Wien - Abrisse

  • Die Miethaie haben es geschafft, den letzten Mieter aus Hetzgasse N°8 (siehe Seite 2 unten) zu vertreiben.
    Angeblich soll aufgrund des nunmehr bestehenden Flächenschutzes des Weißgerberviertels so etwas wie Resthoffnung bestehen.

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • Ja, das stimmt. Es wäre wirklich schade, wenn das schöne Gründerzeiteckzinshaus Hetzgasse 8 abgerissen werden sollte, nur damit ein hässlicher Allerweltsbunker dann dieses Viertel verschandelt.


    Obwohl sanierte Altbauwohungen die beliebtesten sind, darf der Vermieter dafür nur einen Minimietzins ansetzen, sofern die Wohnung unter 130 m² groß ist. Für eine Neubauwohnung, die nur klein, niedrige Decken und Glotzfenster und keinerlei Flair außen noch innen besitzt, darf man als Vermieter jedoch einen freien Mietzins vereinbaren. Würde man für sanierte Gründerzeitwohungen den Mietzins auch frei geben, dann würde auch die Eigentümerfamilie Soulier das Haus stehen lassen. Man bekämpft bei uns leider nur die Symptome, aber nicht die Ursache selbst.

    „Dekoration ist der wichtigste Teil der Architektur“ (Sir William Scott)

  • Von der Initiative Denkmalschutz in Wien gibt es auf deren Facebook-Seite den folgenden aktuellen Bericht inkl. Fotos über die aktuellen Abrisse von Gründerzeit-Häusern im Wiedner Gürtel 16 und 4. Bezirk sowie über weitere Vorhaben in der Abrisswelle... O mann, das ist wirklich schockierend... ;(


    https://www.facebook.com/Initi…/posts/1151319071583301:0

  • Von der Initiative Denkmalschutz in Wien gibt es auf deren Facebook-Seite den folgenden aktuellen Bericht inkl. Fotos über die aktuellen Abrisse von Gründerzeit-Häusern im Wiedner Gürtel 16 und 4. Bezirk sowie über weitere Vorhaben in der Abrisswelle... O mann, das ist wirklich schockierend... ;(


    https://www.facebook.com/Initi…/posts/1151319071583301:0

    Das ist im Grunde gar nichts, ich sehe viele Abrisse von denen gar nicht berichtet wird.

  • viele Abrisse von denen gar nicht berichtet wird

    Die allermeisten Abrisse und Baumaßnahmen in Altstädten werden in diesem Forum überhaupt nicht erwähnt. Was hier besprochen wird, ist doch nur die Spitze des Eisebergs.

  • Ein knapp 10-minütiger Filmbeitrag aus der ORF-Sendung 'Kulturmontag', welcher das Dilemma der Wiener Stadtentwicklung aufzeigt.


    "Für Aufregung sorgen zurzeit umfangreiche Abrisspläne für Altbauten in Wien, etwa für das ehemalige Hotel National im zweiten Bezirk, das einem Krankenhauszubau weichen soll. Heftig diskutiert wurde auch der Abbruch eines Hauses in der Wiener Innenstadt. Vor allem in den Vorstädten verschwinden mehr und mehr historische Zinshäuser."

    Altbauten: Aufregung um Abrisspläne in Wien

    Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
    (Immanuel Kant)

  • Sollen sie nur so weitermachen, dann sieht Wien genauso perforiert aus wie deutsche Städte. Vielleicht träumt sogar manch einer davon. Die Gründerzeit hat ja leider auch heute nur wenige Freunde.

    In dubio pro reko

  • Sollen sie nur so weitermachen, dann sieht Wien genauso perforiert aus wie deutsche Städte. Vielleicht träumt sogar manch einer davon. Die Gründerzeit hat ja leider auch heute nur wenige Freunde.


    Kommt drauf an, bei der Gruppe der älteren Männer die entweder im Gemeindebau aufgewachsen sind, oder jene, die am Land aufgewachsen sind und dann in die Stadt gezogen sind, weil sie komplexiert waren was ihr "Heimatkaff" betraf, ist die Gründerzeit tatsächlich unbeliebt.

  • Einer der mE ärgerlichsten Abrisse Wiens der letzten Jahrzehnte betrifft erstaunlicherweise ein Nachkriegsgebäude. Zuvor unauffällig und recht angenehm in den Platz eingepasst, danach ein schreiendes "Sieh-mich-an-Ausrufezeichen" ohne Gespür für die Platzsituation.


