• @ Schlossgespenst


    natürlich sieht Danzigs Altstadt besser aus als Frankfurt. Ich habe ja auch nicht das Gegenteil behauptet! Es ist aber nicht fair die schlimmste Grossstadt in D. mit einer der schönsten i P. zu vergleichen.


    Du solltest lieber Danzig mit Rostock oder Freiburg vergleichen - und da bin ich mir nicht mehr so sicher. Was ich ansprechen wollte war die Idealisierung des Wiederaufbaus von Danzig - Danzig ist bei weitem nicht perfekt. Dazu kommt dass im Schnitt die polnischen Städte hässlicher wiederaufgebaut sind als die deutschen. Anders als im D. sind es aber eher die Klein- und Mittelstädte, die schlimm aussehen (Neisse, Stolp. Elbing), während die Altstädte der Grossstädte besser sind (eine ausnahme bildet Stettin).


    In D. gibt es auch grosse Unterschiede. Vor allem die ehm. Fachwerkstädte haben Heute probleme (Frankfurt/Hannover/Kassel/Stuttgart) während die Nord- und Süddeutschen Städte besser aussehen (Bremen/Hamburg/Rostock/Nürnberg/Augsburg).


    Mein Fazit ist eigentlich, dass es sehr, sehr schwierig ist, eine totalzerstörte Stadt erfolgreich wiederaufzubauen. Das gilt aber für ganz Europa.


    Und ja, was die Polen über Schlesien und Pommern erzählen ist oft lächerlich!

    Unsere große Aufmerksamkeit für die Belange des Denkmalschutzes ist bekannt, aber weder ökonomisch noch kulturhistorisch lässt es sich vertreten, aus jedem alten Gebäude ein Museum zu machen. E. Honecker

  • Ich muß Däne hier mal rechtgeben. Es war/ist sehr sehr schwer, eine im Kern total zerstörte Stadt wieder genauso schön aufzubauen. Das mag in Rothenburg, Freudenstadt, Donauwörth (alles Kleinstädte) äußerst vorbildlich gegangen sein, aber bei wirklich großen Feuersturmstädten wie Köln oder Dresden war eine vollständige Wiederherstellung nicht schaffbar. Man hätte hier die richtigen Prioritäten setzen müssen, was leider oft nicht geschah.


    Gerade Danzig und Warschau als die Städte, die am meisten rekonstruiert haben, zeigen auch die Grenzen des machbaren auf. Auch Warschau hat eine kleine Altstadt, wie man gut auf Google Earth und Luftbildern erkennen kann. Es sind vielleicht gerade mal ein Dutzend Quartiere, rundherum Platten. Nicht viel großer als die Kölner Altstadt, freilich viel hochwertiger. Für was soll ich also nach Warschau oder Danzig fahren, wenn selbst hiesige Mittel- und Kleinstädte wie Limburg, Bamberg, Bautzen, Stralsund,... eine größere Altstadt haben. Dann lieber gleich nach Krakau, dem polnischen Aushängeschild.


    Wenn man sich gut aufgebaute deutsche Städte anschaut, wie Nürnberg, Würzburg, Augsburg, Freiburg oder Münster, dann muß man feststellen dass es hier zwar zahlenmäßig weniger Rekos gibt als in Warschau und Danzig, aber die Altstädte viel größer sind. Ist eine großflächig befriedigend aufgebaute Stadt wirklich schlechter als eine handvoll zwar perfekter Gassen, aber mit Platten umrahmt?
    Es war wohl so: Die Polen wollten rekonstruieren, aber im Kommunismus hatten sie kaum das nötige Geld, so dass sie oft weder im Umfang, noch in der Qualität ihre Ziele erreichen konnten und sich Rekos ewig lang hinzogen. Die Deutschen waren reicher und bauten oft größere Städte wieder befriedigend auf, aber wegen dummer ideologischer Dogmen ohne die wünschenswerte Zahl an Rekonstruktionen.

