Entscheidung steht noch an.


    So versucht man jetzt wahrscheinlich sämtliche Bauten (Bausünden) der Nachkriegszeit schnell noch, durch den Denkmalstatus, vor der Abrissbirne zu bewahren. Es macht wieder den Anschein, daß da einige Liebhaber des Brutalismus ihre eigenen persönlichen Vorlieben in den Vordergrund schieben, und ihre Position im Denkmalamt missbrauchen.


    Leider sind alle dazugehörigen Zeitungsberichte im Netz kostenpflichtig.

  • Schade, ich hatte doch sehr auf einen Abriss gehofft. Deilmann-Bauten werden ja immer häufiger unter Denkmalschutz gestellt, dabei kann ich bei aller Offenheit für Nachkriegsgebäuden in fast allen Fällen nicht nachvollziehen, was dort den Denkmalstatus begründet. Da gibt es auch aus den 70ern und 80ern bessere Bauten, zumal der Deilmann-Bau eine von drei großen Bausünden in der sonst traumhaften Mindener Altstadt ist.

    Wo die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten
    Karl Kraus (1874-1936)