    Das Haas-Haus am Stephansdom im Wandel der Zeiten:


    Der Bau von 1866 nach Errichtung:



    https://commons.wikimedia.org/…de_19_Jhdt.jpg?uselang=de


    Aufriss der Fassade von 1866:



    https://commons.wikimedia.org/…ilipp_Haas_1866_img01.jpg


    "Das nach der biedermeierlichen Bebauung erste neue Gebäude an dieser Stelle, das Teppichhaus Philipp Haas & Söhne, war ein prunkvoller Bau in Eisenständer-Bauweise. Es wurde 1866/1867 im Stil des Historismus errichtet und war das erste große Warenhaus in Wien. Architekten waren August Sicard von Sicardsburg und Eduard van der Nüll, die parallel dazu 1861–1869 an der heutigen Wiener Staatsoper bauten. Zweigniederlassungen der Teppich- und Möbelstofffabriken bestanden um 1900 in Lemberg, Prag, Graz und Linz."



    Der Nachkriegsbau von 1953, Ansicht von 1985 vor dem Abriss:



    https://commons.wikimedia.org/…,_Haashaus.jpg?uselang=de


    '84:

    https://commons.wikimedia.org/…ephansplatz,_Haashaus.jpg


    "Nach der Zerstörung dieses Gebäudes bei den Luftangriffen auf Wien gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde von 1951 bis 1953 von Carl Appel und Max Fellerer ein Neubau errichtet. Dieser schlichte Nachkriegsinternationalistische Bau direkt im Angesicht des Stephansdomes galt schon bald als im Stadtbild unhaltbar, und auch dem prominenten Standort nicht mehr angemessen."



    Die m.E. schlechteste weil unpassendste Variante für den Platz, der postmoderne Hollein-Bau von 1990:



    https://commons.wikimedia.org/…2000_(3)_(8766083280).jpg



    https://commons.wikimedia.org/…nsplatz_Wien,_Nov2014.JPG


    "Das Haus wurde 1985 abgetragen und durch das heutige Haas-Haus ersetzt, das am 19. September 1990 eröffnet wurde. Das vom Architekten Hans Hollein geplante Bauwerk setzt insbesondere durch den verspiegelten Erker einen starken städtebaulichen Akzent.


    Da das Gebäude einen extremen Kontrast zum gegenüberliegenden Stephansdom bildet, sorgte es zur Zeit der Errichtung für Debatten: Es war zu seiner Zeit noch umstrittener als der Vorgängerbau, und kontroverse Stimmen forderten eine in das historistische Altstadt-Ensemble eingefügte rekonstruktive Maßnahme. Es wurde dann aber bald zum Symbol der sich vom Kaiserzeit-Romantizismus lösenden und als modern und weltoffen neu definierenden Stadt Wien.


    Im Inneren war es ursprünglich geprägt von einem sich konisch nach oben erweiternden Zentralraum, der nach dem im Jahr 2002 erfolgten Umbau durch das spanische Textilunternehmen Zara allerdings verloren gegangen ist.


    Im Dezember 2014 wurde das Gebäude um 106,6 Millionen Euro von der Uniqa-Versicherung an das österreichische Cateringunternehmen Do & Co verkauft."


    https://de.wikipedia.org/wiki/Haas-Haus#Geschichte



    Ein Stück weit kann man in diesem Bau wohl auch die Ursache für die ganzen Dach-Verhunzungen und unpassenden Neubauten in Wiener Ensembles sehen. Daher sollte dies eine Stelle sein, an der vordringlich eine Veränderung in den nächsten Jahren angestrebt wird.


    Es ist isoliert betrachtet sicher nicht der schlechteste Bau, doch ist er in höchstem Maße mE respektlos gegenüber dem Stephansdom und seiner Umgebung, indem er Materialität und Bauformen des Ensembles komplett ignoriert und über den Haufen wird, damit den genius loci massiv stört.


    Besonders schlimm ist diese Ansicht mE:



    https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Wien-Haashaus-3.jpg


    Wien hat definitiv Besseres verdient!

  • I bin froh, dass das alte schiache Haas-Haus, das ganz der "Ästhetik" der miesen BRD-Wiederaufbau"-Architektur" (was man in diesem Zusammenhange um der geeigneten Konnotation Willen prinzipiell französisch aussprechen sollte) Geschichte ist.
    Mit dem Holleinbau kann ich gut leben. Es trifft zu, dass die Ansicht von der Rotenturm-Straße nicht unproblematisch ist, aber das war sie vorher auch und diese Straße ist beileibe keine Schönheit.
    Ich halte es grundsätzlich nicht für glücklich, "gewagtere" und somit anspruchsvollere Beispiele radikal-modernen Bauens zu kritisieren (sofern sie natürlich keine intakten Ensembles zerstören, wovon hier wahrlich keine Rede sein kann, wie die von erbse fairerweise, wie man anerkennen muss, eingestellten Bilder deutlich belegen), und dies auch dann nicht, wenn sie möglicherweise nicht ganz gelungen sind. Der Feind des Städtebaus sind nicht solche Wagnisse, sondern Dummheit, Geldgier und auch mangelndes Formempfinden für ältere Stile.
    Kurzum:hier handelt es sich mitnichten um einen der ärgerlichsten Abrisse Wiens, sondern viel eher um das Gegenteil.

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.