  • muss man überhaupt das eine schlechter als das andere finden?


    liegt es nicht vielmehr im interesse, das jeweilige manko dieser
    städte zu verbessern, sowohl in polen als auch in deutschland?


    bei deutschen städten, siehe dresden, vielleicht auch frankfurt,
    sehe ich derzeit echte chancen...aber wie sieht es denn in danzig
    aus oder in warschau. man spricht von den rekonstruktionen der
    nachkriegsjahre. ich kenne beide städte leider noch viel zu wenig,
    als dass ich mir über die gelesene literatur ein abschl.bild davon
    machen möchte. bei http://www.bildindex.de habe ich mir mal
    die einstige pracht, insbesondere der danziger festungsarchitektur
    angeschaut...beeindruckend! neben krantor gab es dort eine fülle
    von toren...sind die alle noch erhalten oder wieder aufgebaut worden?
    wie gesagt, mich würde das thema warschau und danzig noch viel
    mehr interessieren...gibt es stadtpläne...was wurde tatsächlich wieder aufgebaut...
    wie geht es heute nach ende des kommunismus in diesen
    städten weiter...gibt es evtl. auch weitere visionen der polen ihre städte
    zu rekonstruieren....und eins muß ich dann schon auch sagen. ich
    finde die entscheidung der polen bestimmte straßenzüge weitgehend
    wieder herzustellen durchaus richtig, statt nur einzelne solitärbauten
    zu rekonstruieren. selbst wenn nebenan die plattenbauten entstanden,
    in beiden lösungsfällen besteht ja jetzt und in zukunft die chance diese
    rekonstruktiv zu ergänzen.


  • Zu Warschau und Danzig kann ich nichts sagen, aber wenn Dich Breslau interessiert kann ich nur http://wroclaw.hydral.com.pl/\r
    wroclaw.hydral.com.pl/ wärmstens empfehlen, dort gibt es eine Unmenge (visueller) Informationen (verstehen tut man ja nix).
    In Breslau selbst gibt es Überlegungen den Neumarkt (Nowy Targ) wieder zu rekonstruieren, der jetzt einer der schrecklichsten Orte ist, da völlig durch realsozialistische Bauten häßlichster Art verunziert. Aber nix genaues weiß man nicht.

  • Älteste Kirche der Danziger Altstadt steht in Flammen


    Bei einem Brand ist Danzigs älteste Kirche, die gotische Katharinenkirche,
    schwer beschädigt worden.


    Warschau/Danzig (dpa) - Bei einem Brand ist Danzigs älteste Kirche am
    Montag schwer beschädigt worden. Die gotische Katharinenkirche, die im
    12. Jahrhundert errichtet wurde, brannte am frühen Abend noch immer.
    Nach zweistündigen Löscharbeiten sagte die Einsatzleitung am späten
    Nachmittag jedoch, die Lage sei insgesamt unter Kontrolle.



    Bei einem Brand ist Danzigs älteste Kirche, die gotische Katharinenkirche,
    schwer beschädigt worden.


    Das Feuer zerstörte das Dach; Teile davon stürzten in ein
    Zwischengeschoss, berichtete der Nachrichtensender TVN 24.



    Am Abend galt zeitweise auch der Turm mit dem aus 49 Glocken
    bestehenden Glockenspiel als einsturzgefährdet. Doch dann besserte
    sich die Lage. "Wir tun alles, damit es nicht dazu kommt", sagte Andrzej
    Roszkowski, der Leiter der Feuerwehr. Der Turm war erst vor wenigen
    Jahren mit Spendengeldern aus aller Welt restauriert worden. Das Innere
    des Gotteshauses in der Altstadt von Danzig (Gdansk) sei nicht bedroht,
    hieß es.


    Die Feuerwehr war mit 20 Löschzügen am Ort. Bei den Löscharbeiten
    erlitten zwei Feuerwehrmänner Rauchvergiftungen. Über Tote oder
    Verletzte gab es keine Informationen. Auch am Abend züngelten noch
    Flammen aus dem Turm, Rauch lag über der Hauptkirche der Danziger
    Altstadt. Mit meterhohen Wasserfontänen versuchte die Feuerwehr weiter,
    ein Übergreifen von Flammen auf andere Teile der Kirche zu verhindern.



    "Das ist die größte Tragödie der Danziger Denkmäler seit 1945", sagte
    der Kunsthistoriker Andrzej Januszajtis im polnischen Rundfunk. Neben
    der berühmten Marienkirche sei die Katharinenkirche der wertvollste
    Sakralbau in der Danziger Altstadt.


    Feuerwehrmänner hatten die Kunstschätze aus der gotischen Kirche
    bei ihrer Hilfsaktion in Sicherheit gebracht, vor allem Gemälde und
    Skulpturen.


    Augenzeugen zufolge waren unmittelbar vor dem Ausbruch des Feuers
    Dacharbeiten im Gange gewesen. Ob die Arbeiter sich zeitweise in der
    brennenden Kirche befanden, war zunächst nicht bekannt. Die Umgebung
    der Kirche wurde abgesperrt, eine Evakuierung der Altstadt wurde
    zunächst aber nicht angeordnet.


    Die Katharinenkirche stammt ursprünglich aus dem 12. Jahrhundert.
    In der Kirche ist unter anderem der Astronom Johann Hevelius
    (1611 - 1687) begraben. Fürst Subislaus errichtete 1185 eine Holzkirche,
    die Anfang des 13. Jahrhunderts in Stein erneut gebaut wurde.
    Die historischen Glocken der Katharinenkirche wurden 1940 zu
    Rüstungszwecken eingeschmolzen. Der 1945 völlig zerstörte Kirchen-
    bau wurde originalgetreu rekonstruiert. Heute ist die Kirche Sitz des
    Uhrenmuseums.


    © dpa

  • Hab´gerade mal gegoogelt und gelesen, dass der Turm bereits 1905 nach einem Blitzeinschlag abgebrannt war. Die Turmhaube wurde anschließend originalgetreu rekonstruiert.

    Wer zwischen Steinen baut, sollte nicht (mit) Glashäuser(n) (ent)werfen...

  • Interessante Entwicklung in Danzig. So langsam scheint man sich von den reinen Rekos verabzuschieden, auf jedem Fall auf der Speicherinsel gegenüber der Rechtstadt. Die jüngsten Entwürfe sehen etwas "moderner" aus:


    http://trojmiasto.gazeta.pl/tr…esize&height=20&width=120


    Beispiele:
    http://bi.gazeta.pl/im/7/7824/…t-z-JEMS-Architekci--.jpg


    http://bi.gazeta.pl/im/8/7824/…t-z-JEMS-Architekci--.jpg


    http://bi.gazeta.pl/im/6/7824/…wnia-Architektoniczna.jpg


    Quelle: http://bi.gazeta.pl



    Moderationshinweis (Philon): Direkt eingebundene Visualisierungen wegen Urheberrechtsbedenken in links verwandelt.

    Unsere große Aufmerksamkeit für die Belange des Denkmalschutzes ist bekannt, aber weder ökonomisch noch kulturhistorisch lässt es sich vertreten, aus jedem alten Gebäude ein Museum zu machen. E. Honecker

  • Schaut aber gar nicht schlecht aus!

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • Sowas bekommt deine Zustimmung, ursus?


    http://bi.gazeta.pl/im/7/7824/…t-z-JEMS-Architekci--.jpg


    Nicht daß ich diesen Entwurf jetzt schlimm fände, aber inwieweit ist das denn architektonisch besser als z.B. Nachkriegsbauten in Nürnberg mit schlichten Fassaden und Satteldach, die du so unsäglich findest? Mehr geben diese Neubauten doch auch nicht her.


    Hier harmoniert Alt und Neu deutlich besser: http://upload.wikimedia.org/wi…%C3%BCrnberg_DSCF2831.jpg

  • Was an den Entwürfen "nicht schlecht" aussehen soll, erschließt sich mir auch nicht. Es sind (mindestens in großen Teilen) zusammenhangslos nebeneinander gewürfelte Gebäude ohne gemeinsamen Gedanken, eher ein müder Abklatsch hiesiger Hafencity-"Ensembles". Natürlich ist da schon Nürnberg durch die Farb- und Formharmonie überlegen.

  • Dafür kann ich mich auch nicht begeistern. Soll das direkt gegenüber dem Krantor gebaut werden? Da haben diese Entwürfe nichts verloren.

  • Es scheint leider jetzt in Danzig so zu sein, dass nur ganz wenige Rekos zugelassen (von der Stadtverwaltung) werden. Stattdessen sollten jetzt nur angepasste Neubauten entstehen.


    Quote

    I belive if someone now wants to rebuild historical building, then he could face many issues from conservatives society(I mean guys caring about historical ancestry) , well now they are hmm... maybe not blocking(because I didn't hear about such example) but strongly favorizing filling free space of old town with modern architecture - only inspiring with old trends. They just think that Gdansk have enough of fake old buildings(we have in polish word such as 'makieta' - which have a pejorative meaning in case describing the building, they like using this word...), and we should start move on and start going further. Not sure if this is good way, especially when we see now examples of ungoing reconstructions on west - like in Dresden, when they also building in modern way but also reconstructing some buildings in nice proportions per quarter. I wish the Gdansk follow that way, because If we look at afterwar reconstruction of Gdansk, we will see that they made a lot of errors in rebuild process - today we could avoid them, and rebuilded buildings could be more valuable. But first there must be will of continuation of that process. And as far I live in Gdansk I don't see it. Sadly.


    Hier weiterlesen:


    http://www.skyscrapercity.com/showthread.php?t=1486666

    Unsere große Aufmerksamkeit für die Belange des Denkmalschutzes ist bekannt, aber weder ökonomisch noch kulturhistorisch lässt es sich vertreten, aus jedem alten Gebäude ein Museum zu machen. E. Honecker

  • Ich dachte immer, Danzig sei die Haupststadt Westpreußens und liege gar nicht in Pommern. Dessen Hauptstadt ist meines Wissens Stettin. Oder hat sich das in Polen geändert.

  • Ich denke Danzig war immmer eine freie Stadt, und die Hauptstadt Westpreussens war Thorn ??? Aber Stettin ist tatsächlich die Hauptstadt von Pommern

  • Ich meine, Danzig war zwischen den 2 Weltkriegen eine "Freie Stadt", die nicht zum Deutschen Reich, aber auch nicht zu Polen gehörte, für jenes aber einen Freihafen darstellte. Sonst gehörte sie doch zu Westpreußen.

  • Statt Fragen zu stellen oder zu spekulieren, kann man ja auch Antworten suchen:


    1. Danzig war in seiner Geschichte öfter mal eine wie auch immer geartete 'freie' Stadt, aber nicht immer.
    2. Danzig war während der Zeit des Bestehens der entsprechenden Provinz Westpreußen deren Hauptstadt.
    3. Danzig ist nunmehr die Hauptstadt der polnischen Woiwodschaft Pommern.
    4. Thorn (Toruń) war mal eine andere, eigene Woiwodschaft.


    Lesetipps:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Provinz_Westpreu%C3%9Fen
    http://de.wikipedia.org/wiki/Danzig


    Von Ost nach West durch PL und D heißt es nunmehr (ein wenig merkwürdigerweise: Pommern, Westpommern, Vorpommern; südlich angrenzend liegt noch Kujawien-Pommern.
    Das alte Pommern hat sich in Polen vergrößert.

    Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
    (Immanuel Kant)

  • Und in D wurde Pommern deutlich verkleinert... Besonders Stettin fehlt MeckPomm, um als Bundesland Gewicht zu haben. Sehr ungünstige Nachkriegsentwicklung für dieses Land.


    Nun denn, hier eine bedenkenlos einstellbare Ansicht von Danzigs Altstadt vor den Kriegswirren:



    Danzig vor 1945 Blick auf die Rechtstadt - Gdańsk przed 1945 rokiem - widok na miasto prawobrzeżne von Ireck Litzbarski Collection auf Flickr

  • Du meinst, unter Bruch bestehender alliierter Vereinbarungen. Das stimmt, denn Stettin hatte nach dem Krieg sogar anfangs eine deutsche Verwaltung von den Russen erhalten, mit KPD-Bürgermeister. Rechtswidrig hinsichtlich des Völkerrechts war aber die gesamte Einverleibung der deutschen Ostgebiete, incl. Vertreibung der Bevölkerung. Aber das führt nun doch vom Thema der Rekonstruktion Danzigs ab. :zwinkern: